Analoger Luxus für die DAW
Beim legendären Memorymoog-Synthesizer denkt man schnell an drei Oszillatoren pro Stimme, ein Moog-Filter und vor allem an seinen Ruf zwischen analogem Luxus und Synthesizer-Mythos. Mit dem Memory V holt Arturia dieses Instrument nun recht günstig in die DAW. Aber wie verhält sich das Plug-in? Schon beim ersten Anspielen wirkt der Klang sehr groß, breit und bewegt. Ob der Arturia Memory V eine überzeugende Memorymoog-Interpretation oder doch eher ein simpler Polysynth mit Vintage-Charakter ist, zeigt der folgende Test.
Was ist es? Arturia Memory V, Plug-in nach dem Moog Memorymoog für virtuelle analoge Synthesizer-Sounds.
- Klang: Sehr voller und lebendiger Grundsound mit drei Oszillatoren pro Stimme und überzeugendem Vintage-Charakter.
- Ausstattung: Advanced-Bereich mit Multi-Arp, Modulatoren, Makros und umfangreicher Effektsektion.
- Flexibilität: Bis zu zwölf Stimmen Polyphonie und zahlreiche moderne Erweiterungen gegenüber dem Original.
- Bedienung: Trotz vieler Funktionen bleibt das Plug-in übersichtlich und direkt zugänglich.
- Fazit: Gelungene Memorymoog-Interpretation mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und hoher Klangqualität.
Inhaltsverzeichnis
Memorymoog als Vorbild
Der Moog Memorymoog erschien Anfang der 1980er-Jahre in einer Zeit, in der sich der Synthesizer-Markt stark veränderte. Analoge Poly-Synthesizer wurden leistungsfähiger, speicherbare Klänge wurdenimmer wichtiger und die digitale Konkurrenz stand vor der Tür. Moog hatte mit dem Polymoog zwar schon einen polyphonen Synthesizer im Programm, aber seine Klangarchitektur erreichte nicht die Durchsetzungskraft der berühmten monophonen Modelle.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Der Memorymoog wirkte deshalb wie der Versuch, die Stärken des Minimoog in ein polyphones Instrument zu übertragen. Drei Oszillatoren pro Stimme, ein klassisches Moog-Ladder-Filter und sechs Stimmen ergaben einen Synthesizer, der eher nach mehreren gleichzeitig gespielten Monosynths klang als nach einem zurückhaltenden Poly-Synthesizer. Das Problem war nur, dass der Memorymoog recht teuer und technisch anspruchsvoll war. Außerdem galt er als nicht sonderlich pflegeleicht.
Arturia Memory V im Detail
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Bedienoberfläche
Arturia orientiert sich beim Memory V optisch eng am Vorbild. Links auf der Oberfläche sitzen globale Spielhilfen, Tuning und eine Vintage-Regelung. In der Mitte befinden sich der Modulationsbereich, die Oszillatoren und der Mixer. Weiter rechts folgen Filter, VCA und die Voice-Sektion. Unten wird eine virtuelle Tastatur angezeigt, die bei Bedarf aber auch durch den Advanced-Bereich ersetzt werden kann. Dort finden sich dann Multi-Arp, Effekte, zusätzliche Modulatoren, Keyboard-Controls und detailliertere Einstellungen der Makros.
Drei Oszillatoren pro Stimme
Das Herzstück des Arturia Memory V sind drei Oszillatoren pro Stimme, die Square, Sawtooth und Triangle liefern, wobei sich die Schwingungsformen auch kombinieren lassen. Dadurch entstehen schon im Oszillatorbereich dichte Klangfarben, ohne dass zusätzliche Effekte nötig sind. Die Tonhöhe wird über die Oktavlage eingestellt.
Der zweite Oszillator kann zum ersten Oszillator synchronisiert werden. Außerdem ergänzt Arturia eine weitere Sync-Variante, bei der der erste Oszillator zum dritten Oszillator synchronisiert wird. Oszillator 3 spielt ohnehin eine besondere Rolle, da er nicht nur als normale Klangquelle dienen kann, sondern auch als Modulationsquelle.
