Test: Arturia Minilab MKII, Controllerkeyboard

12. April 2017

Update der kompakten Tasten

Rund 3½ Jahre ist es her, dass der französische Hersteller Arturia sein kompaktes Controllerkeyboard Minilab vorgestellt hat. Jetzt folgt der Nachfolger Arturia Minilab MKII und wir haben uns einmal angeschaut, was sich beim 25-Tasten Keyboard getan hat.

Arturia Minilab MKII

Aufbau

Das Arturia Minilab MKII ist ein 25-Tasten Keyboardcontroller zum Einspielen von Noten und Steuern von jeglichen MIDI-Parametern in Verbindung mit einer DAW, geeignet für OSX, Windows und iOS. Dafür verfügt das Minilab MKII über 16 Endlosdrehregler, 8 anschlagsdynamische Pads, zwei kapazitive Touchstrips, mit denen man in der Regel Pitch Bend und Modulation steuert, zwei Oktavierungsbuttons sowie ein Shift-Button sowie ein weiterer zum Umschalten der zweifach belegbaren Pads.

Optisch ähnelt die zweite Version des Minilabs dem Vorgänger, wobei Arturia die Bedienelemente teilweise anders angeordnet hat. Die zwei Touchstrips befinden sich jetzt nicht mehr links neben der Tastatur, sondern oberhalb der ersten paar „Klaviatur“. Direkt darüber die vier angesprochenen Soft-Buttons. Dadurch ist das Arturia Minilab MKII etwas schmaler, die Breite beträgt nun nur noch 35,5 cm, also rund 2 cm weniger als vorher. Dafür benötigt es in der Tiefe rund 1 cm mehr Platz. Das Gewicht des Arturia Minilab MKII beträgt 1,5 kg, ein ordentliches Gewicht für solch einen kompakten Controller.

Die Endlosdrehregler und Pads sind praxisgerecht weit voneinander weg platziert, dadurch lassen sie sich sehr gut bedienen. Gleichzeitiges Schrauben an zwei Encodern funktioniert einwandfrei, Platzprobleme wird man hier sicherlich nicht bekommen. Auch wenn es hinsichtlich der Verarbeitungsqualität keine Beanstandungen gibt, sind die nicht gerasterten Drehregler für meinen Geschmack allerdings zu leichtgängig, mehr Widerstand hätte ich mir hier gewünscht. Die Pads lassen sich ebenfalls gut spielen und lösen sauber aus, auch hier keine Beanstandungen.

Der Anschluss an den Computer gelingt beim Arturia Minilab MKII über den rückseitigen USB-Port. Auf eine MIDI-Schnittstelle wurde verzichtet. Außer dem USB-Port findet man auf der Rückseite noch einen Anschluss für ein Haltepedal sowie ein Kensington Schloss.

Zum Lieferumfang des Arturia Minilab MKII gehört ein farblich passendes USB-Kabel in weiß sowie die Software Analog Lab Lite, UVI Grand Piano und Ableton Live Lite 9. Während die meisten Käufer des Minilabs MKII sicherlich bereits über eine DAW verfügen, womit ich diese kostenlose Zugabe nicht schlecht reden möchte, ist die ebenfalls zum Produkt gehörende Analog Lab Software doch ein klares Alleinstellungsmerkmal.

Mal abgesehen vom eigentlichen Controllerkeyboard, das man in dieser oder ähnlicher Form auch von anderen Herstellern bekommt, ist die Analog Lab Software doch sehr interessant. Immerhin handelt es sich hierbei um eine gute Auswahl der Arturia Software Instrumente, die in der Regel klanglich sehr gut aufgestellt sind und gute Software-Pendants der Originale bieten.

Analog Lab Lite ist auch mit dabei, allerdings deutlich abgespeckter

Um so enttäuschter bin ich, dass Arturia diese Software immens abgespeckt hat, der Zusatz „Lite“ verrät es bereits. Waren beim ersten Minilab noch 5.000 Sound Presets in Analog Lab vorhanden, sind es jetzt nur noch 500. Gegen einen Aufpreis von 29,- Euro kann man zwar auf Analog Lab 2 updaten, schön ist das trotzdem nicht, schade.

