Legendärer Sound im Studio
AMS Neve hat sein beliebtes Audiointerface 88M gründlich überarbeitet, einige Funktionen hinzugefügt und das gesamte Gerät einer Frischzellenkur unterzogen. Grund genug, das kleine AMS Neve 88M erneut unter die Lupe zu nehmen!
Was ist es? AMS Neve 88M, kompaktes 2-Kanal-USB-Audiointerface mit Neve-88RS-Mikrofonvorverstärkern, Marinair-Übertragern und ADAT-Erweiterung.
- Neve-Sound: Hochwertige Mikrofon-Preamps mit Marinair-Übertragern liefern den typischen warmen und musikalischen Neve-Klang.
- Neue Funktionen: DAW-Hardware-Insert, verbesserte Insert-Wege, USB-C-Anschluss und erstmals ein Power-Schalter.
- Klang & Technik: Sehr gute Wandler, hohe Dynamik und verbesserte Latenzwerte sorgen für professionelle Audioqualität.
- Praxis: Komplett hardwarebasierte Bedienung ohne Software-Ökosystem – ideal für Puristen und klassische Studio-Workflows.
- Fazit: Klanglich herausragendes Desktop-Interface mit sinnvoller Modellpflege und deutlicher Aufwertung gegenüber der ersten Version.
Inhaltsverzeichnis
- AMS Neve? Rupert Neve? Wie jetzt?
- Welche Ausstattung bietet der AMS Neve 88M?
- Die verschiedenen Betriebsarten
- Software und technische Messwerte
- Was ist neu am AMS NEVE 88M?
- Die Messwerte des AMS NEVE 88M
- Die Verarbeitung des AMS Neve 88M
- Der AMS Neve 88M in der Praxis
- Wie klingt das AMS Neve 88M?
- AMS Neve 88M im Vergleich zum UAD Apollo
Bereits 2022 hatte ich das hochwertige Desktop-Audiointerface ausführlich getestet. Nun bringt AMS Neve eine überarbeitete Version auf den Markt, die einige der meist genannten Kritikpunkte adressiert.
Das AMS Neve 88M ist ein 2-Kanal-USB-Audiointerface mit Mikrofonvorverstärkern auf Basis der Neve-88RS-Konsolentechnik, Marinair-Übertragern, ADAT-Erweiterung und Wandlungen mit bis zu 24 Bit / 192 kHz. Schauen wir, ob das Update gelungen ist.
AMS Neve? Rupert Neve? Wie jetzt?
Vor dem Test müssen wir kurz klarstellen, wie sich das mit dem Thema „Neve“ so verhält, denn es gibt zwei Firmen: AMS Neve (AMS = Advanced Music Systems) und Rupert Neve Designs. Genau genommen hat Rupert vor der Kollaboration mit AMS schon mit einigen Firmen gearbeitet bzw. diese sogar besessen (CQ Audio, Rupert Neve Company etc.). Durch den Zusammenschluss 1990 ist AMS Neve der Hersteller der klassischen Neve Geräte, wie sie in den legendären Studios eingesetzt werden. AMS Neve ist heute in Burnley U.K. ansässig.
1985 hat Rupert Neve zusammen mit seiner Frau Evelyn die Firma Focusrite Ltd. gegründet, aus der später die uns gut bekannte Firma Focusrite Audio Engineering entstand. Allerdings hat Rupert Neve nie Geräte für das „neue“ Focusrite designt.
1994 sind Rupert und seine Frau nach Texas umgezogen und wurden amerikanische Staatsbürger (2002). Dort wurde im Jahr 2005 das Unternehmen Rupert Neve Designs gegründet, das bis heute modernes Studioequipment nach Vorgaben des Meisters selbst herstellt. Leider ist Rupert Neve 2021 von uns gegangen.
Welche Ausstattung bietet der AMS Neve 88M?
Der Neve 88M ist ein 2-Kanal Mikrofon-Preamp und Audiointerface. Das Gerät kommt in einem kompakten Gehäuse mit den Abmessungen (B x T x H) 182 x 203 x 76 mm und einem Gewicht von 1,68 kg. Der Gehäuserahmen ist aus einem Leder-ähnlichen Kunststoffbezug, der einem Tolex-Bezug eines Gitarrenverstärkers sehr ähnlich ist. Auf der Front sind die beiden symmetrischen Kombi-Inputs (XLR/TRS) samt 48 V Schalter und Gain-Regler für jeden Preamp. Ein Druck auf diesen Preamp-Regler schaltet zwischen Mikrofon-, Line- und Instrumenteneingang (HI-Z) um. Man findet auf der Front zwar keine Peak-Anzeige mit VU-Meter oder LED-Kette, aber immerhin eine dreifarbige Signal-LED für die optische Darstellung des Gains. Grün bedeutet einen Pegel von -43 dBFS bis -5 dBFS, gelb bedeutet -5 dBFS bis -3 dBFS und rot bedeutet Clipping bei -3 dBFS bis 0 dBFS.
