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Test: Antelope Audio Discrete 8 Oryx Audiointerface

Flexibel und leistungsstark

9. März 2026
antelope audio discrete 8 oryx

Antelope Audio Discrete 8 Oryx, Audiointerface

Antelope Discrete 8 Oryx Synergy Core im Amazona-Test. Acht Mikrofon-Vorverstärker mit 75 dB Gain, Spitzen-Wandler mit bis zu 130 dB Dynamikumfang und dazu noch zwei integrierte DSPs und ein FPGA zur Echtzeitberechnung von Plug-ins aus der umfangreichen Synergy Core Plattform. Das ist eine Ansage an die Konkurrenz, vor allem bei einem Preis von knapp 1.200,- Euro. Ob das Discrete 8 Oryx in der Praxis halten kann, was die Features versprechen, wird der folgende Testbericht zeigen.

Kurz & knapp

Was ist es? Antelope Audio Discrete 8 Oryx Synergy Core, ein USB-Audiointerface mit acht diskreten Mikrofon-Preamps, DSP/FPGA-Effektplattform und umfangreichen Routing-Optionen fürs Studio.

  • Preamps & Wandler: Acht diskrete Mikrofonvorverstärker mit bis zu 75 dB Gain und hochwertige Wandler mit bis zu 130 dB Dynamikumfang.
  • Synergy Core: Zwei DSPs und ein FPGA ermöglichen latenzarme Echtzeitberechnung von Plug-ins direkt im Interface.
  • Anschlüsse & Routing: Sehr viele analoge und digitale Ein- und Ausgänge sowie eine flexible interne Patchbay für komplexe Signalwege.
  • Bedienung: Leistungsfähige, aber recht komplexe Software mit steiler Lernkurve.
  • Einschränkung: Schwache Latenz-Performance im DAW-Betrieb trotz ansonsten sehr starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.
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Antelope Audio Discrete 8 Oryx

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Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Hersteller

Antelope Audio ist über die Jahre vor allem für ihre digitalen Wordclock-Generatoren und ihre proprietäre AFC-Clocking Technologie bekannt geworden. Als erster Hersteller hat Antelope Atomuhren fürs Clocking verwendet und ist auch sonst gerne als technischer Vorreiter aktiv.

Das Orion 32 beispielsweise war bei Erscheinen das erste Interface, das über die USB-2 Schnittstelle ganze 32 analoge Ein- und Ausgangssignale gleichzeitig verarbeiten konnte. Laut dem Firmengründer und CEO Igor Levin war das nur durch die Nutzung eines FPGAs (Field Programmable Gate Array) möglich, da dort im Gegensatz zum DSP viele Prozesse gleichzeitig ablaufen können.

Darauf basiert zum Teil auch die Synergy Core Plattform von Antelope zur Echtzeitberechnung von Plug-ins. Integrierte DSPs sind Teil vieler Audiointerfaces, um latenzarmes Mixing und Abhören gewährleisten zu können. Doch wenn es darum geht, legendäre Studio-Hardware zu modellieren und die entsprechende Hardware-Plattform bereitzustellen, wird es dünn am Markt. Mir fällt da zuallererst Universal Audio ein, die mit den Apollo-Interfaces und der UAD-Plattform schon etwas länger diese Nische besetzen und mit Recht als die Platzhirschen in dem Bereich gelten dürfen.

Trotz dieser offensichtlichen Nähe verfolgen beide Unternehmen eine unterschiedliche Design-Philosophie, zumal das aktuelle Apollo 8p von Universal Audio auch gut das Dreifache des Discrete 8 Oryx kostet. Grund genug, sich das Antelope-Interface mal etwas näher anzuschauen.

Ausstattung und Features

Das Antelope Audio Discrete 8 Oryx ist ein Mehrkanal-Audiointerface mit USB-C Schnittstelle (USB 2.0). Es besitzt acht Mikrofonvorverstärker, von denen die ersten beiden auf der Frontseite sitzen und als Hi-Z Eingänge für die Direkteinspielung von Gitarren verwendet werden können. Für die Eingänge kommen Combo-Buchsen zum Einsatz, sodass XLR- und Line-Signale eingespeist werden können.

Die Vorverstärker sind eher untypisch für Audiointerfaces, sind sie doch diskret aus sechs Transistoren aufgebaut und bieten satte 75 dB Gain-Reserven, was selbst für leise Quellen und unempfindliche Mikrofone wie das Shure SM7 genug sein sollte. Solche Preamps findet man normalerwise eher in größeren Mischpulten als in Audiointerfaces.

