Die neue Juno-60 Emulation
AudioThing June ist eine Emulation des Roland Juno-60 für iOS (getestet), macOS, Windows und sogar Linux. Das Original aus den 1980ern gehört(e) zu den begehrtesten polyphonen analogen Synthesizern und hat schon einige digitale Iterationen erfahren – bessere und schlechtere (Roland Boutique). Haken wir also nach, zu welcher Sorte June gehört.
- Klang & Bedienung: Überzeugende Emulation mit intuitiver Oberfläche und eigenständigen Erweiterungen.
- Effekte & Features: Mehr interne Effekte als der Konkurrent, flexible Modulationen und bis zu 32 Stimmen.
- Vergleich: Klanglich auf Augenhöhe mit TAL-U-No-LX, aber keine eindeutige Überlegenheit.
- Minuspunkt: Kein MPE-Support und sehr knappes Handbuch.
- Fazit: Sehr gute Alternative zum Original, verdient sich ein „sehr gut“.
Inhaltsverzeichnis
AudioThing June
Auf Computern kann man sich vor Juno-Emulationen ja kaum retten. Wahrscheinlich wurde nur Moog noch häufiger emuliert. Auf iOS sieht es da etwas anders aus. Hier ist nur der TAL-U-No-LX nennenswert, der auch gleich die direkte Konkurrenz zum AudioThing June darstellt. Den Testbericht zu U-No-LX iOS findet ihr hier.
AudioKit Pro sagen von ihrem AudioKit Synth One J6, dass es kein Klon bzw. keine Emulation des Juno 6 sei. Da die iOS-App aber eh kostenlos ist, können sich alle selbst ein Bild machen.
AudioThing June für iOS ist für 14,99 Euro (Einführungspreis) im Apple App-Store für iPhone und iPad erhältlich oder auf der Homepage von AudioThing für $69 US / $39 Einführungspreis (ca. 62 / 35 Euro) für macOS, Linux und Windows im VST3-, AudioUnit- und CLAP-Format.
Die Desktop-Varianten werden über eine Online-Autorisierung aktiviert. Eine Internetverbindung ist also notwendig.
Wer Genaueres über den Roland Juno-60 erfahren will, findet hier den wundervollen Vintage-Bericht von Theo Bloderer.
AudioThing selbst stammt aus Irland, die Firma wurde von Komponist und Programmierer Carlo Castellano im Jahr 2011 gegründet. Der Einstieg in iOS dürfte der BlindfoldEQ von 2019 gewesen sein. Seitdem haben sie fast alle ihre Plug-ins, von denen einige schon sehr nischenlastig sind, auch auf iOS umgesetzt.
Das Endorsement von Künstlern reicht von Brian Eno über Charlie Clouser bis Hainbach, mit dem sie sogar das kostenlose, aber sehr rechenintensive Moon-Echo realisiert haben. Jordan Rudess wird aber nicht genannt.
Frühling im Herbst
Die Bedienung des AudioThing June ist absolut „What you see is what you get“. Alles, was man wissen muss, ist auf der Oberfläche sichtbar. Das Konzept hält sich sehr nahe an das originale Design, fügt aber vorsichtig ein paar eigene Erweiterungen hinzu. Am unauffälligsten ist die zweite Hüllkurve, aber auch die zwei extra Reiter an der linken Seite, die mit EXTRA und FX bezeichnet sind und das Klaviatur-Feld umschalten, sind leicht zu übersehen.
Im Reiter EXTRA befinden sich die Tuning-Regler für DCO, VCF und das „Alter“ des Synths, das leider, wie alle Parameterangaben, nur in Prozent ist und nicht in Jahren. Weiterhin finden sich hier die Einstellungen für den Monobetrieb und für die Polyphonie mit bis zu 32 Stimmen. Auch die Anzahl der bis zu sechs Unisono-Stimmen kann hier gewählt werden, inklusive deren Oktavenverteilung. Die Hardware bot Unisono nur über einen Trick und nur für alle sechs Stimmen auf einmal. Schließlich lässt sich hier auch noch der interne Chorus in Geschwindigkeit und Rauschanteil beeinflussen und sogar zwischen den Modellen von Juno-6 und Juno-60 umschalten.
Die Effektsektion ist modular aufgebaut und bietet derzeit vier Effekte, die in beliebiger Reihenfolge per Halten und Ziehen positioniert werden können.
