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Test: Alesis DM10 MK2 Studio Mesh Kit

10. September 2017

Profiset oder Einsteigerklasse?

Der Hersteller Alesis überschwemmt seit Jahren den E-Drum Markt mit ständig neuen Drumsets. Ob tatsächlich so viele Modellvarianten notwendig sind, sei dahingestellt und es fiel mir auch schon schwer, ein E-Schlagzeug nur aufgrund von kleinen Unterschieden als eigenständiges Instrument zu betrachten. Dennoch lohnt es sich, mal genauer hinzuschauen, denn wenn es einem gelingt, die große Modellpalette im Kopf einmal auszublenden, steht da mit dem Alesis DM10 MK2 Studio Meshkit ein wirklich interessantes Instrument zum Angebot.

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Aufbau und Rack

Geliefert wird das umfangreiche Alesis DM10 MK2 Studio Meshkit in nur einem großen Karton. Dieser ist vom Gewicht gerade noch alleine zu bewältigen. Ein hochachtungsvolles „Chapeau“ geht mir beim ersten Öffnen eines so verpackten Instruments immer durch den Kopf, hier sind wahre Verpackungsmeister am Werk. Den Platz der Kiste optimal ausgenutzt, bleiben kaum Lücken. Problem ist, am Ende dann alles wieder hinein zu bekommen. Das soll aber allein mein Problem bleiben, normalerweise bleibt das Instrument ja beim Kunden.

Klingt leider nicht so cool wie es aussieht: Alesis DM10 MK2

Der Aufbau gestaltet sich einfach, die mitgelieferte Aufbauanleitung ist hilfreich, sofern man noch nicht sonderlich erfahren ist. Das verchromte Rack aufzubauen gelingt mit wenigen Handgriffen. Lediglich sollte man von Beginn an darauf achten, dass die Halteklemmen für die Pads richtig herum angebracht werden, sonst muss man später Teile wieder auseinandernehmen, was ärgerlich wäre. Die Querstangen des Racks verfügen an den Enden jeweils über zwei Einkerbungen die wiederum in Zapfen innerhalb der Halteklemmen einrasten. Das ist toll, so steht alles gleich gerade. Die Verchromung der Stangen ist einwandfrei und wirkt hochwertig.

Das auf Gummifüßen stehende Rack hat ein angenehmes Gewicht und bringt eine gute Stabilität mit sich. Alle Schrauben gehen sehr leichtgängig. Das mitgelieferte Alesis Anclip-Schildchen kann man montieren, muss man aber nicht. Zumindest wird einem hier die Wahl gelassen, ob man als Werbeträger für das Unternehmen dienen möchte. Die zwei Galgen-Beckenhalter für die Crashs werden direkt in den vorderen Rackbeinen versenkt. Der kurze, gerade Halter für die Hihat ist ausreichend lang, der Beckenhalter für das Ride Becken etwas länger, was für eine optimale Positionierung sinnvoll ist. Alle Klemmen sind aus Kunststoff, machen aber auch einen sehr stabilen Eindruck. Als kurzes Fazit zur Hardware: alles superstabil, flexibel in den Anordnungsmöglichkeiten und robust.

Die Pads

Zum Lieferumfang des Alesis DM10 MK2 Studio Meshkit gehören vier Pads mit Gewebefellen (Meshheads). Diese sind aus Kunststoff gefertigt, mit einem regulärem Metallspannring versehen, der mit einem Gummirand überzogen ist, um Schlaggeräusche zu minimieren. Die Snare und das dritte Tom sind mit 10 Zoll Durchmesser größer dimensioniert als Tom 1 und Tom 2, die mit 8 Zoll Durchmesser aber auch noch groß genug sind. Alle Pads sind zweifach mit Sounds belegbar. Tom- und Snare-Pads verfügen außerdem über einen eingebauten Sensivity-Regler, der am Kesselrand rechts vom Klinkensanschluss verbaut ist. Der Einfluss dieses Reglers ist nicht sonderlich groß. Ein bisschen lässt sich das Schlagzeug aber dadurch doch auf die eigenen Bedürfnisse einstellen. Dieses Feature gefällt mir gut.

Sensivity-Regler an allen Meshhead Pads

Die Beckenpads, allesamt chokefähig (bis auf die Hihat), sind mit jeweils zwei Sounds belegt. Das Ridebecken sogar mit drei Sounds (Rand/Mitte/Kuppe).

