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Test: Arturia Mini V – Minimoog VSt-Clone

1. Juli 2004

Arturias Minimoog Clone

Arturia Mini V Minimoog Clone

Vorwort der Redaktion:
Einen Test zur Nachfolge-Version 2.0 finden Sie übrigens HIER.

Mit dem Minimoog V schickt die französische Softwareschmiede Arturia nach dem Moog Modular V einen weiteren Moog-Synthesizer ins Rennen, der dem Original in nichts nachstehen soll.

Möglich wird dies durch Verwendung der Arturia-TAE Technologie. TAE steht für „True Analog Emulation“ und bedeutet, dass die Oszillatoren ohne Aliasing-Effekte erklingen, sowohl die verwendeten Wellenformen als auch das legendäre 24dB Low Pass Filter exakt dem Original entsprechen und das sogenannte „Soft Clipping“ analoger Synthesizer implementiert wurde. Doch damit nicht genug: Bob Moog himself hat den virtuellen Minimoog getestet und für gut befunden – so steht es zumindest auf der Verpackung. Arturia selbst garantiert uns sogar, dass der Klang dieser Emulation genauso pur und fett klingt wie beim Original!
Wir sind gespannt!

Installation

Mit dem Erwerb des Minimoog V erhält man neben einer schönen Kartonverpackung ein 75 Seiten starkes, gedrucktes Handbuch in drei Sprachen (englisch, französisch und japanisch) und eine CD mit Programmversionen für PCs und MACs. Unterstützt werden praktisch alle Plattformen und Schnittstellen: Standalone (ASIO, Core Audio), VST, Dxi, MAS, RTAS, Pro Tools und AU. Die Installation selbst verläuft völlig unspektakulär – bis auf eine lustige Sache: Man kann sich während der Installation aussuchen, in welchem Holz die virtuelle Kopie erscheinen soll! Die Holzart kann später übrigens nicht mehr ohne weiteres verändert werden. Also vorher gut überlegen :-)

Übersicht zum Arturia Mini V

Der Minimoog V kann in zwei verschiedenen Modi verwendet werden. Im „Close“-Modus verhält sich der Minimoog V wie sein Vorbild: Drei Oszillatoren mit sechs Wellenformen, Noise-Generator (White/Pink), Mixer zum Lautstärkeabgleich der Klangquellen (Oszillatoren, Noise und ein externes Signal mit Feedbackschleife), das legendäre 24 dB low-pass Filter, eine Hüllkurve zu r Modulation des Filters, sowie einen Verstärker mit Hüllkurve. Die Oszillatoren lassen sich in Oktavlagen von 32’ bis 2’ großzügig regeln. Oszillator 3 kann außerdem als LFO verwendet werden. So weit – so original. Zusätzlich bietet hier der Minimoog V noch ein paar nette Leistungsmerkmale, die es im Original nicht gab: So können beispielsweise die Oszillatoren 1 und 2 hart synchronisiert werden und die Pulsbreite der Oszillatoren lässt sich stufenlos regeln. Ach ja, die Emulation ist bis zu 32-stimmig und verfügt über einen Unison-Schalter. Mit Hilfe des Voice-Detune-Reglers kann jede einzelne Stimme leicht verstimmt werden, um die Stimminstabilität des Originals nachzubilden.

Per Mausklick klappen die Zusatzfunktionen über dem Panel auf

Zusatzfunktionen

Klickt man nun mit der Maus auf den „Open-Schalter“, klappt das komplette Bedienpanel wunderschön animiert nach oben und ein Zusatzbedienfeld mit Modulationsmatrix, Arpeggiator und Effektsektion erscheint. In der sechsfachen Modulationsmatrix kann man 32 verschiedene Ziele mit 12 unterschiedlichen Quellen modulieren lassen. Hier finden sich dann auch die passenden Verknüpfungen für Oszillator-Sync und Pulsbreitenmodulation.

