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Test: AKAI MPC500 mobile Sample-Groovebox

26. April 2007

Die MIni-MPC für unterwegs

Seit kurzem hat Akai seine MPC Serie, die in der legendären AKAI MPC60 ihren Ursprung fand,  um ein neues Modell erweitert – das Akai MPC500. Die beliebte Kombination aus Sampler, Sequenzer und Drumpads wurde dieses Mal in dem kleinsten MPC aller Zeiten vereint. Gerade mal zwei Handflächen groß, ermöglicht das kleine Groovemonster dank Batteriebetrieb zu jeder Zeit an jedem Ort ein echtes MPC Feeling!

Die MPC500 auf den ersten Blick

Wer sich schon viel mit den verschiedenen MPC Modellen beschäftigt hat, wird beim Anblick des neuen MPC500 zwangsläufig schmunzeln müssen, da es einfach unglaublich klein ist! Mit der Größe von 26,6 x 17,5 x 4,4 cm und dem Fliegengewicht von 1,34 kg kann kein Laptop mithalten. Selbst das vor drei Jahren noch so klein wirkende MPC 1000 scheint dagegen plötzlich groß und luxuriös.

Ebenso klein und überraschend leicht fällt das externe Netzteil aus, das allerdings auch durch sechs AA Batterien ersetzt werden kann. Die Bedienungsoberfläche muss bei so wenig Platz natürlich optimal genutzt werden, was Akai wirklich gut gelungen ist – jeder freie Quadratzentimeter ist sinnvoll mit einem Taster versehen. Den Großteil der Oberfläche nehmen natürlich die 12 anschlags- und druckdynamischen Pads in Anspruch, die von der Größe in etwa den Pads des MPC 1000 entsprechen, sich allerdings beim Bedienen völlig anders verhalten.

2 x 16 Zeichen LCD mit Hintergrundbeleuchtung

Über ihnen liegt das LCD Display, dessen blaue Hintergrundbeleuchtung zum Stromsparen ausgeschaltet werden kann. Die 2 x 16 Zeichen des Displays lassen bereits vermuten, dass die Menüführung dieses Gerätes recht spartanisch ausfällt. Das Frontpanel ist mit den typischen MPC Bedienelementen versehen, wie zum Beispiel die Tasten zur Sequenzer Steuerung (Start, Stop, Record, Skip, Undo, Trackmute, Taptempo…), das Data-Rad und die Cursortasten zur Menüführung. Output und Recordgain werden über zwei separate Poties geregelt und ein Q-Link Slider ermöglicht Filter-, Volume- oder Tuningmodulationen. Auf das Nötigste reduziert wurden auch die Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite des MPC 500. Es gibt jeweils zwei 6,3 mm Klinkenanschlüsse für In- und Output, wobei der Input mit einem Mic/Line Schalter versehen ist, einen Kopfhörerausgang, Midi In/Out und einen USB Anschluss zum Datenaustausch mit dem Rechner.

Verarbeitung und Technik der MPC500

Das Akai MPC 500 wirkt von außen rundum robust und solide verarbeitet. Einziges Manko ist der etwas wackelige Anschluss für das Netzteil, der gerade in Hinblick auf Live-Anwendungen nicht sehr vertrauenserweckend wirkt. Ein einfacher Clip zur Zugentlastung wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen. Die technische Umsetzung des MPC 500 ist fast identisch mit den aktuellen großen MPC Geschwistern: Ein 32 stimmiger Sampler, der Audiophrasen im WAV. Format in 16 Bit und 44,1 kHz wiedergeben und aufzeichnen kann, wird von einem Sequenzer gesteuert, der via 12 Drumpads oder Midi editiert wird. Der vorhandene 16 MB Arbeitsspeicher kann optional auf maximal 128 MB erweitert werden, was mehr als empfehlenswert ist, gerade in Hinblick auf Stereo-Becken-Samples, die schon mal locker 2 – 4 MB groß sind.

