Test: Apple Logic Pro X 10.4.2, Digital Audio Workstation

12. Oktober 2018

Ein kleiner Sprung in der Evolution

apple logic pro x 10.4.2

Wir kennen das alle: „Never change a running system“ und wenn, dann bitte mit Backup-Plan. So sei es dann auch, als die Redaktion ankam und um einen Test des Updates zu Apple Logic Pro X 10.4.2  bat, klingelte gleichzeitig der Postbote und brachte ein kleines Paket mit einem MIDI-Interface aus dem Hause ESI. Prima, das testen wir mal mit. Nun allerdings haben wir den Test nicht ohne OS-Update gemacht und hier gleich doppelt unter High Sierra und Mojave. Und frohe Kunde, es läuft.

Das Update Apple Logic Pro X 10.4.2 setzt High Sierra voraus. Kollegen, die ihren Mac noch mit den Mac OS Server Diensten betreiben, sollten vorab klären, ob diese Serverdienste noch benötigt werden, da diese dann nach dem Update nicht mehr vorhanden sind. Prinzipiell hat dies den Hintergrund, dass die Client-Versionen von MacOS, Clientversionen und „Miniserver“ bleiben sollen, während MacOS-Server die Verwaltung und Steuerung der Kommunikation von iDevices übernehmen soll.

Das Update für Logic Pro X 10.4.2 kommt entweder automatisch als geplantes Update oder wird manuell angestoßen, hier erinnere ich noch mal an Backups. Als Testgerät „quälen“ wir heute einen Mac Mini i5 mit 8 GB RAM aus dem Jahr 2017.

Nachdem wir das Update mit ca. 1,5 GB heruntergeladen haben, widmen wir uns der Library, die auf ca. 67 GB angewachsen ist. Mit VDSL100 ist das kein Thema. Hier sind noch die Sammlungen und Soundbeispiele aus früheren Versionen vorhanden und eine kaum mehr zu überschauende Anzahl von Loops aus den Bereichen Dance, Weltmusik, Streicher und Bläser. Und hier die erste Neuerung, die Library kann auf ein externes Medium, egal ob per USB oder Freigabe, verschoben werden. Hier ist zu beachten, Spotlight will es so, dass die nur mit HFS+ oder APFS funktioniert. Der Download erfolgt hier über „zusätzlichen Content bereitstellen“, alle verfügbaren Sounds laden. Dieses erfolgt im Hintergrund, so dass wir weiterarbeiten können. Diese Library kann sowohl in Mainstage als auch GarageBand zur Verfügung stehen.

Alle blauen Loops sind AIFF-Files, die als Meta-Informationen Instrument, Tempo, Tonart und Stimmung enthalten. Alle Grünen sind Instrumenten-Loops. Entweder für ESX24 oder andere Instrumente. Alle Gelben Drummer Loops für die interaktiven Drummer namens Leah, Maurice und Rob.

 

NTFS USB Laufwerk am MacOS

 

Noch ein Windows Laufwerk

Unser Loop-Laufwerk

Wenn nun im Logic Startmenü das Laufwerk weiß angezeigt wird, können wir den Content verschieben. Dies passiert im Hintergrund und wir können weiter arbeiten. Aus praktischen Erwägungen sollte unsere Platte nicht weiter partitioniert sein. Und ab USB 3.0 wird es interessant.

Unter der Haube von Apple Logic Pro X 10.4.2

Die beiden wichtigsten Neuerungen sind im ersten Moment nicht auf Anhieb sichtbar, sind aber für Remixer und Komponisten recht wertvoll.

Smart Tempo: Ist dies aktiviert, kann ich beliebige Waveloops gleichzeitig auf mehrere Spuren legen und das Tempo wird analysiert und das Projekttempo anpasst.

Das neue Smart Tempo

Dieses Verhalten können wir dann im Display unterhalb der BPM-Anzeigen wieder ein- und ausschalten, je nachdem, wie es benötigt wird. Tatsächlich funktioniert das erstaunlich gut, wenn man eine Kick und Bass in diesem Kontext mit auf die Spuren zieht. Vorbei die Zeiten, als ein Remix anstand und erstmal nach der BPM-Zahl gefragt werden musste.

