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Test: ART TubeMix, Kleinmischer

22. Januar 2018

Mit Röhre und Simulator auf Stimmenfang!

Art TubeMix

Wenn es um handliche analoge Desktop-Mischer mit einer Interface-Einbindung geht, ist der Name ART wahrscheinlich vielen Nutzern ein Begriff. Wer in Sachen Podcast oder auch Homerecording mit einer überschaubaren Anzahl von Inputs klar kommt, wird mit Sicherheit auf den amerikanischen Hersteller mit Fertigung in China bei seiner Recherche nach neuem Equipment aufmerksam geworden sein.

Um weiterhin im Gespräch zu bleiben, verbaut der Hersteller in seinem neusten Produkt, dem ART TubeMix, das wohl analogste Bauelement, seitdem es Regelelemente gibt, eine Röhre, wobei es sich in diesem Fall über die allseits beliebte 12AX7 / ECC83 handelt. Röhrenpulte sind so alt wie die Aufnahmetechnik an sich, allerdings sind sie den meisten interessierten Nutzern eher aus den sechziger Jahre Aufnahmetempeln wie zum Beispiel den Abbey Road Studios ein Begriff, weniger aus der aktuellen Konsolentechnik. Schauen wir doch mal, ob die geliebte „Nicht-Linearität“ dieses Bauelements in Form von „Wärme“, Kompression und Saturisation auch in dem Kleinmischer zur Geltung kommt.

ART TubeMix Seitenansicht

ART TubeMix Seitenansicht

Konstruktion und Aufbau

Bei dem ART TubeMix handelt es sich um einen 5-kanaligen Mischer, bei dem die Kanäle 3 und 4 zu einem Stereosignal zusammengefasst wurden. Dieser Stereokanalzug kann zwar auch über einen Klinkeneingang in Mono betrieben werden, verfügt aber über keinerlei regelbare Vorverstärkung in Form eines Gain-Reglers. Diese findet man jedoch bei den Kanälen 1, 2 und 5, wobei die ersten beiden Kanäle in der Eingangssektion zwischen Klinke und XLR wählen können, Kanal 5 hingegen ausschließlich über einen hochohmigen Klinkeneingang verfügt.

ART TubeMix Aufsicht

ART TubeMix Aufsicht

Während die ersten beiden Kanäle über einen Regelbereich von -7 dB bis 33 dB (Line) bzw. 0 dB bis 43 dB (XLR) verfügen, hat Kanal 5 die Möglichkeit, das anliegende Signal von -12 dB bis 26 dB zu verarbeiten. Überhaupt zieht Kanal 5 die Aufmerksamkeit sehr schnell auf sich, da zusätzlich zur rein hochohmigen Signalverwaltung mittels eines Druckschalters eine Amp-Simulation auf den Kanal geschaltet werden kann. Ob es sich hierbei wirklich um einen Amp-Simulator oder vielmehr um einen deutlich sinnvolleren Speaker-Simulator handelt, wird der Praxistest zeigen.

ART TubeMix Rückansicht

ART TubeMix Rückansicht

Um Platz zu sparen, sind alle Regler auf der Oberfläche des Gehäuses als Drehregler ausgeführt. Neben einem Dreiband-EQ (80 Hz, 2,5 kHz und 12 kHz) verfügt jeder Kanal über 2 AUX-Regler (links(rechts), eine Peak-LED, einen Panorama-Regler und einen Level-Regler. Der AUX-Kanal liegt als TRS-Stereoschaltung In/Out vor, zudem verfügt der Mischer über Links/Rechts-Control-Room-Out und Links/Rechts-Main-Output. Durch die TRS-Signalführung lassen sich mit einem einfachen Klinkenstecker Mono-Effekte, über eine Y-Peitsche entsprechende Stereoeffekte verwalten.

Um den analogen Charakter des ART TubeMix auch optisch zu unterstützen, verfügt der Mischer über zwei VU-Meter, die mit ihrer natürlichen Trägheit auch immer eine gewisse Entspanntheit in die Pegelkontrolle bringen. Rasant schnelle LEDs mögen eine unmittelbare Pegelkontrolle ermöglichen, aber die „musikalischere“ Lösung sind nach wie vor VU-Meter.

ART TubeMix Rückseite

ART TubeMix Rückseite

Im Master-Bereich kann man zudem per Druckschalter das anliegende Signal der VU-Meters, der 2x 6-stelligen LED-Anzeige, Phantomspeisung und die unterschiedlichen Zuordnungen des Signals auf Control-Room und Main-Mix schalten. Bis auf die Eingangsbuchse des mitgelieferten Netzteils und der USB-Anschlussbuchse sind alle Anschlüsse auf der Oberseite des Gehäuses angebracht.

ART TubeMix Seitenverkleidung

ART TubeMix Seitenverkleidung

Das Gerät an sich ist sehr massiv aufgebaut, was man bei vergleichsweise geringen Abmessungen (H x B x T): 82 mm x 195 mm x 245 mm an dem kräftigen Gewicht von 2,5 kg erkennen kann. Inwieweit man sich mit den „Eiche-rustikal“-Seitenverkleidungen anfreunden kann, muss der persönliche Leidensdruck entscheiden.

