Test: AMT Pangaea VC-16, Speakersimulation

18. Juni 2020

Der Zwerg unter den Speakersimulationen!

Test: AMT Pangaea VC-16

Die Jungs vom AMT Team sind schon ein witziges Völckchen. Irgendetwas muss in den russischen Genen stecken, was die Entwicklungen in Sachen Musikelektronik immer etwas anders ausfallen lässt, als gemeinhin üblich. Insbesondere in Sachen Haptik hat man des Öfteren das Gefühl, Russland baut alles so, dass es zur Not auch im Fronteinsatz bestehen könnte. Bestes Beispiel dürfte die russische Variante des Big Muff darstellen. Ganz so heftig kommt das Zwergenpedal AMT Pangaea VC-16 nicht ganz daher, die ungewöhnlichen Sonderlösungen sind jedoch wie schon öfters bei AMT auch dieses Mal mannigfaltig vorhanden.

AMT Pangaea VC-16 Test

AMT Pangaea VC-16 – Front

Die Konstruktion des AMT Pangaea VC-16

Was macht der nur 200 Gramm schwere Zwerg mit den geradezu winzigen Abmessungen 470 mm x 950 mm x 550 mm denn nun eigentlich? Nun, er trägt einmal mehr zur Miniaturisierung der Signalverwaltung im Bereich Gitarre bei, indem er eine 24 Bit/48kHz IR Lautsprechersimulation / DI Box für Aufnahmen, Live Auftritte und zum Spielen über Kopfhörer bietet. Dabei versuchen die Entwickler, eine maximale Anzahl von Funktionen mit einem minimalen Platzverbrauch zusammen zu bringen. Um dies zu gewährleisten, muss man auf andere Schaltfunktionen als reguläre Drehpotentiometer zurück greifen.

AMT macht dies, indem sie mittels 4 kleinen Schiebereglern und je 4 Einrasterungen insgesamt 16 Presets zusammen stellen, welche zudem über eine Software, welche man auf der AMT Website herunter laden kann, programmiert werden können. Ein entsprechender USB Port befindet sich auf der linken Seite des Gehäuses. AMT versucht mit dem AMT Pangaea VC-16 eine Amp / Lautsprecher Simulation zu schaffen, so dass man mit seinen Pedalen oder Preamps direkt in den Simulator spielen kann. Um die jeweiligen Sounds seinem persönlichen Geschmack anzupassen, verfügt die AMT Software über eine sehr umfangreiche Klangbearbeitung, welche sich in einem Volumeregler, einem Reverbregler, einem Presence Regler, einem Low Pass, einem fünffach semtparametrischem EQ, einem Hochpass, einer IR-Deaktivierung, einer eigenen Poweramp Sektion mit verschiedenen Röhrenpresets, eine Preamp Sektion mit eigener Dreiband Klangregelung, ein Noisegate und einen Kompressor wiederspiegelt. Es gibt also jede Menge Möglichkeiten den Klang entsprechend zu variieren. Zugegeben, die UI ist an Hässlichkeit kaum zu überbieten, aber wir wollen das Ganze einmal zu Gunsten der Handhabung übersehen.

AMT Pangaea VC-16 Test

AMT Pangaea VC-16 – Stirnseite

Leider haben die Jungs von AMT die Sicht für die Kompatibilität ein wenig aus den Augen verloren, wenn es um die Spannungsversorgung des AMT Pangaea VC-16 geht. 100 mA, wunderbar, aber leider bei 12V, was über 90 Prozent aller handelsüblichen Brettwanzen aus dem Ring schmeisst. Zwar verfügen viele Multispannungsnetzteile mittlerweile auch über einen 12 Volt Output, dennoch stellt diese Sonderlösung ein Manko in meinen Augen dar, zumal ein externes Netzteil nicht zum Lieferumfang des in Russland gefertigten Produktes gehört.

Um z. B. zu einem MP3 zu jamen, verfügt der AMT Pangaea VC-16 über einen Miniklinke AUX In, welcher in Zusammenarbeit mit einem ebenfalls in Miniklinke gehaltenen Headphone Out selbiges ermöglicht. Das eingespeiste AUX In Signal wird übrigens nur über den Kopfhörer Ausgang gesendet, nicht über die beiden Outputs, welche sowohl symmetrisch als TRS als auch unsymmetrisch über Klinke gesteckt werden können. Praktisch ist ebenfalls, dass an jedem Ausgang eine DI Box verbaut ist, so dass man auf externe DI Boxen für eine direkte PA Einspeisung o. ä. verzichten kann.

Der einzige Fußschalter auf dem Gehäuse schaltet zwischen den beiden Presets A und B hin und her und wirkt aufgrund der winzigen Gehäuseabmessungen geradezu riesig. Um nicht versehentlich im Eifer des Bühnengefechtes die vier Schieberegler mit dem Fuß zu verstellen, befindet sich ein sehr massiver Stahlbügel hinter dem Fußschalter, der allerdings auch den Schaltprozeß auf die vorderste Fußspitze fest legt. Apropos Schieberegler, hier hat AMT nicht unbedingt die erste Wahl verbaut. Die Schaltstufen sind sehr eng bei einander, zuweilen etwas hakelig, respektive fummelig. Nicht wirklich ein Problem, aber auch nicht gerade komfortabel.

