Test: Arturia MatrixBrute, Teil 2, Synthesizer

11. Februar 2017

Nun geht's ans Eingemachte.

Teil 2 – Der Blick aufs Detail

Nach einer umfangreichen äußerlichen Betrachtung des Arturia MatrixBrute in der vergangenen Woche in Teil 1 (HIER KLICKEN) wenden wir uns im 2. Teil unseres Testberichts der Klangerzeugung dieses Synthesizers zu. Beginnen wir also mit einem Blick auf die Oszillatoren.

Zunächst lege ich mir ein „nacktes“ Patch an. Ich drehe alle Schwingungsformen der Oszillatoren bis auf den Sägezahn von VCO 1 raus, öffne im Mixer nur den Kanal des ersten Oszillators, route das Signal auf das Ladder Filter, stelle die Resonanz auf null und die Cutoff Frequenz auf Maximum, nehme aus der Matrix alle Modulationen raus und stelle die Effekte auf Dry. Man könnte natürlich ein Patch auch initialisieren (drücke Panel + Preset Button), aber dieser Weg hilft mir, schneller mit der Klangerzeugung und den Signalwegen vertraut zu werden. Außerdem korrespondieren dann auch alle Reglerstellungen mit dem erzeugten Signal.

MatrixBrute VCO 1 und 2

Die Oszillatoren 1 und 2 des Arturia MatrixBrute sind absolut identisch. Sie verfügen je über drei Schwingungsformen (Sägezahn, Rechteck und Dreieck). Diese stehen parallel zur Verfügung und können am Ausgang des Oszillators beliebig in ihren Anteilen gemischt werden. Zum Sägezahn können mittels des Ultrasaw Reglers die Obertöne angehoben werden. Dreht man diesen Regler auf Maximum, klingt der Sägezahn so, als ob ihm eine weitere Stimme, die eine Oktave höher ist, hinzugefügt worden ist. Rein technisch gesprochen erzeugt der Ultrasaw ein Duplikat der Schwingungsform und mischt diese verschoben dem Originalsignal hinzu. Dadurch werden die Obertöne des Signals verändert, was zu einem „volleren„ Klangbild führt. Ich drehe nun den Sägezahn zu und den Rechteck auf. Diesem Signal ist direkt der Pulsbreiten-Regler (Pulse Width) zugewiesen und so kann man die Pulsbreite manuell verändern, was entsprechende Klangveränderungen bis zur vollständigen klanglichen „Ausdünnung“ des Signals zur Folge hat. Als dritte Schwingungsform steht Dreieck zur Verfügung. Diese ist naturgemäß recht arm an Obertönen und so wurde diesem Signal der Metalizer hinzugefügt. Der Metalizer verbiegt die Dreieckschwingung in der Art, dass die Signalspitzen nach unten „gefaltet“ werden. Dadurch werden ebenfalls neue Obertöne erzeugt. Je weiter man den Metalizer aufdreht, umso schärfer klingt das Signal und bekommt einen metallischen Charakter. Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt, verweise ich an dieser Stelle gerne auf die Seite des Piano & Synth Magazine und der Vorstellung des MicroBrute. Dort findet man u.a. auch folgende Darstellungen, die mit dem Oszilloskop gemacht worden sind.

Gestimmt werden die VCOs über die eingangsseitigen Fine- und Coarse-Regler. Das Finetuning hat den Umfang eines ganzen Tones und Coarse den Umfang von zwei Oktaven, wobei die Stimmung hier quantisiert ist, also in Halbtonschritten verläuft. Zu guter Letzt kann man dem Ausgangssignal noch einen Sub Oszillator hinzufügen. Dieses Signal kann in der Lautstärke und in der Form (stufenlos von Sinus zu Rechteck) eingeblendet werden.

Soweit zu den VCOs 1 und 2. Der einzige Unterschied zwischen beiden Oszillatoren ist, dass man VCO 2 mit VCO 1 modulieren kann (FM Synthese). Die Modulationsstärke wird in der Audio Mod Sektion geregelt.

MatrixBrute Audio Mod Sektion

Der VCO 3 des Arturia MatrixBrute darf als vollwertiger Oszillator gesehen werden. Allerdings bietet er nicht dieselben Möglichkeiten wie VCO 1 und 2, sondern stellt seine Schwingungsformen nur alternativ zur Verfügung. Dies sind vier an der Zahl, und zwar Sinus, Dreieck, Rechteck oder Sägezahn. Fine Tuning ist nicht möglich. Coarse Tuning erfolgt quantisiert über +/- eine Oktave. Über den Schalter Keyboard Track (KBD Track) kann der VCO 3 über die Tastatur spielbar gemacht werden oder eben auch nicht (z.B. dann, wenn man VCO 3 ebenfalls als Modulationsquelle nutzen möchte). Die Besonderheit dieses VCOs ist aber, dass er gleichzeitig auch als LFO eingesetzt werden kann. Dieser LFO 3 genannte Oszillator steht parallel zum VCO 3 als Modulationsquelle in der Matrix zur Verfügung. Hierbei kann die mit Coarse eingestellte Grundfrequenz durch einen Schalter geteilt werden. Die Teiler sind hierbei 16, 32, 64 oder 128. Die Schwingungsform von LFO 3 ist identisch mit der von VCO 3. Das Ausgangssignal dieses Multifunktionsoszillators kann wiederum in der Audio Mod Sektion durch die VCOs 1 und 2 alternativ moduliert werden, was zu Verzerrungen im Audiobereich genutzt werden kann.

