Test: Amptweaker Bass TightDrive, Effektgerät für Bass

10. Juli 2018

Overdrive mit innovativen Features

Amptweaker Bass TightDrive title

Overdrive-Effekte erfreuen sich unter uns Saiteninstrumentalisten bereits seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Kommen unsere dünn besaiteten Bandkollegen kaum noch ohne diese Verzerrer aus, sind diese ebenso in vielfältiger Form und Ausprägung auf den Pedalboards von uns Bassisten zu finden. Besonders bei Bassisten, die maßgeblich im Rock- oder Metal-Genre tätig sind, zählt ein Overdrive-Effekt schon fast zum Pflichtprogramm, sofern nicht ganz spartanisch und rudimentär auf die Verzerrung des verwendeten Verstärkers zurückgegriffen wird.

Entsprechend groß und schier unüberschaubar ist die Auswahl in dieser Produktsparte, wobei die größte Maxime der Hersteller grundlegend darin liegt, über den Overdrive-Effekt einen möglichst authentischen, druckvollen und artikulierten verzerrten Basston zu generieren, ohne dass dieser matschig klingt oder komplett abflacht.

Amptweaker Bass TightDrive

— Amptweaker Bass TightDrive —

Aus diesem Angebot hat unsere Redaktion nun einen weiteren Kandidaten erhalten, der versucht, auf diesem hart umkämpften Markt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dies in Form des Amptweaker Bass TightDrive Overdrive-Effekts, der den weiten Weg aus Übersee auf sich genommen hat, um uns das Zerren zu lehren. 

Im Detail begann die lange Reise des kleinen Effektgerätes im Amptweaker Firmensitz in Cumming, einem Vorort der amerikanischen Metropole Atlanta, Georgia. Das Unternehmen Amptweaker ist sicherlich kein allzu bekannter Name im Musikalienbusiness. Schon allein dieser Umstand sorgt durchaus für etwas Verwirrung, sobald man in diesem Zusammenhang als Geschäftsführer den Namen James Brown liest. Doch nach kurzem Stirnrunzeln und Einsatz des allwissenden Google sollte sich doch schnell herausstellen, dass es sich dabei natürlich nur um einen Namensvetter des leider schon lange verstorbenen „Godfather of Soul“ handelt.

Jedoch hat es auch dieser James Brown faustdick hinter den Ohren. In diesem Fall allerdings wohl eher als Godfather of Amp-Design. Schließlich begann James bereits in den 80ern als Jugendlicher an seinen Gitarrenverstärkern herumzubasteln, um dem Sound seiner musikalischen Vorbilder näherzukommen. Diese Passion mündete zwangsläufig in einem Elektrotechnik-Studium und nachfolgend in einer entsprechenden Lehrtätigkeit an der Uni.

Alles ziemlich seriös und akademisch mit wenig Rock’n’Roll. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als James im Jahre 1986 als Amp-Designer bei Peavey einstieg, wo er über Jahre hinweg maßgeblich das Verstärker-Produktsortiment geprägt hat und in Zusammenarbeit mit Superstars wie Eddie Van Halen oder Joe Satriani reichlich Erfahrung sammeln konnte.

Nach der Jahrtausendwende stellte James sein Fachwissen noch ein paar Jahre dem Unternehmen Kustom Amps zur Verfügung, bis er im Jahre 2011 schließlich Amptweaker gründete, um eigene Ideen und Vorstellungen umsetzen zu können. In nun mehr als 30 Jahren hat sich James Brown wahrlich zu einer regelrechten Koryphäe in diesem Metier entwickelt, der genau weiß, worauf es ankommt, um qualitativ hochwertiges und funktionales Equipment zu bauen, das vor allem hervorragend klingt. Somit schon einmal beste Voraussetzungen für die Entwicklung eines Top-Produktes.

Also schauen wir uns den Amptweaker Bass TightDrive mal genauer an, ob und inwiefern sich dieser im Produktsegment der Overdrive Bodeneffekte auszeichnen kann.

Amptweaker Bass TightDrive – Facts & Features

Hat man den Amptweaker Bass TightDrive aus seiner Verpackung gepellt, zeigt sich grundlegend das bekannte Bild eines Bodeneffektgerätes. Gehüllt in ein tannengrün lackiertes Metallgewand, prägen fünf Anschlussbuchsen, vier Drehregler, ein Kippschalter, der obligatorische Fußtaster und ein mysteriös anmutender Bügel das Gesamtbild der kleinen Kiste. Erst nach näherer Betrachtung fallen ein paar Details auf, die dem Gerät durchaus einen eigenständigen Charakter verleihen und von der breiten Masse abheben.

