Test: Audio-Technica AT-LP120-USB

Die Höhe der Tonarmaufhängung kann justiert werden, es existiert ein ausfahrbares Nadellicht, alle Schalter sind groß dimensioniert und gut zu bedienen. Hinten rechts befindet sich eine Aufnahme für ein zweites Headshell, und die Gummifüße sind durch ihre massive Ausführung auch sehr wirkungsvoll gegen äußere Vibrationen.

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Wie klingt er?

Ich habe den AT-LP120-USB mit dem mitgelieferten System ATP-2 mit verschiedenen meiner Platten getestet und kann ihn von der Klangqualität als ein sehr hochwertiges Abspielgerät bezeichnen. Man möchte aufgrund des günstigen Preises nicht recht glauben, wie klangstark dieser Dreher aufspielt: präzise Ortung der Instrumente im Raum mit einer sehr schönen Wärme im Bassbereich, ohne aber alles zuzumatschen. Die Höhen könnten etwas mehr brillieren, klingen aber dennoch im Gesamtbild überzeugend. 

Der eingebaute Pre Amp klingt sehr gut und lässt damit den Plattenspieler unkompliziert an jedem Mischpult oder Verstärker betreiben. Dennoch lässt sich mit einem externen Phono-Preamp der 100 bis 200 Euro-Klasse noch mehr Detailreichtum herausholen. Mehr würde ich dafür aber nicht investieren, da die Qualität der verbauten Bauteile (Tonarm, Lager, Teller, Chassis) eine weitere Steigerung der Vorstufe nicht unterstützen. Der AT-LP120-USB ist ein sehr gutklingender Dreher mit guten Bauteilen, aber irgendwo ist bei diesem Preis auch mal das Ende der Fahnenstange erreicht.

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Warum Platte?

Während des Tests gab es ein schönes Beispiel, weshalb ich die Platte so liebe. Ich besitze von Saga das Album „Silent Knight“ sowohl als Vinyl von 1980 wie auch die ein paar Jahre später erschienene CD-Version. Während nun auf der Polydor-Platte die Songs mit einer ungeheuren Eleganz und Dynamik an mein Ohr dringen, klingt es auf der CD eine hörbare Spur platter und auch nüchterner. Während mir bei der schwarzen Scheibe ein gewisses Wohlgefühl über den Rücken läuft, bleiben die Emotionen auf der silbernen Scheibe in den Hintergrund gerückt. Hier knistert zwar nichts, aber es knistert auch nichts, wenn ihr versteht, was ich meine …

Für wen ist der AT-LP120-USB ideal?

Sieht man auf die Website von Audio-Technica, wird der Plattenspieler als DJ-Tool angepriesen. Sehe ich aber auf die Verpackung des Gerätes, sitzt dort ein junger Mann gemütlich im Sessel mit einem Kopfhörer (wahrscheinlich auch einer von Audio-Technica) und genießt seine daneben abgebildete Plattensammlung. 

Nach Durchtesten des Gerätes gibt es für mich keine Zweifel: Professionelle DJs, die über Stunden mit Scratching arbeiten wollen, werden mit dem Audio-Technica nicht wirklich glücklich werden. Das „Anfassgefühl“ ist für diesen Zweck nicht optimal, und er erreicht auch mechanisch nicht die extrem massive Detailqualität des Technics SL-1200/1210. Punkt. 

Aber: Wer in der Discothek eine gemäßigtere Schiene fährt und schlicht und einfach seine Rock- und Pop-Scheiben auflegen möchte, kann sich den AT-LP120-USB ruhig einmal näher ansehen, denn diese Aufgabe wird er ohne Probleme bewältigen. Das mitgelieferte System hat eine solide Auflagekraft von 3,5 Gramm, weshalb die Nadel auch nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf einen vielverbreiteten Irrtum hinweisen: Nicht eine (im richtigen Maße natürlich) hohe Auflagekraft kann die Platte ruinieren, sondern eine für den jeweiligen Tonabnehmer zu gering gewählte.

Durch die leicht zu wechselnde Headshell gibt es zudem die Möglichkeit, dass jeder seine spezielle Lieblingsnadel einbauen oder auch mit verschiedenen Systemen arbeiten kann. 

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