Test: Applied Acoustics Tassman, Software Synthesizer

16. Mai 2001

Subtraktiver Sound aus dem Rechner

Der Tassman ist ein modularer physical modeling Software – Synthesizer der kanadischen Firma Applied Acoustics Systems. Die Software bietet also neben den üblichen Synthesizer Modulen noch Bausteine zur Simulation von Blass-, Zupf-, Schlag- und Streichinstrumenten und den dazugehörigen Resonanzkörpern. Das Programm lässt sich als eigenständige Applikation starten oder als DXi oder VST – Instrument im Verbund mit einer Host – Software. Daher ist auch der Betrieb und Cubase, Logic oder Sonar kein Problem.

Der Vorteil einer modularen – Synthesizer – Software ist die ungeheure Flexibilität, da man sich einen eigenen Synthesizer fast beliebig zusammensetzen kann. Der Nachteil liegt bei dem im Vergleich zu herkömmlichen Software – Synthesizern das bei gleicher Leistung und Anzahl der Stimmen vom Rechner mehr abverlangt wird. Das liegt hauptsächlich daran, dass man einen herkömmlichen Software – Synthesizer wesentlich einfacher optimieren kann, beim modularen Pendant müssen für einzelne Module auch dann Funktionen berücksichtigt werden, wenn sie im zusammengesteckten Instrument gerade nicht benötigt werden und es werden viele Funktion mehrfach berechnet, die man unter Umständen in einem extra für diesen Zweck programmierten Synth zusammenfassen könnte.

Bedienung

Das Programm besteht aus 2 Teilen, dem Builder und dem Player. Mit dem Builder kann man sich aus Bausteinen seinen eigenen Synth zusammenstellen, die dann auf dem Player oder den Plugins zum Einsatz kommen.

Das Builder – Programm kann man entweder separat starten oder aus dem Player um das gerade Angezeigte Instrument zu bearbeiten. Die Bedienung des Programms ist sehr gewöhnungsbedürftig. Klickt man ein Modul an so muss kann man entweder ein anderes Modul auswählen oder das Angeklickte im Arbeitsbereich ablegen, eine Möglichkeit die Funktion des Mauszeigers auszuwählen habe ich nicht gefunden, hier fehlt ein Menü mit Werkzeugen. Will man größere Synthesizer erstellen bietet es sich an häufig verwendete Funktionsgruppen in so genannten Sub – Patches abzuspeichern, auf diese Weise kann man sie wie eigenständiges Modul immer wieder einsetzen. Verwendet man beim Entwurf eines Synths viele Sub – Patches wird das Ganze sehr schnell unübersichtlich, da alle Sub – Patches mit dem gleichen Symbol angezeigt werden. Erst bei der Berührung mit der Maus erfährt man mehr über die Funktion eines Moduls. Daher wäre es schön, wenn man dem selbst erstellten Modul ein Symbol zuordnen könnte, das zumindest einen ungefähren Eindruck über dessen Funktion gibt. Aus dem selben Grund gestaltet sich auch die Auswahl der Module aus der Sub – Patch Sektion, bei Verwendung von vielen unterschiedlichen Modulen, nicht gerade einfach. Verschärft wird das ganze durch den Umstand das sich erst mal geladene Sub – Patches nicht so einfach wieder löschen lassen, so wird die Auswahl zwangsläufig immer größer werden. Einzig ein speichern und erneutes laden des Instruments löscht die unbenutzten Sub – Patches. Zumindest kann man die Ein- und Ausgänge der selbst erstellten Module benennen und auch einen kleinen Text dazu schreiben. Allerdings weigert sich die Software gelegentlich, aus mir bisher unerfindlichen Gründen, sowohl bei Sub – Patches als auch bei herkömmlichen Modulen die Namen für Ein- und Ausgänge anzuzeigen. Die erstellten Instrumente und Sub – Patches werden als Textfile in einer C ähnlichen Programmiersprache namens „Truite“ abgespeichert, im Moment ist das die einzige Möglichkeit die Oberfläche von 2 Modulen, wie beim 24dB Filter – Sub – Patch (besteht auch 2 x 12db Filtern), zusammenzufassen. Diese so genannte „enslave“ Funktion soll laut dem Support auch mit der nächsten Version des Builders auch ohne „Truite“ – Kenntnisse möglich sein. Was nötig ist, da Truite erst gar nicht in der Anleitung erwähnt wird.