Als weitere Besonderheit sind die Preamps DC-gekoppelt bzw. sie können zwischen DC- und AC-Kopplung umgeschaltet werden, was für die acht Line-Ausgänge im D-Sub Format ebenfalls gilt.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Das bedeutet, dass die Ein- sowie die acht Line-Ausgänge ohne Koppelkondensatoren genutzt werden können, was dafür sorgt, dass es praktisch keine untere Grenzfrequenz gibt. Damit lässt sich das Antelope Audio Discrete 8 Oryx problemlos im Bereich modularer Synthesizer zur Aufnahme und Wiedergabe von Steuerspannung nutzen.

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Darüber hinaus werden Signalanteile unter 40 Hz ohne Phasenverschiebung und damit klarer und mit potenziell mehr Punch verarbeitet. Für Tonmenschen mit einer Affinität zu der untersten Oktave des Hörspektrums könnte das ein entscheidendes Merkmal sein.

Die Nutzung der D-Sub Schnittstelle ist bei den größeren Interfaces von Antelope Audio üblich und sorgt für viele Ein- und Ausgänge auf wenig Raum, erfordert je nach Nutzung aber eine separate Kabelpeitsche. Einige größere Digital- und Analogpulte besitzen von Haus aus schon D-Sub Anschlüsse, was die Verbindung in dem Fall sehr komfortabel gestaltet.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Ansicht der Rückseite mit den Anschlüssen

Als weitere analoge Ausgänge befinden sich die beiden Main- und zwei Reamp-Ausgänge im Klinkenformat auf der Rückseite. Die Reamp-Outs können zur Nutzung für ein zweites Monitor-Paar in ihrer Ausgangsimpedanz umgeschaltet werden. Sie können ebenfalls zur Einbindung von analogem Outboard genutzt werden, wobei ihr eigentlicher Zweck das Reamping von Gitarrenspuren ist.

Als digitale Schnittstellen befinden sich zwei ADAT-Ein- und Ausgänge auf der Rückseite. Bis zu einer Abtastrate von 48 kHz können damit zusätzlich 16 Spuren aufgezeichnet und ausgespielt werden. Im S/MUX-Verfahren halbiert sich die Anzahl digitaler Eingänge mit jeder Verdopplung der Abtastrate. Bei der höchstmöglichen Abtastrate von 192 kHz können noch vier digitale Kanäle aufgenommen und ausgespielt werden. Zusätzlich steht ein S/PDIF-Ein- und Ausgang im Cinch-Format bereit.

Bei Antelope wird das Thema Wordclock ganz groß geschrieben. Nicht umsonst besitzt das Discrete 8 Oryx drei Wordclock-Ausgänge und einen Wordclock-Eingang. So kann das Antelope Audio Discrete 8 Oryx weitere Digitalgeräte mit der proprietären AFC-Clock (Acoustically Focused Clocking) versorgen und als Wordclock-Master im Studio dienen, aber auch extern getaktet werden.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Vier Kopfhöreranschlüsse mit eigenem DAC bietet das Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Die üppige Ausstattung endet hier aber noch nicht. Auf der Frontseite stehen ganze vier Kopfhörerausgänge bereit, die jeweils einen eigenen DAC besitzen und somit separate Monitormixe ausspielen können.

Darüber hinaus gibt es sogar ein integriertes Talkback-Mikrofon, das über einen eigenen Taster aktiviert und wahlweise auf die vier Kopfhörerausgänge und Monitor A und B geroutet werden kann. Sobald Talkback aktiviert ist, wird der Monitorpegel automatisch abgesenkt, um mögliches Feedback zu vermeiden. Als Talkback-Quelle kann auch einer der Mikrofoneingänge dienen.

