Test: Ableton LIVE 8

Optionale Plug-ins und Sounds

Der beliebte FM-Synthesizer Operator wurde gründlich überarbeitet. So lassen sich nun mittels additiver Waveetablesynthese neben Preset Wellenformen auch eigene per Maus einzeichnen und sogar exportieren. Rechts vom Display kann eingestellt werden, ob die ersten 16, 32 oder 64 Teiltöne editiert werden sollen. Durch die Repeat Funktion kann die Wellenform auch auf höher liegende Teiltöne angewendet werden, andernfalls werden diese abgeschnitten. Dank der „Normalize“ Funktion bleibt der Ausgangspegel von Operator auf Wunsch konstant, auch wenn Teiltöne hinzugefügt oder weggenommen werden.
Insgesamt 14 Filtertypen stehen nun zur Auswahl, einschließlich mehrerer Tiefpass-, Bandpass-, Hochpass- und Notch-Arten in 12dB, bzw. 24dB Flankensteilheit.

Collision
Wieder mal hat die Zusammenarbeit mit Applied Acoustics Systems zu einem Instrument geführt, das auf Basis von Physical Modelling – dieses mal Mallet Instrumente erzeugt. Also hauptsächlich hölzern und metallisch klingende Schwingungen, die durch Anschlagen eines Klöppels passieren.
Durch ein Oszillatorpaar, Excitator genannt, wird ein Klang ausgelöst, dessen Klangcharakter anschließend durch die beiden Stereo-Resonatoren geformt wird. Die folgenden Klangkörper stehen zur Auswahl: Beam (Klangstäbe), Marimba, String, Membrane (Fell), Plate, Pipe und Tube. Hier lassen sich nun mit Hilfe zahlreicher Parameter natürliche und unnatürliche Klöppelsounds erzeugen. Marimba oder Vibraphon sind da natürlich schnell ausgereizt, und es bietet sich an, völlig verrückte neue Sounds zu kreieren. Daran liegt meiner Meinung nach die Stärke von Physical Modelling.

Collision

Collision

Corpus
Ein mächtiger neuer Effekt, der ebenfalls in Zusammenarbeit mit Applied Acoustics Systems entwickelt wurde, ist Corpus. Seine Stärke liegt in der Simulation resonanter Klangkörper und verwendet dieselben Resonatoren wie Collision. Auch hier bestimmen zahlreiche einzelne Faktoren den Sound. So bestimmt zum Beispiel der Parameter Material, ob ein Klangkörper nach Holz oder Gummi klingt – oder eher nach Glas oder Metall. Je nachdem, wie die Größe von Pipe oder Tube eingestellt ist, klingt das Signal unterschiedlich lange nach.

Latin Percussion
Samba, Rumba, Cha-Cha-Cha, alles ist in diesem Paket enthalten, was das Herz einer lateinamerikanischen Rhythmuskapelle höher schlagen lässt. Aus über 400MB Installationsdatei werden über 1GB Samples und Clips extrahiert. Im LIVE Browser unter dem Drum Racks Ordner stehen nun komplette Rhythmussektionen zur Auswahl. Im Clips Ordner der LIVE Library befinden sich zusätzlich Live-Sets, die aus MIDI Clips und dem passenden Percussion Kit bestehen. Die Auswahl an Percussion Sounds ist riesig, die Sounds lassen sich wunderbar dynamisch spielen. Dank der sorgfältig programmierten Clips stehen auf Knopfdruck einsetzbare Loops zur Verfügung.

Systemvoraussetzungen
LIVE 8 läuft auf Mac OSX 10.4.11 ab G4 mit mindestens 1,25GHz und PC mit XP/Vista ab 1,5GHz Pentium4 oder Celeron CPU.

Für die Installation der Essential Instrument Collection 2 sollten 15GB freier Speicherplatz vorhanden sein.

Ausblick
AKAI hat in Zusammenarbeit mit Ableton den APC40 Controller entwickelt. Dieser ist direkt auf die Benutzung mit LIVE zugeschnitten und bietet eine 8×5 Clip Matrix mit Multicolor-LEDs, 16 Reglern, 9 Fadern plus Crossfader. Der Erscheinungstermin liegt voraussichtlich im Mai 2009. APC40 kostet ca. 450 Euro

AKAI APC40

AKAI APC40

MAX for LIVE stammt aus der MAX/MSP Software von Cycling´74 und bietet die Möglichkeit, eigene neue Klangerzeuger und Effekte für LIVE zu programmieren. Dabei soll objektorientiertes Programmieren einen leichten Einstieg bieten. MAX for LIVE soll noch in diesem Jahr erscheinen. Einen genauen Termin und Preis gibt es noch nicht.

MAX for LIVE

MAX for LIVE

Fazit

LIVE besitzt ein intuitives Arbeitskonzept, das sich in den Jahren bewährt hat und von den gängigen timelinebasierten Sequenzern abweicht. Trotz zahlreicher neuer Features bleibt LIVE eine All-in-one-Window Software, in der sich alle Funktionen ohne mühsames Rumklicken finden lassen. Nützliche neue Werkzeuge, wie Limiter, Vocoder oder Multibandkompressor lassen LIVE wieder ein Stück wachsen und macht die Software autark.

Auch die Einbindung der Plug-ins Overdrive oder auch Frequency Shifter geben LIVE ein bisschen mehr „analogue Style“. Es würde mich nicht wundern, in der nächsten Version einen kompletten Amp Simulator vorzufinden.

So richtig was zu kritisieren finde ich nicht, die neue Zoomfunktion hätte ich mir im Arrange-/Sessionview gewünscht. Auch könnte LIVE in Zukunft ein verbessertes Reverb gut stehen, zum Beispiel ein Faltungshall. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Im Laufe der Jahre habe ich mich an das Handling und die Optik gewöhnt. Quereinsteiger von anderen DAWs haben es nicht immer leicht, das LIVE Konzept zu verstehen. Dafür gibt es aber gut gemachte Tutorials von Ableton und Drittanbietern, die den Einstieg erleichtern. Insgesamt ist und bleibt LIVE ein tolles Produktionswerkzeug mit tausenden von zufriedenen Nutzern und ist schon längst kein Nischenprodukt für DJs oder Elektronikmusiker mehr.

Plus

  • neue Dynamikbearbeitung dank Multiband Kompressor und Limiter
  • neuer Warpmodus
  • zahlreiche weitere Neuerungen / Verbesserungen

Minus

  • Zoom Funktion nur über Voreinstellung erreichbar

Preis

  • Wie schon bei der Vorgängerversion kommt LIVE in der Standard und in der Suite Version, jeweils als Download oder Boxed. Die Suite Version beinhaltet sämtliche optionalen Instrumente der Ableton Kollektion, sowie die Soundsets Essential Instrument Collection 2 und Session Drums.
  • LIVE 8 kostet 349 Euro als Download und 449 Euro in der Box inklusive der Essential Instrument Collection 2.
  • LIVE 8 Suite kostet 549 Euro als Download und 699 Euro in der Box inklusive der Essential Instrument Collection 2 und Session Drums.
  • Weitere Preisinformationen finden Sie hier http://www.ableton.com/pricing
  • Das Standard Upgrade von Version 7 zu 8 kostet 149/179 Euro (Download/Boxed)
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