Ein gedrucktes Handbuch wird nicht mitgeliefert, dieses steht ausschließlich auf der Arturia Website zum Download bereit. Die meisten Funktionen des Minilabs MKII hat man sich allerdings schnell drauf geschafft, das passt also. Gleiches gilt auch für das Handbuch für die Software Analog Lab Lite.

Tastatur

Hinsichtlich der Tastatur hat Arturia beim Minilab nachgelegt. In der MKII Version kommt nun eine selbst entwickelte Tastatur zum Einsatz, die Gleiche wie beim KeyStep. Mini-Tastaturen sind ja oft recht ungenau im Anschlag, hinzu kommt die Anpassung an die kleine Tastengröße, sofern man sonst mit „Normalgröße“ spielt. Die Tastatur des Arturia Minilab MKII spielt sich sehr gut. Zwar kenne ich die Tastatur der ersten Version nicht und kann dementsprechend keinen direkten Vergleich ziehen. Während des Tests kam ich aber sofort sehr gut mit der aktuellen Tastaturversion zurecht. Der Anschlag ist sehr genau und die Tastatur sitzt gut verarbeitet im Gehäuse. Die Tasten sind natürlich anschlagsdynamisch, Aftertouch wird allerdings nicht geboten.

Betrachtet man das Minilab MKII auf den offiziellen Pressebildern, könnte man den Eindruck bekommen, dass die MKII Version mit edlen Seitenteilen aus Holz ausgestattet ist. Ist allerdings nicht so, das komplette Gehäuse besteht aus Kunststoff, die hölzernen Seitenteile entpuppen sich beim genaueren Hinsehen als Aufkleber. Das mindert allerdings nichts die Verarbeitungsqualität, hier gibt es beim Minilab MKII nichts zu kritisieren. Und optisch wertet die „Holzimitation“ das Keyboard allemal auf. Auf der Unterseite verfügt das Arturia Minilab MKII über vier Antirutsch-Gummifüße, das schützt die Arbeitsplatte und sorgt dafür, dass das Keyboard da bleibt wo es hin soll.

Praxis

Die Inbetriebnahme ist einfach und schnell erledigt. Minilab MKII an den USB-Port hängen, Cubase erkennt den Controller und los geht’s. Strom bezieht das Minilab MKII übrigens über den USB-Port, somit auch ein guter Partner für den mobilen Einsatz. Die Größe spricht ohnehin für sich. Die Analog Lab Software lädt man sich von der Arturia Website, installiert und aktiviert diese mit der auf dem „Beipackzettel“ notierten Seriennummer. Diese läuft entweder standalone oder als VST2/VST3, AU oder AAX Plug-in (32-/64-bit) innerhalb der DAW.

Gleichzeitig kann man sich auch die anderen Software-Pakete herunterladen, darunter auch das MIDI Control Center, über das man einerseits globale Einstellungen wie die Anschlagskurve für die Tastatur oder das Beschleunigungsverhalten der Drehregler einstellen kann. Andererseits lassen sich hier bis zu acht User-Speicherplätze mit kompletten Setups für unterschiedliche Einsatzgebiete festlegen. Die Setups werden im Keyboard gespeichert und können von dort aus mit der Tastenkombination Shift + Pad 1-8 aufgerufen werden. Nimmt man alles zusammen, kommt man somit auf 128 Parameter, die vom Minilab MKII gesteuert werden können. Mit der Tastenkombination Shift + Keyboardtaste kann man dazu den MIDI-Kanal einstellen, auf dem der Minilab MKII senden soll.

Die acht Pads sind zweifach belegt, d.h. diese lassen sich mit bis zu 16 MIDI-Parametern programmieren. Zwischen Pad 1-8 und Pad 9-16 wird ganz einfach per Soft-Button umgeschaltet. Ebenfalls neu in der MKII Version ist die Möglichkeit, die Pads mit RGB Farben zu beleuchten.

