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Test: Alexander Pedals Sky Fi, Gitarren Multieffektpedal

4. März 2018

Back to the 80s Racksound!

Alexander Pedals Sky Fi title

Hall und Echo – unsere lieb gewonnenen Dauerbrenner und für manche gar nicht vom Pedalboard wegzudenken. Nun erreicht uns wieder eines dieser gewissen Pedale, dieses Mal ausgerüstet mit beiden Effekten und vom Klang angelehnt an die Rack-Prozessoren der 80er und 90er Jahre. Ja, kaum zu glauben, aber heutzutage scheint schon ein zentimetergroßes Metallgehäuse auszureichen, um einen Sound zu erzeugen, der damals nur mit ziemlich hohem Kostenaufwand und einigem an Platzbedarf in unseren Racks funktionierte. Zugegeben, damals brachten die 19″-Teile mit ihren vielen LEDs, Knöpfen und Displays schon etwas „Science-Fiction“ in unsere Studios bzw. Wohnzimmer. Dagegen erscheint das Alexander Pedals Sky Fi geradezu bieder in seinem blanken Metallgehäuse. Doch unter der Haube steckt eine Menge Power, wie wir im folgenden Test erfahren werden!

Alexander Pedals Sky Fi – Facts & Features

Das Sky Fi ist mit seinen Maßen von 12,1 x 6,6 x 5,7 cm wahrlich kein kleines Pedal, trotzdem überrascht das niedrige Gewicht von nur rund 270 Gramm beim Herausnehmen aus dem Karton. Grund hierfür ist das Aluminiumgehäuse, das gegen Verfärbungen oder einfach nur zum Schutz vor Fettfingern mit einer Klarlackschicht überzogen wurde und daher glänzt wie die berühmte Speckschwarte. Sinnvoll ist dieser Lacküberzug aber vor allem an der Unterseite des Gehäuses, denn dort aufgedruckt befindet sich sozusagen die Bedienungsanleitung des Sky Fi. Hier werden die Zusatzfunktionen, die das Pedal neben den üblichen Parametern für ein Delay/Reverb bietet, genau erklärt. Man kann also so sein persönliches Setup noch einmal genauer bestimmen und das alles, ohne das Pedal aufschrauben zu müssen. Alle Zusatzfunktionen können über die vier Regler und den Metallschalter auf der Oberseite justiert werden, ganz ohne Dip-Schalter, Trimmpotis oder etwa einem „Mäusekino“ auf der Platine.

Alexander Pedals Sky Fi bottom

— Die Sky Fi Unterseite lässt keinerlei Fragen offen —

Alexander Pedals Sky Fi – die Anschlüsse

Leider befinden sich die Anschlussbuchsen, bis auf Ausnahme der Netzbuchse, allesamt an den Außenseiten des Gehäuses. Das dürfte bei dem einen oder anderen Pedalboard-Nutzer sicherlich für Gerangel auf dem Effektboard sorgen, obwohl es so viele Anschlüsse eigentlich gar nicht sind. Neben einem Audioein- und einem Audioausgang hat das Sky Fi jedoch seit Ende 2017 ein kleines Update bekommen. Für eine waschechte „MK II-Version“ reicht es wohl nicht ganz, dennoch ist die neue, zusätzliche und mit einem roten Kunststoffring eingeschraubte Klinkenbuchse an der linken Gehäuseseite schon ganz praktisch. Mit ihr kann man nämlich die Hold-Funktion des Metallschalters fernsteuern. Übrigens ein Wunsch der Nutzer – und der Hersteller hat dem entsprechend (schnell) reagiert.

Alexander Pedals Sky Fi side

— Rot ist neu —

Alexander Pedals Sky Fi – Schalter und Regler

Die vier Potis und die beiden Schalter entsprechen den Erwartungen an ein sogenanntes „Boutiquepedal“ vollkommen. Die Regler mit den griffigen Plastikknöpfen wurden fest mit dem Gehäuse verschraubt und laufen wie in Butter getaucht. Sie sind darüber hinaus auch so weit voneinander in das Gehäuse eingelassen, dass ein Umgreifen mit zwei oder mehr Fingern problemlos möglich ist. Das ist beim Sky Fi ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn die Potis reagieren schon ziemlich empfindlich oder sollte man besser sagen „sehr effektiv“, da kann man auf ein enges Gefummel im Eifer des Gefechts gerne verzichten.

Alexander Pedals Sky Fi Gitarren Multieffektpedal

Die vorhandenen Parameter dürften allen, die schon mal ein Echo- oder Hallpedal bedient haben, zweifellos bekannt vorkommen. Mit Reverb wird der Hallanteil geregelt, das Poti für Delay bestimmt die Verzögerungszeit, Mix steuert das Mischverhältnis zwischen Original- und dem Effektsignal und Repeats schließlich sorgt für die Anzahl der Wiederholungen der Echos. Da der große Metallschalter nicht nur die einfachen Funktionen von An- bzw. Ausschalten verrichtet, sondern zusätzlich noch eine Hold-Funktion übernimmt, wurde hier erfreulicherweise ein relaisgesteuerter Typ verwendet, der ohne das nervige (und oft überlaute) Knacken seinen Job verrichtet.

