Test: Alto TS 310 Aktivboxen

6. August 2020

Klein, laut, flexibel!

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Geht beim Anhören der Alto TS 310 Aktivboxen die Sonne auf? Mein Testbericht gibt die Antwort.

Immer kleiner, immer leistungsfähiger, immer leichter, bei den aktuellen aktiven Fullrange Lautsprechern gibt es eigentlich nur eine Richtung mit der Maxime, wie kann ich mit einem minimalem Transportaufwand eine maximale Fläche akustisch ausleuchten. Ein weiterer Anwärter kommt aus dem Hause Alto, ist ein Spross der aktuellen TS-Serie und hört auch den Namen Alto TS 310 und folgt einmal mehr dem Prinzip „Designed in the USA, Made in China“. Inwieweit sich die Box mit einem Ladenpreis von nur 245,- Euro in der Praxis behaupten kann, wird dieser Test zeigen.

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Alto TS 310 Aktivbox

Anwendungsbereich der Alto TS 310 Aktivboxen

Die Zeiten der Spezialisten scheinen immer mehr in den Hintergrund zu treten und können sich faktisch nur noch auf großen, professionellen Bühnen durchsetzen. Der gesamte Consumer-Bereich befindet sich fest in der Hand der Multifunktionsboxen, zu denen auch die Alto TS 310 Aktivbox gezählt werden muss, wobei Alto diesbzgl. noch mal ein paar Schippen drauflegt. Neben den Standards wie Hochständerbetrieb und Floormonitor ist die Alto TS 310 auch mit M10 Flugpunkten versehen, was die Flexibilität im stationären Betrieb ungemein erhöht.

Interessant ist, dass Alto mit ihrem Produkt einen großen Fokus auf den DJ-Betrieb setzt, sodass als Anwendungsbeispiel für zwei Boxen tatsächlich ein handelsüblicher DJ-Mixer im Handbuch als Referenz dient. Inwieweit die Boxen gerade im Bassbereich den Ansprüchen gerecht werden, wird der Praxistest zeigen.

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Alto TS310 Front

Die Konstruktion der Alto TS 310 Aktivboxen

Bei den Alto TS 310 Aktivboxen handelt es sich um aktive Zweiwege-Lautsprecher, die in Sachen Leistung mit 1.000 Watt RMS und einem Peak von 2.000 Watt angegeben werden, einem Wert, der in dieser Klasse durchaus im oberen Bereich anzusiedeln ist. Im RMS-Bereich liegt die Aufteilung bei 650 Watt für den 10 Zoll Tieftöner und 350 Watt für den 1,4 Zoll-Neodym-Treiber, was eine ungewöhnlich starke Fixierung auf den Hochtöner in Sachen Leistungsabgabe darstellt. Inwieweit diese Werte der Praxistauglichkeit entsprechen, werden wir später noch erörtern. Getrennt wird bei 2,5 kHz, wobei der Abstrahlwinkel einmal mehr bei 90 Grad horizontal sowie 60 Grad vertikal liegt. Der Frequenzumfang wird mit 54 Hz bis 20.000 Hz angegeben bei einem Schalldruck von 126 dB (SPL @ 1m)

Mit den Abmessungen 524 x 320 x 300 mm ist die Box äußerst handlich und mit einem Gewicht von 11,8 kg zudem noch vergleichsweise leicht zu transportieren. Das aus Polypropylen gefertigte Gehäuse ist tadellos verarbeitet und schützt die beiden Lautsprecher mit einem massiven, schwarzen Metallgitter. Das System verfügt über zwei seitlich angebrachte Griffe, die in dieser Größe in der Regel für den Transport und das Wuchten auf Hochständer ausreichen. Möchte man sich die Optik der Boxen etwas länger erhalten, so empfiehlt sich die Anschaffung der optional zu erwerbenden Schutzhülle TS210, die mit 28,- Euro zu Buche schlägt.

Sowohl in der aufrechten Position als auch im Bodenmonitor Betrieb wird die Alto TS 310 von vier geformten Füßen (aufrechter Betrieb) oder aber einer kleinen geriffelten Fläche (Wedge/Monitor-Betrieb) am Platz gehalten, die aus dem Polypropylen heraus gearbeitet wurden. Die Standfestigkeit geht von gut (aufrechter Betrieb) bis ausreichend (Wedge/Monitor-Betrieb), die Rutschfestigkeit hingegen ist aufgrund der nicht gummierten Oberfläche nur als mäßig zu bezeichnen. Sämtliche Bedienungselemente befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses und wurden notdürftig mit zwei überstehenden Kanten gegen Abbrechen gesichert. Im Lieferumfang enthalten sind zusätzlich zur Box noch ein Netzkabel und ein mehrsprachiges, einfach gehaltenes Handbuch.

Die Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite des Gehäuses wurden sehr einfach gehalten und beinhalten die Verwaltung von zwei Eingangsquellen, die mit je einer Kombibuchse sowohl Klinke, TRS und XLR aufnehmen können. Je ein Gain-Regler mit 0 dB Rastung erlaubt das Einpegeln zwischen Line- und Mikrofonsignal, eine rote Peak-LED hilft bei Übersteuerungen. Auf eine Klangregelung wurde komplett verzichtet, lediglich ein Contour-Schalter sorgt mit einer Anhebung im Höhen- und Bassbereich von 3 dB für etwas Scoop/Loudness-Feeling. Für den Daisy-Chain-Betrieb verfügt die Alto TS 310 noch über einen XLR-Mix-Out, den Abschluss bildet der Kaltgerätestecker nebst Hauptsicherung und dem On/Off-Schalter. Da das System passiv gekühlt wird, arbeitet die Alto TS 310 auf einem sehr niedrigen Geräuschniveau, was insbesondere bei kleinen Veranstaltungen große Vorteile bietet.

