Test: Alesis SR18

14. Mai 2008

Würdiger Nachfolger der SR16?

Nach gut 18-jähriger Dienstzeit des beliebten, aber mittlerweile doch leicht antiquiert wirkenden Drumcomputers SR16, schickt ALESIS mit dem SR18 einen in vielerlei Hinsicht modernisierten und aufgewerteten Nachfolger in den Ring der automatischen Schlagzeugknechte. Ob die Frischzellenkur auch ein Gerät hervorgebracht hat, welches die klanglichen und ergonomischen Anforderungen heutiger Musikschaffender erfüllt? Dieser Test bietet Aufklärung.

Alesis SR18

Alesis SR18

Man kann sich zu recht fragen, für wen sind Geräte der Gattung Hardware-Drum-Machine in Zeiten von Software-Sequenzern und Sample-Playern in Verbindung mit klangstarken Drum-Sound-Libraries heute eigentlich noch interessant, wo doch diese flexiblen Softwarelösungen alles bieten, um professionelle Schlagzeugtracks zu produzieren. Autark funktionierende Drumcomputer bieten für viele Menschen einen entscheidenden Vorteil: Sie sind in der Regel wertbeständiger, da sie im Gegensatz zu Musikanwendungssoftware unabhängig von der jeweils aktuellen PC/MAC-Betriebssystemversion bzw. -hardware auch nach vielen Jahren unverändert weiterhin und sicher ihren Dienst verrichten, dank MIDI-Schnittstelle auch im Systemverbund mit anderen Geräten.

Da es nicht notwendig ist, sich in immer neue Funktionen von Softwareupdates einzuarbeiten, hat man als Anwender tatsächlich die Chance alle Eigenschaften seiner Drum Machine im Laufe der Jahre kennen zu lernen und sich somit auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren – nämlich auf das Machen von Musik. Häufig gehören Gitarristen und Bassisten zu den Käufern von Drumcomputern, diese verwenden sie als nimmermüde Übungspartner oder als Kompositionshilfe. Aber auch gestandene Musikproduzenten sollen angeblich schon mal darauf zurückgreifen, um schnell und unkompliziert Songabläufe zu organisieren und diese dann via MIDI zur Weiterverarbeitung in den (Software-)Sequenzer zu laden.

Alesis scheint mit seinem neuen Modell SR18 durch stark aufgewertete Qualität und Quantität der Sound- und Patternausstattung, zusätzlicher Bassspur, umfangreichen Steuerungsmöglichkeiten per Fußschaltern und der Möglichkeit des Batteriebetriebes, neben den klassischen Drumcomputer-Usern verstärkt auch den Anwenderkreis live spielender Musiker ansprechen zu wollen.

 

Äußeres

In dem anthrazitfarbenen pultartigen Kunststoffgehäuse des SR18 fällt im eingeschalteten Zustand sofort das blauschimmernde hintergrundbeleuchtete Display auf – schon mal ein großer Vorteil zum Vorgänger SR16, denn bei diesem blieb die Anzeige dunkel und erschwerte doch oft erheblich die Bedienbarkeit. Rechts vom Display angeordnet befindet sich ein groß dimensioniertes Endlosrad zur Parametereingabe. Links davon machen eine grün blinkende Tempo-LED und eine, bei Aufnahme eigener rhythmischer Ideen, rot leuchtende Recording-Status-LED auf sich aufmerksam. Direkt unterhalb der drei beschriebenen Bedienelemente sind 36 Gummitasten angeordnet, die für die gesamte Steuerung und Programmierung des kleinen Drumcomputers zuständig sind (Wiedergabe, Pattern-Auswahl, Song-Auswahl, Sound-Auswahl, Lösch- und Speicheroperationen, Systemeinstellungen, User-Pattern- und Song-Programmierung sowie MIDI-Konfiguration). Wiederum darunter befinden sich 12 anschlagdynamische Pads, ebenfalls aus Gummi, zum Spielen der eingebauten Schlagzeug-, Percussion- und Bass-Sounds. Darüber hinaus können komplette Rhythmus-Patterns über diese Pads getriggert werden. Die in weiß und blau ausgeführten Tasten- und Pad-Beschriftungen lassen sich auch bei nicht ganz so günstigen Lichtverhältnissen sehr gut ablesen. Alles in allem geben die Bedienelemente dem Anwender keine allzu großen Rätsel auf. Ist einem die grundsätzliche Arbeitsweise mit einer programmierbaren Drum Machine vertraut, wird man sich auf der SR18 schnell zurecht finden.