Die beiden Oktavierungstasten erlauben das Umschalten von plus/minus vier Oktaven. Um herauszufinden, in welcher Oktavlage man sich gerade befindet, muss man die Oktavierungsbuttons im Blick haben, denn mit jeder zusätzlichen Oktavlage blinkt die jeweilige Oktavtaste (nach oben bzw. nach unten) schneller. Keine Oktavierung = kein Blinken, vier Oktaven nach oben = schnelles Blinken des Oct+ Buttons. Mit etwas Übung erkennt man schnell, in welcher Lage man sich gerade befindet.

Neu ist, dass zwei der 16 Drehregler (Encoder 1 und 9) nun „klickbar“ sind, d.h. zusätzlich zur „Drehfunktion“ kann man diese auch mit einer zusätzlichen „Klickfunktion“ ausstatten. In der Software Analog Lab Lite sind die beiden Encoder 1 und 9 nun so programmiert, dass man mit Regler 9 die Kategorien-Liste auf der linken Seite durchblättert, mit Encoder 1 scrollt man durch die Presetliste. Ein Druck auf den Encoder lädt den ausgewählten Eintrag. Je nach ausgewähltem Sound sind die restlichen Encoder mit unterschiedlichsten Parametern zur Beeinflussung des Klangs programmiert. Ändern und speichern lässt sich die Konfiguration.

Laut deutschem Vertrieb Tomeso soll das Minilab MKII demnächst ohne extra Konfiguration in Ableton Live betrieben werden können, bald soll es hierfür eine Vielzahl von Automappings geben. Dies ist allerdings erst für Ableton 9.7.2 zugesagt, die wahrscheinlich im April veröffentlicht wird. Daher lässt sich das aktuell noch nicht testen.

Fazit

Der Arturia Minilab MKII ist ein sehr gutes Controllerkeyboard, das vor allem mit seiner guten Verarbeitung und dem vielfältigen Einsatzgebiet punkten kann. Die Tastatur des Minilabs MKII lässt sich sehr gut spielen, durch die Oktavierungstasten kann man den Spielbereich um plus/minus vier Oktaven erweitern.

Mit Hilfe der 16 Encoder, wovon zwei nun „klickbar“ sind, und den zweifach belegbaren RBG beleuchteten Pads lassen sich eine Vielzahl von Parametern steuern. Das gepaart mit den maximal acht User-Speicherplätzen ermöglicht vielfältige Einsatzgebiete.

Größter Wermutstropfen ist die Einschränkung der mit zum Lieferumfang gehörenden Analog Lab Software. Diese wurde gegenüber dem Vorgänger stark reduziert, da können auch die zusätzlichen Software-Beigaben nicht abhelfen.

Die aktuell aufgerufenen 99,- Euro ist der Minilab MKII aber weiterhin wert, da kann man sich nicht beschweren.

Plus

  • Tastatur
  • Verarbeitung
  • Einsatzgebiet

Minus

  • stark eingeschränkte Software Analog Lab Lite

Preis

  • Ladenpreis: 99,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Chick Sangria  

    Ich würde sagen, man sieht schon auf den Pressebildern, dass es eine Holzimitation ist. Schwere Krankheit bei Arturia, die auch vor dem DrumBrute nicht halt gemacht hat.

    • Profilbild
      Filterpad  AHU

      „Holzimitation?“ Das hätte man jetzt nicht gedacht – Megakrass! Wenn es sich im Vergleich zur Größe „schwer“ anfühlt, finde ich dies eher vorteilhaft. Das lässt es – trotz des geringfügigen Preises – hochwertig erscheinen und bleibt stabil auf dem Tisch. Die Gummifüße unterstützen das zusätzlich – Super! Wie verhält es sich beim schnellen einspielen von Akkorden?

  2. Profilbild
    phyl0x1  

    Zwar suche ich derzeit kein neues Keyboard, bin aber erfreut, dass es endlich mal wieder eines mit 16 Reglern gibt. Momentan scheint es ja Standard zu sein, Keyboards mit allem – Reglern, Pads, Knöpfen und Fadern – zu bestücken, sodass von keinem Typ genug vorhanden ist.

