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Test: Archetype Tim Henson Gitarren-Software

Moderne Sounds für modernes Spiel

9. Januar 2022

Neural DSP hat im Moment wirklich den Finger am Puls der Zeit. Mit der Archetype Tim Henson Signature-Software kommt erneut ein modernes Soundwerkzeug auf den Markt, das sich in eine Liste bereits getesteter und bewährter Software-Lösungen für uns Gitarristen einreiht. Neben Tosin Abasi, Cory Wong, Plini, Gojira, und – seit Neuestem – John Petrucci (Test folgt!), hat nun Polyphias Gitarrist Tim Henson eine eigene virtuelle Soundmaschine bekommen. Wer Tim Henson noch nicht kennt, sollte sich unbedingt mal seine Fähigkeiten zu Gemüte führen. Er gehört zu einer neuen Generation Gitarristen, die Grenzen sprengen und neue Sounds und Techniken etablieren konnten. Mit seiner Band Polyphia reiht sich Henson in eine Reihe großartiger Bands aus dem Progressive-Rock ein. Kleiner Anspieltipp: G.O.A.T.

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Archetype Tim Henson – ein Überblick

Die Archetype Tim Henson Software ist, wie bei Neural DSP üblich, sowohl als Plug-in in einer DAW verwendbar, als auch standalone ohne weitere Software zu nutzen, vorausgesetzt, man kann die Gitarre über ein Interface an den Computer anschließen und besitzt mindestens einen guten Kopfhörer. Der Aufbau der Neural DSP Archetype Software ist immer gleich. Im Zentrum des Fensters dominiert optisch immer der Teil der Signalkette, der in der oberen Reihe von links nach rechts dem Signalfluss folgenden, anwählbaren Slots ausgewählt wurde. In Falle der Tim Henson Software ist das von links nach rechts zunächst ein Fenster mit drei Stompboxen, einem Boost, einem Compressor sowie einem Overdrive-Pedal. Alle drei in edler goldener bzw. stylisch roségoldener Oberfläche. Optisch kann so ziemlich jeder andere Hersteller von Neural DSP immer noch was lernen.

Archetype Tim Henson Pre Effects

Der Pre Effects Slot der Neural DSP Archetype Software, in der oberen Reihe: die Auswahlbuttons für die einzelnen Geräte-Slots

Rechts neben dem Symbol für die Pre-Effekte folgt der Button für das Amp-Fenster. Hier stehen drei optisch ebenfalls umwerfend designte Topteile zur Verfügung. Der erste, rabenschwarze Amp ist auf akustischen Input spezialisiert. Tim Hensons Sound lebt oftmals von diesem crispen, knalligen Piezo-Sound, der ein unglaubliches Durchsetzungsvermögen hat. Der Amp ist mit einem Blend-Regler ausgestattet, der auch mit konventionellen Pickups den Piezo-Sound authentisch simulieren können will. Das Gegenstück ist der strahlend weiße Rhythm Amp. Ein zweikanaliger Verstärker, der alles zwischen crispem Clean und erdigem Crunch abdecken soll. Fehlt noch Amp Nummer drei, der pinke Bolide für den amtlichen Highgain-Sound, der sowohl für härtere Rhythmussounds, als auch für schreiende Leadsounds erste Wahl sein will.

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 Tim Henson Amps

Die drei Amps der Tim Henson Plug-in Suite

Was folgt nach dem Amp? Klar, die Box. Im nächsten Slot finden wir für die beiden rockigen Amps jeweils eine farblich abgestimmte Box. Der schwarze Kollege kommt, als Vertreter eines D.I.-Sounds, ohne Speakersimulation aus. Der Cabsim-Slot unterscheidet sich nicht von dem der anderen Archetype Softwares, zwei virtuelle Mikrofone können gleichzeitig frei vor der Box positioniert werden, zur Auswahl stehen jeweils 6 verschiedene Mikrofontypen. Vom dynamischen Mikro, über Kondensator-Mikros bis zu klassischen Bändchenmikrofonen ist alles vertreten, die Bezeichnungen wie „Dynamic 57“, „Condenser 414“ oder „Ribbon 121“ geben Aufschluss über das reale Vorbild. Die Mikros können einzeln geschaltet und im Stereobild positioniert und in der Lautstärke angepasst werden. Wem das nicht reicht, der kann in diesem Slot auch eigene, sogenannte Impulse-Responses laden. Impulse-Responses sind, vereinfacht ausgedrückt, digital erstellte Abbilder des typischen Verhaltens einer mikrofonierten Gitarrenbox. Diese kann man mit ein bisschen Know-how selbst erstellen oder man kauft fertige IRs oder IR-Packs und lädt diese dann auf seinen Rechner.