Röhrenschaltung und USB

Wer jetzt auf fette Saturisation in der Art eines Gitarrenverstärkers hofft, muss seine Erwartungen leider zurückschrauben. Schaltungstechnisch wurde die Röhre hinter den Gain-Regler und vor die Filtern platziert, so dass sie lediglich eine Färbung des anliegenden Signals vornehmen kann. Die Röhre kann wahlweise auf die ersten beiden Kanäle oder aber Kanal 5 geschaltet werden, der Stereokanal 3/4 bleibt ganz außen vor.

ART TubeMix Unterseite

ART TubeMix Unterseite

Die verwendete USB 2-Schnittstelle (16 Bit, 48 kHz) wird laut Anleitung von allen modernen PCs (ab Windows 7) und Mac (ab OSX 10.9) erkannt, es bedarf keiner Treiberinstallation. Dem Mischer liegt zudem eine Installations-CD bei, die eine Anleitung, die Recording-Software Audacity 2.1.3 und einen ART ASIO-Treiber enthält. Das sehr unübliche 18 V, 1000 mA Wechselstromnetzteil ist natürlich ebenfalls beigefügt.

ART TubeMix Netzteil

ART TubeMix Netzteil

Praxis

Schaltet man den ART TubeMix ein, ist die erste Handlung, die man ausführt nachzusehen, ob eventuell der Netzstecker nicht richtig eingesteckt wurde. Warum? Nun, das Produkt hat keine Betriebs-LED. Nicht einmal die VU-Meter sind beleuchtet, d. h. man kann bei gedämpften Licht auch nicht erkennen, welcher Pegel anliegt. Ohne ein anliegendes Signal, das die LED-Ketten aktiviert, kann man lediglich die 48 V Phantomspeisung aktivieren und sich an der LED bzgl. der Betriebsspannung orientieren, was aber definitiv nicht im Sinne des Erfinders ist und man zudem Gefahr läuft, z. B. ein passives Bändchenmikrofon in Windeseile in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Nichts für ungut, aber so etwas geht in meinen Augen gar nicht.

In Sachen Haptik hingegen kann der ART TubeMix ordentlich punkten. Die Regler laufen gleichmäßig, haben einen angenehmen Widerstand und besitzen bis auf die Volumeregler wie Level, Main-Level, Contro- Room und die AUX-Wege eine 0-Rasterung, was auch den Blindbetrieb erleichtert. Dies kann man von den Druckschaltern Amp-Simulator, Tube-Assign und Meter-USB-Source leider nicht sagen. Schwarzer Schalter auf schwarzem Untergrund mit kurzem Hub, zudem ohne Zustands-LED nötigen einen zu einem konzentrierten Blick, welcher Zustand nun gerade aktiviert ist.

Schauen wir uns zunächst die Filter etwas genauer an. Die von den frühen Mackie Pulten übernommenen Eckfrequenzen machen einen guten Job, wobei mir persönlich das meist sträflich vernachlässigte Mittenfilter am besten gefällt. Die 12 kHz kommen ein wenig harsch rüber, während die 80 Hz den Bassbereich etwas undefiniert boosten. Alles in allem jedoch erledigt der EQ seinen Job ganz ordentlich. Schauen wir uns nun die beiden Highlights des ART TubeMix an, die Röhrenschaltung und den Amp-Simulator.

Was sich anhand der technischen Eckdaten bereits vermuten lies, fällt er auch in der Praxis sofort ins Gehör. Verständlicherweise möchte ART aufgrund seiner Reputation in Sachen Tube-Preamps den TubeMix gerne Richtung Röhrenmischpult verkaufen, was sich aber leider nicht so leicht umsetzen lässt. Um eine Vorstufenröhre adäquat in den Klangprozess mit einbinden zu können, bedarf es einer Anodenspannung von ca. 170 – 250 Volt, die über entsprechende Trafos generiert werden müssen. Das kann ein 18 Volt Netzteil nicht leisten, von daher sollte man sich nicht zu hoher Erwartungen in Sachen Röhrenschaltung hingeben.

Die Aktivierung der Röhre im Signalweg erzeugt eine deutlich wahrnehmbare Verdichtung des Signals mit einer leichten Tiefmitten-/Bassanhebung, die wesentlich kultivierter zur Werke geht als der Bassregler des EQs. Gleichzeitig nimmt aber auch die Durchsichtigkeit des Signals ab, so dass ein Soloabhören von der Röhrenschaltung profitiert, im Summenmix jedoch das Signal in seiner Prägnanz abnimmt. Inwieweit dies ein Vorteil oder Nachteil ist, hängt vom Ausgangsmaterial und vom Summenmix ab. Hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Aufgrund der Schaltung kann man den Saturierung der Röhre über den Gain-Regler nicht verändern, von daher kommt die Aktivierung der Röhre einer Art Booster-Funktion in Sachen Lautstärke, Kompression und Filterverhalten gleich. Auch hier, der persönliche Geschmack entscheidet.

