Test: Audified DW Drum Enhancer V1.02, Drum-Mix-Plug-in

8. Juni 2018

Das Schweizer Taschenmesser für Drums

audified dw drum enhancer

Der Audified DW Drum Enhancer der tschechischen Firma Audified, deren verschiedene Vorläufer eine lange Historie im Plug-in -Sektor haben, schickt sich an, das Schweizer Taschenmesser für Drums zu sein. Dabei wird vor allem Wert auf eine einfache und zielgerichtete Handhabung gelegt. Und so gibt es für verschiedene Drum-Instrumente und Musikstile vorgefertigte Presets, die man jedoch in weiten Bereichen verändern kann. Viele Parameter bleiben jedoch unter der Haube und dem Nutzer verborgen. Ob diese Drum-Sounds überzeugen können, soll der Bericht zeigen.

Installation des Audified DW Drum Enhancer

Den Alltag beim Mischen von Drums und Percussion erleichtern – das verspricht der Audified DW Drum Enhancer. Um das Plug-in installieren zu können, benötigt man neben dem Download der ca. 140 MB großen Datei noch einen iLok-Account und die entsprechende iLok-Manager Software. Dabei ist nicht zwingenderweise ein USB-Dongle von Nöten. Es reicht, wenn man das Plug-in auf dem lokalen Rechner autorisiert.

Der Audified DW Drum Enhancer kommt in den Geschmacksrichtungen VST (auch VST3), AAX und AU und stellt laut Hersteller keine besonderen Anforderungen an die Rechner-Hardware. Die Installation gelingt ab Windows 7 bzw. OSX 10.9.5 und benötigt nur ca. 200 MB Festplattenplatz. Man kann die Software auch zu einer Testfahrt ausführen, dabei gibt es dann gelegentlich Pausen im Audioausgang und das Speichern von Presets ist deaktiviert.

Oberfläche des Audified DW Drum Enhancer

Ziel des Audified DW Drum Enhancer ist die Beschleunigung des Arbeitsprozesses der Schlagzeugabmischung, ohne auf guten Klang verzichten zu müssen. Das ist ein pragmatischer Ansatz, der in einigen Bereichen der Musikindustrie Anklang finden dürfte. Aber diese Beschleunigung kommt nicht ohne Kompromisse. Hauptsächlich wird die einfache Handhabung durch die Nutzung von vorgefertigten internen Einstellungen erreicht, die sowohl Kompression, Transientenbearbeitung als auch EQ-ing und damit verbundenes Sidechaining betreffen.

Nicht ganz schnörkellos aber übersichtlich - Audified DW Drum Enhancer

Nicht ganz schnörkellos aber übersichtlich – Audified DW Drum Enhancer

Nach der Installation präsentiert sich das Plug-in recht platzsparend in der DAW. Das Bedienfeld ist klar strukturiert und jeder, der schon mal ein Drumset gemischt hat, wird sich sofort zurechtfinden. Aber der Fokus liegt eben auch auf Anfänger und auch diese werden kaum Probleme haben, die Oberfläche zu begreifen. Dahingehend fällt auch die Bedienungsanleitung recht simpel aus. Auf neun Seiten wird alles Notwendige erklärt, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen.

Drei klar abgegrenzte Bereiche

Das Plug-in besteht aus drei Bereichen: Zunächst einem für die Dynamik – hier wird das Gate und die Kompression eingestellt, so wie eines der 12 Drum-types, die die Grundcharakteristik des Drum-Sounds bestimmen, jedoch ihren eigentlichen Aufbau hinter den Pixeln der Oberfläche verstecken. Der Kompressor soll dabei laut Anleitung nach dem klassischen Solid State Kompressor modelliert sein. Gemeint ist hier vermutlich der Urei 1176 FET-Kompressor, der 1967 von Bill Putnam erdacht wurde. Ob diese Implementation auf Circuit-Modeling basiert, wird nicht erwähnt. Da das Plug-in im Leerlauf bereits 7% CPU-Leistung verbraucht (auf einem MacMini 2009, 2,53 GHz, 8 GB RAM, 256 Samples Puffer, OSX 10.11.6) gehe ich aber davon aus. Im Betrieb schraubt sich der Leistungsverbrauch dann ein wenig in die Höhe und liegt zwischen 8% und 10% pro Plug-in-Instanz.

Der zweite Bereich ist für das EQ-ing zuständig. Dieser einfache Dreiband-EQ mit fixen Frequenzen (die sich je nach gewähltem Grundcharakter ändern) dient zur Nachjustierung, ebenfalls kann man hier bestimmen, ob das EQ-ing hinter oder vor dem Kompressor stattfinden soll, was einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Regelverhalten hat. Obendrauf gibt es noch optionale LP- und HP-Filter, die auch beide gleichzeitig aktiviert werden können.

EQ so einfach wie das - drei Parameter müssen reichen

EQ so einfach wie das – drei Parameter müssen reichen

Der abschließende dritte Bereich ist der Sättigung gewidmet. Laut Anleitung sind hier Modelle von Verstärkerröhren am Werk. Diese sorgen in verschiedenen Ausführungen (Presence, Vintage, Brown, White und LoFi) für eine Anreicherung des Signals mit Obertönen. Eine Pegelanzeige ist extra dafür vorgesehen, um auch optisch den Anteil an der Sättigung beurteilen zu können.

Natürlich hat der Audified DW Drum Enhancer eine eigene Preset-Verwaltung. Und gerade in den mitgelieferten Presets liegen u.a. die Stärken des Plug-ins. Es lohnt sich, diese systematisch mit den entsprechenden Drum-Sounds einmal durchzuhören, um einen Eindruck der Bandbreite an möglichen Klängen zu gewinnen. Die Sounds sind einerseits in Genre eingeteilt, z.B. Rock Kick. Anderseits auch nach ihren klanglichen Eigenschaften benannt, z.B. Clicky Kick. Die Presets treffen es immer gut und sind so eben auch ein guter Ausgangspunkt für Eigenkreationen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Das hört sich für mich nach einem dieser Plug-Ins , die lediglich Basiswissen ersetzen, wenn man so gar keine Ahnung vom Mixen hat –
    kann einem aber manchmal Zeit sparen, wenn es einem das wert ist. Das ist ja auch ein Marksegment bei Plug-Ins.

    ;)

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