Test: AKG Perception Live Mikrofone P2, P3S, P4, P5

20. August 2010

Preiswerte Bühnenmikrofone von AKG

Beinahe-Zwillinge

Aus Wien kommt nicht nur die Sachertorte und der berühmte „Schmäh“, es existiert dort eine der berühmtesten Audiofabriken der Welt, die Akustische und Kino-Geräte Gesellschaft, kurz AKG. Die dort gefertigten Mikrofone haben den allerbesten Ruf, kosten aber auch einen gewissen Preis, der allerdings meist gerechtfertigt ist. Als langjähriger AKG-Anwender (C-414, C 3000, C 1000, C 525, D 112, D 58) darf ich mir dieses Urteil schon erlauben, denke ich.

Für den unteren Preisbereich gibt es seit einiger Zeit die „Perception“-Serie, die zuerst für Homerecording-Zwecke auf den Markt kam. Nun hat AKG kürzlich eine Live-Serie vorgestellt, welche aus zwei Vocal- sowie zwei Instrumentalmikros besteht und vor allem die qualitätsbewussten Bühnen-Einsteiger ansprechen soll. Diese Mikrofone werden allerdings nicht im Stammwerk Wien gebaut, sondern unter AKG-Aufsicht in einem chinesischen Werk. Das erklärt auch die geradezu günstigen Preise für ein Mikrofon mit AKG-Wappen. Für einen ersten Test hatte ich die beiden Gesangsmikrofone Live P3S sowie Live P5 für einige Tage in meinem Studio.

Gemeinsamkeiten

Bei den beiden Modellen handelt es sich um dynamische Mikrofonkapseln mit Nierencharakteristik (P3S) bzw. Superniere (P5). Somit lassen sie sich an jedem Vorverstärker betreiben und benötigen keine zusätzliche Phantomspeisung. Die Mikrofone kommen im stabilen Pappkarton daher und werden ab Werk mit einer Schutztasche und einer passenden Mikrofonhalterung ausgeliefert.

Äußerlich sehen sich die beiden Mikrofone außer dem Hauptschalter beim P3S wie aus dem Gesicht geschnitten, die Mikrofongehäuse machen bei beiden Kandidaten einen hochwertigen und robusten Eindruck. Eine gemeinsame Kurzanleitung mit den wichtigsten Daten liegt den Modellen bei.

Perception Live P3S

„Kenn ich Dich nicht?“, dachte ich mir zuerst. Dieses Mikrofon sieht nämlich beim ersten Anblick durch seine Bauform dem AKG-Klassiker D-770 durchaus ähnlich. Es liegt wie dieses gut in der Hand und ist im positiven Sinne schön schwer, man fühlt sich wohl, wenn man damit hantiert. Über den eingebauten Schalter kann man es von der Bühne aus an- und abschalten, getestet habe ich es mit meiner eigenen Stimme, zu der es sehr gut gepasst hat. Die tiefen Lagen kamen ohne Wummern, und es klingt schön rund, die S-Laute werden nicht überbetont. Die Rückkopplungstendenz ist für so ein preiswertes Modell eher gering, was auch für dieses Mikrofon spricht. Der Ausgangspegel ist relativ hoch, so kommen auch schwachbrüstigere PreAmps gut damit klar.

Perception Live P5

Bis auf den fehlenden Schalter ein optischer Zwilling des Live P3S, allerdings ist die Richtcharakteristik hier eine Superniere. Alle weiteren genannten Punkte des Live P3S gelten auch für das Live P5, der Klang ist hier aber einen Tick griffiger und knackiger. Was einem lieber ist, muss jeder selber austesten. Auch hier fand ich die Rückkopplungsfestigkeit für so ein preiswertes Modell erstaunlich gut, und der Ausgangspegel war ebenso erfreulich hoch für ein dynamisches Mikrofon.

Was gibt es zu meckern?