Das Smart Tempo analysiert das Tempo von Mehrspuraufnahmen, um ein gemeinsames Metrum zu schaffen. Auch importierte Multitrack-Stems können die Geschwindigkeit des Songs nun definieren oder ihr folgen. Smart Tempo ist zudem in der Lage, ohne Metronom erstellte MIDI-Aufnahmen zu analysieren.

Logic Drummer Mainview

MIDI Beeinflussung in Apple Logic Pro X 10.4.2

Was bitte? Ja, so steht’s geschrieben. Damit ist die Fähigkeit gemeint, aus der Notationsrolle Symbole in MIDI umzuwandeln. Haben wir ein Crescendo, notieren wir das und es wird so ausgegeben, haben wir ein Glissando ebenso. Hier kann zusätzlich die Länge vorgegeben werden.

„MIDI Beeinflussung“

MIDI-Input-Informationen für den Channel Strip ermöglichen das Filtern, Transformieren und Durchreichen aller MIDI-CC-Daten. Hört sich erstmal unspektakulär an, birgt aber für den Scripter als MIDI FX wahnsinnig viele Möglichkeiten.

Beispiel: Das Roland System-8 sendet im Chord-Modus einen Akkord, dieser soll transformiert und in einen anderen Akkord umgesetzt werden, live und in „Echtzeit“. Oder ein Synthesizer will sich nur mit Sysex kontrollieren lassen, MIDI-Events öffnen, MIDI-Events tracen und ins MIDI-Environment einfließen lassen.

Diese Sachen sind teilweise nur sichtbar, wenn der „Erweiterte Modus“ unter Einstellungen aktiviert wurde. Dies erkennt man, ob links und rechts des Logic Fensters Holzwangen sichtbar sind. Oder in einer Audiospur die Buttons (R)ecord und (I)nput sichtbar sind, erweiterter Modus. Holzwangen, einfacher Modus.

MIDI Scripter

Scripter gibt es wie das MIDI-Environment schon etwas länger, zählen aber zu den meist unterschätzten Werkzeugen in Apple Logic Pro X 10.4.2. Und endlich wurde der Prüfsummenfehler, ausgelöst durch das Senden von Daten an Roland U110 durch einem Sysex-Fader, gelöst.

Logic MIDI-Environment aufgeräumt

Forum
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    TobyB  RED

    Nachtrag des Autors: In Logic 10.4.2 wurde auch die ARA Schnittstelle für Melodyne eingeführt. Dieses konnte jedoch noch nicht getestet werden. Wird aber nachgeholt.

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      Wellenstrom  AHU

      Jo, unbedingt. Denn in diesem Punkt haben wir schon einen größeren Sprung in der Evolution. Melodyne User ziehen aus diesem Update einen massiven Vorteil. Peu a Peu entwickelt sich ARA zu einem wirklich plattformübergreifenden Standard.

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        TobyB  RED

        Hallo Welle,

        das stimmt schon. Wichtiger ist aber das sich die Performance und das Auslagern der Soundlibary verbessert hat. Du konntest zwar zuvor mit symbolischen Links arbeiten. Aber ;-) wer macht schon ein Terminal auf und haut das raus: ln -s /Volumes/Festplatte/kewlerUser/Downloads /Volumes/Externeplatte/Downloads und vorher darfst du du erstmal zum SUDO am Terminal machen. Es gibt zwar eine App namens SymbolicLinker, die ist aber schräg und vergisst bei einer grossen Anzahl Dateien schon mal etwas.

        ARA und Logic gucken wir uns demnächst noch mal genauer an.

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      TobyB  RED

      Hallo Mike,

      ich musste auf dem Testmac Sierra gleich überspringen. Danke für den Hinweis.

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    Max Van Allen

    „mittlerweile ist man bei Apple fast weg von den pseudo-realistischen Oberflächen“. Das stimmt, klingt beinahe so als wäre es ein Segen. Ist natürlich Geschmackssache. Für mich persönlich ist Alchemy eines der hässlichsten Teile, die je das Licht der Plugin-Welt erblickten. So ein knochentrockenes Design bringt m.E. auch keinerlei Vorteile in der Bedienung. Ich wüsste jedenfalls nicht, wobei. Diese Verunglimpfung des Camel Alchemy ätzt mich einfach nur an.