Die Player – Software kann man ebenfalls separat starten oder aus dem Builder mit dem Instrument an dem man gerade arbeitet. Die Darstellung der Module hat sich AAS bei echten Modular Systemen abgeschaut, nur wage ich es zu bezweifeln dass sie sehr viel User finden werden, die das zu schätzen wissen. Denn nur wenige der Musiker die mit Software wie Tassman arbeiten werden Erfahrungen mit einem echten Modular – System haben. Die Bedienelemente sind so groß, dass man auf der nicht ganz 800×600 Punkte großen Oberfläche recht schnell den überblick verliert. So schön das ganze auch aussehen mag, die Benutzerfreundlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Ich persönlich finde es immer ein wenig bedenklich wenn man sich mit der Oberfläche einer Software zu sehr an der Wirklichkeit orientiert, da man eher die Vorteile einer virtuellen Oberfläche nutzen sollte um komplexe Zusammenhänge, wie z.B. die Verknüpfungen der Module untereinander darzustellen. Hier würde ich mir mehrere Ebenen und Arten der Darstellung wünschen, so dass man in jedem Moment den überblick behalten kann.

Im Moment kann man im Player leider nur einzelne Reihen und Sub – Patches ausblenden, was die übersicht meist nur minimal verbessert.

Schön finde ich dass man die Einstellungen der Sub – Patches einzeln abspeichern kann. Auf diese Weise kann man bei der Soundprogrammierung für komplexe Modulgruppen sinnvolle Voreinstellungen abspeichern. Schade ist es dass man im Player keine Möglichkeit hat Polyphonie oder den MIDI Kanal eines Instruments zu verändern. Das geht nur im Builder, was den User dazu zwingt sich ein wenig mit der Programmierung eigener Instrumente zu beschäftigen. Wofür sich mit Sicherheit nicht jeder berufen fühlt.

Module

Die Tassman Software wird mit einer großen Menge an Modulen und einigen vorgefertigten Sub – Patches ausgeliefert.

Die Sub – Patches können einem bei den ersten Versuchen den Zugang stark vereinfachen, findet man hier schon ganze Funktionsgruppen die einem das „Zusammenstöpseln“ eines eigenen Synths erleichtern. Im Gegensatz zu den Modulen ist die Beschreibung zu den mitgelieferten Sub – Patches recht dürftig. Wenn man Glück hat findet man im Hilfe – Fenster dessen Namen und beschriftete Ein- und Ausgänge. Ausführliche Beschreibungen sind hier eine Seltenheit. Hier sollten die Macher mit einem guten Beispiel voran gehen, denn der Austausch selbst erstellter Funktionsgruppen ist nur dann sinnvoll, wenn eine anderer User ohne viel nachzudenken damit arbeiten kann.

Hier eine Liste der Module:

  • Generatoren:VCO, VCS, LFO, Clock LFO, Mallet, Noise Mallet, Plectrum, Tone Wheel.
  • Resonatoren:Beam, Marimba beam, Membrane, Plate, String, Flute, Organ, Tube, 4 Tubes, Bowed beam, Bowed marimba, Bowed membrane, Bowed plate, Bowed string.
  • Filter:12dB Lowpass, 21dB Lowpass2, 12dB Variable lowpass2, 12dB Bandpass, 12dB Static bandpass, 12 dB Variable bandpass, 12dB Highpass, Comb.
  • Hüllkurven:ADSR, VCA, Volume, Knob, on/off button, Polar Rectangle, RMS, Slider, Portamento.
  • Effekte:Reverb, Pan pot, Delay, Flanger, Variable delay, Pick up(distortion), Divider Inverter, Pitch shifter, Sample and Hold, Phaser, Stereo Chorus.
  • Ein-/Ausgänge:Keyboard, Velocity keyboard, Poly keyboard, Poly velocity keyboard, DAC, Stereo DAC, Poly mixer, Wind controller, Inputs and Outputs1-5(for sub-patches),Selector 2-5 , Mixer 2-5, Sequencer, Sample player, Recorder, Level meter,Mod wheel, Pitch wheel,Constant,Damper pedal.

