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Test: Apogee HypeMiC, USB-Kondensatormikrofon

24. Mai 2019

Mobiles Recording mit analogem Kompressor

apogee hypemic

Seit Februar dieses Jahres gibt es nun den Nachfolger des Apogee MiC+, das Apogee HypeMiC.
Neben zwei neuen Accessoires ist wohl die größte Veränderung der eingebaute analoge Kompressor.
“One Mic to Rule Them All” verspricht die Verpackung des Apogee HypeMiC, ob es der Kampfansage auch gerecht wird?

Apogee HypeMiC: Ausstattung

Im Lieferumfang ist neben der Verpackung natürlich das Mikrofon selbst, diesmal in Roségold. Genau wie beim Vorgänger, dem Apogee MiC+, findet sich auch hier ein USB-A-, USB-C- und ein Lightning-Kabel, deren Länge leider immer noch sehr kurz ausfällt. Wieder dabei einen Adapter für Mikrofonstative und diesmal aber ein Premium-Dreibein-Stativ. Dieses wurde ein wenig überarbeitet, es wirkt etwas ergonomischer, kompakter und stabiler als das des Vorgängers und wohl mit dem Gedanken entworfen, als Griff zu dienen.

Noch zwei Neuerungen gibt es: Ein Popschutz ist diesmal vorzufinden ebenso wie eine praktische kompakte Transporttasche (ca. 20 x 13,5 x 5,5 Zentimeter). Beim Vorgänger gab es diese noch nicht.

Apogee Hype MiC Packungsbeilage

Apogee HypeMiC Packungsbeilage

Nun die technische Ausstattung des Mikrofons. Da bis auf dem Kompressor eigentlich nichts Neues hinzugekommen ist, gibt es gegenüber  dem Vorgänger keine große Veränderung. Es bleibt bei den handlichen 124 x 38 x 38 Millimetern und den etwa 200 Gramm. Der Kern des Apogee HypeMiC ist ein Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik.

Dementsprechend bleiben auch der Gain-Bereich bei 46 dB, der Noise-Level bei -108 dBfs (A) und die Empfindlichkeit bei -36 dBfs (94 dB SPL, 1 kHz). Der Pure DIGITAL AD-Konverter mit bis zu 24 Bit / 96 kHz, der Micro-USB Anschluss und der 3,5 mm Stereo-Kopfhörerausgang sind selbstverständlich auch wieder mit an Bord. Und zu guter Letzt der eingebaute analoge Kompressor. Dieser soll laut Apogee den Aufnahmen den „Magic-Touch“ verpassen, sodass diese über dem Track förmlich schweben, und kommt mit drei bzw. vier Stufen.

Apogee Hype MiC zu Bette

Apogee HypeMiC zu Bette

Apogee HypeMiC: Hands-on

Plug & Play soll es sein, ist es auch. Auf dem Mac OS läuft das alles reibungslos: anschließen, als Ein-/Ausgabegerät auswählen und fertig. Ähnlich sieht es auf Windows aus, nutzt man allerdings eine Soundkarte, sieht man sich gezwungen, den guten alten Freund ASIO4ALL aufzusuchen. Ein Problem, älter und größer als das Apogee HypeMiC selbst. Leider besitze ich kein iOS-Gerät, hier sollte das aber genauso reibungslos vonstatten gehen.

Apogee Hype MiC in Scene

Apogee HypeMiC in Scene

Jetzt noch das Apogee HypeMiC einrichten, wie man lustig ist. Das klappt recht intuitiv und falls man doch mal nicht weiter weiß, liefert dazu der Quick Start Guide alle nötigen Informationen.

Von außen überzeugt das Apogee HypeMiC wie eh und je durch sein wertiges, massives und gleichzeitig kompaktes Design. Die Kondensatorkapsel ist durch ein stabiles Metallgitter gut geschützt, das restliche Gehäuse farblich diesmal in Roségold gehalten.