Archetype Tim Henson Cabsim

Die Cabsim der Neural DSP Software. Neben 6 virtuellen Mikrofonen können auch komplett eigene IRs genutzt werden.

Der Multivoicer – ein mächtiges Werkzeug

Was jetzt folgt, ist ein Alleinstellungsmerkmal unter den Archetype Softwares. Der Multivoicer ist ein aufwändiger, intelligenter Pitchshifter mit bis zu vier zusätzlichen Stimmen, die dem Originalsignal zugemischt werden können. Dabei können die einzelnen Stimmen frei im Stereobild positioniert und einzeln in der Lautstärke angepasst werden. Die Wahl eines Grundtons zur Festlegung der Intervalle ist ebenso möglich, wie die Wahl des Tongeschlechts Moll oder Dur. Ein „sturer“ chromatischer Modus ist ebenfalls möglich. Komplexe Akkorde, diverse Umkehrungen und Arpeggios können mit Hilfe der Voicing-Library erstellt werden. Auch eingehende MIDI-Signale kann der Multivoicer verarbeiten, so dass die Intervalle immer passend zum laufenden Song bzw. Akkord ausgesucht werden.

Archetype Multivoicer

Der Multivoicer ist ein mächtiges Werkzeug, das vor allem in Verbindung mit dem Acoustic Amp zu kreativen Spielereien einlädt

Im folgenden Slot folgt je Amp ein zugeordneter 9-Band Equalizer, der kräftig ins Klanggeschehen eingreifen kann. Jedes der neun Bänder kann 12 dB angehoben oder abgesenkt werden, die Bänder sind praxistauglich gewählt. Informationen über die Breite der Bänder gibt es nicht.

Archetype Tim Henson EQ

Jedem der drei Amps steht ein umfangreicher Equalizer zur Seite

Richtig interessant wird jetzt noch mal der letzte Slot, hier finden wir die drei nachgeschalteten Effekte Chorus, Delay und Reverb. Ist der Chorus noch recht schlicht gehalten – er verfügt lediglich über einen Dry/Wet-Regler, Rate und Width sind fest eingestellt – haben es Delay und Reverb richtig in sich. Das Delay verfügt über drei Betriebsmodi. Diffusion, Vintage Digital und Modern stehen zur Verfügung. Zusätzlich ist der Stereobetrieb zwischen Normal, Ping Pong und Wide schaltbar. Eine Sync-Funktion passt das Delay dem Songtempo an. Im Plug-in-Modus übernimmt das Delay die BPM des Projekts, im Standalone-Modus können über die integrierte Tempofunktion die BPM wahlweise direkt eingegeben oder eingetapt werden. Das Reverb-Pedal verfügt neben den üblichen Reglern über eine Shimmer-Funktion, die dem Hall eine zusätzliche, sphärische Komponente hinzufügt. Das war’s soweit zur Übersicht über die einzelnen Bestandteile der Software. Unterhalb der Slot-Buttons befinden sich noch ein paar Regler für Input- und Output-Gain, der Preset-Browser sowie der Mono/Stereo-Schalter. Die Software arbeitet grundsätzlich in Stereo, kann allerdings mit Hilfe letzteren Schalters an das Input-Signal angepasst werden. Ein bereits durch andere Plug-ins in Stereo aufgesplittetes Signal kann also ebenso verarbeitet werden, wie ein einfaches Monosignal.