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      TobyB  RED

      Du musst im Kopf haben das Alchemy auch auf iOS auf dem Smartphone, iPad funktionieren soll. Sowohl als AU unter GB als auch als Remote. Und das performant. Und dass macht das UI. Mich stören eher noch die Reste der virtuellen Holzlatten und die UIs diverser Plugins.

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          TobyB  RED

          Hallo Welle,

          siehe iPad, iPhone und Logic Remote App. Und man kann ja eigene Skin realisieren und dann ablegen. Mein Neffe meinte der Tyrell v6 könnte ne BR2049 Skin vertragen ;-)

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            Wellenstrom  AHU

            Ah, da siehste wieder mal… bin nicht auf dem Laufenden… hab aber auch kein Smartphone aktuell am Start. Länger als 3 oder 4 Monate kann ich so’n Dingen nicht am Kopp haben.

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              TobyB  RED

              Vier Monate ein Smartphone am Kopf :-) Brain2MIDI möchte ich nicht wirklich haben. Aber mit OSC als Protokoll kannst du einiges anstellen. Wenn du einen Take einspielst ist das praktisch, klebst halt beim aufnehmen nicht am Rechner. Man kann auch auf die Spitze treiben wie Orbital die steuern mit 4 Ipad und einem Ableton, ihre ganze Liveperformance. Die drehen dann an den Knöppen.

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      Markus Schroeder  RED

      In der Bedienung vielleicht nicht, aber skeuomorphe Oberflächen tendieren dazu die Speicherbelegung der Plug-In ernorm aufzublasen. Faktor 100 ist da keine Seltenheit. Das ist alles andere als effizient.

      Pixelgrafikoberflächen sind schlichtweg veraltete Technologie.

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        dts

        Geringe Speichergrößen sind eine „schlichtweg“ viel mehr veralterte „Technologie“.

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        Roller

        Also weder das eine noch das andere ist veraltet. Nur weil wir mit dem Helikopter ein Fahrzeug haben, dass keine Raeder benoetigt, ist ja das Rad nicht auf einmal ueberholt.

        Faktor 100 klingt nach 99% aller Statistiken sind frei erfunden. Da wuerd mich die verwendete Metrik interessieren. Richtig ist zwar, dass Speicherverbrauch nicht unwichtig ist. Nur ist es auch so, dass es in der SE einen Paradigmenwechsel dahingehend gegeben hat, dass man Speicherverbrauch erstmal zweitrangig betrachtet, im Vergleich zu Parallelisierbarkeit von Code bzw. CPU Rechenzeit bspw.. Was im Ueberigen auch eine Resource ist, die einen Anspruch auf Schonung hat und die im Regelfall bei speichersparsamer Programmierung leidet.

        Man koennte natuerlich auch einfach nur sagen, dass man Holzgrafiken scheisse findet…

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          Markus Schroeder  RED

          Ok, da ist mir eine Null zuviel rausgerutscht, sorry.

          Deswegen habe ich auch „skeuomorphe Oberflächen“ gesagt. Ich finde die generell Mist, ganz besonders wenn sie Nostalgiegefühle zu Hardware erwecken sollen.

          Zur Statistik: als Basis ziehe ich da mal meinen eigenen Plug-Ins-Ordner hinzu mit derzeit 443 Plug-Ins.

          Das durchschnittliche Audio Damage Plug-In mit Vektoroberfläche liegt bei 5MB. Die alllermeisten Plug-Ins mit skeuomorphen Pixeloberflächen liegen zwischen 35 und 80MB. Zugegeben, da geht mir die Rechenpower wohl vor dem Speicher aus.
          Also Faktor 10 ist da locker drin.

          Sache ist aber, das mit der Verbreitung von 4k+ Bildschirmen die Hersteller dazu übergehen auch hochauflösendere Grafiken zu machen.

          Neustes Indiz dazu der Test zum Antelope Audio Discrete 4 von Thilo. Die Plug-Ins mit HD-Oberfläche laufen hier mit 700MB auf, ohne funktionalen Vorteil. Das kann ja nicht die Zukunft sein.
          (wahrscheinlich hatte ich die Antelope Plugs im Kopf bei Faktor 100)

          Pixeloberflächen sind IMHO für HiDPI-Bildschirme einfach nicht geeignet, oder müssen superintelligent programmiert sein, was ich bei den meisten Herstellern nicht sehe.