Amptweaker Bass TightDrive

— Amptweaker Bass TightDrive – Front —

Mit den Abmessungen von 9,3 x 12,7 x 5,1 cm bewegt sich der Bodentreter in handelsüblichen Sphären, wobei das Gewicht mit ca. 900 Gramm dann doch ordentlich zu Buche schlägt. Schließlich bringen Geräte in ähnlicher Bauform und Größe ungefähr nur halb so viel Gewicht auf die Waage. Doch das erhöhte Gewicht sollte nicht nur negativ gewertet werden. Denn das kleine grüne Kerlchen macht mit seiner dicken Metallhülle einen überaus soliden Eindruck, wie es sich nun mal für ein Bodeneffektgerät gehört, das unentwegt mit Füßen getreten wird. Gleichermaßen vermittelt das überdurchschnittliche Gewicht auf subtile Art und Weise eine höhere Wertigkeit.

Das Gehäusedesign erscheint auf den ersten Blick ziemlich klassisch, wobei es sich durch einen kleinen Kniff deutlich von den üblichen kastenförmigen Bodeneffektgeräten absetzt. Dies liegt maßgeblich an der Gestaltung des Bedienfeldes auf der Oberseite. Ähnlich wie bei einem Satteldach ist dieses nämlich in zwei schräge Flächen aufgeteilt, was im Hinblick auf die Praxis einen äußerst funktionalen Hintergrund hat. Schließlich befindet sich auf der vorderen, dem Musiker zugewandten Fläche der Fußtaster, der zur De- bzw. Aktivierung des Effektes dient und üblicherweise mit dem Fuß nicht allzu sorgsam bedient wird. Auf der hinteren Fläche befinden sich wiederum die vier sensiblen Drehregler, mit den sorgfältig eingestellten Effektparametern. Durch die Bauform wird nun praktisch ausgeschlossen, dass die vier Drehregler bei Betätigung des Fußtasters berührt oder gar verstellt werden. Für weiteren Schutz vor ungewollten Eingriffen auf die Potis sorgt der hintere Metallbügel, so dass im Eifer des Gefechtes wirklich nur mit grobem Vorsatz etwas verstellt werden kann. Zudem eignet sich der Metallbügel als praktischer Griff, um den Bodentreter z.B. aus einem engen und überfüllten Pedalboard herauszufischen.

Selbst bei den vier rudimentär anmutenden Drehreglern hat sich James Brown sichtlich ein paar Gedanken gemacht und ein cleveres Feature entwickelt. An den Potis sind nämlich ringsum ein paar Bohrungen in gleichmäßigen Abständen und unterschiedlichen Höhen angeordnet, die sich durch den metallisch-silbernen Glanz sehr deutlich von der schwarzen Lackierung der Regler absetzen. Aus der Perspektive des Musikers kann so ganz einfach die Reglereinstellung abgelesen werden. Je höher die Lage des Punktes auf dem Poti, desto stärker die Intensität des jeweiligen Parameters. Unterstützt wird dieses Feature durch vier LEDs, die vor den Drehreglern im Gehäuse montiert sind und diese ganz unscheinbar illuminieren. So sind die Einstellungen der Potis noch im dunkelsten Proberaum oder auf diesigen Bühnen mit widrigen Lichtverhältnissen zu erkennen.

Amptweaker Bass TightDrive

— Amptweaker Bass TightDrive – Bedienfeld —

Im Detail handelt es sich bei den Drehreglern um die Effektparameter Volume, Tone, Gain und Tight. Wie üblich lässt sich dabei über das Volume-Poti die Lautstärke des Effektes einstellen, um so z.B. die gewünschte Präsenz im gesamten Klangbild zu realisieren. Die Intensität der Höhen wird wiederum über den Tone-Regler justiert. Dreht man dieses Poti nach oben, so wird der Grundklang brillant und crisp. Wird die Intensität reduziert, so wird das Klangbild immer runder und smoother. Weiter geht es mit dem Gain-Regler, der maßgeblich für die Intensität der Verzerrung verantwortlich ist. Nachwürzen lässt sich die Verzerrung abschließend über das Tight-Poti, das den Grundcharakter des Klangbildes je nach Belieben aggressiv und kratzig oder fett und brachial formt. Generell fällt bei den Potis ein angenehmer Drehwiderstand auf, der dafür sorgt, dass persönliche Einstellungen bei kleinsten Berührungen nicht gleich wieder verstellt werden.