Um den Schaltprozess an sich etwas komfortabler zu gestalten, besitzt das AMT Pangaea VC-16 ein Feature, welches in Zusammenarbeit mit weiteren AMT Pedalen zum Tragen kommt. Über einen Control In / Out in Miniklinke kann der Schaltprozess in Kombination mit anderen AMT Pedalen ausgeführt werden. Denkbar ist z. B. die Verwendung von 2 Zerrpedalen, wobei eins auf Preset A und eins auf Preset B läuft. Die Aktivierung z. B. von Pedal A führt zur Deaktivierung von Pedal B und einem Preset Change bei dem AMT Pangaea VC-16. Ein einfaches Konzept mit einer sehr praxisnahen Umsetzung.

AMT Pangaea VC-16 Test

AMT Pangaea VC-16 – Seite Rechts

Um die z. T. stark variierenden Ausgangsspannungen von Pedalen und Preamps gut zu handhaben, lässt sich der Eingangskanal des AMT Pangaea VC-16 mit 2 zusätzlichen Schiebereglern von 0 dB bis -40 dB in sechs Abstufungen auf einen optimalen Pegel einstellen, eine wirklich sehr gute Praxislösung.

Das Gehäuse des AMT Pangaea VC-16 beinhaltet wirklich alle Attribute, die man mit „Made In Russia“ verbindet. Es fehlt zwar die charakteristische Oliv-Grüne Tarnlackierung, dafür wirkt das aus insg. 4 Stahlblechen verschraubte Produkt jedoch äußerst massiv. Mit je 4 Schrauben an Stirn- und Fußseite kann man sich nicht vorstellen, dass das Pedal irgendwann einmal seinen mechanischen Geist aufgeben würde. Um dem Winzling auf einem Pedalboard den ultimativen Halt zu geben, verfügt das Pedal an den Außenseiten über 2 Ösen, mit denen man das Gehäuse auf dem Board verschrauben kann. Keine dumme Idee, zumal die Auftragungsfläche von Klettband bei solch geringen Gehäuseabmessungen vergleichsweise gering ist.

Auf der Unterseite des Gehäuses lässt ein recht großer Schlitz mit einer kleinen Platine ein Fragezeichen aufkommen, welches sich aber schnell in Wohlgefallen auflöst. Es handelt sich um einen Steckplatz für das ebenfalls von AMT erhältliche Steckfeld, bei dem man mehrere hauseigene Pedale auf Selbiges stecken kann, welches gleichzeitig die Stromversorgung und die Signalverwaltung übernimmt.

AMT Pangaea VC-16 Test

AMT Pangaea VC-16 – Seite Links

Das AMT Pangaea VC-16 in der Praxis

Fangen wir erst einmal mit den Pros des AMT Pangaea VC-16 an, wobei die Haptik des Produktes ganz weit vorne an erste Stelle steht. 2 oder 3 Overdrive / Distortionpedale, evtl. auch mit Mikroabmessungen vor den Winzling geschaltet und man hat einen 2- oder 3-Kanaler, welcher sich von den Abmessungen her in einer Handtasche transportieren lässt und in Sachen Gewicht wahrscheinlich um die 1 Kilogramm Marke herum baumelt. Gerade Working Musicians, welche berufsbedingt viel mit dem ÖNV o. ä. reisen müssen, werden die Gewichts- und Platzeinsparungen sehr zu schätzen wissen.

Auch die sehr flexible Pegelverwaltung weiß zu überzeugen. Egal, welches Pult oder Interface verwendet wird. Egal ob Mikrofon- oder Line-Eingang, selbst ohne separaten Gain Regler am Pult kann man die anliegenden Pegel sehr gut verwalten und ohne Peak-Probleme übergeben.

Um die Contras des AMT Pangaea VC-16 zu verstehen, muss man sich eigentlich nur die beigefügten Soundbeispiele anhören. Bekanntermaßen haben alle Speakersimulationen die meisten Probleme mit High Gain Gitarren, da hier durch das hochkomprimierte und mit extrem vielen Obertönen ausgestattete Signal schnell „künstlich“, „breiig“ und undynamisch klingt. Um es der Speakersimulation es nicht leicht zu machen, habe ich daher mein IRONFINGER Signature Distortion Pedal als Referenz genommen, da ich mit dem Klangverhalten dieses Pedals erwartungsgemäß extrem gut vertraut bin.

Leider überzeugt mich das AMT Pangaea VC-16 klanglich nicht wirklich. Zwar hat man unzählige Möglichkeiten, den Klang soundlich zu verbiegen, der Grundklang des Produktes leidet aber leider wie viele andere IR Produkte auch an der mangelnden Dynamik und der groben Auflösung des Signals. Alle Sounds klingen trotz teilweise massivem Höhenboost immer etwas belegt, respektive dezent muffig und lassen die „Frische“ einer echten Mikrofonierung vermissen.

Das AMT Pangaea VC-16 scheint mir eine perfekte Lösung, wenn es darum geht auf die Schnelle ohne Transportprobleme einem Gitarrensignal etwas Speakersimulation zu verpassen. Auch mögen die Einbußen bzgl. des Klangs im Crunch oder Cleanen Bereich bei weitem nicht so stark wie im High Gain Bereich sein, hier muss man aber leider mit klanglichen Abstrichen rechnen.

Fazit

Mit dem AMT Pangaea VC-16 hat die russische Firma eine extrem handliche und flexible Speakersimulation auf dem Markt. Die Verarbeitung ist hervorragend, die downloadbare Software umfangreich und die Pegelverwaltung äußerst flexibel.

Klanglich muss man im Gegensatz zu der hervorragenden Haptik mit ein paar Einbußen im High Gain Bereich rechnen, was aber auch immer vom persönlichen Einsatzgebiet abhängt.

Plus

  • Größe
  • Verarbeitung

Minus

  • High Gain Sound

Preis

  • 189,- €
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