          :)

          PS:

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      Engholm

      Hallo Mike,
      Vor allem die UI’s die Logic eigenen Plugins müssten dringend mal überarbeitet werden. Wer arbeitet bei Apple eigentlich an Logic, immer noch die alte Emagic Truppe um Gerhard Lenegling. Wo sitz n die ? In cupertino oder immer noch von Rellingen aus ?

      Gruß
      Engholm ✌🏻

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        TobyB  RED

        Warum müssen die UIs überarbeitet werden? Ich finde die Logik die sich da durchzieht sehr gut. Druck auf B einfacher Modus, die wichtigsten Parameter oder auf Remote Smart Control die gleichen Parameter. Will ich den Sound komplett editieren Plug In einschalten. Du musst immer im Kopf haben, Logic kann auch via iOS gesteuert werden. Und ich will nicht den kompletten EXS24 oder ES2 auf dem iPad. Ausserdem kannst du bei AUs, deine eigenen Skins als PNGs in den entsprechenden Ordner packen. Ebenso darfst du das MIDI Envrioment nicht vergessen, das ist immer noch da. Und so wie Apple die UIs nach und nach anpasst find ich okay. Und ich glaube, das der Lerneffekt bei Apple bei Version 7 und dem Sprung von Logic 9 und 10 vorhanden war. Und zuviel auf einmal nicht gut ist. Für den Anwender geht dann immer die Welt unter. Aber welche DAW lässt sich derzeit schon ohne großen Aufwand remote steuern. Logic und Ableton. Der Rest kann erstmal Hand anlegen. Und da muss man nun mal Kompromisse machen. Aber, der Nutzer profitiert davon.

        Apple hat eine Dependance in Rellingen. Da wird auch noch gearbeitet. Aber mehr kann dir keiner sagen. Ich auch nicht. :)

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          Supremeja  

          Ich muss da Engholm zustimmen. Nehmen wir als Beispiel den EXS24. Dieser hat sich seit der ersten Veröffentlichung nicht wirklich verändert. Die GUI ist viel zu klein und zu unhandlich. Bitte nicht falsch verstehen, der EXS24 hat richtig was drauf, ist aber kaum bedienbar. Fall’s jetzt stimmen laut werden, dann bau mal ein Round-Robin-Drumset mit jeweils 8 Einzelsound zu jedem DrumSound (BD, SN, HH etc). Glaube mir, die Verzweiflung wird nicht lange auf sich warten lassen. Entsprechend mache ich das mit NI Kontakt.

          Zusammengefasst kann der EXS24 eine neue und bedienerfreundliche GUI vertragen (mit Zugang zu allen Einstellungen und Optionen). Und wenn man schon soweit ist, dann kann EXS24 auch eine Granular-Einheit vertragen. Ist ja bereits ein Standard in fast allen Samplern (Kontakt, Mach Five, Falcon etc..)

          Vielleicht liest das einer der Verantwortlichen aus dem Logic Pro X Team. ;))

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            TobyB  RED

            Hallo supremeja,

            ich arbeite recht selten mit dem EXS24. Zum anderen stelle ich als Zoomfaktor immer 150% ein und die wichtigen Funktionen sind auf einen Touch Controller gemappt. Da ist EXS24 etwas unscharf weil Pixelgrafik.
            Es ist aber verständlich, wenn du mit kleinem Display unterwegs bist, ist EXS24 sehr fuddelig. Bei mir entstehen Sampler-Instrumente meist mit einem Rechtsklick auf die Spur, ich nehme z.B. die Drums nacheinander in eine Spur auf und mach dann einen Rechtsklick, neues Samplerinstrument.

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    dts

    Hallo zusammen!

    Das mit der Spurautomation verstehe ich nicht. Was ist da neu, außer dass ein Automationspunkt nicht sofort gelöscht wird, wenn man einen anderen über ihn rüberzieht sondern nur in einen kleinen Bereich drumrum – also ein horizontales Einrasten?

    Cheers!

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      TobyB  RED

      Du hast einen Punkt auf Automation A und einen zweiten auf Automation B. Jetzt ziehst Punkt B auf A und er richtet sich dann aus.

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