Das Perception Live P3S ist mit einem Ein-/Ausschalter versehen, der kaum Widerstand hat und deshalb sehr leicht zu verstellen ist, so dass ich ihn mehrfach aus Versehen betätigt habe. Auch fehlt die Möglichkeit, diesen Schalter mit Hilfe einer Schraube zu arretieren, so dass mir hier bei einem temperamentvollen Sänger auf der Bühne nichts Gutes schwant … Auch ist der Schalter nicht knackfrei, wie AKG auf seiner Website behauptet. Das hätte mich auch gewundert, denn ich kenne überhaupt kein Mikrofon, das lautlos schaltbar wäre. Manchem werden auch die Griffgeräusche der handgehaltenen Mikrofone Live P3S und des Live P5 evtl. etwas zu heftig sein, die Live Modelle erreichen nicht ganz die gute Körperschalldämpfung wie die teureren Modelle. Die Griffgeräusche kann man aber umgehen, indem man einfach ein Stativ verwendet.

Für wen sind diese Mikrofone richtig?

Für live auftretende Bands und Musiker mit knappem Budget, welche aber auf Qualität Wert legen und/oder keine unbekannten Billigmarken verwenden wollen, ist die neue „Perception Live“-Serie eine sehr gute Wahl. Auch für das Homerecording im Einsteigerbereich scheinen mir diese Mikrofone gut geeignet zu sein. Das Live P5 hat einen insgesamt knackigeren Sound als das Live P3S, das eine gewisse Weichheit besitzt, die aber sehr angenehm klingt. Man kann nicht pauschal sagen, welches absolut das besser klingende Modell ist, da dies (wie bei jedem anderen Mikrofon auch) auf den jeweiligen Menschen davor bzw. dessen Stimme ankommt. Hier muss jeder selbst seinen persönlichen Favoriten herausfinden.

Hier nun der 2. Teil des Testberichtes über die kürzlich erweiterte „Perception“-Serie von AKG. Diese wird ja nicht in Wien, sondern im Reich der Mitte gefertigt und bewegt sich in Preisregionen von eigentlich fragwürdigen Billig(st)-Mikrofonen. So bin ich auch diesmal gespannt, ob das Gütesiegel des Namens AKG dennoch spürbar ist.

Im Teil 1 waren es die Gesangs-/Sprachmikrofone der Perception-Serie, die ich für Amazona.de unter die Schöbelsche Audiolupe genommen habe, diesmal sind die Instrumentalmikros an der Reihe.

Grundsätzlich ist die Perception-Serie die Gegenantwort von AKG auf die Flut von NoName-Produkten, die seit einigen Jahren den Markt regelrecht überfluten. Leider lassen sich viele zukünftigen Anwender von dem meist ansprechenden Äußeren dieser unter oft fragwürdigen Bedingungen und mit drittklassigen Materialien hergestellten Schallwandler blenden und wissen oft nicht, wie sorgfältig ein wirklich gutes Mikrofon hergestellt sein muss, um auch audiotechnisch zu überzeugen.

Perception P 2

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Dieses Mikrofon ist ein ganz schöner Brocken und laut AKG für alles basslastige eine gute Wahl: Bassdrum, Posaune, Bassverstärker etc. sind die geeigneten Schallquellen vor dem dicken Einsprechkorb. Besonders gefallen hat mir das Kombigelenk, das neben dem Stativgewinde auch gleich den XLR-Anschluss beinhaltet. Die Richtcharakteristik ist „Niere“.

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Die „Anfassqualität“ ist hochwertig, und wenn man nicht über den beinahe schon lächerlichen Preis informiert ist, hält man es von der äußeren Erscheinung her für ein professionelles Mikrofon für den täglichen Einsatz.