Bedienoberfläche Alesis SR18

Bedienoberfläche Alesis SR18

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich die Audioausgänge. Als Hauptausgang für den Anschluss an Mischpulte, Audioverstärkern oder Harddiskrekordern usw. dienen zwei 6,3 mm Monoklinkenbuchsen, welche bei gleichzeitiger Belegung den rechten bzw. linken Kanal des Stereosignals führen. Bei beliebiger Belegung nur einer der beiden Buchsen steht das Gesamtsignal mono zur Verfügung. Eine mit AUX L/R bezeichnete Stereobuchse kann als Einzelausgang genutzt werden, so ist es beispielsweise einfach möglich, Drums und Bass getrennt auszugeben und einer gleichzeitigen separaten Weiterverarbeitung (z.B. Audioverstärkung oder Mehrspuraufnahme) zuzuführen. Natürlich ist auch ein Kopfhörerausgang vorhanden, über den die Signale parallel zum Hauptausgang abgehört werden können. Einen koaxialen oder optischen S/PDIF-Digitalausgang sucht man aber leider vergebens. Musiker, die den SR18 als Übungspartner nutzen möchten, werden sich über den Instrumenteneingang freuen. Hier eingespeiste Signale werden intern mit der Rhythmusbegleitung gemischt – so sind spontane Übungs-Sessions auch ohne Verwendung eines Mischpultes möglich. Der Eingang ist empfindlich genug, um auch passive E-Gitarren und Bässe anzuschließen. Deren Signale werden jedoch völlig clean und unbeeinflusst wiedergegeben, interne Effekte zur Klanganreicherung des Instrumenteneinganges sind nicht vorhanden. Möchte man mit amtlichem Gitarren-Sound spielen, bedarf es zusätzlicher Gerätschaften wie z.B. einem Modeling-Preamp (POD oder ähnlichem). Die obligatorische MIDI-Schnittstelle zur Kommunikation mit anderem Equipment ist selbstverständlich auch vorhanden und zwar in Form einer MIDI-IN und einer kombinierten, umschaltbaren MIDI-OUT/THROU-Buchse.

Rückseite Alesis SR18

Rückseite Alesis SR18

Zwei weitere Klinkenbuchsen, beschriftet mit START/STOP bzw. COUNT/A/B/FILL, dienen zum Anschluss von Fußschaltern oder -tastern zum Starten und Stoppen der Wiedergabe, sowie zur Aktivierung einer Tap-Tempo-Funktion, um die Abspielgeschwindigkeit der virtuellen Rhythmusgruppe zu beeinflussen. Genaueres hierzu folgt im Abschnitt Bedienung und Programmierung.

Darüber hinaus befinden sich auf der Geräterückseite noch ein Poti zur Regelung der Gesamtlautstärke, der Anschluss für das mitgelieferte 12 V Steckernetzteil und ein On/Off-Schalter.

Damit einem der SR18 nicht vom Schreibtisch fällt oder gar gestohlen wird, kann er mit einem Kensington-Schloss gesichert werden.

Auf der Unterseite des SR18 ist ein Fach für 6 x 1,5V AA Batterien eingelassen. Eine Übersichtsliste der eingebauten Rhythmus-Patterns klebt praktischerweise auf dem Gehäuseboden.

Unterseite Alesis SR18

Unterseite Alesis SR18

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich liebe Drumcomputer seit den frühen 80ern
    und habe den Test sehr neugierig gelesen.
    Über die Soundqualität hätte ich mir noch ein paar
    Bewertungen mehr gewünscht. Wie sieht die SR-18
    z.B. gegenüber Battery oder ähnlichen Softwarelösungen aus ? Die Beispielpatterns hören sich nicht gerade originell an.