Auf der Vorderseite befinden sich drei Status-LEDs, die als Anzeige für alle Funktionen dienen. Darunter ein Knopf zum Einstellen der Blend-Funktion. In fünf Stufen lässt sich das Verhältnis zwischen Eingangssignal und USB-Signal einstellen. Die Einstellung wird durch ein kurzes weißes Lichtsignal angezeigt.

Apogee Hype MiC im festen Griff

Apogee HypeMiC im festen Griff

Da das Apogee HypeMiC als USB-Mikrofon sozusagen ein Interface darstellt, kann man über den Kopfhörerausgang seinen Mix, Musik oder was auch immer hören. Vice versa ist das leider nicht ganz optimal gelöst. Denn das Verhältnis Input/USB-Signal lässt sich nur auf ein Verhältnis 90 zu 10 einstellen, nicht aber 100 % Input/0 % App-Audio. Möchte man das Mikrofon am Kopfhörerausgang abnehmen, so geht das eben nicht mit dem vollen Pegel.

Als letztes der Endlosregler. Durch Drehen lässt sich der Gain anpassen, der Pegel lässt sich dabei an den Status-LEDs ablesen. Solange sich der Pegel im grünen Bereich bewegt, leuchten mit unterschiedlich hellen Zwischenstufen eine, zwei oder drei LEDs (grün). Wird es kritisch, leuchten die hinteren zwei der LEDs orange, das klappt alles ohne Verzögerung. Übersteuert dieser, leuchten alle drei rot – ca. 500 ms lang und nicht der Länge der Pegelspitze entsprechend, ist so erst mal genehmigt.

Apogee Hype MiC von unten

Apogee Hype MiC von unten

Nur leider lässt sich in keinster Weise ablesen, wie man diesen denn überhaupt eingestellt hat. Hier findet man leider immer noch einen Endlosregler ohne jegliche Markierung vor. Obendrein wurde nun auch noch die Funktion entfernt, dass während des Drehens sukzessive viele Status-LEDs entsprechend hell leuchten, was bei dem Apogee MiC+ wenigstens noch irgendwie Aufschluss über die Einstellung gegeben hat.

Wer das Apogee HypeMiC sein Eigen nennt, könnte natürlich auf die Idee kommen, hier Markierungen mit einem Stift zu ergänzen, um ähnlich wie bei einer Telefonwählscheibe kurbeln zu können.

Sollte man beim Wählen des Gains einmal zu fest drücken, entdeckt man die „Geheimfunktion“. Etwas übertrieben, denn diese wird nicht nur im Quick Setup Guide erklärt, sondern auch stark beworben. Richtig, die große Neuheit des Apogee HypeMiCs. Die vier Modi des analogen Kompressors lassen sich hier auswählen, wodurch die Mute-Funktion des MiC+ ohne Alternative ersetzt wurde. Die Auswahl wird ziemlich einleuchtend durch das Leuchten von einer, zwei, drei LEDs in pink oder eben keiner angezeigt. In den Worten der Anleitung:

  • Shape: dezente/sanfte Einstellung, die einen guten Ausgangspunkt darstellt
  • Squeeze: mittlere Einstellung die Aufregung und Wärme hinzufügt
  • Smash: extreme Farbgebung, ideal für gesprochenes Wort, Rundfunk/Podcasting
  • Off: aus – und nun hat man im Prinzip das MiC+ in der Hand

Apogee HypeMiC: Klang

Da sich die Bauteile des Apogee HypeMiC und des MiC+ bis auf den analoge Kompressor nicht unterscheiden, sollten beide, solange der Kompressor deaktiviert ist, nahezu den gleichen Klang liefern. Dieser ist sehr klar und detailliert, vielleicht etwas weniger hell als ähnliche Modelle, dafür kommt es mit einem schönen Druck daher. Die PureDigital-Technologie hilft dabei, Instrumente und Stimmen fein aufzulösen, Transienten gut umzusetzen, das Grundrauschen einzuschränken und sich dadurch etwas von anderen USB-Mikrofonen abzusetzen.