Der Minimoog V verfügt über einen zusätzlichen LFO, damit – anders als im Original – der dritte Oszillator das machen kann, wozu er letztendlich gebaut wurde und trotzdem ein LFO zu Modulationszwecken zur Verfügung steht. Der LFO kann zum MIDI-Tempo synchronisiert werden.

Arturia Minin V Motion Feld

Arpeggiator

Der Arpeggiator bietet neben einer Hold-Funktion auch eine Memory-Arbeitsweise, d.h. die auf dem Keyboard eingespielten Noten werden gespeichert und in dieser Reihenfolge vom Arpeggiator abgespielt. Zusätzlich gibt es noch die Abspielfunktionen Up, Down, Backward und Random. Über den Oktavregler wird der Oktavumfang 1-5 des Arpeggiators und mit Hilfe des Repeat-Reglers die Anzahl der Wiederholungen pro Note gewählt. Der Arpeggiator kann selbstverständlich zum MIDI-Timing synchronisiert werden.

Arturia Mini V Effekt Feld

Effekte

In der Effektsektion stehen ein Chorus mit drei verschieden starken Choruseffekten, sowie ein einfaches Stereo-Delay mit Zeit- und Feedback-Reglern zur Verfügung.

Externe Controller-Zuordnung
Jeder Drehregler und Schalter kann im Minimoog V einem externen Controller zugewiesen werden. Hierzu klickt man einfach mit gedrückter Strg-Taste einen Regler oder Schalter an und aktiviert im nun erscheinenden „MIDI Control Setup“ den Controller. Mit Hilfe des Learn-Buttons kann jetzt am entsprechenden Regler des Keyboards oder Controllers gedreht werden – schon ist die Zuordnung perfekt.

Die Library des Mini V

Soundbibliothek & Klangbeispiele

Dem Minimoog V liegt eine umfangreiche Soundbibliothek mit über 500 Presets bei, die in Bänken und Sub-Bänken organisiert sind. Die Sounds sind nicht nur von Arturia selbst, sondern auch von namhaften Sounddesignern erstellt worden, die auch im Auswahlmenü auftauchen. Besonders hilfreich: Es gibt eine eigene Abteilung mit Templates, mit denen man dann schnell eigene Sounds erstellen kann. Das Handbuch bietet darüber hinaus noch viele Hilfen und Tipps zum Erstellen eigener Klangkreationen. Alle Funktionen werden anhand von Soundbeispielen erklärt. Je nach Sounddesigner gibt es die Kategorien Arpeggio, Basses, Leads, Percussives, Horns, Pads, EFX und Keyboards. Wem die Aufteilung nach Sounddesignern nicht gefällt, erhält über die All-Kategorie gleich den Zugriff auf die Sub-Bänke. Die Qualität der Sounds ist durchweg gut – das war auch nicht anders zu erwarten. Hier tummelt sich wirklich alles, was mit dem Minimoog machbar ist. Gut gelöst ist auch die Archivierung eigener Sounds. Im Minimoog können nach Belieben eigene Kategorien erstellt werden, die sich in die bereits integrierten Bänke nahtlos einreihen und sich genau so einfach auswählen lassen. Sehr schön!

Bedienung

Das Benutzerinterface des Minimoog V glänzt mit einer fotorealistischen Oberfläche. Dieser Perfektionismus hat jedoch auch seinen Preis: Einige Zahlen sind schlecht ablesbar, da sie im Schatten des Reglers liegen. Aber was interessiert uns schon die Beschriftung auf dem Bedienfeld, denn bei Verwendung der Regler mit der Maus wird jeder Wert in Klarschrift exakt angezeigt. Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Viele Parameter, wie zum Beispiel „Filter Cutoff“, bieten übrigens bei der Verwendung der rechten Maustaste (Shift Click beim Mac) eine deutlich feinere Auflösung oder zusätzliche Funktionen des jeweiligen Parameters. Empfehlenswert ist jedoch ein externer Controller oder der 1000 Euro teure Midimoog der Firma Midisoft, Düsseldorf (www.Midisoft.de): Das lackierte Echtholzgehäuse ist in einem verkleinerten Maßstab detailgetreu dem Minimoog nachempfunden.

