Test: Audio-Technica AT-XP7 & AT-XP5

24. Mai 2018

DJ-Tonabnehmer mit HiFi-Klang?

Audio Technica AT-XP7Passend zur Musikmesse gab es zwei interessante Ankündigungen für Plattenspieler-Besitzer. Ortofon bringt die neuen MKII auf den Markt (der Test hier zu lesen) und auch aus dem Hause Audio-Technica gibt es zwei neue Systeme. Audio-Technica AT-XP5 und Audio-Technica AT-XP7 sind die Namen und beide Systeme richten sich an die spielende Zunft der Plattenspieler-Besitzer, also an die DJs. Damit reihen sich die beiden Systeme in das überaus große Sortiment an Tonabnehmer-Systeme aus dem Hause Audio-Technica, welches von soliden/günstigen bis hin zu hochpreisigen Abnehmern die gesamte Bandbreite abdeckt.

AT-XP5 und AT-XP7, beides „Dual Moving Magnet Stereo Cartridges“, so der Hersteller. Beides Headshell-Systeme, beide mit elliptischem Schliff, beide ausgelegt für DJs mit sehr guten Klangeigenschaften und hoher Robustheit.

Der Preis liegt zwischen 89,- Euro für das Audio-Technica AT-XP5 und 179,- Euro für das Audio-Technica AT-XP7. Damit gibt es ein günstiges Einsteigersystem und ein hochpreisigen System für (Klang-) anspruchsvolle DJs.Audio Technica AT-XP7

Bei beiden Systemen findet sich im Lieferumfang natürlich der notwendige Satz Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben wie auch ein kleiner Schraubenzieher. Beim AT-XP7 ist ein alles ein wenig aufwendiger verpackt, das System an einem Headshell-Modell verbaut, welches dekorativ in der Verpackung steht. Das Auge ist schließlich ein wenig mit beim höheren Preis.

Audio-Technica AT-XP5

Kleine Pappverpackung, System in diesem verpackt. Geschützt wird das System durch einen Nadelschutz, Anleitung und Accessoires liegen anbei. Das User Manual gibt es 11 Sprachen, uns reicht Deutsch. Die Installationsanleitung wird nur eines kurzen Blickes gewürdigt, um sicher zu gehen, dass die Anschlüsse der Kabel am Headshell wie immer sind. Grün, Rot, Blau, Weiß – alles wie immer. Schrauben liegen anbei, also ran damit ans Headshell. Übergang einstellen, Winkel ebenso. Da es hier einen s-förmigen Tonarm am Plattenspieler gibt, wird das System nicht gewinkelt.

Audio Technica AT-X5

Lieferumfang beider Systeme: Abnehmer, Schrauber und Schrauben

Weitere Punkte in der Bedienungsanleitung? Eigentlich dieselben, die jeder nun im Kopf haben sollte. Tonarmhöhe justieren und Auflagegewicht einstellen. Also, Tonhöhe einstellen, so dass der Tonarm parallel zur Platte verläuft.
Danach kommt das Auflagegewicht an die Reihe. Tonarm ausbalancieren und einstellen. Ja, wie viel eigentlich? Ein Blick in das User Manual hilft. 2,0 bis 4,0 Gramm bei einem Wert von 3,0 Gramm als Standard. Nun gut, fangen wir damit an.

Hat man das user Manual schon in der Hand, kann man auch einen Blick auf die weiteren Daten werfen.

Der Frequenzgang geht von 20 bis 18.000 Hz, die Ausgangsspannung beträgt 5,5 V. Die Kanaltrennung beträgt 20 dB (bei 1 kHz). Zur Tracking-Ability findet sich leider kein Wert, dabei ist dieser für einen DJ nicht unwichtig, gibt an, wie weit die Nadel in der Rille ausgelenkt werden kann, bis es zu Verzerrungen oder Sprüngen kommt. Da gerade beim Scratchen (erst recht mit Anti-Skating) die Nadel stark in alle Richtungen belastet wird, ist eine hohe Tracking-Ability an DJ-Systemen wünschenswert.

Audio Technica AT-X5

Angebracht wäre angebracht!

Bestehen tut das System aus Fiberglas und ist damit sowohl leicht, wie auch durabel. Eine kleine Lücke an der Spitze soll eine gute Sicht auf die Nadel ermöglichen. Das klappt leider nur, wenn man schräg von vorne schaut. Steht man „in normaler Position“ vor dem Plattenspieler, schaut man leicht schräg seitlich, jedoch von oben auf den Tonabnehmer. Aus dieser Position heraus kann man lediglich den letzten Millimeter der Nadel erkennen. Nicht, wie Audio-Technica verspricht, hat man eine „großartige Sichtbarkeit“ der Nadel. Das aber ist das generelle Problem von Headshell Systemen mit einer Nadel unter dem Träger (nicht wie bei einem Ortofon OM System). Im Gegensatz zu einem z. B. Shure M44-7 ist die Sichtbarkeit definitiv größer – mit dem Begriff „great visibility“ jedoch tue ich mich schwer. Das würde eher für die neuen Ortofon Concorde Systeme gelten, wo ein noch größerer Spalt die Sicht auf die Nadel sehr gut ermöglicht.