Das Mikrofon habe ich bei einem Auftritt einer meiner Kunden live in einer Kick Drum eingesetzt und war wirklich erstaunt, dass ohne jeglichen Einsatz eines EQs ein sauberer und konturierter Ton aus der PA herausschallte. Das hätte ich bei diesem preiswerten Mikrofon in dieser Form und Qualität nicht erwartet. Den unvergleichlichen Punch eines AKG D 112 erreicht es freilich nicht, das wäre auch etwas zuviel für den Preis verlangt.

Das bereits erwähnte Kombigelenk hat sich im Praxistest als ausgesprochen nützlich herausgestellt, da das Mikrofon durch den fehlenden XLR-Anschluss an seinem Ende sehr kompakt baut und dadurch ausgezeichnet zu positionieren ist.

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Perception P 4

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Das erste, was einem nach dem Auspacken des P4 in den Sinn kommt: „Ist das Ding aber süüüß“. Das kleine Kompaktmikrofon mit Nierencharakteristik wird gleich mit einer Halteklammer für Snare-/Tombefestigung ausgeliefert und lässt sich aufgrund der knappen Größe bestens am Schlagzeug integrieren. Es wirkt trotz seiner Kompaktheit sehr robust und wertig , auf seinen extrem günstigen Preis würde man zuerst nicht tippen.

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Auch dieses Mikrofon habe ich live getestet, es hing an einem Standtom während eines Konzertes von „Pete Louis & den scharfen Karpfen“. Schlagzeuger „Hasi“ Walter und ich waren einer Meinung, dass der Tom-Sound sehr klar und konturiert übertragen wird, zudem lässt sich das P 4 über die mitgelieferte Klammer einfach und sicher befestigen. Erstaunlicherweise hatten wir auch hier (wie schon beim P 2) den EQ am Mischpult völlig neutral gestellt und bekamen dennoch einen überzeugenden Sound. So etwas funktioniert selten.

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Auch hier gilt: Mit einem deutlich teureren Mikrofon lassen sich noch bessere Ergebnisse erzielen, aber das P 4 liefert eine rundum überzeugende Performance, besonders in Anbetracht dieses unglaublich günstigen Preises.

Für wen sind diese Mikrofone richtig?

Für live auftretende Bands und Musiker mit knappem Budget, die aber auf Qualität Wert legen und/oder keine unbekannten und/oder fragwürdigen Billigmarken verwenden wollen, sind diese Instrumentalmikrofone eine sehr gute Wahl. Insgesamt präsentieren sich sowohl P 2 als auch P 4 in ihrem angestrebten Einsatzbereich noch überzeugender als ihre Vocal-Brüder P 3S und P 5 und dürften damit grundsätzlich auch professionelle Ansprüche im Live-Bereich zufrieden stellen. Im Homerecording kann ich mir die beiden Testkandidaten ebenso gut vorstellen, und ich selbst hätte keine Scheu, sie bei einer professionellen Aufnahme in meinem eigenen Laden mit einzusetzen.

Fazit

Die getesteten Mikrofone sind sehr gut verarbeitet und machen einen überaus stabilen Eindruck. Die Preise sind für so robuste Mikrofone mit dem AKG-Zeichen geradezu lächerlich günstig, so dass hier meiner Ansicht nach bedenkenlos zugegriffen werden kann. Auch wenn man später auf höherwertige Modelle um- bzw. aufsteigt, werden einem diese Mikrofone dennoch immer wieder nützlich sein, da man immer wieder einen Einsatz für sie finden kann.

Plus

  • extrem preiswert für Markenmikrofone
  • gute Klangqualität
  • sehr gute Verarbeitung
  • vielseitig in der Anwendung
  • relativ hoher Ausgangspegel aller Modelle

Minus

  • Schalter am P3S zu leichtgängig
  • Griffgeräusche am P3S und P5 relativ laut

Preis

  • Live P3S Straßenpreis: 59,- Euro
  • Live P5 Straßenpreis: 59,- Euro
  • Live P2 Straßenpreis: 99,- Euro
  • Live P4 Straßenpreis: 79,- Euro
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