Das Laden und Speichern von Samples erfolgt über einen Compact Flash Slot, der Karten bis zu einer Größe von 2 GB unterstützt. Im Gegensatz zum MPC 1000, bei dem bei eingesteckter Karte stets der Auswurfpin gefährlich vom Gehäuse absteht, wurde hier der Compact Flash Slot tiefer eingelassen, so dass der Gehäusevorsprung ein leichtes Abbrechen des äußerst wichtigen Pins verhindert. Im Inneren des MPC 500 steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit der gleiche Prozessor, der auch für das 1000er und 2500er Modell verwendet wird. Zum einen kann der vorhandene 16 MB Arbeitsspeicher mit dem gleichen Baustein auf 128 MB erweitert werden, der auch für die Geschwister verwendet wird. Zum anderen sind die Betriebssysteme äußerst ähnlich und die Daten der drei Geräte sollen kompatibel zueinander sein. Auch die Sequenzereigenschaften sind fast identisch mit den zwei großen Verwandten: Max. 100000 Noten können bei einer Auflösung von 96 Parts pro Einvierteltakt verarbeitet werden. Es gibt 99 Sequenzen a 48 Tracks und max. 20 Songs können zeitgleich geladen werden.

Abmessung: 26,6 x 17,5 cm und sehr flach

Die MPC-Pads

Ein wichtiger Bestandteil eines jeden MPCs sind die grauen Gummipads. Ihnen können, unterteilt in vier Bänke, Samples zugewiesen werden. Anschließend editiert man durch das Anschlagen der Pads die Samples im Sequenzer.

Allerdings fallen bei den verschiedenen MPC Modellen die Pads recht unterschiedlich aus, was gerade für langjährige User, die sich ein neues Modell zulegen, ein Problem darstellt. Am beliebtesten waren stets die Pads der alten 2000er Serie, denen die des MPC 2500 heute am ähnlichsten sind. Bei dem MPC 1000 hingegen fallen sie deutlich härter aus und geben beim Anschlagen nicht nach, zudem sind auch nicht die Langlebigsten. Wiederum ganz anders verhalten sich die Pads des MPC 500. Sie federn zwar sehr angenehm nach, wie bei dem 2500er Modell, jedoch mehr Kraft aufgewendet werden, um eine hohe Anschlagsdynamik zu erreichen.

Wer damit ein Problem hat, kann dieses mit Hilfe der Full-Level Taste umgehen (alle Samples werden dann immer in voller Lautstärke abgespielt), allerdings ist diese Taste bekanntermaßen ein Dynamik- und Flow-Killer. Besser ist dann schon die 12-Level Funktion, mit der kurzer Hand ein Sample in unterschiedlichen Anschlagsstärken über die 12 Pads verteilt wird.

Hat man sich an den leicht groben Umgang mit den Pads gewöhnt, ist das Problem eigentlich auch schon gelöst.

Die Menüführung

Trotz des kleinen Displays ist es Akai äußerst gut gelungen, mit einfachen Mitteln eine klare Menüstruktur vorzugeben. Wer mit größeren MPC Modellen bereits gearbeitet hat, wird erst einmal schlucken müssen, da man zur Bedienung schon so einiges an Scrolling und Skipping hinlegen muss. Doch fällt schnell auf, dass jeder Menüzweig gleich geartet und strukturiert ist. Nach einer Eingewöhnungsphase lässt sich das MPC 500 schnell und intuitiv bedienen, wobei man allerdings seine Ohren viel benutzen muss, da auf graphische Darstellungen von Editierungen nur bedingt zugegriffen werden kann.
Insgesamt ist die Bedienung im Vergleich zu den aktuellen MPC Modellen mächtig „old school“, was allerdings auch ihren Charme ausmacht.

Die Akai MPC500 in der Praxis

Schließt man das Akai MPC500 zum ersten Mal an ein Mischpult an, enttäuscht die etwas niedrige Ausgangsleistung. Das MPC500 ist eben in erster Linie eine mobile Groovestation.

Möchte man es dennoch im Studio nutzen, sollte das Mischpult am Eingang über die nötigen Reserven verfügen um das Signal korrekt auspegeln zu können. Bei Verwendung eines reinen Line-Mixers ist der Einsatz eines Vorverstärkers empfehlenswert.

Die Menüführung ist, wie bereits erwähnt, sehr minimal ausgelegt, aber trotzdem gut gelungen.

In der aktuellen Software-Version treten noch vereinzelt Fehler auf.

Beispielsweise werden Zahlenwerte bei dem Wechseln von Menüpunkten häufig nicht korrekt angezeigt, längere Samples nicht immer bis zum Ende abgespielt und manche Q-Link Automationen nicht ordnungsgemäß wiedergegeben.

