Vom Access Virus inspiriert

Test: AudioKit Pro Viral Synth T2x, Access Virus für iOS
AudioKit Pro Viral Synth T2x ist ein 64-fach polyphoner AUv3-Synthesizer für iOS und ein weiterer Eintrag des Entwicklers in die Serie „inspiriert von“. Jedoch gehen AudioKit Pro hier weiter als beim Vorgänger NERD Synth A2X (den wir auch im Test hatten) und schufen etwas eigenes. Was dabei herausgekommen ist sehen wir im Test.
- Klang & Bedienung: Sehr guter, charaktervoller VA-Sound und intuitive Bedienung.
- Funktionen: Zwei Oszillatoren, Suboszillator, umfangreiche LFO-Matrix und solide Effektsektion.
- Extras: Sequencer, Trance-Gate, Arpeggiator und flexibles MIDI-Mapping.
- Preis-Leistung: Günstig im App Store, läuft auf iPad und iPhone.
- Bewertung: Bester Synth von AudioKit Pro bisher, klare Empfehlung trotz einfacher Feature-Liste.
Inhaltsverzeichnis
AudioKit Pro Viral Synth T2x
Der NERD-Synth war so nahe an einem Klon eines Nord Lead, wie es legal gerade noch möglich war, und benutzte sogar eigens erstellte Samples des Klangmaterials aus dem Synthesizer. Dabei war der NERD aber schon ein großer Fortschritt gegenüber den früheren reinen Romplern von AudioKit Pro. Der Viral Synth ist nun zwar sehr stark inspiriert vom Access Virus TI2, aber hier werden eine eigene Synthesealgorithmik und eigene Schwingungsformen verwendet. Wir dürfen hier wohl sehr nah miterleben, wie ein Entwickler mit seinen Produkten wächst und wie lange es dauert, um hierher zu gelangen.
AudioKit Pro Viral Synth T2x ist im Apple-App-Store für schlanke 5,99 Euro (Einführungspreis) erhältlich und läuft auf iPad und iPhone. Universalkauf (MacOS) wird nicht unterstützt.
Der 12-stimmige Virus Access A wurde 1997 eingeführt und wurde eine der erfolgreichsten virtuell-analogen Synthesizerserien überhaupt. Zwar bot er nicht so tiefe Eingriffe in das Klanggeschehen wie ein Waldorf Q oder Novation Supernova, aber vielleicht machte gerade dieser Umstand den Erfolg aus. Konzentration auf das Wesentliche schlägt im Musikbereich oftmals das Feature-Monster. Was nicht heißen soll, Q und Supernova waren Ladenhüter – ganz im Gegenteil.
Auf Amazona.de bieten wir mehrere Artikel zum Access Virus, die unten verlinkt sind.
Klangerzeugung
Es gibt zwei Oszillatoren mit den vier Grundschwingungen und nur beim Rechteck Pulsbreitenmodulation. Die anderen Schwingungsformen lassen sich nicht verbiegen. Das ist recht rudimentär und FM- sowie Phase-Distortion-Synthese wie beim Vorbild gibt es auch nicht. Immerhin können die Oszillatoren mit zahlreichen internen Wavetables klanglich aufgestockt werden und es gibt bis zu vier Unison-Stimmen plus Hyper- und Beast-Varianten pro Stimme. Das ist doch schon mal was.
Zuletzt gibt es noch einen Suboszillator und Rauschen, um den Klang anzureichern.
Modulation
An Hüllkurven sind zwei unaufgeregte ADSR-Hüllkurven mit Keytracking vorhanden. Bei der LFO-Matrix sieht es interessanter aus: Hier gibt es drei unabhängige LFOs mit je zwei Zielen, die aus einer umfangreichen Liste von etwa 70 Zielen ausgewählt werden können.
Die LFO-Geschwindigkeiten reichen von 0,01 Hz bis magere 16 Hz bzw. von acht Takten bis 1/64. Zumindest eine Besonderheit ist die Auswahl zwischen unipolaren positiven und negativen Perioden oder bipolaren.
Effekte
An Effekten ist AudioKit Pro Viral Synth T2x etwas besser ausgestattet: ein Bit-Crusher (zwei bis 16 Bit), Phaser, Ringmodulator und Stimmenvibrato. Der FM-Drop lässt aufhorchen. Der Effekt ist quasi der Ersatz für einen Pitch-Envelope und fügt dem Sound diesen „Pitch-Down-Zap“ hinzu. Laut AudioKit Pro „mit Old School digital Aliasing“. Na dann, zap it like Zarkov.
Hinter dem AudioKit-Logo ist noch ein Stereobreiteneffekt versteckt, mit Audiopanorama und Modulationstiefe, dazu Tremolo und Chorus. Auf der SYN-Seite sind außerdem ein Halleffekt und ein Tape-Delay zu finden.
SYN-Page
Im Display für die Schwingungsformen lassen sich direkt die drei LFOs, der Sequencer, das Trance-Gate, der Phaser und das Reverb zuschalten, was sehr praktisch sein kann, vor allem im Zusammenhang mit den zwei X/Y-Pads, deren Achsen diversen Parametern frei zugewiesen werden können.