Alle Features des Discrete 8 Oryx zusammengefasst

  • 26 Eingänge / 38 Ausgänge auf 1 HE
  • 8 diskrete Mikrofon-Preamps mit 75 dB Gain (DC-gekoppelt)
  • separater Gain-Regler für jeden Preamp
  • A/D-Wandler mit 121 dB Dynamikumfang
  • 24 Bit / 192 kHz
  • 8 Line-Ausgänge im D-Sub Format (ebenfalls DC-gekoppelt) mit 121 dB Dynamikumfang
  • 2 Main-Ausgänge im Klinkenformat mit 130 dB Dynamikumfang
  • 2 Reamp-Ausgänge für den direkten Anschluss an Gitarrenverstärker
  • Reamp-Ausgänge können auch als Ausgänge für ein zweites Monitorpaar oder zur Einbindung von Outboard dienen
  • 2 ADAT Ein- und Ausgänge
  • S/PDIF-Ein- und Ausgang im Cinch-Format
  • 3 BNC-Wordclock-Ausgänge
  • 1 BNC-Wordclock-Eingang
  • 64 Bit AFC-Wordclock (4. Generation)
  • 4 Kopfhörerausgänge mit eigenem DAC
  • X-Feed Schaltung gegen Im-Kopf-Lokalisation
  • integriertes Talkback-Mikrofon
  • intern freies Routing über digitale Patchbay
  • 2 integrierte DSPs und ein FPGA zur latenzarmen Echtzeit-Berechnung von Synergy Core-Plug-ins
  • 37 Plug-ins (vor allem Equalizer, Preamps und Kompressoren) im Lieferumfang enthalten
  • Echtzeitberechnung von Mikrofonsimulationen für Antelope Edge Modeling Mics
  • gutklingender, editierbarer Reverb-Effekt mit separatem Send-Weg (nur Mix 1)

Bedienung über das Interface

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Gain-Regler mit Leuchtdiode darüber

Die Bedienung des Antelope Audio Discrete 8 Oryx kann zum Teil über das Interface selbst vorgenommen werden. So steht für jeden Preamp ein eigener gerasterter Gain-Regler zur Verfügung. Gain-Werte können auch über die Software geregelt und gespeichert werden.

Zur Kontrolle der Eingangspegel steht ein Farb-LCD zur Verfügung, das relativ klein, dafür aber hochauflösend und gut abzulesen ist. Über jedem Gain-Regler befindet sich eine Leuchtdiode, die je nach Eingangspegel grün, gelb und bei Übersteuerung rot leuchtet. Rechts neben dem Display liegen drei Taster und ein großer Multifunktions-Drehregler mit Druckfunktion.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Bedien-Panel mit Display

Die drei Taster haben je nach Kontext eine andere Funktion, die immer links neben dem jeweiligen Taster angezeigt wird. So kann man beispielsweise die Phantomspeisung oder Line-Pegel aktivieren und durch das interne Menü navigieren. Für die Lautstärkeregelung aller Ausgänge ist der große Regler rechts neben dem Display zuständig. Die Umschaltung wird über die beiden oberen Taster vorgenommen, was in der Praxis etwas nervig ist, wenn man abwechselnd die Monitor- und Kopfhörerlautstärke ändern möchte. Da hätte ich mir persönlich lieber separate Regler für die Kopfhörer gewünscht und dafür zur Not auch zwei Kopfhöreranschlüsse geopfert.

Routing und Software-Mixer

Komfortabler als über das Mäuse-Kino am Interface ist die Bedienung natürlich über den Software-Editor möglich, wenn auch die Lernkurve sehr steil ist. Die Bedienung folgt im Grunde dem logischen Weg eines Signals durch ein Studio.

Zunächst definiert man im Routing, welche Quellen wohin geschickt werden — etwa analoge Eingänge in den Mixer, direkt in die DAW oder zunächst durch einen Effektblock. Die digitale Patchbay arbeitet sehr frei, sodass sich komplexe Signalwege wie paralleles Recording, latenzfreies Monitoring oder Reamping ohne Umwege realisieren lassen. Alles lässt sich frei routen, sodass z. B. auch das Playback aus dem Rechner wieder direkt aufgezeichnet werden kann.

Da hier alles möglich ist und es auch keinen Warndialog gibt, muss man aber sehr aufmerksam arbeiten, denn schneller als man denkt ist eine ungewollte Feedback-Schleife gebastelt. Eine weitere Kehrseite besteht darin, dass ganz rudimentäre Dinge erst geroutet werden müssen. So liegen im Werkszustand z. B. die Mixer nicht im Signalweg. Ganz unbedarft öffnet man den Mixer, zieht erwartungsvoll die Fader hoch und … nichts! Nächster Mixer … wieder nichts … Da musste ich zugegebenermaßen erst einmal drauf kommen.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Control Panel mit Routing-Matrix

Hat man die Mixer entsprechend eingebunden, lassen sich mehrere unabhängige Abhör- und Kopfhörermischungen erstellen. Die Kanäle verfügen über Fader, Panorama, Solo und Mute und eine Link-Funktion zur Stereoverlinkung. Insgesamt gibt es vier Mixer, mit denen sich z.B. separate Cue-Mixes für Musiker und Regie anlegen lassen.