Meshhead Tompad

Spielgefühl

Für diejenigen, die bisher noch nicht in den Genuss kamen, Pads mit Gewebefellen auszuprobieren, sei der Rat ausgesprochen, dies unbedingt mal zu tun. Der weiche Anschlag mit einem enormen, fast unnatürlich starkem Rebound (Rückprall), ist sicher erst mal irritierend. Spielt man längere Zeit auf solch einem Instrument, lernt man diesen Extraschwung auszunutzen, ein Vergleich kann extrem ausfallen. Spielt man lange auf relativ harten Gummipads, können die Handgelenke schon mal schmerzen. Meshheads bieten vom Komfort her das genaue Gegenteil, angenehmer geht es nicht. Das robuste Rack gibt absolute Stabilität und das Schlagzeug steckt so jeden Schlag locker weg.

Das Hihat-Pedal verrichtet einigermaßen zufriedenstellend seinen Dienst. Spielt man die Hihat allerdings gesteppt, zum Beispiel zu einem Ride-Becken Groove, entstehen sehr leicht Doppeltrigger. Hierfür wurde im Menu unter den Trigger-Einstellungen der Wert „Splash“ eingesetzt, mit dem man dieses Problem recht gut in den Griff bekommt.

Macht etwas mehr als es soll. Doppeltrigger lassen sich weitestgehend vermeiden, indem man den „Splash“-Wert in den Einstellungen anpasst.

Das Modul

Professionelle Features sollen angeblich drin stecken, im neuen DM10 Modul. Es reiht sich in Alesis Top-Serie an Soundmodulen mit Namen wie Forge, Crimson, Command und Strike ein. Professionell hört sich das allerdings keinesfalls an. Die Klangerzeugung entspringt bestenfalls der Einsteigerliga. Die Sounds klingen flach, synthetisch und die Dynamik lässt sehr zu wünschen übrig. Teilweise gibt es Unterschiede, einige Snaresounds sind durchaus zu gebrauchen, aber auch diese komme nicht an die Qualität anderer Hersteller heran. Bei den Tom-Sounds konnte ich leider nichts Zufriedenstellendes finden. Sie klingen allesamt topfig und bei schnelleren Figuren tritt der gemeine Maschinengewehreffekt ein. Hier höre ich keine Verbesserung zu den Produkten der letzten Jahre bei Alesis. Ein leichtes, aber nicht sonderlich störendes Grundrauschen ist über den Kopfhörerausgang permanent wahrzunehmen.

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Kleines Display, sonst gut bedienbar

Die Bedienung des Alesis DM10 MK2 Studio Meshkit erfolgt über sinnvoll angeordnete Tasten und Potis, die Oberfläche wirkt hochwertig und schick. Das Modul wird ebenfalls an einer Kunststoffklemme befestigt, durch die das Mehrfachkabel hindurchgefädelt und von der Rückseite mit drei Schrauben fixiert wird.

Die Menüführung ist einfach und logisch aufgebaut. Schnell findet man die nötigen Zugriffe auf Parameter, die man benötigt, um das Schlagzeug auf die gewohnte Spielweise anzupassen. Das ist wie bei jedem E-Drumset absolut notwendig, um zufriedenstellende Ergebnisse zu bekommen.

Die Auswahl der Playalongs ist natürlich immer Geschmackssache. Hier finde ich, wurde eine gute Auswahl getroffen und jede Stilistik wird bedient. Hier merkt man auch, wo die eigentliche Zielgruppe dieses Instrumentes liegt. Nicht der professionelle Anwender wird angesprochen, sondern Musikeinsteiger. Kinder haben auf jeden Fall einen Riesenspaß mit diesem Instrument, davon habe ich mich überzeugt. 120 Playalongs in unterschiedlichsten Styles stehen zur Verfügung, von denen eine Vielzahl wirklich Spaß machen. Ausgewählt wird alles über das auffällige, große Wahlrad oder besser über die Pfeiltasten, über die man nicht so schnell über das Ziel hinausschießt.

Nette Optik und stabil ist es auch

Die Aufnahmefunktion halte ich für sehr sinnvoll, der Übende kann sich hier gut kontrollieren. In einem baugleichen Modell hatte ich im Test des Crimson Modells im Vorjahr eine Umschaltlatenz festgestellt. Dies ist hier nicht der Fall. Wie ich auch damals schon geschrieben hatte, dürfte das Display ruhig etwas größer ausfallen.