Rechts, mit einem originalen Drehregler einer 88RS Konsole versehen, der Main-Monitor-Level und der regelbare Kopfhörerausgang. Der Monitor-Level hat eine Mittenrasterung bei -12 dbu, so dass man die Studiomonitore passend kalibrieren kann. Das funktioniert auch bei den Kopfhörern. Hier ist die 12-Uhr-Position bei -6 dBu.
Auf der Rückseite haben wir oben zwei Send/Returns (je ein Bus pro Kanal) für die Einbindung von externen Effekten, wie einem Kompressor, Equalizer oder Gitarrenpedale. Unten dann ADAT IN und OUT, was die Unterstützung für bis zu acht weitere Kanäle offeriert. Hier wäre beispielsweise ein Focusrite Scarlett OctoPre eine sinnvolle und preisgünstige Ergänzung zur Erweiterung der Kanäle. Auch hier ist der AMS Neve 88M konsequent und unterstützt alle gängigen Formate: Mit 44,1/48 kHz werden acht Kanäle unterstützt, mit 88,2/96 kHz vier Kanäle und mit 176,4/192 kHz sind es zwei.
Die verschiedenen Betriebsarten
Der Kopfhörerregler ist gleichzeitig auch der Umschalter für die Betriebsart. Die folgenden Modi werden beim Druck auf den Regler umgeschaltet:
DIR Modus
DIR schaltet das Signal der Preamps direkt auf die Monitor-Outputs (post insert). Diese Option ist ideal für Stereoaufnahmen mit zwei Mikrofonen, z. B. für Klavier oder akustische Gitarre. DIR ist Stereo und Channel 1 wird an den linken Monitor- und Kopfhörerausgang geleitet, Channel 2 nach rechts.
MIX Modus
MIX ist geeignet, wenn beispielsweise eine Quelle mit zwei Mikrofonen aufgenommen wird oder man von USB (vom Computer) zuspielt und man mit Gitarre begleitet. MIX speist das Direktsignal von beiden Vorverstärkern in die Monitorausgänge ein, gemischt mit dem Stereo-Return-Signal der DAW. Diese Monitoreinspeisung ist ebenfalls post insert, daher werden alle analogen Geräte, die in der Insert-Schleife verwendet werden, in das Abhörsignal einbezogen. MIX ist ebenfalls Stereo, wie bei DIR.
DAW Modus
DAW wird genutzt, wenn man mit einer DAW arbeitet (Überraschung!). DAW speist nur das Stereo-DAW-Signal in die Monitorausgänge und Kopfhörerausgänge ein und umgeht die Inserts.
MONO MIX Modus
MONO MIX: Diese Option ist ideal für Mono-Aufnahmen/Overdubbing-Situationen wie Aufnahme von Solo-Gesang oder DI-Instrumenten. MONO MIX speist das Direktsignal der beiden Kanäle 1 und 2 als Monosignal in den linken und rechten Kopfhörer- und Monitorausgang. Dieses Mono-Signal wird mit dem Stereosignal der DAW gemischt, so dass die DAW-Spur ihr Stereobild beibehält Stereobild beim Overdubbing von Monospuren beibehält.