    Trotzdem ein informativer Test.
    Grüße Alex

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Habe das Gerät ausgiebig testen können.
    Total enttäuscht war ich von den Pads. Obwohl etwas größer als beim Vorgänger, waren sie nur sehr schlecht spielbar. Ausserdem wurden manchmal Doppelschläge generiert. Kein Vergleich zu alten(!) Roland Maschinen.
    Was schmerzlich fehlte, waren Snare Ghostnotes
    und Ruffs, die einen Groove erst lebendig machen.
    Das hat sogar die letzte Boss Kiste ….
    Die Sounds würde ich eher als mittelmäßig bezeichnen. Viele Hiphop Bassdrums sind kaum zu gebrauchen, da sie ein viel zu langes decay haben.
    Also; professionell ist das Ding auf keinen Fall.
    Schade, mein Alesis geht heute noch retour.

  3. Profilbild
    slapone

    Sounds sind Geschmackssache, ich finde diese ziemlich gelungen bis auf den Conga- Slap Sound
    der ist alles nur kein Slap. Welche Maschine generiert automatisch Ghostnotes??? Die werden doch immer selbst Programmiert. Die decay Zeit kann man doch bei der SR-18 einstellen, eine Super Sache. Es gibt keine Vergleichbare Maschine ausser die von Akai weil die ja auf der Sr -18 von Alesis läuft.

  4. Profilbild
    microbug  

    Die einzige Drummachine mit Ghostnotes ist die Boss DR-880.

    Zur SR-18: Als langjähriger Besitzer der SR-16 habe ich mir gerade mal eine SR-18 angelacht und weiß nicht so recht, was ich von dem Ding halten soll. Restlos begeistert ist Anders.

    Die Bedienung ist traumhaft. Kein Vergleicht mit der SR-16: Beleuchtetes Display, Datenrad, stramme und größere Gummitaster zusammen mit einem sehr einfachen Benutzerführung lassen eine Bedienungsanleitung fast überflüssig erscheinen. Tempo ändern? Einfach TAP Tempo drücken und am Datenrad drehen, fertig.
    Die Presets dagegen sind irgendwie garnicht meins. Während ich bei der SR-16 immer irgendwas brauchbares fand, sind bei der SR-18 irgendwie seltsame Sachen drin. Auch wenn die Rhythmen nach auf einem Drumset live eingespielt klingen, hat es doch oft zuviel Steriles dabei. Oft klingt auch einfach ein anderes Drumset besser. Bei Alesis bzw deren Presetlieferanten scheint man ein seltsames Verständnis mancher Rhythmen zu haben. Erinnert mich an frühe Yamaha-PSRs, wo deren „Walzer“ eher für Lachanfälle gut war. Gut sind die ganzen Elektronischen Presets, also alles was Techno. Trance, Hiphop etc heißt (wobei man sich da bei den Bezeichnungen auch wieder übelst vergriffen hat), ebenso gut die ganzen Rockabilly bzw RnR-Presets. Peinlich dagegen die Latino-Sachen: P78 zB nennt sich „Salsa“, ist aber ein Samba. Gibt noch etliche andere Verfehlungen bei den Presets. Ein Teil davon steht zum Glück im Userspeicher und ist löschbar.
    Von den Presets her ist die SR-16 eindeutig besser. Schade drum.
    Dicke Minuspunkte:
    – für die Bass-Abteilung: diese läßt sich nicht dauerhaft abschalten, sondern nur per Mute stummschalten, was sich das Gerät natürlich nicht merkt.
    – für das nach wie vor Nichtmerken des zuletzt eingestellten Patterns/Songs
    – für den neu eingeführten Save-Mode

    Mein Fazit: Die Maschine gibt sicher von den Drumsets und Sounds her mehr her, als die teils peinlichen Presets durchblicken lassen. Ob ich sie behalte, weiß ich nicht, eigentlich wollte ich in erster Linie gute Presets mit A/Fill/B haben, wie schon bei der SR-16, um dazu jammen zu können. Mal sehen …

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