MatrixBrute VCO 3 / LFO 3

Als vierte Klangquelle wurde ein Noise Generator in den Arturia MatrixBrute eingebaut. Die Besonderheit hier ist, dass nicht nur White und Pink Noise, sondern auch Blue und Red Noise zur Verfügung stehen. Alle vier Klangwellen verfügen über unterschiedliche Klangspektren, wobei Blue und Red eher einen dunklen, niederfrequenten Charakter haben. Der Rauschgenerator steht nicht explizit als Modulationsquelle in der Matrix zur Verfügung. Allerdings kann man VCO 1 oder alternativ VCF 1 (Steiner) in der Audio Mod Sektion mit Rauschen modulieren.

MatrixBrute LFO 1 und 2

Die Grenze zu den reinen Modulationsquellen haben wir ja schon überschritten. Und so darf die Vorstellung der LFOs 1 und 2 natürlich nicht fehlen. Beide LFOs sind beinahe baugleich und stellen alternativ 7 Schwingungsformen zur Verfügung. Diese sind Sinus, Dreieck, Rechteck, negativer Sägezahn, Sägezahn, Sample&Hold und Random. Die Modulationsfrequenz reicht von einer Schwingung je 18 Sekunden (= 1/18 Hz!) bis zu 100 Hz. Das Signal kann in LFO 1 phasenverschoben und in LFO 2 mit einem Delay versehen werden. Das Tempo der LFOs kann mit dem Tempo des Sequencers synchronisiert werden. Anschließend können noch drei Modi zur Triggerung der LFOs ausgewählt werden. Off bedeutet, dass der LFO vollkommen frei läuft. Single bedeutet, dass der LFO nur einen Zyklus durchläuft. Im Status Multi startet der LFO jedes Mal, wenn eine neue Note gespielt wird.  Die LFOs 1 – 3 stehen in der Matrix als Modulationsquellen zur Verfügung.

Da ich das Mixermodul schon in Teil 1 vorgestellt habe, gehe ich gleich zur Filtersektion über.

MatrixBrute Steiner Filter

Der Steiner Filter (eigentlich Steiner-Parker) im Arturia MatrixBrute ist ein Multimodefilter, das auf einer Schaltung basiert, die ursprünglich für den Synthacon Synthesizer entwickelt worden ist. Es verfügt über vier Filter-Modi Lowpass, Highpass, Bandpass und zusätzlich über Notch. Die Flankensteilheit (Slope) kann zwischen 24 dB und 12 dB umgeschaltet werden. Mit Drive wird das Eingangssignal vor der Filterung verzerrt. Brute Factor regelt die Übersteuerung des Signals in anderer Form. Das klingt im Prinzip wie eine Röhrenverzerrung. Arturia lässt sich an dieser Stelle nicht wirklich über die Hintergründe aus; es soll sich aber ursprünglich um eine Schaltung handeln, bei der das Kopfhörersignal eines analogen Synthesizers in den externen Eingang geroutet worden ist. Das wiederum hat zu einem übersteuerten Signal im Audioweg geführt usw. Diese Schaltung ist mit Brute Factor repliziert worden. Die erste der ADSR wird direkt zum Ansteuern der Filter benutzt und über Env 1 Amount geregelt.

MatrixBrute Ladder Filter

Das Ladder Filter ist wie das Steiner Filter auch als Multimode Filter ausgelegt (ohne Notch) und bietet ebenfalls eine Flankensteilheit von 12 dB und 24dB. Drive, Brute Factor und Env 1 Amount finden sich hier ebenfalls. Nicht vergessen möchte ich, dass beide Filter natürlich resonanzfähig sind. Über den Routing Button kann entschieden werden, ob die Eingangssignale parallel oder in Reihe auf die Filter geleitet werden. Bei der Reihenschaltung geht dann das Signal zuerst durch das Steiner und dann durch das Ladder Filter. Abschließend findet sich noch gut sichtbar der Master Cutoff Regler. Dieser Encoder steuert die Cutoff Frequenzen beider Filter gleichzeitig, was klanglich zu interessanten Ergebnissen führt, wenn man mit beiden Filtern unterschiedliche Klänge formt. Beide Filter verfügen auch über einen separat regelbaren Ausgang, sodass man den Filtern in der Summe unterschiedliches Gewicht verleihen kann. Eine Verteilung der Filterausgänge im Stereobild ist nicht möglich.