Was ich trotz der ordentlichen Anzahl von Modulen vermisse ist eine Multistage (mehrstufige) Hüllkurve, die gerade bei FM – Instrumenten sehr nützlich sein kann. Auch besitzen die Filter keinen Eingang für die Resonanz Parameter, den ich ganz gerne mal durch die Velocity oder eine Hüllkurve steuern lasse. Zudem scheint weder Sync, Ring- noch „Crossmodulation“ (FM zwischen den VCOs) möglich zu sein. Denn ein Sync Eingang ist bei keinen der Oszillatoren vorgesehen und für alles andere sind die Modulationseingänge einfach zu langsam und gehen daher nicht weit genug in den hörbaren Bereich hinein um damit sinnvoll arbeiten zu können. Einzig die Sinus Oszillatoren können mit Frequenzen im FM – Synth typischen Bereichen umgehen, allerdings auch nur dann, wenn sie von einem weiteren VCS moduliert werden. Zumindest 1:1 FM (Träger und Modulator haben die gleiche Frequenz) zwischen VCO (typischer Synth Oszillator) und VCS (Sinus Oszillator) ist möglich. Eine Konstellation wie man sie unter anderem auch im Casio VZ-1 Synthesizern findet und einem hier und da den Filter ersparen kann.

Anleitung

Die englischer Sprache verfasste Anleitung ist mit 160 Seiten sehr ausfü ;hrlich. Sie enthält einen kleinen Lehrgang, die Einführung in Builder und Player, eine ausführliche Beschreibung der Module, zum gleichen Thema eine Referenz und eine Liste der in den Programmteilen verwendeten Tastatur Kürzel. Der zweiundzwanzigseitigen Lehrgang erklärt an einem einfachen Beispiel recht ausführlich wie man seinen ersten eigenen Synth verdrahtet. Leider werden bei der Beschreibung der Module nur die Funktion und Anschlüsse der beschrieben, Beispiele zum Einsatz findet man nur für die Physical – Modelling – Module. Eine Einführung in die Funktionsweise eines Synthesizers, wie man das z.B. bei Anleitungen von Waldorf kennt, ist nicht vorhanden. Anfänger werden hier auf zusätzliche Literatur angewiesen sein oder gar vor Verzweiflung das Programm gleich wieder von der Platte löschen wollen. Zumindest wenn er nicht nur mit den mitgelieferten Synths arbeiten möchte.

Kopierschutz

Der Kopierschutz besteht aus einer Seriennummer, die auf die CD Hülle aufgeklebt ist. Diese Nummer dient allerdings nicht, wie man es eigentlich erwarten würden, als Zugang zur Software, sondern ermöglicht es auf einer Webseite die Antwort auf einen Code zu erhalten, den man zum frei schalten des Programms benötigt. Dazu muss man allerdings zuvor eine Menge persönlicher Daten, inklusive Telefonnummer und Adresse über eine unverschlüsselte Verbindung schicken. Zum Glück kann man hier auch eine Menge unsinniger Informationen eingeben und erhält trotz alledem den benötigten Code. Alternativ dazu kann man ein email oder ein Fax an den Hersteller schicken. Den ebenfalls möglichen Telefonanruf nach Nord Amerika werden wohl nur die Wenigsten in betracht ziehen. Diese Technik soll wahrscheinlich eine Installation auf unterschiedlichen Rechnern verhindern. Ich hoffe nur dass diese Kopierschutz nicht auch dann Probleme macht, wenn man bestimmte Komponenten in seinem Rechner tauscht, was bei vielen PC – Usern – mich eingeschlossen – nicht gerade selten der Fall ist.

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