Drei Presets auf Abruf beim Alexander Pedals Sky Fi

Zentral angeordnet – und gut gegen fehlgeleitete Fußtritte geschützt – sitzt unterhalb der vier Potis ein knackig einrastender Minischalter, mit dem einer der drei Grundsounds des Sky Fi ausgewählt wird. Der Hersteller gibt den Presets die folgenden Namen und Funktionen:

  • Wash – Kombination eines Echos mit einer maximalen Verzögerungsdauer von 800 ms und einem Hall mit sehr großer Verzögerung beim Einsetzen. Durch ein Gedrückthalten des Fußschalters wird der Hallraum „eingefroren“.
  • Gleam – der Shimmer-Effekt im Alexander Pedals Sky Fi. Die maximale Verzögerungszeit des Delays liegt in diesem Modus bei 640 ms, die Hold-Funktion friert auch hier den Effekt ein.
  • Echo – zu den Echos gesellt sich hier ebenfalls ein Hall mit einem sehr langen Pre-Delay. Hier friert der Metallschalter in gedrücktem Zustand allerdings nichts ein, sondern blendet den Hall aus, während gleichzeitig die Echos in die Selbstoszillation gehen.
Alexander Pedals Sky Fi Switch

— Drei Presets stehen zur Auswahl —

Mein persönliches Zwischenfazit zum Alexander Pedals Sky Fi

Richtige Delay-Freaks werden trotz der ordentlichen Ausstattung des Sky Fi sicher noch ein paar Dinge vermissen. Dazu gehört primär eine Tap-Tempo-Funktion, zum Eingeben der Verzögerungszeit steht ja nur das Delay-Poti zur Verfügung. Schön wäre auch eine Divide-Funktion zur rhythmischen Unterteilung der Echos gewesen und last, but not least gibt das Sky Fi sein Signal leider nur in Mono ab. Ansonsten wäre das Pedal bei der gebotenen Qualität auch ein ganz heißer Tipp für die Tastenfraktion oder den Einsatz im Studio. Und wie sich diese Qualität darstellt, erfahren wir im nun folgenden Praxisteil.

Sound &Praxis mit dem Alexander Pedals Sky Fi

Nach dem geräuschlosen Druck auf den Metallschalter überzeugt das Sky Fi vom ersten Ton an mit einer hervorragenden Signalqualität. Das gilt für das Echo genau so wie auch für den Hall und/oder auch beide Effekte zusammen. Dank des völlig rauschfreien Grundsounds  erhalten beide Effekte genug Luft zum Atmen und ergänzen sich selbst bei hohem Effektlevel prima. Hinzu kommt ein sehr brauchbarer Shimmer-Effekt, der nie aufdringlich wirkt, dem Signal aber dennoch ein wohligen, warmen Pad-Sound hinzufügt.

Die drei Presets Wash, Gleam und Echo bieten eine breite Spielwiese sowohl für Fans von Ambient-Sounds als auch für Liebhaber sauberer, klarer und originalgetreuer Echos und Reverbs. Sehr effektvoll kann die Hold-Funktion eingesetzt werden, so können Hallflächen endlos ausgedehnt oder aber die Echos so lange wiederholt werden, bis sie schließlich in die Selbstoszillation gehen. Mit allen Konsequenzen für das angeschlossene Equipment, denn diese Oszillationen können einem auch hier schnell aus der Hand gleiten, so dynamisch und agil agiert das Sky Fi.

Mit der maximalen Verzögerungszeit der Echos von bis zu 800 ms dürften sich die meisten von uns zufriedengeben, doch nicht nur die langen Delays wirken überzeugend, auch kurze Slapbacks lassen sich aus der kleinen Alukiste entlocken. Ebenso kann auch der Hall im Alleinbetrieb viele Ansprüche abdecken, dazu dreht man ganz einfach den Delay-Regler in die Nullposition.

Hören wir nun aber rein in das Sky Fi, für das ich das Pedal in den Effektweg meines Orange Micro Dark eingeklinkt habe. Als Box diente wie immer die 1×12″ Hughes & Kettner mit einem Celestion Vintage 30 Speaker, als Mikrofon wurde ein AKG C3000 verwendet, die zu hörende Gitarre ist eine Music Man Silhouette Special.

Gehen wir der Reihe bzw. den Presets nach, zunächst das Preset Wash in zwei verschiedenen Variationen.

Das klingt mit dem Shimmer-Effekt schon ziemlich pompös, oder?

Nun das Preset Gleam, auch hier überzeugen Signalqualität und die Dichte des Sounds absolut.

In Klangbeispiel 4 hören wir das pure Hallsignal des Sky Fi bei mittlerer Stellung des Reverb-Potis. Selbst dann ist die Hallfahne schon sehr ausgeprägt.

Zum Abschluss in Klangbeispiel 5 das Echo in seiner reinen Variante. Eine reine Eins-zu-eins-Kopie des Originalsignals, ohne Wenn und Aber und ohne Dynamikverluste oder nerviges Rauschen.

Fazit

Es ist das erste Mal, dass wir ein Pedal von Alexander Pedals testen können. Und was soll man sagen, die Premiere ist geglückt! Sicherlich gibt es ein paar Sachen, die man am Alexander Pedals Sky Fi bemängeln könnte. Dazu gehört meiner Meinung nach die fehlende Tap-Tempo-Funktion oder auch die Tatsache, dass das Sky Fi seinen grandiosen Sound leider nur in Mono ausgibt. Unterm Strich aber erhält man für nur knapp über 200,- Euro einen Hall- UND einen Delay-Effekt in hervorragender Qualität, der durch einen schönen Shimmer-Sound noch zusätzlich an Farbe gewinnt. Ein tolles Pedal mit hohem Spaßfaktor und für Freunde gepflegter Ambient-Sounds in jedem Fall ein Antesten wert!

Plus

  • hervorragender Klang
  • schöner Shimmer-Effekt
  • Vielseitigkeit
  • Qualität der Hardware
  • Expressionpedalanschluss
  • Rauschverhalten

Minus

  • keine Tap-Tempo-Funktion
  • leider nur mono

Preis

  • Ladenpreis: 229,- Euro
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