Software und technische Messwerte
Software gibt es eigentlich nicht. Anders wie bei Universal Audio mit den Apollos gibt es keine Software, um das Audiointerface zu steuern. Das Neve 88M ist konsequent auf eine Bedienung am Gerät getrimmt. Es gibt allenfalls einen Windows USB-Treiber und ein Tool zum Update der internen Firmware. Auch zusätzliche Plug-ins, Software-Effekte oder eine Light-DAW ist nicht im Paket enthalten
Hinsichtlich der Messwerte gibt sich Neve keine Blöße: Alle Werte sind auf hohem Niveau und so gibt sich das 88M sehr praxisgerecht. Kein Rauschen, Verzerren oder tonale Abweichungen sind im Betrieb wahrnehmbar. Hier die Details:
General Specifications
- Headroom: +18 dBu @ 1 kHz (<0,5 % THD+N)
- Distortion (THD+N) Typically 0,008 % @ 1 kHz (measured at +18 dBu, 10 Hz to 80 kHz filter)
- General Noise <-85 dBu (A-wtg)
Microphone Inputs
- Frequency Response 20 Hz to 20 kHz +/- 0,1 dB
- Frequency Response 10 Hz to 35 kHz +/- 0,5 dB
- Dynamic Range >110 dB
- Distortion (THD+N) <0,004 %
- Noise EIN -125 dBA
- Gain Range +21 dB to +68 dB
- Maximum Input Level -50 dBu (Max Gain @ 68 dB)
- Maximum Input Level -3 dBu (Min Gain @ 21 dB)
- Input Impedance ≈1,5 kΩ
Line Inputs
- Frequency Response 20 Hz to 20 kHz +/- 0,1 dB
- Frequency Response 10 Hz to 35 kHz +/- 0,5 dB
- Dynamic Range >111 dB
- Distortion (THD+N) <0,006 %
- Gain Range -12 dB to +35 dB
- Maximum Input Level -17 dBu (Max Gain @ 35 dB)
- Maximum Input Level +3 0dBu (Min Gain @ -12 dB)
- Input Impedance ≈20 kΩ
Was ist neu am AMS NEVE 88M?
Bei der Überarbeitung des Interfaces hat man vor allem zugehört. Die Kundschaft war zwar vom Klang des 88M angetan, aber für einen Preis von über 1.100,- Euro erwartet die Fangemeinde einfach mehr – und dieses Mehr gibt es nun in der neuen Auflage des Desktop-Audiointerfaces.
Neu: Die digitalen Eingänge
Diese verfügen über eine neue, vielfach gewünschte Funktion, die die Nachbearbeitung zuvor aufgenommener Signale über den Übertrager und die Insert-Send/Return-Schleife des 88M ermöglicht. Dank dieser Option kann das 88M in der DAW als „Hardware-Insert“ für Mono- oder Stereospuren eingesetzt werden. Damit lässt sich das Interface nicht nur zur Aufnahme nutzen, sondern auch als Outboard-Prozessor innerhalb der DAW.
DAW-Signale können nun vom charakteristischen Klang des Marinair-Übertragers profitieren, der bisher nur während der Aufnahme zur Verfügung stand. Dazu steht nun auf der Front die neue Funktion „DAW“ zur Verfügung, die über das Drücken des Gain-Reglers ausgewählt werden kann.
Neu: Die Insert-Wege
Schon die erste Version des AMS Neve 88M hatte für jeden der Mic-Preamps einen Insert-Pfad zu bieten, mit dem man Hardware-Effekte einschleifen konnte. Diese Inserts sind nun auch direkt in der DAW nutzbar, was zuvor nicht der Fall war. In meinem Studio habe ich den (fantastischen!) AEA 1029 Kompressor in den Insert-Weg eingebunden und konnte ihn so problemlos in die Audiokette integrieren und direkt aufnehmen.
Neu: USB-C-Anschluss
Intern arbeitet der AMS NEVE 88M schon immer mit dem USB-3.0-Format, nur besaß die erste Version einfach einen USB-Type-B-Port. Dieser war lange Zeit Standard bei Audiointerfaces, wird heute aber zunehmend von USB-C verdrängt. Nun hat man endlich einen aktuellen USB-C-Port verbaut – warum eigentlich nicht gleich?
Neu: Power-Schalter
Das freut mich besonders: Der neue AMS Neve 88M besitzt einen Power-Schalter. Es gibt kaum etwas Uneleganteres, als ein USB-powered Gerät nur durch Herunterfahren des Computers oder durch Stecken beziehungsweise Abziehen des Kabels ein- oder auszuschalten. Also: Es gibt einen Power-Schalter – Halleluja!
Neu: Die Kopfhörerverstärker
Hier schweigt sich AMS Neve über Details aus. Aber es lässt sich sagen, dass die aktualisierten Kopfhörerverstärker noch rausch- und verzerrungsärmer arbeiten und weiterhin genug Power auch für hochohmige Kopfhörer liefern.
Die Messwerte des AMS NEVE 88M
In meinem Setup (Apple Mac mini M4 Pro mit 24 GB RAM) und Logic Pro 12.0.1 haben sich die Latenzwerte im Vergleich zur ersten Version deutlich verbessert.