Der integrierte Aura-Verb wird dabei über den Mixer 1 per Send angesteuert. Der Ausgang kann gleichzeitig in alle Mixe eingespeist werden, sodass alle Musiker in den Genuss des Halleffekts kommen können, wenn auch nicht frei einstellbar. Wer für jeden Kopfhörermix unterschiedliche Halleinstellungen möchte, kann die AFX-Blöcke dafür nutzen.

DSP-Effekte

Die DSP-Effekte des Antelope Audio Discrete 8 Oryx werden nämlich über die AFX-Blöcke eingebunden, die sich wie modulare Insert Slots verhalten. Man routet ein Signal in einen Block, lädt dort eine Effektkette — etwa Preamp-Emulation, EQ und Kompressor (oder Reverb) — und führt das bearbeitete Signal anschließend zurück in den Mixer oder direkt in einen Aufnahmekanal. Dadurch kann man entscheiden, ob Effekte nur fürs Monitoring dienen oder tatsächlich mit aufgezeichnet werden. Das bietet eine hohe Flexibilität, ist aber spürbar anders gelöst als in einer DAW oder bei der Konkurrenz von UAD, wo die Effekte direkt in einen Kanalzug geladen werden.

Laut Handbuch gibt es 24 AFX-Blöcke im Discrete 8 Oryx, im FX-Menü werden aber nur 16 Effektblöcke dargestellt, die paarweise verlinkt werden können. Also gehe ich davon aus, dass 16 korrekt ist.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Gyratec Preamp-Emulation im AFX-Block

Antelope bietet mittlerweile einen sehr großen Katalog an Plug-ins, die zusätzlich erworben werden können, darunter sehr viele Emulationen von Hardware-Geräten, aber auch Simulationen von Gitarrenverstärkern und Lautsprechern sowie Modulations- und Pitch-Effekte.

Im Antelope Audio Discrete 8 Oryx sind 37 Plug-ins enthalten, darunter unter anderem eine Emulation des Pultec EQs sowie des dbx 160 und auch eine Sammlung von Gitarrenverstärker-Sounds. Leider sind keine Modulationseffekte und kein Reverb oder Delay enthalten. Diese müssen dazugekauft werden.

Die Qualität der Effekte ist in etwa auf dem Niveau von DAW-internen Plug-ins. An die Emulationstiefe von High-End-Plug-ins reicht es aber nicht ganz heran, auch nicht an den Funktionsumfang. Für latenzarmes Tracking und die Live-Abhör-Situation sind die Plug-ins definitiv gut zu gebrauchen, nur die enthaltene Amp-Simulation hat mich nicht wirklich begeistert.

Wer die Effekte auch in der DAW nutzen möchte, hat beim Discrete 8 Oryx leider Pech, denn das Plug-in afx2daw funktioniert hier nicht, möglicherweise aufgrund der eingeschränkten Bandbreite von USB 2.0.

Globale Einstellungen

Im Einstellungsbereich finden sich schließlich die systemnahen Funktionen wie Clock-Konfiguration, Sample-Rate-Management und die globale Umschaltung von AC- auf DC-Kopplung für Ein- und Ausgänge. Auch Monitoring-Parameter wie Dim-Level oder Talkback Routing werden hier festgelegt, sodass das Interface bei Bedarf die Rolle eines kleinen Monitor-Controllers übernehmen kann.
Die Einstellungen des Control Panel lassen sich in einer Session speichern, wobei ausgewählt werden kann, welche Elemente gespeichert werden sollen. Für den Standalone-Betrieb lassen sich komplette Konfigurationen auf fünf Hardware-Preset-Plätzen speichern und abrufen.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Session-Speicherdialog

Man merkt dem Antelope Audio Discrete 8 Oryx an, dass es sich an erfahrene Techniker und Produzenten richtet. Für jemanden, der Ahnung hat und die Möglichkeiten zu nutzen weiß, bietet es eine unerschöpfliche Spielwiese an Möglichkeiten, fast wie ein Modularsystem. Für Einsteiger oder technikscheue Künstler birgt es jedoch hohes Frustpotential.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx in der Praxis