Die Signalkette der analogen Klangerzeugung ist im Arturia MatrixBrute damit beinahe schon am Ende. Es fehlen nur noch Analog Effects, mit denen man die Sounds verfremden kann. In dieser Sektion stehen fünf Effekte alternativ zur Verfügung (siehe Teil 1). Der Charakter dieser Effekte geht eindeutig in Richtung „Bodentreter“ und meiner Meinung nach sollte man sie mit Vorsicht einsetzen, will man seine Sounds nicht zukleistern.

MatrixBrute Mode Button und Encoder

Das führt mich zu der namensgebenden Matrix. Dieses 16 x 16 Schalter große Bedienfeld ist zur Verwaltung mehrerer Aufgaben gedacht. Zum einen verwaltet es die Presets (insgesamt 256). Der Preset Taster oberhalb der Matrix ruft diese Funktion auf. Was mir aufgefallen ist, ist die doch deutliche Ladezeit zwischen zwei Presets. Bei mir beträgt sie beinahe 1 Sekunde, um den Sound zu wechseln. Hier fehlt mir eine Lösung, die die Sounds vielleicht hätte so lange ausklingen lassen, bis der nächste Sound vollständig geladen ist. Außerdem gibt es ein leises, aber hörbares Geräusch in den Monitoren, wenn man die Sounds mit den Richtungstastern im Presetmenü weiterschaltet. Und zu guter Letzt flackert die Programmanzeige beim Wechsel der Sounds. Das merkt man deutlich, wenn man mit den Richtungstastern quasi „rückwärts“ von Sound A01 auf Sound P16 springt. Ich gehe mal davon aus, dass ein künftiges Update diese Makel beseitigen wird. An dieser Stelle vielleicht noch ein Tipp. Der Panel Schalter ruft, wenn er gedrückt wird, den Sound auf, so wie er auf dem Panel eingestellt ist. Ein Druck auf die Presets führt zu keiner hörbaren Veränderung. Gleichwohl können andere Sounds im Prinzip „leise“ vorab ausgewählt werden. Schaltet man nun das Panel aus, wird automatisch der Sound aufgerufen, der vorher auf der Matrix ausgewählt worden ist. Das kann bei einer Live-Performance ein nützlicher Trick sein.

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    das nennt sich ultasaw… hyper ist was für scooter…

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    timewindx

    Toller Synth, der mir ebenfalls sehr gut gefällt.
    Weiterer Negativpunkt (den ich in den Kommentaren zu Teil 1 schon einmal angemerkt habe): Die Reglereinstellungen der Presets können bislang über keines der Displays angezeigt werden.
    Weitere Anmerkung zum Arpeggiator: Laut Beschreibung im Handbuch soll es noch einen Matrix Arpeggiator Mode geben. Der ist in der aktuellen Firmware leider noch nicht „freigeschaltet“.

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    changeling  AHU

    Beim Satz „Die Klänge aus dem Steiner Filter haben für etwas Leichteres und Transparenteres als die Klänge aus dem Ladder Filter.“ im Fazit scheint irgendwas zu fehlen, der klingt so seltsam.

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    polyaural  AHU

    „Nun kann man gerne über das Für und Wider analoger Klangsynthese im Jahr 2017 diskutieren und darüber, ob man heute noch so einen Synthesizer braucht oder nicht.“
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    Na, vielleicht ist es mit dem Klang eines analogen Synthesizers ein Stück weit wie mit dem Klang einer elektrischen Gitarre. Es gibt über die Zeit Variationen, aber an der Basis wird kaum gedreht.
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    Immerhin hatte die Synthesizerwelt mit dem Aufkommen der digitalen Synthesizer (FM, PD, etc.) mal eine kurzes Aufblitzen von Alternativen. Das ist mehr als die Eierschneider-Fraktion zu bieten hat.
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    Doch selbst exzellente Sampler änderten nichts an der Popularität analoger Synthesizersr. Alle Alternativen bereichern den analogen Sound, aber ersetzen ihn grundsätzlich nicht. Wenn es nach mir geht muss das auch gar nicht. In so fern ist der Arturia herzlich willkommen …

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    AMAZONA Archiv

    Der mit abstand beste all in one monophone analoge Synth mit unglaublicher Ausstattung! Da braucht man nichts mehr.

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    Son of MooG  AHU

    Die 2 Main-VCOs und das S-P-Filter sind vom Micro- und MiniBrute übernommen. so gesehen ist das schon etwas „gefrankensteinert“. So schlimm find‘ ich’s aber nicht…

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