Hier die Messungen mit 64 Samples mit Roundtrip und am Ausgang:
- 44,1 kHz: 8,2 ms / 4,5 ms (vorher: 9,3 ms / 4,6 ms)
- 96 kHz: 4,9 ms / 1,2 ms (vorher: 7,6 ms / 3,7 ms)
- 192 kHz: 4,1 ms / 0,9 ms (vorher: 6,9 ms / 3,3 ms)
Der Frequenzgang ist sehr vorbildlich, nahezu wie mit dem Lineal gezogen, und die Dynamic Range von über 111 dB ist ebenfalls sehr gut.
Die Verarbeitung des AMS Neve 88M
Auch hier gibt es nur Gutes zu vermelden: Im Gegensatz zu meinem ersten Modell von 12/2022 ist das aktuelle Modell nun bestens verarbeitet. Das Tolex-artige Gehäuse ist millimetergenau eingepasst und alle Buchsen, Knöpfe und Regler sitzen bombenfest. So erwarte ich das für diesen Preis!
Der AMS Neve 88M in der Praxis
Zunächst ist der AMS Neve 88M class compliant und meldet sich somit ohne weiteren Treiber am Mac an. Der USB-Audio-Treiber steht auf der Webseite des Herstellers ohne weitere Registrierung kostenfrei zum Download bereit.
Die Einbindung eines Insert-Effekts ist denkbar einfach: Gerät an die passenden Buchsen anschließen und schon befindet sich das externe Gerät im Signalweg vor dem AD/DA-Wandler. Sehr gut.
Klanglich hat sich im Vergleich zur ersten Version nichts geändert: Das Audiointerface mit der Technik der Neve-88RS-Konsolen klingt weiterhin ausgezeichnet und die Marinair-Übertrager geben dem Signal den typischen Neve-Schmelz. Das 88M ist wirklich ein Audiointerface für Genießer. Weitere Details könnt ihr dem nächsten Abschnitt entnehmen.
Bei den Kopfhörern ist hingegen schon ein Fortschritt zu hören. Noch transparenter, seidiger und dynamischer machen die neuen Kopfhörerverstärker nun jeden externen Kopfhörerverstärker praktisch überflüssig. Sie arbeiten rauschfrei und liefern eine sehr hohe Klangqualität – sehr gut!
Man gewöhnt sich sehr schnell daran, den Pegel mit der einen „SIG“-LED zu bestimmen – das ist allerdings auch schon die einzige Einschränkung. Kurzum: Guter Klang, saubere Verarbeitung und gute Ausstattung – hier passt alles für mich.
Leider gibt es trotz des recht hohen Preises keinerlei Software im Paket. Weder eine Lite-DAW noch irgendwelche Plug-in-Pakete oder Samples. Auf der anderen Seite ist das 88M definitiv kein Gerät für Homestudio-Neulinge und der potenzielle Käufer dürfte in der Regel ohnehin bereits entsprechend ausgestattet sein.
Wie klingt das AMS Neve 88M?
Hier muss sich das AMS Neve gegen seinen sicherlich größten Mitbewerber behaupten: Das Universal Audio Apollo TWIN X – in meinem Falle mit Quad-DSP-Prozessoren. Und schon hier wird klar, dass dies ein schwieriges Unterfangen wird, denn die Schwerpunkte sind doch sehr unterschiedlich gesetzt.
Setzt man beim Apollo auf die Kombination von Hard- und Software, so sieht Neve den Einsatz beim 88M ausschließlich in der Hardware und der USB-Verbindung zur DAW. DSP-Prozessoren findet man beim 88M nicht. Allerdings sind im Apollo ebenfalls sehr gute Preamps und Kopfhörerverstärker eingebaut und preislich befindet man sich in der gleichen Liga. Klar, durch das Unison System können die Preamps bei UAD andere Studiogeräte imitieren und in Kombination mit den großartigen Plug-ins ist das schon eine sehr flexible Angelegenheit.