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Alto TS310 Rückseite

Aktivboxen in der Praxis

So elegant die Oberfläche der Alto TS 310 in der Werksauslieferung auch wirken mag, so anfällig ist sie auch gegen Kratzer, von daher empfehle ich eindeutig, die Kosten für die Schutzhülle mit in die Budgetierung mit einzuplanen. Eine abgewetzte Box mag bei der örtlichen Punkcombo noch etwas Charme genießen, bei der Beschallung einer Präsentation wirkt es komplett deplatziert. Trotz der genannten Werte im vierstelligen Wattbereich sollte man die praxisnahen Eckdaten der Box nicht außer Acht lassen. Ein Boxenpaar wird in der Lage sein, eine kleine Menschenansammlung von 50 bis 60 Personen angemessen zu beschallen, mehr ist allerdings nicht möglich.

Ich habe das System in drei verschiedenen Bereichen getestet. Zum einen als Wedge in einem Rehearsal-Studio, im Hochständerbetrieb in einem kleinen Saal und im Hochständerbetrieb auf einer großen offenen Freilandfläche.

Der erste klangliche Eindruck bei deaktiviertem Contour-Schalter und neutraler Klangregelung ist ordentlich. Der Bassbereich ist überraschend präsent, deutlich mehr, als was ich einem 10 Zöller zugetraut hätte. Die Höhen klingen etwas belegt, der Mittenbereich vergleichsweise ausgewogen. Man merkt sofort, dass der gegen die Standard 1 Zoll Treiber etwas größere Hochtöner sehr schön noch bis in die Hochmitten reicht und dort einen deutlich besseren Mittenanteil abdeckt, als was man normalerweise in dieser Leistungsklasse geboten bekommt. Ein guter Anfang.

Der gedrückte Contour-Schalter ändert die Klangcharakteristik deutlich. Der Höhenbereich gewinnt deutlich an Präsens respektive Charakter und auch der Bassbereich wird kräftig angeschoben, bleibt aber kurz vor dem Dröhnen stehen und hält das Volumen erstaunlich gut, ohne umzukippen. In dieser Einstellung wird das System schon bereits einen Großteil seines Einsatzbereichs abdecken können, ohne dass ein weiterer EQ vom Pult aus o. ä. zum Einsatz kommen muss. Einschränkungen muss man allerdings im Bereich der „Körperlichkeit“ des Sounds machen. Es ist wahrlich beeindruckend, was die Alto TS 310 an Bässen aus dem 10 Zoll Lautsprecher nebst Gehäusekonstruktion herausholt, allerdings schafft sie es natürlich nicht, einen zusätzlichen Subwoofer zu ersetzen. Erwartungsgemäß sind dem 10 Zöller hier physikalische Grenzen gesetzt, welche man auch bei der besten Konstruktion nicht überlisten kann.

Kommen wir nun zu den „Eyecatchern“ der Alto TS 310, den Leistungsangaben. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass sich kein Unternehmen einen Gefallen tut, indem es rechnerisch die letzten physikalisch zu ermittelnden Werte als Aufhänger nimmt und diese gegenüber dem Kunden als Standard verkauft. Auf jeden Hobbybeschaller, der sich in der Zahl „2.000“ sonnt, kommen etwa zehn enttäuschte Kunden, die sich von der Zahl mehr versprochen haben. Fakt ist, die Box ist laut, für ihre Größe sogar sehr laut, aber im letzten Leistungsbereich gerät der bis dato gute Klang der Konstruktion zu einem unangenehm harten, bisweilen angezerrten Klangbild, das die Qualität des Produktes deutlich mindert.

Nicht nur dass die „2.000 Watt“ Peak in der Praxis nicht erreicht werden, auch im Leistungsbereich darunter mag man die Box nicht an ihre Grenze bringen, es sein denn, man möchte sich dem experimentellen Bereich der Musik zuwenden. Ein anvisierte Peak-Leistung von 1 KW mit einer Abregelung bei ca. 600 Watt würde dem System sehr gut zu Gehör stehen und einen wirklich bis zur Leistungsgrenze guten Soundeindruck hinterlassen. So hingegen läuft man Gefahr, bei entsprechendem Potenzgehabe den Zuhörer mehr zu belasten, als zu erfreuen.

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Alto TS310 im Monitorposition

Fazit

Mit den Alto TS 310 Aktivboxen hat der amerikanische Hersteller preiswerte Fullrange-Lautsprecher mit gutem Klang und hoher Flexibilität im Programm. Das System klingt deutlich erwachsener, als was die Abmessungen vermuten lassen und bietet mit Hochständer, Floormonitor und Flugbetrieb eine große Auswahl an Einsatzmöglichkeiten.

Würde der Hersteller nicht wie viele Kollegen mit nicht praxisgerechten Leistungsangaben hausieren gehen und damit Erwartungshaltungen schüren, die in der Praxis nicht gehalten werden können, würde die Box einen rundum gelungenen Eindruck hinterlassen. So bleibt eine sehr ordentlich klingende Box übrig, bei der man mit dem Regelweg im letzten Viertel der Volume-Regler sehr vorsichtig sein muss.

Plus

  • guter Grundklang
  • flexible Einsatzmöglichkeiten
  • kompakte Abmessungen

Preis

  • 245,- Euro
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