Ein Up-Date ist bereits angekündigt. Das japanische JJ-Team hat leider noch keine Ankündigungen über ein Custom Betriebssystem heraus gegeben. Selber Samples mit dem MPC 500 zu erstellen, ist recht einfach und klappt gut.

Zur Nachbearbeitung stehen Funktionen wie Normalize, Reverse oder Trimestretch zur Verfügung. Natürlich werden für die Eingänge keine Highend Wandler verwendet, aber um unterwegs mal schnell mit einem Mikrofon ein Sample aufzunehmen, reicht es völlig aus. Dabei kommt auch der reizvolle Gedanke auf, mit dem MPC 500, einem Berg Batterien und einem halbwegs guten Mikrofon auf Reise zu gehen, alles zu sampeln, was die Ohren begeistert und anschließend gemütlich am Strand ein paar Beats zu programmieren. Nicht zu verkennen ist die Tatsache, dass das MPC 500 auch als äußerst flexibler Midisequenzer beste Dienste erweist. Somit kann es auch ohne Probleme als Herzstück für ein Hardware Liveset genutzt werden. Die Synchronisation erfolgt über Midi Clock, als Option wäre Midi Time Code mehr als wünschenswert.

Die zu dem MPC 1000 und 2500 sieht wie folgt aus. Ein Austausch der Songs, Programmes und Sequenzen ist generell möglich, allerdings nur mit einigen Einschränkungen. Die beiden großen Geschwister verfügen über Klang bestimmende Softwarekomponenten, die das MPC Nesthäkchen nicht besitzt. Während die Älteren pro Sample mehrere Filtertypen anbieten, kann das MPC 500 nur ein Tiefpassfilter pro Stimme vorweisen.

Zudem können sämtliche Lautstärkeverhältnisse nur in den Programmes eingestellt werden, während das MPC 1000 und 2500 über eine zusätzliche Mischpultsektion verfügt. Es versteht sich von selbst, dass das MPC 500 derartiges nicht wiedergeben kann.

Ein Klangunterschied ist daher unvermeidbar. Den berühmten MPC Groove besitzt allerdings auch die MPC500!!!

Die Effekte der Akai MPC500

Auch die internen Effekte sind mit denen des Akai MPC1000 und MPC2500 identisch. Es gibt eine Mastersektion, bestehend aus 4-Band EQ und Kompressor, und zwei separate Effektwege. Über letztere können Samples mit Delay, Hall, Phaser, Flanger, Chorus, Bit Grunger, Tremolo oder Autopan belegt werden, wobei bis zu zwei Effekte kombinierbar sind.
Der Klang ist leider wie schon bei den großen Geschwistern recht dürftig – und dürfen wirklich nur als Working-Effekt angesehen werden, vor allem Hall, Delay, Chorus, Phaser und Flanger.

Der Bit Grunger macht schon eher Spaß, allerdings ist er bei hoher Verzerrung überproportional laut. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Lautstärke herunter zu regeln ohne den Grad der Verzerrung zu verringern – da hilft dann nur noch Re-Sampling. Deutlich störender ist allerdings die Tatsache, dass der Prozessor manchen Effektkombinationen nicht gewachsen ist.

Wie schon bei dem MPC 1000 und 2500 entstehen massive Timing Probleme, die besonders bei im Loop laufenden Sequenzen auffallen. Am extremsten sind diese Probleme bei dem Einsatz von zwei Halleffekten. Angesichts der mäßigen Qualität der Effekte stellt ein Verzicht allerdings auch keinen großen Verlust dar.

Factory Sample-Kits

Die im Lieferumfang enthaltene Compact Flash Speicherkarte hat eine Größe von 128 MB und wurde mit rund 40 Factory Sample-Kits gefüttert.
Hier stehen diverse Live-Drum-, Percussion-, Bass-, Keyboard- und Drummachine-Kits zur Verfügung, die gerade Anfängern einen leichten Start mit dem MPC ermöglichen. Stilistisch reicht die Bandbreite von Hip Hop über Techno bis hin zu Rock, Funk und Fusion – somit ist also für jeden Geschmack etwas dabei.

Sounds sind bekanntlich eine Geschmacksfrage. Mir persönlich klingen einige der Kits zu steril.