Des Weiteren verfügt das DM10 Modul über die Funktionen Head-Rim-Adjustment (verringert Überlagerungen zwischen Fell und Rim), Threshold (Auslöseschwelle des Sounds durch Anschlag), Xtalk (verringert das Übersprechen von Pads auf andere Pads), Curve (Anschlagsdynamikkurve), Retrigger Cancel (verhindert Doppeltrigger).

Selbstverständlich ist auch ein Metronom an Bord und ist durch einen eigenen Taster auf dem Modul zu starten und zu stoppen. Der Klicksound lässt sich aussuchen, ebenso die Taktart und vor allem ist die Möglichkeit sinnvoll, aussuchen zu können, ob der Click nur über den Kopfhörerausgang ausgegeben werden soll oder auch über den Stereo-Mainout (Hauptausgang). Sofern man das Set live benutzt, ist es somit möglich, dass nur der Drummer das Metronom hört.

Ausgiebig besprochen wurden die Merkmale dieses Moduls schon in den Tests des Alesis Crimson und des Alesis Command Kits. Auch das Forge Set verfügt über dasselbe Modul. Ein wesentlich umfangreicher ausgestattetes Modul besitzt das Strike Kit. Nun lieber Leser wird es etwas kompliziert, denn es gibt tatsächlich noch ein weiteres DM10 MK2 Set von Alesis. Ein Verwirrspiel par exellence.

Um den Unterschied der Beiden aufzuzeigen, folgende Erklärung: Das hier im Test vorgestellte Set ist als Sonderedition anzusehen und ist exklusiv beim Musikhaus Thomann erhältlich. Das regulär von Alesis auf deren Homepage beworbene Alesis DM10 MK2 Pro Modell verfügt über ein anderes Soundmodul und ein weiteres Tom-Pad. Alles klar? Nicht? Dann geht’s euch so wie mir. Nichts spricht gegen eine große Modellpalette, doch die Unterschiede sind bei Alesis überwiegend nur gering. Rack und Modul sind bei drei Drumsets gleich, kleine Unterschiede finden sich nur bei den Pads.

Zusatzfunktionen 

Äußerst wichtig erscheint mir in diesem Fall die Möglichkeit, das Alesis DM10 MK2 zum Ansteuern von Drum-Software zu nutzen. An für sich ja heutzutage obligatorisch, so auch als MIDI-Schnittstelle im DM10 integriert. So lässt sich die angenehme Bespielbarkeit nutzen und man hat hochwertige Sounds zur Verfügung. So macht dieses Schlagzeug wirklich Sinn, zum Beispiel für ein Studio oder Demoaufnahmen im Proberaum.

Erwähnenswert ist außerdem die Möglichkeit, einen USB-Stick direkt am Modul anschließen zu können. Es können eigens erstellte Sound Samples, MIDI-Files oder Playalongs wiedergegeben werden. Außerdem dient er als Speichermedium für am Set erstellte Einstellungen, Aufnahmen oder Kit-Zusamenstellungen.

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Fazit

Die robuste Hardware des Alesis DM10 MK2 Sets kann leider nicht über die schwache Klangerzeugung hinwegtrösten. Bei Instrumenten wie elektronischen Multipads, die ja meistens als Klangerweiterung des akustischen Schlagzeugs genutzt werden und bei denen vielleicht gerade die synthetischen Sounds reizvoll sind, können schwache Akustik-Samples sicher in den Hintergrund rücken. Diese Pads in günstiger Preislage kosten allerdings auch nicht mehr als 300,- Euro (z.B. Yamaha DD-75).

Beim Alesis DM10 MK2 Set allerdings handelt es sich ja um ein E-Drumset, das durchaus als Hauptinstrument dienen können sollte. Das Modul wird ja bewusst in der Alesis Top Liga eingereiht. Hier wäre allerdings mit wesentlich höherer Samplequalität (z.B. bei der Multilayer-Technik), Dynamik und damit verbundener Spielfreude zu rechnen gewesen.

Den günstigen Preis mal in die Relationen geworfen, kommt für mich ein robustes Einsteiger-Schlagzeug raus, das den rabiaten Schlägen eines Teenies mit Sicherheit standhält. Für den fortgeschrittenen Schlagzeuger ist es nicht zu empfehlen. Für Kinder, die vielleicht aus Lautstärkegründen zu Hause kein akustisches Schlagzeug spielen können, ist das Alesis DM10 MK2 gut geeignet.

