Test: Apogee Mic+, USB-Mikrofon

apogee mic+

Apogee MiC+

„Hat jemand zufällig ein gutes Mikro da?“ – „Ja, ich, hier, nimm mein USB-Mikro!“ – „Nee, nee, ich meinte schon ein RICHTIGES Mikro.“ Ja, beim Thema USB-Mikrofon scheiden sich noch immer die Geister. Lange Zeit galten die als halbgare Amateurlösung im Pseudo-Profilook aus dem Lowcost-Bereich, eben mehr Schein als Sein und gerade mal so für Podcaster geeignet. Inzwischen haben auch einige namhafte Hersteller da durchaus vorzeigbare Produkte am Markt – etwa das Rode NT USB, das Sennheiser MK4 Digital, das Blue Spark Digital oder das Lewitt DGT 650 USB.

Und so hat dann auch Apogee seinen „alten“ Hybriden aus USB-Kondensator-Mikrofon und Audiointerface, das „Apogee MiC 96k“ (der Nachfolger des Apogee MiC) vollständig überarbeitet und als „Apogee MiC Plus“ neu herausgebracht. Schon der Vorgänger stieß bei mir vor rund vier Jahren auf größeres  Wohlwollen (Hier geht es zum 96K-Test ). „Insgesamt ein Schritt in die richtige Richtung und für Musiker, die die Bandbreite auch voll ausnutzen können, eine durchaus lohnenswerte Anschaffung. Schade, dass die beiden Geräte nur für Apple-User geeignet sind.“ – hatte ich damals geschrieben. Das mit dem  „leider nur für Apple-User“ hat sich ja inzwischen erledigt. Aber geht Apogee auch weiter in die richtige Richtung? Und – was ist wirklich neu?  Diese Fragen will ich (überraschenderweise) in den nächsten Absätzen mal klären.

Apogee MiC+

Auspacken des Apogee Mic+

Die Verpackung enthält – neben dem überraschend kompakten Mikrofon selber (das auf der Packung irgendwie größer aussieht) – ein kleines Dreibein-Stativ mit gummierten Füßen, einen Adapter für Mikrofonstative und je ein USB-A-, ein USB-C und ein Lightning-Kabel. Deren Länge allerdings mit gerade mal einem Meter doch arg knapp bemessen ist, nicht immer ist weniger mehr. Da hat der Hersteller aus der diesbezüglichen Kritik an der Vorgängerversion nichts gelernt. Ebenfalls noch mit dabei ein multilingualer (und verwirrenderweise abwaschbarer) Quick Start Guide in Hochglanzoptik, der aber nur über die Installation Aufschluss gibt, nicht über die Handhabung. Auch auf der Website gibt es keinen Hinweis auf eine Bedienungsanleitung – dürftig. Vermisst habe ich auch einen Popschutz – die paar Cent für das nützliche Teil hätten bei dem Kaufpreis auch noch drin sein müssen. Auch, weil bei der ungewöhnlichen Baugröße des MiC Plus die Standard-Schaumstofffilter nicht passen Und – eine Box oder wie auch immer geartete Tragetasche wäre auch eine nette Sache gewesen bei einem Mikro, das auch für den Einsatz On-The-Road konzipiert ist, aber gut – das gibt es dann optional. Für knapp 40 Euro. Na ja.

Das alles ist mit dabei

Technik-Exkurs zum Apogee Mic+

Das Apogee Mic+ kommt mit einer Kapsel mit Nierencharakteristik und soll laut Hersteller eine Empfindlichkeit von 94 dB und einen Gain-Bereich von 46 dB mitbringen; der Noise Level wird mit -108 dBfs (A) bei 0 dB Gain angegeben. Dazu gibt’s  – wie schon beim Plus-losen Vorgänger – eine Samplerate von 96 kHz und maximal 24 Bit Wandlung. „Drei Produkte in einer kleinen Verpackung“ wirbt Apogee und bezieht sich da auf die Kombination aus Mikro, Mikro-Vorverstärker und A/D – D/A-Wandler. Schon erstaunlich, was alles in dem kleinen Gehäuse steckt.

Das Mikro läuft gleichermaßen unter Windows 10, auf den i-Geräten ab iOS 9 und auf dem Mac ab OS 10.9 – alles unter einer Haube also, auch hier ist also wieder – wie schon eben in der Technik – das Triple das Maß der Dinge. Beim alten Apogee MiC 96k gab es noch gesonderte Versionen für iOS/Mac und Mac/Windows. Das werte ich schon mal als deutlichen Fortschritt und klaren Pluspunkt.

