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Test: Arturia MatrixBrute, Teil 2, Synthesizer


Nun geht's ans Eingemachte.

Teil 2 – Der Blick aufs Detail

Nach einer umfangreichen äußerlichen Betrachtung des Arturia MatrixBrute in der vergangenen Woche in Teil 1 (HIER KLICKEN) wenden wir uns im 2. Teil unseres Testberichts der Klangerzeugung dieses Synthesizers zu. Beginnen wir also mit einem Blick auf die Oszillatoren.

Zunächst lege ich mir ein „nacktes“ Patch an. Ich drehe alle Schwingungsformen der Oszillatoren bis auf den Sägezahn von VCO 1 raus, öffne im Mixer nur den Kanal des ersten Oszillators, route das Signal auf das Ladder Filter, stelle die Resonanz auf null und die Cutoff Frequenz auf Maximum, nehme aus der Matrix alle Modulationen raus und stelle die Effekte auf Dry. Man könnte natürlich ein Patch auch initialisieren (drücke Panel + Preset Button), aber dieser Weg hilft mir, schneller mit der Klangerzeugung und den Signalwegen vertraut zu werden. Außerdem korrespondieren dann auch alle Reglerstellungen mit dem erzeugten Signal.

MatrixBrute VCO 1 und 2

Die Oszillatoren 1 und 2 des Arturia MatrixBrute sind absolut identisch. Sie verfügen je über drei Schwingungsformen (Sägezahn, Rechteck und Dreieck). Diese stehen parallel zur Verfügung und können am Ausgang des Oszillators beliebig in ihren Anteilen gemischt werden. Zum Sägezahn können mittels des Ultrasaw Reglers die Obertöne angehoben werden. Dreht man diesen Regler auf Maximum, klingt der Sägezahn so, als ob ihm eine weitere Stimme, die eine Oktave höher ist, hinzugefügt worden ist. Rein technisch gesprochen erzeugt der Ultrasaw ein Duplikat der Schwingungsform und mischt diese verschoben dem Originalsignal hinzu. Dadurch werden die Obertöne des Signals verändert, was zu einem „volleren„ Klangbild führt. Ich drehe nun den Sägezahn zu und den Rechteck auf. Diesem Signal ist direkt der Pulsbreiten-Regler (Pulse Width) zugewiesen und so kann man die Pulsbreite manuell verändern, was entsprechende Klangveränderungen bis zur vollständigen klanglichen „Ausdünnung“ des Signals zur Folge hat. Als dritte Schwingungsform steht Dreieck zur Verfügung. Diese ist naturgemäß recht arm an Obertönen und so wurde diesem Signal der Metalizer hinzugefügt. Der Metalizer verbiegt die Dreieckschwingung in der Art, dass die Signalspitzen nach unten „gefaltet“ werden. Dadurch werden ebenfalls neue Obertöne erzeugt. Je weiter man den Metalizer aufdreht, umso schärfer klingt das Signal und bekommt einen metallischen Charakter. Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt, verweise ich an dieser Stelle gerne auf die Seite des Piano & Synth Magazine und der Vorstellung des MicroBrute. Dort findet man u.a. auch folgende Darstellungen, die mit dem Oszilloskop gemacht worden sind.

Gestimmt werden die VCOs über die eingangsseitigen Fine- und Coarse-Regler. Das Finetuning hat den Umfang eines ganzen Tones und Coarse den Umfang von zwei Oktaven, wobei die Stimmung hier quantisiert ist, also in Halbtonschritten verläuft. Zu guter Letzt kann man dem Ausgangssignal noch einen Sub Oszillator hinzufügen. Dieses Signal kann in der Lautstärke und in der Form (stufenlos von Sinus zu Rechteck) eingeblendet werden.

Soweit zu den VCOs 1 und 2. Der einzige Unterschied zwischen beiden Oszillatoren ist, dass man VCO 2 mit VCO 1 modulieren kann (FM Synthese). Die Modulationsstärke wird in der Audio Mod Sektion geregelt.