Neve richtet sich mit dem 88M eher an Traditionalisten, die einfach sehr gute Technik in einem sehr guten Gerät haben möchten. Ohne Folgekosten, Software-Abos oder anderen Abhängigkeiten vom Hersteller. Bis auf ein gelegentliches Firmware-Update ist hier im 88M nichts zu tun und so interessieren einen diverse Mac- oder Windows-Updates überhaupt nicht. Das ist bei den Apollos schon anders. Bevor man seinen Mac oder PC auf den neuesten Betriebssystem-Stand bringt, sollte man vorher nachschauen, ob nachher noch alles funktioniert. Letztlich ist das aber eine Art Glaubenskrieg, den wir hier nicht ausfechten sollten. Jeder so, wie er es persönlich am liebsten möchte – Peace!
Trotzdem möchten wir doch wissen, wie das Gerät klingt und wie es im Vergleich dasteht. Und hier gibt es im positivsten Sinne keine Überraschungen, denn das Neve 88M klingt klasse. Da die Mikrofone wie auch der Line-Input durch die Marinair Übertrager laufen, haben wir bei diesen Eingängen immer den von mir schon mehrfach gepreisten Neve Signature Sound – zuletzt im Golden Age Premier PREQ-73 als sehr guter Neve 1073 Klon. Warm, voll und saftig in den Mitten und zurückhaltend, aber detailreich in den Höhen. Die Preamps klingen dynamisch und auch heiß angefahren haben wir im Neve viel Charakter und Drive. Hier ein paar Töne über meine Stratocaster über DI direkt in den 88M:
Zuerst ein paar Klänge ohne Effekte über DI mit dem Bridge-Pickups meiner Fender Stratocaster Deluxe. Dann zusammen mit der fantastischen Universal Audio UAFX Starlight Echo Station. Und im dritten Beispiel habe ich mit den Neck-Pickups den 88M ins Clipping gefahren und hier merkt man, dass die Preamps auch hohen Gain und Distortion können. Nicht schlecht!
Bei der Recherche zum AMS Neve 88M bin ich über das YouTube Video von Glenn Fricker und seinem Kanal SpectreSoundStudios gestolpert. Seine insgesamte Begeisterung zur ersten Version des 88M wird nur dadurch gedämpft, dass ihm der DI-Input zu wenig Headroom bei lauten Gitarren-Pickups bietet. Als Workaround empfiehlt er eine DI-Box oder einen Kompressor im Insert, um dort den Level anzupassen und so den Headroom freizuschaufeln. Allerdings ist der liebe Glenn schon sehr auf der Heavy-Seite und ich konnte auch mit einer Les Paul Standard kein echtes Problem feststellen – allerdings bin ich auch nicht im Metal zuhause und bevorzuge auch eine Mikrofonabnahme über den Amp und nicht das direkte Einstöpseln einer Gitarre via DI. Über meine Mikrofone hat der 88M definitiv genug Headroom.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Das Grand Piano aus dem Korg Grandstage macht über die Line-Eingänge einen tollen Job. Schwebende Obertöne und sirrende Saiten – Neve hat hier sehr potente Preamps in das kleine Kistchen gepackt:
Zuerst das tolle Grand Piano von Korg und dann ein paar Synthesizer-Töne – ebenfalls mit dem UAFX Starlight – diesmal mit dem Tapeecho.
Die nächste Frage ist die nach den Wandlern, denn was nützen die besten Preamps in einem Audiointerface, wenn die Qualität nicht in die DAW zurückgeführt werden kann. Neve setzt auf die ESS Sabre32 Wandler, die Studio- sowie im HiFi-Sektor einen ausgezeichneten Ruf genießen. Wichtig ist neben dem Wandlerchip aber die Umgebung: Wie ist die Clock, die Stromversorgung, die Abschirmung? Hier hat AMS Neve ganz offensichtlich einen tollen Job gemacht. Das Klangniveau ist auch mit unkomprimierten FLAC-Files von aller höchster Güte und ich denke, dass auch anspruchsvolle Mastering-Ingenieure hier zufrieden sein werden.
Über USB verhält sich der 88M vorbildlich neutral, weiträumig und lebendig, ohne jedoch zu hell oder gar spitz zu klingen. Mit den gefürchteten Zischlauten kommt der Wandler wunderbar klar und die tonale Trennung zwischen Transiente und Sustain fällt über eine gute Abhöre leicht. Hier bleiben keine Wünsche offen.