Hinter den Drehreglern bzw. unter dem Metallbügel zeigt sich noch ein Kippschalter, der mit dem Hinweis Battery beschriftet ist. Denn sollte der Amptweaker Bass TightDrive mit einer 9V-Blockbatterie betrieben werden, empfiehlt es sich, diesen Schalter zu deaktivieren, sobald das Effektgerät nicht in Nutzung ist, um so den unnötigen Verschleiß der Batterie zu vermeiden. Hinsichtlich der Energieversorgung ist es dem Nutzer natürlich glücklicherweise freigestellt, ob der Bodentreter mit einem passenden Netzteil oder einer 9V-Blockbatterie versorgt wird. Jedoch muss die Batterie oder das Netzteil in diesem Zusammenhang leider separat erworben werden, da diese dem Lieferumfang nicht beiliegen.

Wer den Amptweaker Bass TightDrive jedenfalls mit einer Batterie betreiben will, wird in diesem Zuge unweigerlich auf ein fantastisches Feature stoßen. Dies in Form des Batteriefaches auf der rechten Gehäuseseite. Üblicherweise vermutet man in diesem Zuge eine verschraubte Abdeckung, die in minutenlanger Friemelei mit einem Schraubenzieher demontiert werden muss, um die Batterie zu wechseln. Oder die Abdeckung besteht alternativ aus einer Kunststoffplatte mit fragilem Clip-Verschluss, der nach kürzester Zeit sowieso den Geist aufgibt und abbricht. Doch nicht in diesem Fall. Eigens für seine Bodeneffektgeräte hat James Brown nämlich ein Schubladenfach für die Aufnahme der Batterie entwickelt, das ganz einfach händisch ein- und ausgefahren werden kann und dabei lediglich von einem Magneten verschlossen wird. Eine Innovation, die schon fast Nobel-Preis verdächtig erscheint. Nutzer, die hinsichtlich der Stromversorgung und persönlicher Vorliebe ein Netzteil bevorzugen, finden die entsprechende Anschlussmöglichkeit ebenso auf der rechten Gehäuseseite, neben dem praktischen Batteriefach.

Amptweaker Bass TightDrive

— Amptweaker Bass TightDrive – Batteriefach —

Die Gehäuseseitenflächen beherbergen darüber hinaus noch verschiedene Anschlüsse im 1/4″ Klinkenstecker-Format. Essenziell sind dabei natürlich der Ein- und  Ausgang, auf der rechten und linken Gehäuseseite, um ein Signal in den Bodentreter rein und wieder raus zu bekommen. Optional bietet sich auf der hinteren Gehäusefläche, mit den Anschlüssen Return und Send, sogar ein Effekt-Loop an, der die Flexibilität dieses Overdrive-Effektes erheblich erhöht. In diesem Zusammenhang lässt sich auf der unteren Gehäuseseite noch ein zugehöriger EFX-Loop-Schalter finden, über den sich festlegen lässt, ob das Signal im Effekt-Loop vor oder nach dem Overdrive-Effekt verarbeitet werden soll.

So ergibt sich eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten, bei denen äußerst kreativ und optimiert mit der vorhandenen Peripherie agiert werden kann. Schließlich ist es z.B. ratsam, Compressor-Effekte in der Effektschleife vor die Verzerrung zu schalten, um ein brauchbares Klangergebnis zu erhalten. Effekttypen wie Delay oder Reverb wiederum sollten erfahrungsgemäß nach dem Overdrive-Effekt eingeschleift werden, um Soundbrei entgegenzuwirken.

Amptweaker Bass TightDrive

— Amptweaker Bass TightDrive – Bodenfläche —

Als ganz persönliche Note zeigt sich über dem EFX-Loop-Schalter auf der Bodenplatte noch die Signatur des Meisters selbst, um unmissverständlich das Qualitätsmerkmal Handmade in USA zu unterstreichen. Abschließend bleiben auf der Bodenplatte nur noch die vier Gummistandfüße zu erwähnen, die das Effektpedal äußerst sicher selbst auf glatten Böden fixieren.

Äußerlich betrachtet hinterlässt der Amptweaker Bass TightDrive schon einmal einen hervorragenden Eindruck. Grundlegend wird das Rad bei diesem Bodentreter natürlich nicht neu erfunden, jedoch lassen sich einige Features und Gimmicks finden, die das Effektgerät deutlich von der breiten Masse abheben. Ebenso der Einsatz der verwendeten Materialien und die Verarbeitung zeugen von höchster Güte und bieten keinerlei Kritikmöglichkeiten. Doch das ist letztendlich nur die halbe Miete und man darf gespannt sein, wie sich die kleine grüne Kiste in der Praxis schlägt und vor allem, wie sie dabei klingt.

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