Teilweise wirkt es etwas zu empfindlich, bei etwas höherem Gain-Setting reicht wirklich sehr leichtes Pusten und es übersteuert. Dies und die breite Niere machen es dadurch aber für Aufnahmen aus größerer Entfernung geeignet und es bleibt auch dann noch sehr druckvoll.
Der Gain lässt sich so weit absenken, sodass hohe Schalldruckpegel von z. B. einem Schlagzeug gut aufgenommen werden.

Apogee HypceMic Kompressor

Zu beachten ist bei den drei Kompressoreinstellungen, dass alle der Einstellung entsprechend stark den Ausgangspegel anheben. So sollte man darauf achten, den Gain jeweils anzupassen, um entweder Clipping durch Reduzieren zu vermeiden oder durch Erhöhen die Kompression bereits bei etwas niedrigerem Input wirken zu lassen.

Der Shape-Mode ist sehr sanft, hat eine niedrige Kompressionsrate und eignet sich hervorragend, um kleine Pegelspitzen zu kaschieren. Der Klang bleibt dabei sehr klar, es geht wenig Dynamik verloren und wirkt immer noch sehr natürlich.

Der Squeeze-Mode hat selbstverständlich eine höhere Kompressionsrate und knetet das Signal bereits ganz gut durch. Man merkt schon, wie die Dynamik darunter etwas leidet. Es hört sich sehr warm, aber auch recht breitgetreten an, tiefe Frequenzen kommen stärker zum Vorschein und damit erreicht man eigentlich auch schon eine Grenze.

Der Smash-Mode ist eher overkill. Die Kompression ist so stark, dass es mehr wie ein Effekt wirkt. Dadurch dass der Ausgangspegel angehoben wird, wirkt sich Schreien oder Flüstern nur wenig auf den Pegel aus, Dynamik ist fast nicht mehr vorhanden. Diese harte Kompression ist aber gewollt und findet auch Anwendung bei z. B. Sprechern im Radio.

Apogee Hype MiC Smash Mode

Apogee HypeMiC Smash Mode

Fazit

One mic to rule them all? In seiner Kategorie könnte das zutreffen. Klanglich ist das HypeMic einwandfrei und ist im Rennen der USB-Mikrofone einer der Spitzenkandidaten.

Es ist kompakt, lässt sich problemlos überall anschließen und ist somit sehr flexibel. Durch den analogen Kompressor kann man fix etwas mit dem Handy unterwegs aufnehmen und gleichzeitig eine gute Qualität wahren. Die Transporttasche macht es dazu zu einem erstklassiges Reisebegleiter. Egal ob Berichterstattung auf einer Messe, das schnelle Update für die Fanbase, Podcast oder die spontane Jam-Session auf dem Himalaya, Platz ist eigentlich immer.

In diesem Anwendungsbereich ist der eingebaute Kompressor eine echt gute Ergänzung.
Betreibt man sowieso Nachbearbeitung am Rechner, kann man sich sein Geld sparen und zum MiC+ greifen, denn außer im Preis und dem Kompressor unterscheiden sich die beiden nicht wirklich. Auf die Tasche und den Popschutz muss man dann leider verzichten.

Plus

  • eingebauter analoger Kompressor
  • Kopfhörerausgang mit Blend-Funktion
  • klarer Klang
  • Windows, MacOS und iOS kompatibel
  • stabile, kompakte Bauweise
  • (endlich) Popschutz, Transporttasche & Premium Dreibein-Stativ

Minus

  • Endlos-Gain-Regler ohne "Setting"
  • kurze Anschlusskabel
  • maximal 90/10 Verhältnis am Kopfhörerausgang

Preis

  • Ladenpreis: 399,- Euro
Klangbeispiele