Test: Apogee Mic+, USB-Mikrofon

Angeschaut

Zwei Dinge fallen direkt (angenehm) auf: Zum einen die – bereits erwähnte – unglaublich kompakte Baugröße („Liebling, ich habe das Mikro geschrumpft“), die es für den Transport und Außeneinsatz prädestiniert; diese Mikro passt tatsächlich in wirklich jede (Hosen) Tasche. Zum anderen aber auch die wertige, massive Verarbeitung, das ist feinstes Heavy-Metal. Der Korpus aus Schwermetall im gebürsteten Silberlook, das schwarze, stabile Metallgitter durch einen Metallrahmen geschützt, Kunststoff steht hier auf der schwarzen Liste. Ich habe es zwar nicht ausprobiert (keine Sorge, lieber Testmuster-Bereitsteller), bin aber sicher, dass das Apogee MiC Plus auch einen Sturz aus größerer Höhe schadlos überstehen dürfte. So bringt es das MiC Plus bei seiner schlanken Baugröße von 124 x 38 x 38 Millimetern gut 200 Gramm auf die Waage; das fühlt sich richtig gut und wertig an. Einziger kleiner Makel: Die mattschwarze Lackierung des Schutzrahmens des Gitters wies bei unserem Testmuster (das wohl schon diverse Stationen hinter sich hat) an einigen Stellen kleine Abplatzungen auf, so dass dort dann die silberfarbene Grundierung durchschimmerte.

 

Hier und da geht der ein wenig der Lack ab

Auf der Vorderseite des Gehäuses befindet sich ein gut zu bedienender (digitaler) Endlos-Regler für das Eingangssignal mit Push-Funktion zum Muten, ein Blend-Taster zum Regeln des Verhältnisses zwischen Mikrofonsignal und aufgenommenen Signal via Kopfhörer sowie – und damit zum latenzfreien Abhören – drei LEDs für Status, Input-Level- und Blend Mode-Anzeige. Unten dann der USB-Anschluss und der neue 3,5 mm Kopfhörerausgang (der über den integrierten Verstärker gefüttert wird und ausreichend Pegel liefert), auf der Rückseite das Gewinde für das Stativ bzw. für den Adapter.

Das Kunststoff-Mini-Stativ ist eine nette Dreingabe und für den gelegentlichen Einsatz auf dem (Konferenz)-Tisch ganz ok, aber nicht wirklich immer standfest und für zielgenauere Einstellungen ungeeignet. Da sollte man dann schon den Kauf einer professionelleren und flexibleren Standhilfe mit einplanen.

Ausprobiert: Installation und Handling des Apogee Mic+

„No software, no configuration required, just plug in and record” – verkündet der Hersteller. Na, das probiere ich doch gleich mal aus. Erster Test: Mein Windows 10-Notebook. Also das MiC Plus an den USB 3.0-Port angeschlossen (USB Type C), prompt erscheint die Meldung „MiC Plus wird eingerichtet“ – und wenige Sekunden später wird das neue Audiogerät sowohl bei den Ausgabe- als auch bei den Eingabegeräten als Standardgerät geführt und kann in sämtlichen Applikationen genutzt werden. Ähnlich simpel läuft das dann auch beim iPad ab, da hat Apogee nicht zu viel versprochen: Das MiC Plus wird von allen Apps sofort problemlos und ohne noch irgendetwas bestätigen oder installieren zu müssen erkannt.

Das Handling bei der Aufnahme erweist sich anfangs als etwas gewöhnungsbedürftig – vor allem ohne Bedienungsanleitung. Die drei LEDs auf dem Mikro zeigen sowohl den Pegel während der Aufnahme an als auch den Voreingestellten für das Eingangssignal plus das Mischverhältnis zwischen Mikrofonsignal und des Signals vom Audiointerface. Beginnen wir mit der Pegelanzeige, die ihren kurzen Laufweg (drei LEDs) eigentlich ganz geschickt dadurch erweitert, dass sie bei ordentlichem Pegel ein, zwei oder drei grüne LEDs zeigt, bei Übersteuerung dann erst die letzte rot aufleuchten lässt (und die ersten weiterhin grün – was in der Kombination dann vermutlich die fehlende Gelbphase ersetzen soll), dann zwei, um schließlich komplett rot zu leuchten.