AMS Neve 88M im Vergleich zum UAD Apollo
Hier merkt man sehr schnell, dass man es mit Gegnern auf Augenhöhe zu tun hat, obwohl der Ansatz – wie erwähnt – sehr unterschiedlich ist. Apollo und Neve schenken sich bei den Wandlern nichts. Mag der Universal Audio einen Ticken heller und „aufgeräumter“ klingen, so ist der Neve irgendwie immer eine Spur musikalischer. Und da man in den Kommentare gerne fragt, was damit gemeint ist: Wenn ein Gerät nicht so stringend und streng dem Original verpflichtet ist und dafür dem Klang einen Hauch mehr untere Mitten schenkt, damit das Ergebnis voller wirkt. Wenn durch die meist harmonischen Obertöne der Klang ein wenig zu „schön“ ist und durch die nicht ganz so genaue Abbildung der Transienten das Schlagzeugt ein bisschen mehr menschelt – dann darf man von „musikalisch“ reden. Das ist der Effekt, wenn das Ergebnis weniger genau und dafür einen Hauch emotionaler klingt. Das beschreibt die unterschiedlichen Charaktere von UAD und AMS Neve treffend.

















































Ich fand schon den Vorgänger interessant und nun hat NEVE noch mal nachgelegt, tolles Interface.
„Konsolenklang“ trifft es ziemlich gut, danke für den Test.
Hervorragender Test, danke Jörg Hoffmann.
Ebenso das vorgestellte Gerät.
Schade die nur durchschnittliche Latenz.
Trotzdem ziehe ich den Protagonisten in Kauferwägung.
Die Latenz ist wirklich nicht toll, ordentliche Levelanzeigen gibts auch keine.
Genau die gleichen Wandler sind auch in den viel günstigeren MOTU Interfaces drin.
Preamps kann man auch einzeln kaufen …
großes audio hin und her mit outboard und computer kann man mit nem 2 Channel audiointerface eh vergessen …
CV kann das ding auch nicht ausspucken.
Das Teil nur wegen dem „Konsolensound“ und Marinair-Übertragern kaufen, als günstige Option? Dann hätten die den Interface-Teil auch gleich ganz weglassen können. Scheint wirklich empfindlich bei der Aufnahme zu sein, das Piano zerrt an Sekunde 12. Das macht ein Audient iD 14 mindestens gleich gut oder schlecht. Dann 17 Seiten Bildschirmtext für was? Komplexe Geräte werden hier teils wesentlich kürzer abgehandelt. Sorry Jörg, das ist nichts gegen dich, ich lese deine Sachen in der Regel gerne, nur hier muss ich mich heftig am Kopf kratzen, bin da wohl zu wenig Zielgruppe.
@Kazimoto In der Tat, ich höre das Zerren auch.
Möglicherweise hat Jörg einen bald aufkommenden Trend vorhergesehen: aktive Vermarktung von Hardware, die nicht mit Zwangs-Updates, Nutzerkonten und unnötigen Software-Dreingaben daherkommt. Schlagworte können von Privatsphäre bis zur Investitionssicherung gehen und Amateure wie Profis ansprechen.
Schauen wir mal, ob andere Hersteller langsam damit anfangen.
Das wäre sehr schlecht für meinen „Liebling“ Antelope.
@bluebell „Investitionssicherung“
der trend heißt USB-Class-Compliance (braucht keine Driver) und ist in der 100€ Klasse schon zu haben. ;)
Zerren höre ich auch, deswegen bemängle ich auch die nichtvorhanden aussteuerungsanzeigen. Sowas will man ja auf gar keinen Fall.
@Kazimoto Moin Kazimoto,
nicht wenige wollen gelegentlich genau diesen direkten, („in your Face“) Sound.
Drums, Bass aber auch Gesang, kann so schön „nach vorne“ gebracht werden. (Tiefenstaffelung)
Mein Neumann Interface ist klanglich eher neutral, nüchtern, abgestimmt,
ein guter externer Preamp davor, kann hier ähnliches bewirken. (Konsolenklang)
Nebenbei bemerkt, es gibt von NEVE auch genau den Preamp aus der Konsole NEVE 88rs.
Ich denke für Leute die unterwegs immer „ihren Sound“ dabei haben wollen, kann das AMS NEVE 88M, wie geschaffen sein.
Anschließen und sofort loslegen.
Gruß
SlapBummPop
Kann das Teil auch ein Slave sein, wenn ich es an ein RME Digiface USB dranhänge (über die ADAT Schnittstelle)?
@JohnDrum Hi, das macht wenig Sinn. Dann lieber gleich einen Neve Preamp vor dem RME.