Angeschaut

Zwei Dinge fallen direkt (angenehm) auf: Zum einen die – bereits erwähnte – unglaublich kompakte Baugröße („Liebling, ich habe das Mikro geschrumpft“), die es für den Transport und Außeneinsatz prädestiniert; diese Mikro passt tatsächlich in wirklich jede (Hosen) Tasche. Zum anderen aber auch die wertige, massive Verarbeitung, das ist feinstes Heavy-Metal. Der Korpus aus Schwermetall im gebürsteten Silberlook, das schwarze, stabile Metallgitter durch einen Metallrahmen geschützt, Kunststoff steht hier auf der schwarzen Liste. Ich habe es zwar nicht ausprobiert (keine Sorge, lieber Testmuster-Bereitsteller), bin aber sicher, dass das Apogee MiC Plus auch einen Sturz aus größerer Höhe schadlos überstehen dürfte. So bringt es das MiC Plus bei seiner schlanken Baugröße von 124 x 38 x 38 Millimetern gut 200 Gramm auf die Waage; das fühlt sich richtig gut und wertig an. Einziger kleiner Makel: Die mattschwarze Lackierung des Schutzrahmens des Gitters wies bei unserem Testmuster (das wohl schon diverse Stationen hinter sich hat) an einigen Stellen kleine Abplatzungen auf, so dass dort dann die silberfarbene Grundierung durchschimmerte.

Hier und da geht der ein wenig der Lack ab

Auf der Vorderseite des Gehäuses befindet sich ein gut zu bedienender (digitaler) Endlos-Regler für das Eingangssignal mit Push-Funktion zum Muten, ein Blend-Taster zum Regeln des Verhältnisses zwischen Mikrofonsignal und aufgenommenen Signal via Kopfhörer sowie – und damit zum latenzfreien Abhören – drei LEDs für Status, Input-Level- und Blend Mode-Anzeige. Unten dann der USB-Anschluss und der neue 3,5 mm Kopfhörerausgang (der über den integrierten Verstärker gefüttert wird und ausreichend Pegel liefert), auf der Rückseite das Gewinde für das Stativ bzw. für den Adapter.

Das Kunststoff-Mini-Stativ ist eine nette Dreingabe und für den gelegentlichen Einsatz auf dem (Konferenz)-Tisch ganz ok, aber nicht wirklich immer standfest und für zielgenauere Einstellungen ungeeignet. Da sollte man dann schon den Kauf einer professionelleren und flexibleren Standhilfe mit einplanen.

Installation und Handling des Apogee Mic+

„No software, no configuration required, just plug in and record” – verkündet der Hersteller. Na, das probiere ich doch gleich mal aus. Erster Test: Mein Windows 10-Notebook. Also das MiC Plus an den USB 3.0-Port angeschlossen (USB Type C), prompt erscheint die Meldung „MiC Plus wird eingerichtet“ – und wenige Sekunden später wird das neue Audiogerät sowohl bei den Ausgabe- als auch bei den Eingabegeräten als Standardgerät geführt und kann in sämtlichen Applikationen genutzt werden. Ähnlich simpel läuft das dann auch beim iPad ab, da hat Apogee nicht zu viel versprochen: Das MiC Plus wird von allen Apps sofort problemlos und ohne noch irgendetwas bestätigen oder installieren zu müssen erkannt.

Das Handling bei der Aufnahme erweist sich anfangs als etwas gewöhnungsbedürftig – vor allem ohne Bedienungsanleitung. Die drei LEDs auf dem Mikro zeigen sowohl den Pegel während der Aufnahme an als auch den Voreingestellten für das Eingangssignal plus das Mischverhältnis zwischen Mikrofonsignal und des Signals vom Audiointerface. Beginnen wir mit der Pegelanzeige, die ihren kurzen Laufweg (drei LEDs) eigentlich ganz geschickt dadurch erweitert, dass sie bei ordentlichem Pegel ein, zwei oder drei grüne LEDs zeigt, bei Übersteuerung dann erst die letzte rot aufleuchten lässt (und die ersten weiterhin grün – was in der Kombination dann vermutlich die fehlende Gelbphase ersetzen soll), dann zwei, um schließlich komplett rot zu leuchten.

Die Anschlüsse sind unten

Warum Apogee für die Einstellung des Eingangssignals einen Endlos-Push-Encoder gewählt hat, will sich mir nicht so ganz erschließen. Bei einem herkömmlichen Regler habe ich eine Markierung auf dem Rad und Zahlenwerte auf dem Gehäuse – so sehe ich auf den ersten Blick, was ich da eingestellt habe (und kann es später auch jederzeit wieder rekonstruieren). Da Markierung und Zahlenwerte hier nun fehlen, ist Apogee den Umweg über die LEDs gegangen: Je weiter ich aufdrehe, desto mehr leuchten dann blau und das auch in verschiedenen Helligkeitsstufen. Das sieht zwar schick aus, hat aber gleich mehrere Nachteile: Zum einen ist das nicht so eindeutig wie eine herkömmliche Anzeige, zum anderen ist das nur während des Einstellvorgangs zu sehen. Will ich später noch mal nachschauen, was ich da jetzt eigentlich eingestellt hatte, muss ich erst einmal wieder drehen. Das ist unnötig umständlich – hier killt das Design die Funktionalität. Mute ich das Mikro per Push.Funktion, blinkt die erste LED grün – das wiederum wurde gut gelöst.