Mixer
Im schlicht aufgebauten Mixer werden die drei Oszillatoren schließlich zusammengeführt. Jeder Oszillator besitzt hier einen eigenen Pegelregler, wodurch sich das Verhältnis der Klangquellen schnell anpassen lässt. Dreht man die Pegel weiter auf, kommt außerdem eine leichte Sättigung hinzu, was für den Klangcharakter des Memorymoog wichtig ist. Außerdem gibt es in diesem Bereich einen Rauschgenerator mit Pink Noise.
Filter, Hüllkurven und VCA
Das Filter ist eines der wichtigsten Elemente des Arturia Memory V. Hier entsteht der klassische Moog-Ladder-Charakter, der um eine 12-dB-Variante ergänzt wird, die etwas weicher wirkt. Regler für Cutoff, Emphasis, Keyboard-Tracking und Hüllkurvenanteil sind direkt auf der Bedienoberfläche zu finden.
Für Filter und Lautstärke stehen eigene ADSR-Hüllkurven bereit. Hier können beispielsweise kurze und perkussive Sounds, aber auch sehr langsam anschwellende Flächen mit langem Ausklang erzeugt werden. Ergänzt wird die VCA-Sektion durch Voice-Parameter wie Master-Lautstärke, Panorama und Drive.
Advanced-Bereich
Ein Klick auf den Advanced-Bereich zeigt, wie weit Arturia das Konzept des Memorymoog erweitert hat. Der Multi-Arp arbeitet mit vier Kanälen und bietet Eingriffe in Parameter wie beispielsweise Richtung, Rhythmus und Notenverhalten. Zusätzlich gibt es drei Modulator-Slots, die als Envelope, Function, Random, Voice Modulator oder Mod Sequencer geladen werden können. Damit wird aus dem klassischen Polysynth ein sehr flexibles Instrument für modernes Sounddesign.
Auch die Effektsektion des Arturia Memory V hat einiges zu bieten, denn sie kommt mit vier Effekt-Slots und 18 Effekten aus. Zur Auswahl stehen etwa Reverb, Delay, Tape Echo und Distortion, aber auch Effekte wie Trance Gate, Super Unison und Chorus JUN-6. Wegen dieser Bandbreite eignen sich die Effekte meiner Meinung nach sowohl für klassische als auch für modernere Sounds.
Ein Teil des Advanced-Bereichs ist, wie bereits erwähnt, der Multi-Arp, in dem sich mehrere Arpeggiatoren sehr intuitiv und übersichtlich bedienen und anpassen lassen. Hierfür gibt es verschiedene Bewegungsmuster und Einstellmöglichkeiten zur Auswahl.
Presets
Das Plug-in bietet über 300 Presets, darunter auch die 100 ursprünglichen Memorymoog-Werksklänge. Die Polyphonie des Arturia Memory V steigt gegenüber dem Original von sechs auf bis zu zwölf Stimmen, was vor allem bei langen Releases und breiten Akkorden ein großer Vorteil ist.
Sounddesign im Praxistest
Für den Praxistest starte ich mit dem Klang, der beim Öffnen des Arturia Memory V geladen wird. Spannend finde ich, dass Arturia kein neutral klingendes Init-Preset anbietet, sondern sofort ein fertiger und recht dominant klingender Vintage-Sound geladen ist. Er ist sehr voll, besitzt einen soliden Attack und bringt bereits eine Hallfahne mit leichter Bewegung mit. Damit eignet er sich gut, um im Folgenden, Schritt für Schritt ein breites und weiches Pad zu formen.
Attack anpassen
Zuerst verlängere ich die Attack-Zeit, damit der Klang nicht zu direkt einsetzt. Die Sustain-Zeit bleibt hoch und das Release wird etwas verlängert, damit Akkorde weicher ausklingen.
Filter
Danach nehme ich den Cutoff im Filter-Bereich etwas zurück, da die Obertöne des Presets meiner Meinung nach zu präsent für ein entspanntes Pad sind.
Oszillatoren
Da das Preset klanglich bereits sehr dicht ist, ziehe ich den Klang im Oszillator-Bereich etwas auseinander. Dafür oktaviere ich den zweiten Oszillator nach oben, was zusammen mit dem weit heruntergedrehten Cutoff-Regler für einen vollen, aber nicht zu präsenten Klang sorgt. Diese beiden Oszillatoren bilden die Basis, während der mittlere Oszillator für etwas mehr Breite sorgt.