Kommen wir nun zum Praxistest und fühlen zunächst den Preamps auf den Zahn. Der Härtetest für Mikrofonvorverstärker ist die Verstärkung einer leisen Quelle mit einem wenig empfindlichen Mikrofon wie dem Shure SM7, also der klassische Sprachtest. Hier offenbart der Preamp keinerlei Schwächen. Die Verstärkung lässt sich fein in 1 dB-Schritten ohne Pegelsprünge regeln und auch das Rauschen ist selbst bei maximaler Verstärkung moderat. Auch die Detailabbildung bleibt selbst bei hoher Verstärkung ausgezeichnet. Die Preamps sind grundsätzlich neutral ausgelegt, bei DC-Kopplung sogar bis in den tiefsten Frequenzkeller. Wer sich mehr Färbung und etwas Vintage Vibe wünscht, kann diese über die hauseigenen Preamp-Emulationen hinzufügen.

Antelope Audio Discrete 8 Oryx

Hi-Z Eingänge auf der Front

Auch die A/D- und D/A-Wandler sind von den technischen Werten her auf einem sehr hohen Niveau und klanglich im besten Sinne unauffällig. Die Kombination aus acht leistungsstarken Preamps und hochwertigen Wandlern ist in der Preisklasse momentan wahrscheinlich einmalig.

Es gibt aktuell viele neue Interfaces, die mit 32 Bit-Wandlung werben. Damit ist zwar theoretisch eine höhere Dynamik möglich als mit 24 Bit, doch in der Realität begrenzen die analogen Komponenten die dynamische Bandbreite so stark, dass nicht einmal 24 Bit voll ausgereizt werden können. Damit verbleibt momentan der Nutzen von 32 Bit-Wandlern vor allem in der höheren Austeuerungssicherheit und einfacheren Weiterverarbeitung. Die Klangqualität wird stärker von anderen Komponenten im Geräte-Design beeinflusst, wie Clock Jitter und Taktqualität sowie den analogen Verstärkungsstufen, als von den Wandlern an sich.

X-Feed

X-Feed und Kopfhöreranpassung

Die Kopfhörerverstärker hinterlassen ebenfalls einen sehr guten Eindruck, klingen transparent und rauscharm und bringen meine Beyerdynamic DT 880 Pro auf mehr als genug Pegel. Die integrierte X-Feed-Schaltung habe ich kurz getestet und gleich wieder abgeschaltet. Der Klang wird damit auffallend phasig und gefühlt schlechter. Auch wenn die Im-Kopf-Lokalisation dadurch geringer wird, verzichte ich darauf lieber, ebenso wie auf die Kopfhörerkalibrierung, die nur wenige Profile bietet und mit meinen offenen Beyerdynamic-Kopfhörern bescheiden klingt. Das mag daran liegen, dass man, statt  ein Profil für den DT 880 zu erstellen, lieber den HiFi-Kopfhörer DT860 genommen hat.

Latenzmessung

Nicht ganz unwichtig bei einem Audiointerface sind natürlich die erreichbaren Latenzwerte, zumindest für diejenigen, die Software-Instrumente spielen wollen oder Plug-ins über den Rechner in Echtzeit benutzen möchten.

Getestet habe ich das Antelope Audio Discrete 8 Oryx Interface auf einem Mac Mini mit M1 Prozessor und 16 GB RAM. Das Betriebssystem des Testrechners ist MacOS 15.6 Sequoia mit Logic Pro Version 12.01.

Wie beim Test des RME Fireface 802FS habe ich in Logic Pro eine Instanz des Drummers und eine Spur mit dem Amp Designer geladen sowie eine Instanz des Synth-Plug-ins Alchemy mit dem Sound „Drifting in Hyperspace“ in der Ultra-Einstellung.

Der Test soll zeigen, ob die Sounds bei allen Buffer-Einstellungen und Abtastraten voll und damit live benutzbar sind. Die gute Nachricht ist, dass in allen Buffer- und Abtast-Kombinationen alle Sounds vollumfänglich gespielt werden können. Die weniger gute Nachricht sind die erreichten Latenzzeiten.