Überzeugender hören sich die 11 klassischen Drummachine-Kits an, für die Modelle von Herstellern wie Roland, Oberheim oder Simmons gesamplet wurden. Auch ein Großteil der Bass-Kits ist durchaus brauchbar und selbst in manchen weniger berauschenden Kits findet man dennoch das ein oder andere nützliche Sample. Letztendlich ist der Sampler eines der klanglich flexibelsten Instrumente überhaupt, da man nun mal alles an Audiomaterialien verwenden kann, was das Herz begehrt. Die eigentliche Kunst besteht darin – und hier fängt der Spaß erst richtig an (!!!) – eigene Samples zu erstellen, sei es nun von Vinyl und CD oder sogar ganz klassisch mit dem Mikrofon!
Dabei können Teile der Factory Sample-Kits auf jeden Fall als gute Ergänzung dienen.

Die Alternative: AKAI MPC1000

Die MPC-Konkurrenz

In Hinblick auf den Preis und die Funktionen des Akai MPC500 fällt es schwer, vergleichbare Produkte anderer Hersteller zu finden. Dem Konzept der MPC nachempfunden, bietet Roland die SP-606 Sampling Workstation an. Sie ist etwas teurer als das MPC500 und besitzt als größtes Manko nur einen 4-Track Sequenzer, was im Gegensatz zu 48 Tracks nicht viel ist. Dafür gibt es eine größere Auswahl an Effekten, die auch deutlich besser klingen.

Welches der beiden Geräte empfehlenswerter ist, hängt ab von den Anforderungen des Users. Wer minimales Drumediting betreiben möchte, dabei aber auf interne Effekte eines Gerätes angewiesen ist, sollte sich eher mal die SP-606 anschauen. Die User, die ihre Samples sowieso am Rechner und mit externer Hardware bearbeiten, sollten sich unbedingt für das MPC entscheiden.

Der große Vorteil ist, dass man sich nicht nur eine Sampling-Groovebox, sondern auch einen großen und vielseitigen Midisequenzer zur Steuerung externer Klangerzeuger zulegt. Die größte Konkurrenz kommt allerdings aus dem Hause Akai selbst. Gestaffelt in unterschiedliche Preiskategorien bietet Akai derzeit drei Modelle an. Das MPC500 ist ganz klar als Livetool und „Unterwegs-Sampler“ gedacht, für ernsthafte Recording- und Studioanwendungen ist es jedoch nur bedingt geeignet.

Für derartige Ansprüche ist ganz klar das Akai MPC2500 mit seiner Vielzahl an hochwertigen Ein- und Ausgängen ausgelegt. Die gelungene Alternative zwischen diesen beiden Kadidaten ist schließlich das MPC1000: Mobil wie ein Laptop, trotzdem für Studioanwendungen brauchbar und seit dem inoffiziellen Betriebssystem des japanischen JJ-Teams (siehe Verweise), von der Software identisch mit dem Akai MPC2500

Fazit

Das Akai MPC500 wird dem berühmten Familienruf absolut gerecht – der Groove ist einzigartig und die Bedienung äußerst musikalisch. Für den Groove Unterwegs – perfekt. Wer ein zuverlässiges Livetool mit Midisequenzer sucht und zu jeder Zeit an jedem Ort Sampeln und Beats bauen will, sollte sich Akais kleinstes MPC auf jeden Fall genauer ansehen. Für die Studioanwendung sollte man sich evtl. den Sprung zu einer größeren MPC überlegen.

Plus

  • Kleinstes MPC aller Zeiten
  • Sehr rudimentäre, aber äußerst musikalische Bedienung
  • Großartiger Midi Hardwaresequenzer
  • Knackiger Sound
  • Groove Garantie

Minus

  • Niedriger Output
  • Qualität der Effekte
  • Kleinere Software-Bugs (Version 1.11)

Preis

  • Straßenpreis: 598 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich möchte wissen ob diese MPC auch einen MIDI-Multi-Mode hat, und somiot auch als Expander für einen externen Sequencer zu gebrauchen wäre. MIDI Kanal 1 das Piano, auf Kanal 2 dann die Streicher und die Drums auf 10 usw. Konnte in der Bedienungsanleitung leider nichts dementsprechendes finden.

  2. Profilbild
    kritik  

    die soundbeispiele lassen einen typischen mpc groove nicht erkennen.
    es klingt groovelos nach rytmuss maschine.
    nix was mann im club anbieten könnte

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