Test: Alvarez, MD80-12, Westerngitarre

1. Juli 2008

Alvarez MD80-12

Das Angebot an Stahlsaitenakustikgitarren, in allen Preislagen, ist mittlerweile fast ebenso vielfältig und nahezu unüberschaubar wie das Produktangebot auf dem E-Gitarrensektor. Qualitativ hochwertig gefertigte sechssaitige Steelstrings sind selbst in den unteren bis mittleren Preislagen keine Seltenheit mehr. Niedrige Lohnkosten und über die Jahre gewachsenes Produktions-Know-how im chinesischen Gitarrenbau machen es möglich. Immer mehr westliche Gitarrenmarken lassen deshalb in Fernost unter eigenem Namen und strenger Qualitätskontrolle ihre Instrumente fertigen. Gute 12-saitige-Akustikgitarren im unteren bis mittleren Preissegment sind allerdings dagegen immer noch selten auszumachen. Die Nachfrage nach Instrumenten dieser Gattung scheint zu gering (12-saitige werden meistens als Zweit- oder Drittinstrument angeschafft), als dass sich die Hersteller zu einem breiteren Angebot entschließen könnten. Eines dieser „seltenen“ Exemplare hat sich zum Test auf Amazona.de eingefunden: die Alvarez MD80-12.

-- Die Alvarez MD80-12 --

— Die Alvarez MD80-12 —

Im Gegensatz zu den großen etablierten US-amerikanischen Akustikgitarrenmarken, wie z.B. Martin, Taylor, Guild oder auch Gibson, ist es bei einigen Produzenten auf den ersten Blick gar nicht so einfach, den Firmensitz bzw. Fertigungsort der angebotenen Gitarren auszumachen. Bei Alvarez suggeriert der Name spanische Herkunft. Für das Design, ebenso wie für die Endkontrolle der Alvarez-Gitarren, ist allerdings die St. Louis Music Company in Missouri USA, welche 2005 von Loud Technologies Inc. (Mackie, Ampeg, Crate u.a.) übernommen wurde, verantwortlich.

Zwei Hauptproduktfamilien mit insgesamt 134 unterschiedlichen Akustik- und Konzertgitarrenmodellen stehen zur Auswahl. Unterschieden werden muss grundsätzlich zwischen den Alvarez-Yairi-Instrumenten, die in Japan unter der Regie von Gitarrenbauerlegende Kazuo Yairi weitgehend handgefertigt werden und der Alvarez-Linie, deren Entstehungsort je nach Preislage entweder China oder wiederum Japan ist. Die getestete MD80-12 entstammt der Alvarez-Master-Series, ist im mittleren Preissegment angesiedelt und stammt aus China – alles klar?

Konstruktion

Die Alvarez MD80-12 ist von der Bauform her eine typische Dreadnought. Für den Korpus wurden durchgängig massive Tonhölzer von augenscheinlich hoher Qualität ausgewählt, deren Oberflächen sauber und fehlerfrei transparent lackiert und auf Hochglanz poliert wurden. Die aus zwei Teilen zusammengefügte Decke besteht aus feingliedrig gemaserter Engelmann Fichte. Typisch für diese Holzart ist die fast weiße Färbung. Die in Höhenlagen von 900 – ca. 3500m vorzufindende nordamerikanische Fichtenart bildet aufgrund der besonderen klimatischen Wachstumsbedingungen im Hochgebirge besonders eng liegende Jahresringe aus. Das Holz verfügt über eine höhere Dichte und ist somit härter als beispielsweise Sitka-Fichte. Die Materialeigenschaften der Engelmann Fichte bedingen, zumindest theoretisch, ein höhenreicheres Klangbild bei gleichzeitig reduzierten Bässen, im Vergleich zu in tieferen Regionen schneller wachsenden Fichten- und Zedernarten. Für den speziellen Sound einer 12-saitigen Akustikgitarre ist dieses Material sicher keine schlechte Wahl.

-- Engelmann Fichte für die Decke --

— Engelmann Fichte für die Decke —

Das Schallloch der Decke ist mit einer schlicht eleganten 3-teiligen Einlegearbeit verziert. Zwei dünne Palisanderstreifen werden von einem schimmernden Ring aus Abalone umrandet. Die Ausführung ist makellos gelungen. Der mit der Decke verleimte, einteilige Palisandersteg trägt eine längenkompensierte Einlage aus Kunststoff. Die darauf gelagerten Saitenpaare werden, ganz klassisch, von 12 in den Steg steckbaren Pins arretiert, die hintereinander in zwei Reihen angeordnet sind. Die Köpfe der Pins sind ebenfalls mit kleinen Abalone-Einlagen verziert. Die Stegform erinnert an die der edlen japanischen Yairi-Gitarren, dort ist diese Konstruktion allerdings zweiteilig ausgeführt. Der Korpusrand ist mit einem Binding aus Ahorn abgeschlossen, gefolgt von einer weiter innen liegenden vierstreifigen schwarz-weißen Verzierungseinfassung.

Die Decke wird durch ein klassisches X-Bracing getragen. Die Decken- und Bodenbeleistung zeugt, wie alle übrigen an der Gitarre ausgeführten Holzarbeiten, von hoher handwerklicher Qualität.

Klangbeispiele
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