Latenzwerte (Roundtrip)

Verglichen mit dem RME Fireface 802 FS (ebenfalls USB 2.0) und vor allem mit meinem Motu 828X sind diese um ein Vielfaches länger und entsprechen in etwa dem, was das Fireface im Class Compliant Mode erreicht. Das Motu 828X schafft über Thunderbolt mit 192 kHz und 32 Samples Buffer eine ultrakurze Roundtrip-Latenz von nur 0,6 ms, während das Antelope Audio Discrete 8 Oryx in der gleichen Einstellung fast 7 ms benötigt. Da liegen Welten dazwischen.

Der Treiber ist also eher auf Stabilität und Sicherheit als auf gute Latenzwerte optimiert. Für wen eine maximal kurze Latenz entscheidend ist, der sollte sich vielleicht das Discrete 8 Pro einmal näher anschauen. Dieses bietet nämlich eine Thunderbolt-Schnittstelle und verspricht damit eine bessere Latenz-Performance, ist aktuell aber nur bei wenigen Händlern verfügbar. Außerdem kann das Plugin afx2daw benutzt werden und es kostet nur unwesentlich mehr als das Antelope Audio Discrete 8 Oryx.

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Fazit

Die gebotene Kombination aus acht leistungsstarken Konsolen-Preamps, hochwertigen Wandlern, den umfangreichen Routing-Optionen und der Möglichkeit, Plug-ins in Echtzeit zu berechnen, ist bei dem aufgerufenen Preis von etwa 1.200,- Euro momentan konkurrenzlos. Wer genau das braucht und nicht den dreifachen Preis für ein Universal Audio Apollo Interface bezahlen möchte oder kann, sollte das Antelope Audio Discrete 8 Oryx unbedingt testen.

Dass ich das üppig ausgestattete Audiointerface nicht uneingeschränkt empfehlen kann, liegt zum einen an der relativ komplizierten Software-Bedienung und zum anderen an der bescheidenen Latenz-Performance im DAW-Verbund. Wer darauf verzichten kann und Herausforderungen liebt, dem sei das Antelope Audio Discrete 8 Oryx jedoch wärmstens ans Herz gelegt.

Plus

  • 8 rauscharme Konsolen-Preamps mit 75 dB Gain
  • Spitzenwandler mit bis zu 130 dB Dynamikumfang
  • sehr umfangreiches Signal-Routing
  • Echtzeitberechnung von Plug-ins über 2 DSPs und einen FPGA
  • vielfältige analoge und digitale Anschlussmöglichkeiten
  • gute Verarbeitung
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Bedienung verhältnismäßig kompliziert
  • schlechte Latenz-Performance

Preis

  • 1.199,- Euro
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Über den Autor
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r.biernat RED

Musik-Komponist, Multiinstrumentalist,
freiberuflicher Tonmeister (B.A. Recording Arts) und Fotograf, beheimatet auf der schönen Ostseeinsel Rügen.

Forum
  1. Profilbild
    bluebell AHU

    Wenn ich nur schon Antelope lese, stößt es mir sauer auf. Nicht nur, weil ich Linuxer bin und von denen ignoriert werde. Die lassen auch sonst nichts aus, um ihren Kunden auf die Nerven zu gehen. Aus dem Handbuch für dieses Interface:

    1. Connect a USB 2.0 Type-C (included) cable to the corresponding ports on the Discrete
    8 Oryx and your computer.

    So weit, so gut. Aber dann:

    2. Visit http://www.antelopeaudio.com and log-in or create a customer account (if you don’t
    have one).

    3. Download and install the latest Antelope Audio Launcher for your operating system –
    Windows 10/11; MAC OS.

    Na klar. Software, die nur einen Sinn mit dieser Hardware hat, muss man ganz doll gegen unbefugten Zugriff schützen. Was bilden die sich eigentlich ein?

    Aber wartet, es geht noch unverschämter:

    4. Login within the Antelope Launcher and activate the Discrete 8 Oryx which will appear in the Devices tab. During the activation process, you can also pair any standard and promotional software bundles available in your account with your device. After the activation is completed, the device will restart.

    Lässt sich eigentlich noch irgendjemand diese Gängelei als notwendige oder sinnvolle Maßnahme verkaufen?

    Zumindest ist klar, wieso sie Linuxer links liegen lassen. Linuxer hätten überhaupt kein Verständnis für solche Übergriffigkeiten.

    • Profilbild
      frankste

      @bluebell Für fast jedes Plugin ob Free oder nicht, benötigt man heute einen Account um es zu aktivieren. Ich kenne keinen Anbieter von Interfaces mit DSP, bei dem man nicht einen Account braucht um die Plugins zu laden/aktivieren. Einen Software Editor benötigen auch alle Interfaces deren Umfang über die Grundfunktionen hinausgehen.
      Da bleibt noch die einmalige Aktivierung des Interfaces, ist zwar nicht schön, aber man sollte nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen.