Plus

  • sehr stabil
  • gutes Design
  • einfache Bedienung
  • Recording-Funktion
  • Sensivity-Regler an Tom und Snarepads
  • vielseitige Auswahl an Playalongs für Anfänger

Minus

  • mangelhafte Klangqualität
  • schwache Dynamik

Preis

  • Ladenpreis: 798,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Edrums sind wie Sex mit dicken Kondomen. Edrums sind sehr teuer, jedes akustische 400 Euro Einsteiger Drum Set aus Holz und echten Schlagfell klingt laut, ja aber einfach genial gefühlvoll spielbar und eben einfach gefühlsecht.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Man kann das auch anders sehen: Meine 2jährige Schlagzeugschulung habe ich in den 80ern Mangels E-Drums abgebrochen, ein Akustik-Set ist in einer Mietwohnung nämlich kaum realisierbar. Ich kann das zwar nicht beurteilen, aber ein sehr preisgünstiges akustisches Instrument muss nicht zwingend mehr Spaß machen. Zu Alesis, ich hatte mir vor Jahren überlegt, eines zu kaufen und es wurde im Ergebnis das Roland HD-3. Wenn ich die Sounds des Nachfolgers in der Sonderausführung höre, bin ich rückblickend froh für die damalige Entscheidung. Und ja, ich würde es nie selbst gegen ein hochpreisiges Akustik-Set eintauschen, alleine aus Platz- und Emissionsgründen. Profi-Schlagzeuger mit Proberaum mögen dies natürlich anders bewerten, aber ich glaube, dass diese Kits dem Nachwuchs ungleich höhere Chancen als früher bereiten. Und im Studio lassen sich die eingespielten Tracks noch nachträglich massiv verändern, sowohl in den Sounds, als auch in der Abnahme. Auch das geht bei einem akustischen Instrument mitunter nicht so einfach.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Das Edrum ist bedingt tauglich für Mietwohnungen, wenn aber der Vermieter unten dran wohnt dann hat man auch mit dem Edrum verloren, denn dieses Getrampel und gekloppe macht jeden Untermieter unglücklich. Es gibt jedoch auch Glücksfälle!
    Wer jedoch ein echtes Schlagzeug spielen kann, im eigenen Haus im Keller oder eben im Proberaum (Powerhouse), der wird nur müde lächeln. Für elektronische Klänge ist es aber unerlässlich und da fängt die Daseinsberechtigung für das Edrum schon wieder an! Oft werden auch akustische Sets mit Edrum Schlagflächen ergänzt. Z. B Roland SPD 30.

    Tolle Sachen kann man damit machen. Nur alesis hat mich schon mehrfach enttäuscht, ähnlich wie Behringer sollte man wissen wie viel Professionalität man erwarten möchte. Trotzdem besitze ich ein altes Alesis D5 und finde es sehr gut plus Edrum Set und im Keller ein Akustik Set.

  3. Profilbild
    utopia3000  

    Richtig, ich hatte damals mal ein Roland T9 E-Drum und musste es auch wieder verkaufen. Ständig hatte sich der untere Nachbar beschwert, da der Trittschall ständig zu hören war. Einzige Möglichkeit wäre ein Drumpodest aus Sandsäcken und halbierten Tennisbällen gewesen, aber das wollte ich mir dann auch nicht in die Wohnung stellen..

    • Profilbild
      Oliver Schulte  RED

      Ja, das Thema Trittschall ist tatsächlich immer ein Thema. Wo geklopft wird gibt es Geräusche, vermutlich lässt sich das nie ganz eliminieren. Allerdings ist das durch die Einführung von Gewebefellen schon wesentlich besser geworden, als noch mit den Gummipads. Sollten die Geräusche eines E-Schlagzeug die Nachbarn dennnoch auf die Palme bringen, sollte man versuchen Übezeiten abzusprechen. Das Problem liegt ja letztlich nicht nur beim Schlagzeug, ein Saxophonist nebenan macht auch keinen Spaß. Da jeder das Recht hat ein Instrument zu erlernen und zu spielen, rate ich immer sich zu arrangieren und an ausgemachten Zeiten zu halten. Wenn auch das nicht funktioniert, liegt das Problem meistens eher an den Menschen, als am Instrument ;-)

  4. Profilbild
    vssmnn  AHU

    Alesis Drum-Module sind wie DECT-Telefone von Panasonic: Jedes Jahr zig neue Modelle und immer wieder ein hässliches grobpixliges (gefühlt aus den 80-er Jahren) Display + ein furchtbarer Klang, der immer noch nicht wesentlich besser ist, als der des urururur-alten D4s.

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