Über das Mischverhältnis zwischen Mikrofon und aufgenommenen Signal informieren die LEDs dann in Weiß. Links/Mitte/Rechts (bzw. zwei links oder zwei rechts) – das zeigt dann zwar den Mix recht deutlich an, verrät mir mangels Kennzeichnung und Bedienungsanleitung aber nicht, ob „LED leuchtet links“ nun „maximales Mikrofonsignal“ oder „Maximales aufgenommenes Signal“ bedeutet. Die (vermutliche) Lösung – links „direct“ und rechts „playback“ – finde ich eher zufällig auf einer Abbildung auf der Produktseite. Das hätte man durch eine Kennzeichnung auf dem Gehäuse besser lösen können.

Der Klang des Apogee Mic+

Entscheidend aber ist ja wie immer „Auf’m Platz“. Um das zu testen, habe ich einen Text aus den AMAZONA.de Top-News (bzw. die ersten zwei Sätze daraus) mit unterschiedlichen Setups eingesprochen – unterschiedliche Abstände zum Mikro, mal mit, mal ohne Popschutz, plus einige Instrumental-Aufnahmen (bitte da nicht zu kritisch sein – meine Ukulele-Kenntnisse beschränken sich aufs Klimpern).

Aufgenommen wurde mit Soundforge, das auf einem aktuellen Windows 10-Notebook lief; das MiC Plus war (natürlich) direkt per USB 3.0 mit selbigen verbunden. „Natürlich“, weil sich ein USB-Mikro nun mal nicht an einen externen Soundprozessor anschließen lässt. Weshalb das Apogee Mic+ dann ja auch die benötigte Schnittstellen (Vorverstärker und Wandler) selber mitbringt.

 

So geht es auch, mit Popschutz wäre es aber noch besser

Erkenntnis: Das Apogee Mic+ klingt – besonders für ein USB-Mikrofon – erstaunlich detailliert und druckvoll und hat auch aus größerer Entfernung (und dank breiter Nierencharakteristik auch in der Breite) noch ausreichend Kraft für ordentliche Aufnahmen; vor allem bei Instrumentalaufnahmen konnten die unterschiedlichen Entfernungen gut durch einen angepassten Aufnahmepegel angeglichen werden, ohne dass es zu größeren Qualitätseinbußen kam. Im Vergleich mit dem Rode Broadcaster klingt es zwar eine kleine Spur dumpfer, die Höhen sind nicht ganz so präsent, aber das fällt eigentlich nur auf, wenn man beide Aufnahmen direkt gegenüberstellt. Klanglich gefällt mir das MiC Plus noch ein bisschen besser als das 96k – „PureDIGITAL-Technologie“ nennt der Hersteller sein neues Klangkonzept, das anscheinend aufgegangen ist.

Im Nahbereich sollte man bei Sprachaufnahmen sich aber unbedingt einen Pop-Schutz besorgen, das MiC Plus ist da schon sehr empfindlich. Umso unverständlicher, dass der Hersteller da weder einen mitliefert noch einen passenden anbietet. Ich habe mich dann mit einem der größeren Bauart beholfen – sieht zwar nicht schön aus, funktioniert aber auch. Also Apogee – da bitte unbedingt nachbessern, ein Stück Schaumstoff kostet nicht die Welt. (Das Rode NT-USB zum Beispiel bringt sogar einen nützlich-stylishen, anschraubbaren Popschutz mit – so wird das gemacht). Zudem fehlt – wie auch schon beim 96k – ein Hochpass/Trittschallfilter; ok, gehört auch nicht unbedingt zur Grundausstattung, aber wäre schön gewesen. Das sollte man dann jedenfalls schon bei der Aufstellung des Mikrofons berücksichtigen.

Die Konkurrenz des Apogee Mic+

Das Angebot an USB-Mikros ist mittlerweile recht groß. Vor allem, wenn man nicht zwingend alle drei Plattformen (Windows, MacOS, iOS) bedienen muss, hat man die Qual der Wahl. Das Rode NT-USB (2014, 129 Euro) kostet knapp die Hälfte, klingt gut, kommt allerdings nur mit einem 16/48er Interface und braucht für iOS das Apple Camera Connection Kit. Das USB-Großmembran-Mikrofon „Sennheiser MK4 Digital“ (2017, 373 Euro) ist für Windows, MacOS und iOS gleichermaßen geeignet, läuft mit der Apogee PureDigital-Technologie bis rauf auf 24/96, klingt fantastisch, hat aber keinen Kopfhörerausgang und kostet gut 100 Euro mehr. Rund 80 Euro preiswerter dagegen ist das „IK Multimedia iRig Mic Studio“ (2015, 155 Euro), ebenfalls für Windows, MacOS, iOS plus Android geeignet, mit Kopfhörerausgang und Vorverstärker – letzterer allerdings nur mit 24/48.

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