Archetype Tim Henson Post Effects

Die nachgeschalteten Effekte

So klingt das Archetype Tim Henson Plug-in

Um ein bisschen Übersicht in die Klangbeispiele zu bringen, gehe ich die Amps der Reihe nach durch und suche zunächst Werkspresets mit dem schwarzen Acoustic Amp. Zum Einsatz kommt meine Ibanez AZ226. Gleich das erste Preset mit dem Namen „Fingerstyle Acoustic“ lädt zum Experimentieren mit dem Blend-Regler ein. Ihr hört zunächst das Werkspreset, danach dasselbe File mit voll aufgedrehtem Blend-Regler. Das dritte Beispiel ist meine Ibanez Artwood Akustikgitarre, wieder mit dem Werkspreset.

Ein paar weitere Klangbeispiele unter Verwendung des Acoustic Amps folgen. Zum Einsatz kommt ausschließlich die AZ226:

Der Rhythm-Amp will zeigen, was er kann. Ihr hört ein paar cleane Sounds aus der mitgebrachten Library sowie ein paar angezerrte Sounds, die wohl kritischste Disziplin bei digitaler Klangbearbeitung. Beides löst die Archetype Software mit Bravour

Der Lead-Amp präsentiert sich cremig-böse. Das Teil macht richtig Spaß und reagiert wunderbar auf die angeschlossene Gitarre und deren Bediener.

 

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Fazit

Ein unglaublich modernes, vielseitiges Werkzeug hat Neural DSP mit der Archetype Tim Henson Software im Rennen. Wer abseits ausgetretener Pfade auf der Suche nach außergewöhnlichen und dabei außergewöhnlich guten Sounds ist, sollte sich diese Software mal in Ruhe anhören. Ich konnte im Test wirklich nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten anreißen, da geht noch viel, viel mehr. Und all das auf höchstem Qualitätslevel.

Plus

  • Sound
  • Vielseitigkeit
  • moderner Sound
  • Optik

Minus

  • -

Preis

  • 119,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino AHU

    Der Sound ist wirklich nicht schlecht, aber doch sehr auf ‚Tim Hensons‘ Sound eingeschränkt. Wer ihn nachahmen will, ok, das ist etwas für Hobbymusiker.

    • Profilbild
      Eisenberg

      Ich finde es wirklich hilfreich, wenn Profimusiker, die sich auch intensiv mit dem vorgestellten Produkt befasst haben, dem Fazit des Testers fundiert weitere interessante Aspekte hinzufügen.
      Danke also, Midi Dino, dass du mich vor einem teuren Fehlkauf bewahrt hast.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Ich bin Hobbymusiker, aber ich kann damit auch nix anfangen. Mir gefällt die Musik von Polyphia nicht, das sind vermutlich schon mal ungünstige Voraussetzungen. Bei der Hälfte der Soundbeispiele stört mich massiv der Shimmer und das sehr künstlich klingende Delay. Trotzdem sollte eigentlich jede Ampsimulation wenigstens einen irgendwie sympathischen Sound anbieten, den habe ich hier nicht gefunden.
        Die Designs von virtuellen Amps sind mir auch völlig schnurz, die sollen wohl irgendwie materielle Wertigkeit ersetzen. Mir sind da pragmatische Lösungen wie bei Blue Cats Axiom viel lieber.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Im Kontext zum Quad Cortex:

    Ich frage mich wirklich was das soll, Algorithmen in eine mit mittelmäßiger Peripherie und allenfalls durchschnittlicher Bühnentauglichkeit ausgestattete Hardware zu giessen, die NICHT das Beste vom Besten dieser Firma in – also die offensichtlich sehr guten Plugins – in diesem „Effektpedal“ nutzbar macht.

    Schafft der Prozessor das nicht oder hat der Hersteller beim Quad Cortex Schnelligkeit der Markteinführung vor Qualität gehen lassen?

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Gute Frage. Das Cory Wong Plug In in lief bei mir problemlos auf einem alten Ivy Bridge I3. Interessanterweise ist Line 6 mir dem Helix ja den umgekehrten Weg gegangen, also erst das Board und dann die Software. Meines Wissens auch ohne Einbußen.

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