  3. Profilbild
    HeikoIT

    Also noch eins :) Ich werde so langsam das Gefühl nicht los, dass jeder Hersteller EIN Keyboard für SEINE VSTs auf den Markt bringen möchte. Ich habe auch ein M-AUDIO CTRL49 um mit der VIP-Soft einigermassen ohne Maus arbeiten zu können, dann ein KOMPLETE KONTROL um mit der ganzen NI-Komplete-Geschichte einigermassen effektiv arbeiten zu können und noch ein M-AUDIO CODE49 für sonstige MIDI-DIN-Zwecke. VIP kann nicht alle Patches aller VST erkennen, KOMPLETE KONTROL ist auch nicht so viel besser. Also jetzt auch noch Arturia für deren Analog Lab und sonstiges…naja. Das „ideale“ habe ich jedenfalls noch nicht auf dem Markt gefunden :) Von Arturia habe ich das SparkLE für die Drums, das ist eigentlich ein gutes Add-On, zumindest kann man damit auch ganz gut arbeiten.

  4. Profilbild
    Chick Sangria  

    Eine Alternative mit umfassender Integration von allerlei DAWs außer Live wären die Nektar-Keyboards. Leider leider mit schlechten Tastaturen.

    • Profilbild
      HeikoIT

      Es ging mir nicht um die eigentliche DAW-Integration, die funktioniert eigentlich bei allen fast ohne Probleme. VIP (Virtual Instrument Player) ist ein, nennen wir es Container-VST, was andere VSTs laden kann. Dafür hat man dann z.B. beim CTRL49 einen Bildschirm am Keyboard, d.h. Du kannst die VST/Patches auch dort auswählen, also fast wir am Hardware-Synth. Problem ist nur, das funktioniert leider nicht mit allen Patches, die in den VSTs drin sind. Das betrifft VIP genauso wie KOMPLETE KONTROL (was praktisch fast das gleiche ist, nur das die Keyboards von NI leider keinen eigenen Screen haben wie das CTRL49, nur ein Textzeilendisplay). An sich ’ne super Sache, wenn es denn auch ALLES abdecken würde – was es derzeit leider nicht so ganz tut. Man kann zwar bei VIP auch eigenes hinzufügen, klappt (zumindest bei mir) nicht immer so ganz 100%.

  5. Profilbild
    Coin  AHU

    Mal ne ganz blöde Frage.
    Woher weiss ich wie die Encoder belegt wurden ?
    Wie findet man raus, was man in den Setups gespeichert hat ?
    Da hilft wohl nur Notizen machen.
    In der Analog Lab Lite Software sieht man ja die Kennzeichnung
    z.B. für Cutoff und Resonanz.
    Aber am Controller muss man dann probieren,
    wo sich was bewegt, oder wie ?
    Genauso das Automapping.
    Woher weiss ich wie die Poties belegt werden,
    bevor ich ein Mapping lade ?
    Schlussendlich haben wir das MIDI Control Center,
    die Analog Lite Software und noch die DAW,
    mit der ich mich beschäftigen muss,
    obwohl der Controller mir eigentlich Arbeit abnehmen soll.
    So bleibt man noch mehr am Bildschirm kleben,
    wie mir scheint.

  6. Profilbild
    Citro Studio

    Bei all den positiven Ansichten und bunten Tasten
    ist aber zu beachten, dass Arturia hier drastisch den
    Sparstift angesetzt hat. Das Minilab wird jetzt nur noch mit der Analog Lab Lite-Version für einen knappen Hunderter verkauft. Das sind 500 Sounds. Die alte Version enthält mehr als 5000 Sounds. Die Software-Vollversion Analog Lab kostet noch mal 89€. Das erinnnert mich an die Lebensmittelbranche. Neue Verpackung, der Preis wird gehalten. Hier aber mit
    „900%“ weniger Inhalt :-)

      • Profilbild
        Wellenstrom  AHU

        wobei….. je voller der VSTI Ordner, desto weniger kreativer Output….. zumindest mache ich derzeit die leidige Erfahrung…mehr Möglichkeiten behindern oftmals.Da rotieren zu viele Optionen im Schädel rum. Lähmt.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.