Parametrischer Equalizer
In der Effektkette nutze ich vier Effekte. Zunächst räume ich den Klang etwas auf und schneide die sehr dominanten unteren Mitten mit einem Equalizer heraus. Schon klingt der Sound aufgeräumter.
Multiband-Kompressor
Mit einem Multiband-Kompressor des Arturia Memory V gebe ich dem Pad etwas mehr Fülle.
Chorus
Bei einem Vintage-Pad darf der Chorus auf keinen Fall fehlen. So wird der Sound direkt interessanter.
Delay
In die letzte Instanz der Effektkette lade ich nun noch ein Delay, das den Klang etwas verlängert und breiter klingen lässt.
Makros
Die vier Makros werden unten rechts im Fenster angezeigt: Brightness regelt den helleren oder dunkleren Gesamteindruck, Timbre verändert den Grundcharakter, Time wirkt auf zeitliche Verläufe und Movement auf die Bewegung im Sound. Für mein Pad probiere ich zunächst ein wenig an den Reglern herum und wähle dann bei Brightness einen sehr niedrigen Wert, damit der Sound nicht zu scharf wird.
Timbre stelle ich komplett aus und Time drehe ich um etwa ein Viertel auf, damit das Pad noch sanfter einfadet. Den Makro-Regler Movement stelle ich auf etwa 60 %.
Polyphonie
Im nächsten Schritt stelle ich den Arturia Memory V von Poly-6 auf Poly-12 um, was bei längeren Releases und aufwendigeren Akkorden helfen kann.
Ergebnis im Kontext
Das Ergebnis ist eine weichere und breitere Variante des Presets, das nach dem Öffnen des Plug-ins geladen war. Der analoge Grundcharakter, die Bewegung und die räumliche Tiefe bleiben zwar erhalten, aber der Sound wurde insgesamt entschärft und ist dadurch als Vintage-Pad angenehmer zu spielen. Im Folgenden hören wir, wie das Pad im Kontext mit anderen Sounds des Arturia Memory V klingt:
Beispiel-Presets
Alternative Emulationen
Cherry Audio Memorymode
Die naheliegendste Alternative zum Arturia Memory V ist sicher der Cherry Audio Memorymode, denn auch dieses Plug-in orientiert sich eng am Moog Memorymoog. Im Vergleich zur Arturia-Variante wirkt der Memorymode von Cherry Audio etwas stärker auf das Arbeiten mit Presets ausgelegt.
Memorymoon
Memorymoon ist eine weitere Software, die sich am Moog Memorymoog orientiert. Das Plug-in besitzt sechs Voice-Cards mit jeweils drei Oszillatoren und bleibt damit enger an der sechsstimmigen Struktur des Originals. Das Plug-in läuft laut Hersteller allerdings nur unter Windows.







































Danke für den fundierten Test. Ich hatte nur einmal das kurze Vergnügen, einen Memorymoog anzuspielen. Der funktionierte damals aber nicht so richtig. Daher kann ich auch gar nichts dazu sagen, wie nah die Arturia-Version da herankommt.
Das Plug In ist für meine Ohren sehr gut und weiß mit einem recht ungestümen Klang zu gefallen. Arturia hat bei seinen letzten Releases klanglich stark zugelegt – beim CPU-Verbrauch allerdings auch. Gebraucht hätte ich es nicht unbedingt, aber für Bestandskunden gab es mal wieder ein recht günstiges Angebot …
Schade, wieder keine Innovationen, sondern nur mal wieder der digitale Aufguss eines uralten Synths. Es ist ja ganz nett, den Leuten, die von den alten analogen Synths schwärmen, sowas zu geben, aber wird damit die Lust auf den Synth wirklich gestillt? Ich bezweifele das. Ebenso bezweifele ich, dass jemand diese Versoftungen wirklich braucht, also nicht durch Omnisphere, Pigments, Falcon o. ä. ersetzbar wären.
@Mac Abre Also ich finde eine Innovation! Schon in der Überschrift. Offenbart sich etwas ziemlich saucooles: Analog V total analog in der DAW! Sowas von Luxus gabs noch nie!😘
@CDRowell Da hast Du recht, analoge Softsynths gab es wirklich noch nie.
@Mac Abre 🫡