      • Profilbild
        Markus Schroeder RED

        @frankste Metric Halo

        Die DSP-Plugins sind in der Firmware enthalten. Updates dazu / neue DSP-Plugins werden über die MIO-Console-App aufgespielt, die ohne Konto / Anmeldung heruntergeladen werden kann.

        • Profilbild
          frankste

          @Markus Schroeder Vielleicht benötigt man keinen Account aber registrieren muss man das Interface trotzdem um die Software zu nutzen. Und will man die Software in der DAW laufen lassen benötigt man einen ILok Account. Für mich kein grosser Unterschied.

          Vielen Dank, dass Sie Ihre Audio-Tools bei Metric Halo registriert haben. Die Registrierung stellt sicher, dass Sie kostenlosen technischen Support und eine Benachrichtigung über MIO-Software- und Hardware-Updates erhalten. Software Sie können Ihre Metric Halo-Software registrieren und Ihren Registrierungsautorisierungscode erhalten, um Ihre Software zu lizenzieren, indem Sie hier klicken. Hardware Schnittstellen sind innerhalb der MIO Console registriert. Stelle sicher, dass dein Computer Zugang zum Internet hat.

          • Profilbild
            Markus Schroeder RED

            @frankste Du verwechselst die Nativen (Computer) Plug-Ins mit DSP-Plugins. Ja die Nativen benötigen Ilok. Aber die DSP-Effekte nicht.
            Das sind zwei verschiedene von einander völlig unabhängige Kategorien.
            Alle DSP-Plug-Ins sind beim beim Kauf eines MH 3d-Interfaces automatisch dabie oder werden kostenlos nachgeliefert.

            Ich kann ,ich jetzt auch nicht daran erinnern, dass ich nach dem Aufrüsten meines 2882 die 3d-Karte hätte aktivieren müssen.

            Es _gibt_ ein Registrierungs-Panel in der Mio Software, wo man seine Interface registrieren _kann_, was ich aber auch nie gemacht habe, soweit ich mich erinnere (was jetzt auch nichts beweist, zugegebenermaßen).

            Auf jeden Fall betreibe ich das Interface nun seit 8 Jahren ohne dass mich irgendeine weitere Autorisiationaufforderung belästigt hätte.

            Wie dem auch sein, es gibt Software Anbindung und Softwareanbindung und aus meiner früheren Erfahrung mit Antelope kann ich sagen, da liegen zu Metric Halo qualitative Welten dazwischen.
            :)

      • Profilbild
        bluebell AHU

        @frankste Mein MOTU UltraLite AVB hat interne Effekte (Compressor, EQ, Hall). Dafür brauche ich keinen Account und muss nichts registrieren oder aktivieren. Ich nutze es unter Linux. Es ist Class Compliant.

        Konfiguriert wird es mit einem beliebigen Web-Browser.

        Dieser epidemieartige Registrierungs- und Aktivierungszwang dürfte eine Forderung der Marketingtruppe in den Unternehmen sein, nicht derjenigen, die die technische Realisierung vornehmen.

        • Profilbild
          frankste

          @bluebell Da hast du natürlich recht und ich muss zugeben dass ich mich falsch ausgedrückt habe. Aber die MOTU DSP Effekte kann meiner Meinung nach nicht mit denen von UAD, Antelope,.. Vergleichen. Und Netzwerkfähige Interfaces sind doch eher die Ausnahme.

    • Profilbild
      TomH AHU

      @bluebell Nun da liebe ich mein RME und mein Arturia Audiofuse Studio, nur halt ohne Linux Unterstützung, aber stabile Treiber ohne Registrierungszwang. Freiwillig regiestrieren, gerne, per Zwang – NOPE!

      Persönlich werde ich solche Geräte nicht kaufen. Das können die Hersteller gerne behalten.
      Auch deshalb schaue ich mir vor einem Kauf die Bedienungsanleitung doch schon mal genauer an.

      • Profilbild
        bluebell AHU

        @TomH Einige RME-Interfaces können auch unter Linux betrieben werden, und auch den HDSP-Mixer gibt es für Linux, soweit ich weiß.