Schlussendlich muss noch der Amp-Simulator seine Muskeln spielen lassen. Hierzu habe ich eine E-Gitarre über einen Pushking Overdrive direkt ins Pult gespielt. Es fällt auf, dass selbst bei deaktivierter Amp-Simulator-Schaltung der hochohmige Eingang deutlich höhenärmer ausgelegt ist als die übrigen Kanäle. Das berüchtigte Kratzen oberhalb von 4 kHz, das eine verzerrte Gitarre erzeugt, ist hier kaum zu hören und nimmt erst bei der Aktivierung der Röhrenschaltung deutlich zu.

Die Aktivierung des Amp-Simulators soll wohl eine Emulation aus Gitarrenverstärker und Lautsprechersimulation erzeugen, erstreckt sich aber nur auf eine gezielte Anhebung/Absenkung von typenüblichen Frequenzen. Das dynamische wie auch klangliche Verhalten einer klassischen Verstärker-/Lautsprecherkombination kann die Schaltung nicht wiedergeben. Um eine kompositorische Idee auf die Schnelle festzuhalten, mag dieser Eingang durchaus seinen Sinn haben, eine hochwertige Hardware-Emulation oder gar eine professionelle Mikrofonabnahme kann er jedoch zu keiner Zeit ersetzen.

ART TubeMix im Studiobetrieb

ART TubeMix im Studiobetrieb

Fazit

Mit dem ART TubeMix befindet sich ein handlicher und dennoch massiver Mischer/USB-Interface auf dem Markt, der mit zwei ungewöhnlichen Features auf sich aufmerksam macht. Eine manuell aktivierbare Röhrenschaltung und ein Amp-Simulator erhöhen die Flexibilität des Produktes, das unkompliziert und schnell nahezu alle anliegenden Signale in die DAW und wieder hinaus befördert.

Das Fehlen jeglicher Betriebsanzeigen und die unbeleuchteten VU-Meter hoffe ich bei der 2.0 Ausgabe des Produktes nicht mehr bemängeln zu müssen.

Plus

  • Verarbeitung
  • Handling
  • Funktionalität

Minus

  • keine Betriebsanzeige

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    kiro7  

    Schick! Wenn ich nicht erst nen kleines Mackie gekauft hätte…

    Wieso sind eigentlich die Mainmix-Inserts fast ausgestorben? Gabs früher sogar bei den mittleren Behringer Mixern. Finde ich immer noch praktisch.
    Danke für den Artikel!

  2. Profilbild
    Aldesacht  

    Danke für den Bericht, der hat mich neugierig gemacht und ich hab jetzt just meinen bestehenden Mackie Kleinmixer gegen diesen hier ausgetauscht – ich bin überrascht und bleibe dabei. Das Konzept beim Art ist so simple wie gut durchdacht, vor allem aber der Klang ist sehr edel und die hochwertige Verarbeitung unterstreicht das. Ohne grosse Messungen und nur mit den Ohren bewertet ist auch die USB Anbindung zu Logic absolut hochwertig und zumindest vom Hörtest einem Aphex IN2 (bei gleicher Samplerate versteht sich) absolut ebenbürtig: Edler Klang, satter Pegel, kein Rauschen und zuguterletzt: keine spürbare Latenz und knackfreier Betrieb bei 128 Samples – so ist die USB Funktion nicht nur ein nettes Gimmick sondern der Mixer ist ein echtes Audiointerface mit tollen Werten.

    Übrigens kann ich hier nicht nachvollziehen, dass bei Zuschaltung der Röhre die Durchsichtigkeit des Signals abnimmt, eher empfinde ich das Gegenteil: Das Signal bekommt deutlich mehr Glanz und Transparenz, das macht insbesondere im Kanal 5 beim Einstöpseln von Bass oder Gitarre eine tolle Figur.

    • Profilbild
      Aldesacht  

      PS: Nach einige Tagen Arbeit mit dem Teil ein wenig Ernüchterung über die USB Funktion.

      – Der USB Signalpfad rauscht doch ganz schön, was aber erst bei leiseren Passagen auffiel. Leider wird das Rauschen aber mit aufgezeichnet und liegt nicht nur im Returnsignal.

      – So denn zudem feststellen müssen, dass bei 44.1 Khz ein Störgeräusch beim Abklingen des Signals auftritt (z.B. Songende). Und dies leider so gravierend, dass dieser Modus eigentlich komplett unbrauchbar wird. Bei 48Khz ist diese Störsignal nicht vorhanden.

      – Der Pegel der Auxsends ist leider zu begrenzt und taugt nicht wirklich zum Bus-Recordig, sehr schade da vor allem das Aux to USB als ein nettes Feature erscheint.

      Fazit: Analog über der Master rausgehen in ein externes Audiointerface – da rauscht dann nix und der reine analoge Klang des Mixers klingt dann auch wirklich toll. Der USB Port des Tubemix ist dann anscheinend leider doch nur als Notlösung zu verstehen, und die auch nur in 48 Khz sinnvoll einsetzbar.

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