 

Die Anschlüsse sind unten

Warum Apogee für die Einstellung des Eingangssignals einen Endlos-Push-Encoder gewählt hat, will sich mir nicht so ganz erschließen. Bei einem herkömmlichen Regler habe ich eine Markierung auf dem Rad und Zahlenwerte auf dem Gehäuse – so sehe ich auf den ersten Blick, was ich da eingestellt habe (und kann es später auch jederzeit wieder rekonstruieren). Da Markierung und Zahlenwerte hier nun fehlen, ist Apogee den Umweg über die LEDs gegangen: Je weiter ich aufdrehe, desto mehr leuchten dann blau und das auch in verschiedenen Helligkeitsstufen. Das sieht zwar schick aus, hat aber gleich mehrere Nachteile: Zum einen ist das nicht so eindeutig wie eine herkömmliche Anzeige, zum anderen ist das nur während des Einstellvorgangs zu sehen. Will ich später noch mal nachschauen, was ich da jetzt eigentlich eingestellt hatte, muss ich erst einmal wieder drehen. Das ist unnötig umständlich – hier killt das Design die Funktionalität. Mute ich das Mikro per Push.Funktion, blinkt die erste LED grün – das wiederum wurde gut gelöst.

Über das Mischverhältnis zwischen Mikrofon und aufgenommenen Signal informieren die LEDs dann in Weiß. Links/Mitte/Rechts (bzw. zwei links oder zwei rechts) – das zeigt dann zwar den Mix recht deutlich an, verrät mir mangels Kennzeichnung und Bedienungsanleitung aber nicht, ob „LED leuchtet links“ nun „maximales Mikrofonsignal“ oder „Maximales aufgenommenes Signal“ bedeutet. Die (vermutliche) Lösung – links „direct“ und rechts „playback“ – finde ich eher zufällig auf einer Abbildung auf der Produktseite. Das hätte man durch eine Kennzeichnung auf dem Gehäuse besser lösen können.

Ausprobiert: Der Klang des Apogee Mic+

Entscheidend aber ist ja wie immer „Auf’m Platz“. Um das zu testen, habe ich einen Text aus den AMAZONA.de Top-News (bzw. die ersten zwei Sätze daraus) mit unterschiedlichen Setups eingesprochen – unterschiedliche Abstände zum Mikro, mal mit, mal ohne Popschutz, plus einige Instrumental-Aufnahmen (bitte da nicht zu kritisch sein – meine Ukulele-Kenntnisse beschränken sich aufs Klimpern).

Aufgenommen wurde mit Soundforge, das auf einem aktuellen Windows 10-Notebook lief; das MiC Plus war (natürlich) direkt per USB 3.0 mit selbigen verbunden. „Natürlich“, weil sich ein USB-Mikro nun mal nicht an einen externen Soundprozessor anschließen lässt. Weshalb das Apogee Mic+ dann ja auch die benötigte Schnittstellen (Vorverstärker und Wandler) selber mitbringt.

 

So geht es auch, mit Popschutz wäre es aber noch besser

Erkenntnis: Das Apogee Mic+ klingt – besonders für ein USB-Mikrofon – erstaunlich detailliert und druckvoll und hat auch aus größerer Entfernung (und dank breiter Nierencharakteristik auch in der Breite) noch ausreichend Kraft für ordentliche Aufnahmen; vor allem bei Instrumentalaufnahmen konnten die unterschiedlichen Entfernungen gut durch einen angepassten Aufnahmepegel angeglichen werden, ohne dass es zu größeren Qualitätseinbußen kam. Im Vergleich mit dem Rode Broadcaster klingt es zwar eine kleine Spur dumpfer, die Höhen sind nicht ganz so präsent, aber das fällt eigentlich nur auf, wenn man beide Aufnahmen direkt gegenüberstellt. Klanglich gefällt mir das MiC Plus noch ein bisschen besser als das 96k – „PureDIGITAL-Technologie“ nennt der Hersteller sein neues Klangkonzept, das anscheinend aufgegangen ist.

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