Praxis und Sound

Hat man das System fertig installiert, kann man sich dem Hörgenuss und dem Arbeiten widmen.

Erster Eindruck? Warmer Sound mit viel Dynamik. Das elliptische System kann natürlich die bessere Klangaufnahme von Seiten der Platte gegenüber sphärischen Systemen ausspielen, so dass ich hier genau wie bei den Ortofon Systemen von dem elliptischen System klanglich viel erwartet habe. In der Ortofon Reihe ist ja das Club System das einzige, welches auch in der Reihe klanglich das beste Resultat abliefert.

Im Vergleich zu diesem fehlt mir allerdings am AT-XP5 die Präzision in den hohen Frequenzen, es sei aber auch kurz erwähnt, das Ortofon Concorde MKII Club kostet rund 140,- Euro. Ein Blick auf den Ausgangsspannung im Vergleich sei aber hoffentlich gestattet. Das Audio-Technica AT-XP5 hat einen Ausgangsspannung von 5,5 mV, das Ortofon Concorde MKII Club schafft solide 8 mV. Das ist in jedem Fall deutlich hörbar und kann, gerade im Club, wenn der Headroom am Gain des Mixers gering ist, mehr als den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Aus diesem Grund hat auch keines der Systeme der neuen Ortofon Concorde Reihe unter 6 mV Ausgangsspannung, der höchste Pegel liegt sogar bei 10 mV (Digital und Scratch), das Ortofon OM Q.Bert System schafft sogar 11 mV, also das Doppelte vom AT-XP5.

Wohlgemerkt, die Ausgangsspannung sagt erst einmal nichts über die Klangqualität aus. Mehr Spannung sorgt nur für einen risikofreiere Signalübertragung vom Plattenspieler zum Mixer und an diesem dafür, dass der Gain nicht so stark genutzt werden muss. Bedenkt man kurz, dass dieser häufig schon sehr weit aufgedreht ist, um den erforderlichen Pegel im Club zu erbringen, hat man mit einem spannungsschwachen System keine Luft mehr nach oben. Dann geht nur noch „Gain in rot“ und das bedeutet unweigerlich Klangeinbußen.

Audio Technica AT-X5

Ist es nicht schön?

Zurück zum Sound. Das Audio-Technica AT-XP5 ist wie gesagt warm im Sound, klingt gut aufgelöst, stimmig und rund bezogen auf den gesamten Frequenzbereich. Die mittleren und hohen Frequenzen sind eher zahm, jedoch präzise.

Im direkten Vergleich zu einem preislich ähnlichen Ortofon Concorde MKII Mix fällt auf, dass dieses im Bereich der tiefen Frequenzen ein wenig kraftvoller klingt. Hier liefert das AT-XP5 zwar einen sauber getrennten Kick-/Bass-Bereich, jedoch klingt dieser nicht so füllig wie beim Konkurrenten von Ortofon.

In der DJ-Praxis schlägt sich das System sehr gut. Bei korrekt eingestellten 3 Gramm Auflagewicht und einem Anti-Skating-Wert von 2,5 bringt das System auch hartes Scratchen nicht aus der Ruhe. Erst, wenn man beginnt es wirklich zu übertreiben, wird die Bewegung so unsauber, dass die Platte die Nadel mal springen lässt. Verzeihbar, denn es wurde wirklich übertrieben. Plus, es gibt ja noch 1 Gramm Auflagewicht Headroom.

Die Ersatznadeln sind, das sollte erwähnt werden, lieferbar zu einem Preis von rund 50,- Euro.

Audio Technica AT-X5

Nadel kaputt? Kein Grund zum Weinen.

Audio-Technica AT-XP7

Audio-Technica AT-XP7 ist das preislich höherliegende Systeme der beiden Modelle, erwartet einen also auch mehr? Die Verpackung ist in jedem Fall bereits höherwertig, aber das ist nicht der ausschlaggebende Punkte.

Audio Technica AT-XP7

Das Auge freut sich

Geliefert wird auch dieses mit notwendigen Schrauben und Schraubenzieher und auch dieses wandert an ein Headshell und somit stellt sich auch hier wieder die Frage nach dem Auflagegewicht. Auch hier werden 2,0 bis 4,0 Gramm als Bereich genannt, 3 Gramm als Standard. Mit 6,2 Gramm Gewicht als System wiegt das Audio-Technica AT-XP7 genau so viel wie das AT-XP5. Statt rot ist die Nadel jedoch weiß, was jedoch die Sichtbarkeit der Nadel mit orangener Spitze nur leicht verbessert. Auch hier gilt, „Great visibility“ ist eher ein Werbeversprechen.