MatrixBrute Audio Mod Sektion

Der VCO 3 des Arturia MatrixBrute darf als vollwertiger Oszillator gesehen werden. Allerdings bietet er nicht dieselben Möglichkeiten wie VCO 1 und 2, sondern stellt seine Schwingungsformen nur alternativ zur Verfügung. Dies sind vier an der Zahl, und zwar Sinus, Dreieck, Rechteck oder Sägezahn. Fine Tuning ist nicht möglich. Coarse Tuning erfolgt quantisiert über +/- eine Oktave. Über den Schalter Keyboard Track (KBD Track) kann der VCO 3 über die Tastatur spielbar gemacht werden oder eben auch nicht (z.B. dann, wenn man VCO 3 ebenfalls als Modulationsquelle nutzen möchte). Die Besonderheit dieses VCOs ist aber, dass er gleichzeitig auch als LFO eingesetzt werden kann. Dieser LFO 3 genannte Oszillator steht parallel zum VCO 3 als Modulationsquelle in der Matrix zur Verfügung. Hierbei kann die mit Coarse eingestellte Grundfrequenz durch einen Schalter geteilt werden. Die Teiler sind hierbei 16, 32, 64 oder 128. Die Schwingungsform von LFO 3 ist identisch mit der von VCO 3. Das Ausgangssignal dieses Multifunktionsoszillators kann wiederum in der Audio Mod Sektion durch die VCOs 1 und 2 alternativ moduliert werden, was zu Verzerrungen im Audiobereich genutzt werden kann.

MatrixBrute VCO 3 / LFO 3

Als vierte Klangquelle wurde ein Noise Generator in den Arturia MatrixBrute eingebaut. Die Besonderheit hier ist, dass nicht nur White und Pink Noise, sondern auch Blue und Red Noise zur Verfügung stehen. Alle vier Klangwellen verfügen über unterschiedliche Klangspektren, wobei Blue und Red eher einen dunklen, niederfrequenten Charakter haben. Der Rauschgenerator steht nicht explizit als Modulationsquelle in der Matrix zur Verfügung. Allerdings kann man VCO 1 oder alternativ VCF 1 (Steiner) in der Audio Mod Sektion mit Rauschen modulieren.

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Klangbeispiele

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    timewindx

    Toller Synth, der mir ebenfalls sehr gut gefällt.
    Weiterer Negativpunkt (den ich in den Kommentaren zu Teil 1 schon einmal angemerkt habe): Die Reglereinstellungen der Presets können bislang über keines der Displays angezeigt werden.
    Weitere Anmerkung zum Arpeggiator: Laut Beschreibung im Handbuch soll es noch einen Matrix Arpeggiator Mode geben. Der ist in der aktuellen Firmware leider noch nicht „freigeschaltet“.

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    changeling AHU

    Beim Satz „Die Klänge aus dem Steiner Filter haben für etwas Leichteres und Transparenteres als die Klänge aus dem Ladder Filter.“ im Fazit scheint irgendwas zu fehlen, der klingt so seltsam.

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    polyaural ••••

    „Nun kann man gerne über das Für und Wider analoger Klangsynthese im Jahr 2017 diskutieren und darüber, ob man heute noch so einen Synthesizer braucht oder nicht.“
    .
    Na, vielleicht ist es mit dem Klang eines analogen Synthesizers ein Stück weit wie mit dem Klang einer elektrischen Gitarre. Es gibt über die Zeit Variationen, aber an der Basis wird kaum gedreht.
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    Immerhin hatte die Synthesizerwelt mit dem Aufkommen der digitalen Synthesizer (FM, PD, etc.) mal eine kurzes Aufblitzen von Alternativen. Das ist mehr als die Eierschneider-Fraktion zu bieten hat.
    .
    Doch selbst exzellente Sampler änderten nichts an der Popularität analoger Synthesizersr. Alle Alternativen bereichern den analogen Sound, aber ersetzen ihn grundsätzlich nicht. Wenn es nach mir geht muss das auch gar nicht. In so fern ist der Arturia herzlich willkommen …

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    amazonaman AHU

    Der mit abstand beste all in one monophone analoge Synth mit unglaublicher Ausstattung! Da braucht man nichts mehr.

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    Son of MooG AHU

    Die 2 Main-VCOs und das S-P-Filter sind vom Micro- und MiniBrute übernommen. so gesehen ist das schon etwas „gefrankensteinert“. So schlimm find‘ ich’s aber nicht…

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Arturia MatrixBrute

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
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