Umfangreich aber kraftraubend, die Modulationen des Mini V

CPU-Verbrauch

Der Arturia Minimoog V geht im Spielbetrieb nicht gerade sparsam mit den Resourcen des Rechners um. Je nach Anzahl der Polyphonie, erreicht man bei bestimmten Sounds schnell die CPU-Grenze. Schaltet man dann noch die Soft Clipping-Funktion ein, schnellt der CPU-Verbrauch mal eben so um 10 Cubase SX Punkte in die Höhe (Referenz: PC P4, 2.5 GHz, RME HDSP 9632, 6 ms Latenz). Der Minimoog V verbraucht auch kostbare CPU-Resourcen, wenn kein Ton erklingt – je nach Sound sind das zwischen 3 und 15 Punkte! Spielt man Akkorde, so muss man mit einem Leistungsverbrauch zwischen 20 und 30 Punkten rechnen. Modulationsmatrix, Chorus und Delay verbrauchen höchstens 5 zusätzliche Punkte. Achtung Modulationsrad! Schiebt man bei einem Arpeggiosound das Modulationsrad nach oben und moduliert damit das Filter und den Oszillator außerhalb der Modulationsmatrix, erhöht sich je nach eingestellter Stimmenanzahl die CPU-Auslastung von vorher 10 auf über 30 Cubase SX-Leistungspunkte. Stellt man über 8 Stimmen ein, erreicht die CPU spielend 100 Punkte. Möglicherweise ist dies ein Bug.

Mitbewerber

Neben dem Minimoog V gibt es noch eine weitere ernstzunehmende Minimoog-Emulation auf dem Markt: den Creamware Minimax. Im direkten Vergleich klingt der Minimoog V jedoch etwas brillanter und höhenbetonter. Die kurzen Attack-Zeiten des Originals werden vom Minimoog V besser simuliert. Das Minimoog V Filter neigt bei viel Resonanz und hoher Cutoff-Einstellung zu einem Knistergeräusch, welches beim Minimax und beim originalen Moog nicht auftritt. Sicherlich ein Fehler, der eventuell mit dem nächsten Update behoben werden könnte. Ansonsten bilden beide Emulationen den Minimoog hervorragend ab. Wer jedoch eine Creamware-Karte sein Eigen nennt, sollte sich den Minimax zulegen, um wertvolle CPU-Leistung zu sparen. Allen anderen Interessenten kann ich den Minimoog V sehr empfehlen.

Fazit

Der Arturia Mini V beweist mal wieder, dass es mit Software möglich ist, eine sehr gute Emulation eines legendären Synthesizers zu programmieren. Insbesondere der Klang der freischwingenden Oszillatoren und die schnelle Filterhüllkurve sind gut gelungen. Das Filter zeigt bei hohen Resonanzwerten aber noch Schwächen. Das Benutzerinterface gefällt durch die fotorealistische Gestaltung der Bedienelemente. Das Handbuch erklärt die einzelnen Synthesizermodule anhand von Programmierbeispielen und erklärt nebenbei noch die subtraktive Synthese. Interessierten Käufern empfiehlt sich der Download des Minimoog-Demos auf der Arturia- oder Tomeso-Internetseite.

Plus

  • authentischer Klang, erweitert um Effekte, Modulationsmatrix und Arpeggiator
  • große Soundlibrary namhafter Sound-Designer
  • gutes Handbuch mit Programmierbeispielen

Minus

  • Filter in bestimmten Einstellungen mit Störgeräuschen (Knistern)
  • sehr hoher Leistungsverbrauch bei Oszillator- und Filtermodulation in Verbindung mit dem Modulationsrad.

Preis

  • 195,-€
Klangbeispiele
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