Audio Technica AT-XP7

Blick von oben heißt: Wenig Nadel sehen

Im ersten Eindruck erscheint das System lauter zu sein, scheint jedoch nur am veränderten Gain zu liegen. Die 0,5 mV mehr Ausgangsspannung gegenüber dem AT-XP5, also 6 mV, machen sich bemerkbar, allerdings nicht so stark wie zunächst angenommen.

Ein wenig anders sind auch einige technische Daten. Nicht nur die Ausgangsspannung, auch der Frequenzbereich ist anders, größer. Dieser reicht von 20 bis 20.000 Hz. Hört man das? Nein, die 2000 Hz hört man nicht mehr oder hört jemand von euch noch etwas jenseits der 18.000 Hz? Einbilden könnte man sich, dass der Bereich der Höhen etwas präziser ist durch das spätere Ende des Frequenzbereichs. Die Kanaltrennung ist ebenfalls um 2 dB höher und liegt nun bei 22 dB (1 kHz). Für den DJ vielleicht auch eher zweitrangig, aber besser haben als brauchen!

Audio Technica AT-XP7

Klarer Nadelträger am AT-XP7

Klanglich kann auch dieses System durch einen warmen und vollen Sound überzeugen. Tatsächlich klingt dieses, auch wie auch das Ortofon Concorde MKII Club als System mit elliptischer Nadel deutlich besser als die üblichen Verdächtigen der DJ-Tonabnehmer, Ortofon Concorde Pro oder DJ-S. Die Abtastung mit einer elliptisch geschliffenen Nadel sorgt für hörbare Klangunterschiede, die sich gerade im Mitten- und Höhenbereich bemerkbar macht. Mit mehr Wärme, mehr Präzision und mehr Räumlichkeit kann das Audio-Technica AT-XP7 wie auch das AT-XP5 überzeugen.

Durch den transparenten Nadelträger ist die Nadel besser zu erkennen als beim AT-XP5, aber auch hier gilt, dass die großartige Sichtbarkeit der Nadel wie vom Hersteller versprochen eher nur dann erreicht wird, wenn man schräg von vorn auf den Tonabnehmer schaut.

Die Ersatznadeln sind, das sollte erwähnt werden, lieferbar zu einem Preis von rund 139,- Euro.

Weil man es so macht …

Gehört wurden:

Trentemoeller – Fixion. 2016, In My Room
Anna Ternheim – Alle The Way To Rio. 2017, Only Records
Max Herre – Hallo Welt. 2012, Nesola
Ellen Allien – Nost RMXs 1. 2017 BPitch Control GmbH
Darren Emerson – Croshjack. 2008, Global Underground

auf einem Technics SL-1200GR.

Audio Technica AT-XP7

Ein Bild macht Vinyl-Liebe verständlich

Fazit

Auf einem Markt, auf dem nun, nachdem Shure sich zurückgezogen hat, eigentlich nur noch Ortofon existiert, Headshell Systeme zu platzieren, könnte entweder so lala funktionieren oder vielleicht sogar sehr gut. In jedem Fall sind nun bald, soweit bei Shure alles abverkauft ist, die Audio-Technica AT-XP5 und Audio-Technica AT-XP7 Systeme mit die Modelle der wohl neben Ortofon populärsten Marke, die eine Alternative zu den Shure Systemen bieten könnten. Klanglich fallen sie vor allem durch Wärme und Präzision in den Mitten und Höhen auf, der Bereich der tieferen Frequenzen ist definiert, nicht jedoch besonders kraftvoll hervorgehoben. Natürlich profitiert der Klang von den elliptischen Nadeln.

Für einen Preis von 89,- Euro erhält man mit dem Audio-Technica AT-XP5 ein solides und gut klingenden DJ-System zum (verhältnismäßig) geringem Preis, gut im Klang und somit auch zum Hören geeignet. Im Vergleich zu den günstigen Ortofon Concorde Systemen kann hier ein AT-XP5 gerade hinsichtlich des Klanges punkten – ein Ortofon Concorde MKII, sei es z. B. ein Mix oder DJ, bietet dagegen die schlanke Form, gut sichtbare Nadel und (minimal) höheren Ausgangspegel.

Das Audio-Technica AT-XP7 dagegen liegt bei einem Preis von 179,- Euro und ist damit deutlich teurer. Die technischen Daten lassen einige kleine Unterschiede erkennen, im Klang bleiben diese jedoch minimal gegenüber dem AT-XP5.

Plus

  • elliptischer Nadelschliff
  • warme und präzise Mitten und Höhen
  • resonanzarmes Gehäuse

Minus

  • hoher Preis (AT-XP7)
  • Nadel nicht so gut sichtbar (wie in der Produktbeschreibung behauptet)

Preis

  • Ladenpreis AT-XP5: 89,- Euro
  • Ladenpreis AT-XP7: 179,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    swissdoc  RED

    > die Ausgangsspannung beträgt 5,5 V
    WOW, da brennt ja die Luft…
    …das sind sicher 5.5 mV

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