Das wären das „Space Echo“ (RE-201), ein Overdrive, ein Superphaser und der Federhall (Springs), die allesamt aus dem AudioThing-Effektkatalog stammen. Die FX-Organisation würde eine einfache Erweiterung der Anzahl der internen Effekte erlauben. Ob das sinnvoll oder rentabel ist, steht auf einem anderen Blatt.
Audiovergleiche June und TAL-U-No-LX
Da June und TAL ein etwas anderes Feature-Set haben und auch die Parameter leicht anders agieren, wie z. B. bei Cutoff oder FilterMod – beide reagieren etwas energischer als beim TAL –, sind direkte Klangvergleiche nur Annäherungen. Es ergibt also keinen Sinn, sich in Details zu verlieren, sondern man muss das Ganze im Auge behalten. Dennoch war es mir möglich, ein sehr ähnliches Klangverhalten zu erzeugen und ich finde, es passt kaum ein Blatt zwischen die beiden. Die Nähe des TAL zur Hardware wurde ja schon in einem A/B-Vergleich von Thorsten Walter, der leider viel zu früh verschieden ist, belegt.
Die Vergleichs-1-zu-1-Demos wurden mit 96 kHz (24 Bit) aufgenommen, da TAL für diese Samplerate optimiert ist. Das Endformat ist MP3 mit 320 kbps. Die anderen June-Demos wurden auf 48 kHz / 256 kbps MP3s heruntergerechnet. Alle Demos wurden auf -6 dBFS normalisiert.
TAL Organ-Sound:
June Organ-Sound:
TAL Bass-Sound:
June Bass-Sound:
June und U-No-LX
Die Antwort auf die Frage steckt schon in der Überschrift. Klanglich kann keiner der beiden Soft-Synths den anderen eindeutig übertrumpfen und im Feature-Set gibt es nur punktuell relevante Unterschiede. So bietet AudioThing June zwar mehr interne Effekte, aber das ließe sich auch extern lösen. Die zwei Chorus-Modelle aus Juno-60 und Juno-6 sind da schon eher ein Kriterium. Auch hat June zwar doppelt so viele Stimmen, aber TAL kann mit MPE mehr aus den ihm gegebenen 16 Stimmen herausholen.
June hat einen einfach anzuwendenden Parameter-Lock, womit selbst ein Preset-Wechsel zu einem kreativen Werkzeug wird und den ansonsten alles umfassenden Zufallsgenerator sehr passend ergänzt. Der TAL bietet zwar drei Locks – für die MIDI-Maps, den Arpeggiator und die Effekte – aber keinen üblichen Parameter-Lock.
Bei June bietet der Age-Regler eine subtile Variation/Modulation für Filter, Hüllkurven und Lautstärke. Dafür bietet TAL wieder ein Service-Control-Fenster, in dem die sechs Stimmen einzeln „gealtert“, d. h. ver- bzw. gestimmt werden können, was den Klang nochmals lebendiger macht.
Die Control-Sektion des TAL auf dem Frontpanel gibt es ebenfalls nicht beim June, der dafür wieder mit einer zweiten Hüllkurve inklusive Negativschaltung punktet.
Was die CPU-Belastung unter AUM (48 kHz @ 24 Bit) auf dem iPad Pro M2 unter iPadOS 26 angeht, konnte ich beim TAL bei zwölf Stimmen nicht mehr als 23 % provozieren. Beim AudioThing June sind es zwar in der Regel nur ca. 19 %, aber hier gibt es beim Preset-Wechsel erhebliche CPU-Spitzen, die zu Knacksern führen können. Hier gibt es also noch Raum für Optimierung.
Die englischsprachige PDF-Anleitung zum TAL ist kurzgehalten, aber ansonsten vorbildlich. Das PDF für den June erklärt nichts außer den Parameternamen. Bisher hielten für mich Xils-Labs den Negativrekord, was Handbücher angeht, aber AudioThing toppt das leider.
Der Browser von June ist ebenfalls sehr minimal gehalten. Da bietet TAL deutlich mehr Komfort, u. a. mit Tagging und Suche.







































Schon wieder einer?😴Muß das???🤔Nicht wirklich!!! 🙄
So doll war der J60 dann auch wieder nicht!
@Chufu Nun ja, jedes Plug-in setzt einen anderen Schwerpunkt. Offenbar ist der Markt noch nicht gesättigt.
@Chufu ja, wenigstens einen zweiten Oszillator hätte man spendieren können.
ein jx3p reissue wäre besser.
leider sind die junos stark überschätzt.
aber es haben sehr viele bekannte Leute damit gearbeitet.😄
@Numitron Die haben auch nur genutzt, was zur Zeit verfügbar war oder was sie sich leisten konnten. Ich finde den JX3P auch super.