        Focusrite unterstützt einen Programmierer, damit er die Konfigurationssoftware für Linux bereitstellt (natürlich ohne Registrierung) und Treiberverbesserungen für den Linux-Kernel entwickelt.

        Es gibt sehr große Unterschiede im Geschäftsgebaren der verschiedenen Unternehmen. Wer weiß, vielleicht ist es ein soziales Experiment, um auszuloten, was sich die Leute bieten lassen.

        Von Anke Engelke gibt es einen schönen Sketch, in dem Telekom und Apple klingeln, weil sie Sofa und Auto abholen, denn diese Übergabe stände in den AGB, die sie online ungelesen akzeptiert hätte.

        • Profilbild
          TomH AHU

          @bluebell Anke Engele Sketch 😅

          Allerdings ist für mich vieles mit Linux eher „experimentell“.
          Das heißt, ja es geht, aber der Zeitaufwand ist zum Teil erheblich und „einfach“ mal was installieren und dann nachschauen (auf YT), wie etwas eingestellt wird, ist leider nicht oft möglich.
          Deshalb ziehe ich, auch durch die berufliche Nähe zu Windows, Windows auch vor. Wobei es sicher schön wäre, wenn man freier wählen könnte und auch (voll Hersteller) unterstütze Linux Treiber neben Windows und Mac hätte.

          Aber leider werden wir da wohl noch warten dürfen für einen vollständigen Hesteller unterstützen Linux Support, deshalb, ist für mich Windows der gangbarere Weg, für andere mag es das MacOS sein.
          .
          Ein Beispiel, es geht, ist aber komplex, sei der Linux Support für das Merging Anubis Device

          Software Specifications
          Windows Driver/OS Windows 7 64bit / Windows 8.1 64bit: RAVENNA ASIO v12.0 (ASIO 2.2)
          Windows 10 64bit: MAD v2.0 (Merging Audio Device)
          Mac Driver/OS VAD Core Audio for macOS 10.8.5 or higher (Intel & M1)
          Linux Driver/OS ALSA Linux driver for RAVENNA/AES67
          ANEMAN Version 1.1.7 and above

          Was geht dann mit Linux alles? Was bedeutet das konkret für die Mission AddOn?
          Wieviel Kanäle hat man dann?
          Und was ist mit dem Neumann MT 48? (das weitestgehend ein Anubis Clone ist)

          • Profilbild
            bluebell AHU

            @TomH Bei AVB bzw. Ravenna blicke ich noch nicht durch, d.h. auch bei dem ganzen Merging-Kram. Allerdings habe ich mitbekommen, dass eine Komponente („Butler“) proprietär ist und nur als Binary bereitgestellt wird. Ab da wurde es für mich uninteressant.

            Mit dem Neumann MT48 habe ich mich auch nicht beschäftigt.

            Ich habe ein MOTU UltraLite AVB (älteres Modell ohne ESS-Chips), und das läuft mit dem Treiber von Drumfix und einem Realtime-Kernel (neuere Kernel sind eh alle Realtime) perfekt.

            Ich habe auch ein Focusrite Scarlett 18i20 Gen3, und das läuft out of the box perfekt und kann mit alsa-scarlett-gui komplett gemanagt werden.Das ist im Quelltext verfügbar, und damit ist die Welt für mich in Ordnung. Schade, dass ich nicht Gen4 habe, denn da hat man 2x ADAT raus und 2x ADAT rein. Bei Gen3 nur 1x.

            An Plugins fehlt mir gar nichts. Und ich nutze nur freie und auch im Quellcode vorliegende Plugins. Man muss wissen, was man tut. Das sehe ich als Vorteil. Irgendwelche Plugins, die einen „Mojo“- und einen „Machganztoll“-Knopf haben, bringen einen nicht weiter und bestehen im Kern doch meist aus bekanntem Kram wie Sättigung, Stereo-Breitmacher, dynamischen EQs und Kompressoren.

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      r.biernat RED

      @bluebell Antelope will eben genauso wie Universal Audio neben der Hardware auch Software verkaufen, sprich Plugins. Das läuft heutzutage eben über eine Registrierung und ein Nutzerprofil, das mit der Hardware verknüpft ist. Wie sollte man es denn stattdessen machen?

      Mir ist Plug and Play auch lieber und ich tendiere prinzipiell eher zum Konzept von Motu mit den internen Standard-DSP-Effekten ohne Registrierung. Doch jedem das seine.

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