Auch sind hier das Tiefpassfilter, der Limiter mit Saturierungseffekt und die Ausgangslautstärke zu finden. Für das Filter gibt es außerdem eine „Retro-Slope“-Option. Das Filter wird im Übrigen pro Stimme berechnet und nicht etwa alle Stimmen durch ein einziges Filter.
Die App bietet auf dem iPad einen „Stacked View“, d. h., es werden zwei Panels gleichzeitig angezeigt. Das Durchrotieren kann jedoch etwas verwirrend sein, insbesondere in Bezug darauf, wie man wieder auf das gewünschte Panel zurückfindet.
Sequencer, Trance-Gate und Arpeggiator
Beide können bis zu sechzehn Schritte lang sein und separat auf jeweils Osc 1, 2, den Sub-Osc und auf Noise geroutet werden.
Was aber endlich mal jemand gleich zu Beginn bedacht hat, ist, die Sequenzen mit Parameter-Lock zu sichern, sodass sie beim Preset-Wechsel nicht verlorengehen.
Es ist wirklich schade, dass der Sequencer außer Notenhöhe und Schritt-An/Aus nichts weiter zu bieten hat.
Der Arpeggiator kann auf die Oszillatoren einzeln oder zusammen geschaltet werden und bietet sieben Abspielrichtungen. Eine kleine Besonderheit ist die Möglichkeit des stufenlosen Überblendens vom Arp zum Gate.
MIDI-Mapping
Dafür ist das MIDI-Mapping wieder recht umfangreich ausgefallen und bietet Presets für die Kontrolle der App über diverse Hardware-Synths wie Virus TI2, Roland JX, Deepmind oder Nord Lead. Sehr cool!
Browser
Die Verwaltung der Presets bietet neben Favourite-Tag auch Umbenennen, Kopieren und Export direkt in der Dateienliste. Daneben gibt es noch eine Suchfunktion, fixe Kategorien und erweiterbare Bänke.
Klang
Das alles mag jetzt als sehr simpel rüberkommen und funktionstechnisch gibt es nur wenig Aufregendes, aber das fällt in der Bedeutung klar nach hinten, wenn man den Klang des Ganzen in Betracht zieht. Ich weiß jetzt nicht, inwieweit die App an die Hardware herankommt – und da es keine Emulation ist, ist das auch ziemlich egal –, aber der 2000er-VA-Stil kommt in AudioKit Pro Viral Synth T2x wirklich dick rüber und weiß auf jeder Ebene zu überzeugen. Virus- und Prophet-Liebhaber sollten hier genauer hinhören.
CPU-technisch greift der Synth auch voll in die Tasten und kann bis zu 45 % in AUM (48 kHz) auf einem iPad M2 Pro beanspruchen. In der Regel liegt der Wert aber eher bei 15 bis 30 %.









































Macht einen super Eindruck! Unabhängig davon das ich Samsung-Nutzer bin, brauche ich so etwas nicht im Handy oder Tablet. Sollte dieser aber eines Tages als VST Softwaresynthesizer erscheinen, könnte das ein ernsthafter Mitbewerber zu den bisherigen VA-Verschnitten werden, alias Synapse Audio Dune, Sylenth, Thorn und ähnliche SAW-Leadmaschinchen. Gefällt mir sehr, somal die Optik dem Virus Ti nachempfunden wurde. MIDI-Integration selbst mit nem Behringer-Gerät? Wie würde Jack Nicholson sagen: Besser geht’s nicht!
@Filterpad 😮
Ist schon echt Wahnsinn was alles fürs Handy raus kommt bzw was die Handys mittlerweile für eine Leistung bieten.
Ich bin selbst aber nicht die Zielgruppe.
Musik mit dem Handy machen eher nicht.
Umso weniger Screentime vor dem Gerät umso besser.
@luap hm.
der synth ist von 97.
also sollte ja schon mehr Power haben als damals.
@Numitron Ich denke das die Filter und generell die Möglichkeiten bei der App noch etwas begrenzt sind im Vergleich zur Hardware. Aber da der Grundklang und die nötigsten Envelope vorhanden sind und das für nen Fünfer-Schein ist schon beeindruckend. Gleiches gillt auch für die ganzen JP-8000-Verschnitte: Kostenloses VST, 25€ VST, Behringer JT-4000 usw. usw… Für den Grundklang, bespielbar mit einem fetten Midikeyboard reicht das allemal aus. Hört eh keiner im Mix raus und funktioniert fabelhaft.
@Numitron Hi grüss dich…
Das der Synth von 97 ist, weiß ich. Habe schon mehrere gehabt (A, B und aktuell den Indigo 2)
Früher war der Virus Sound immer so brachial. Ich glaub auch das Plugin Nexus hat viele damals angefixt. Ist auch an den Virus angelehnt, soviel ich weiß. Mich hat es nur etwas überrascht, was heutzutage so möglich ist. Die Voraussetzungen für so ein Plugin waren auch nicht ohne.
@luap OK. stimmt 😀