@Markus Galla stimmt.
der jx3p war wohl wegen der fehlenden knöpfe ohne Controller nicht so beliebt denke ich.
Ich würde nicht extra eine separate Emulation erwerben, hätte aber überhaupt nichts gegen einen Juno 60 Softwaresynthesizer oder auch den Behringer Klon, der ja angeblich in etwa mit CS-80 und Jupiter 8 als Hardwareklon erscheinen soll. Wann auch immer das sein wird – Nach der Menschheit vielleicht! Ich war noch nicht im Schneidersladen Synthesizermuseum Berlin, aber da gibt es ein spielbereites Original. Keine Ahnung ob dieser überbewertet wird, aber für eine schöne Fläche ist er bestimmt gut genug.
@Filterpad stimmt!
aber bitte nicht den Chorus ausschalten!
muss auch endlich hin!
selber aufnehmen ist super.
@Numitron Natürlich muss der dabei sein wie auch der Ribbon-Controller beim CS. Das ist für mich persönlich definitiv kaufentscheidend (bezüglich des Ribbon-Controller). Sonst kann ich gleich einen Softwaresynthesizer kaufen. 🙂 Hardware muss schon anders sein als nur rein als Klangerzeuger gedacht.
Schönen Abend dir.
@Filterpad frohe Weihnachten!
schöne Zeit beim Musizieren!😎👍
@Filterpad Kleiner Tipp: Der Deepmind ist ein kaum verkappter „aufgepimpter“ Juno-60-Klon und schon ein paar Monate erhältlich.
Ich selbst bin mit dem Ju-06a zufrieden: Klang für mich nahe genug am Original, dazu schön kompakt und preislich OK.
@chardt Ahh, ich hatte komplett vergessen aus welchem „Ei“ der DeepMind stammt. Gibt’s ja auch wieder neu mit original Farbfinish. Anscheinend gibt’s auch Pläne für einen Behringer Neptune 80 – Ebenfalls ein juno 60 Klon. Jetzt wird, wie damals bei den ganzen Moog Model D, – und TB-303 Klonen (Hardware) wieder interessant, welches Gerät Sound und Feeling am besten rüberbringt. Man darf gespannt sein! Besonders auf das Jahr 2026. Moog könnte was neues bringen wie auch Behringer. Roland und Korg wird man sehen.
Puhhh! Der June June Bass eiert grauenhaft.
@Tai Lo f Ei zu w.ei hnachten!
@Tai „Dann geh doch zu NETTO!“ oder hör den „June Super Comp“ – der eiert ned und klingt schön fett 😎
@SynthNerd Nur zur Info: ich musste zuvor die Demos 5 – 10 komplett austauschen, weil da was nicht gestimmt hat und ich die originale Aufnahme-Session schon gelöscht hatte.
:)
@Tai sorry Tai, musst doch nicht zu NETTO 😉
@SynthNerd 😅
Die Junos 6/ 60/ 106 sind meine Schätzchen😍
Die Nachfrage ist groß, so vermute ich mal, sonst wären nicht
so viele bemüht, in HW oder Software, die Junos mehr oder weniger
gut nachzubilden.
Klar können die Junos was die Features betrifft nicht viel, aber klingen können sie.
Ich bin noch nicht so lang an den Tasten dabei, aber ich hab mich sofort festlegen
können.
Behringer traue ich das zu, allemal, und auch die Idee mit dem 2ten Osc ist gut.
Beim Nachbilden des Chorus bin ich da aber skeptisch.
Aber hier gehts ja um die SW-Emulation und die ist passabel.
freundlichst netter Gruß🙂
„Den Testbericht zu U-No-LX iOS findet ihr hier.“
Das führt zu „https://www.amazona.de/test-audiothing-june-softsynth/[https:/www.amazona.de/test-tal-u-no-lx-software-synthesizer-juno-60-ios/]“ aber da steht dann „Nichts gefunden – Hier sind leider momentan keine passenden Inhalte. “
Was ist da passiert?
Edit: Wenn man den Link in den eckigen Klammern isoliert, geht es:
https://www.amazona.de/test-tal-u-no-lx-software-synthesizer-juno-60-ios/
Aber im Rahmen einer automatischen Weiterleitung ist es fehlerhaft.
@Vidarhjal Yup, 1 Zeichen zuviel in den Link mitkopiert :)