Test: Audiowerkstatt mini-midi-step-seq, MIDI-Sequencer

In Gebrauch

Der mini-midi besitzt keine interne Clock. Als „Natural Born Slave“ bedarf er eines „Master of Ceremonies“ in Form einer Beatbox, eines Hard- oder Softwaresequencers: Nach Einstarten des Masters marschiert auch der Slave los – deutlich sichtbar an den Lauflichtern in den 8 Steptastern.

Der mini-midi erlaubt nun die Programmierung zweier 8-schrittiger Patterns A und B, die sich auch verbinden lassen. Ausgegeben werden Note On/Off-Daten, die Tonhöhe bei statischer, aber in Stufen einstellbarer, Velocity. Durch längeres Drücken einer Taste und anschließend einer zweiten werden Noten auf mehrere Steps verlängert, jedoch leider nicht über das Patternende hinaus. Der letzte Step kann somit maximal einen Schritt lang sein. „jump“ lässt die Wiedergabe beim nächsten Step von Pattern A nach Pattern B springen, „copy“ kopiert die Inhalte. Es ist möglich (und Kerngedanke des Bedienkonzeptes), A wiederzugeben und gleichzeitig B zu editieren – und umgekehrt. Da es sich bei den Drehreglern für die Tonhöhe um Potentiometer handelt, müssen die Werte „abgeholt“ werden, was durch das Aufleuchten der LEDs unterhalb des Potentiometers geschieht.

Bedienoberfläche: Abgespielt wird gerade Pattern B, editiert und angezeigt dagegen Pattern A: Die Schritte 1, 2, 5 und 7 sind gesetzt, die Werte 4,5 und 7 sind noch nicht an den Potentiometern "abgeholt" worden.

Bedienoberfläche: Abgespielt wird gerade Pattern B, editiert und angezeigt dagegen Pattern A: Die Schritte 1, 2, 5 und 7 sind gesetzt, die Werte 4,5 und 7 sind noch nicht an den Potentiometern „abgeholt“ worden.

Alles Weitere geschieht nach Wechsel in den „setup“-Modus, dessen Bezeichnung ein wenig in die Irre führt: Sämtliche Parameter hier sind nur bedingt als „Voreinstellungen“ zu verstehen, vielmehr können und SOLLEN sie im laufenden Betrieb verändert werden. Klassisch dem Setup zugehörig ist allein die Auswahl des MIDI-Kanals. Aber auch den kann man spontan verändern, um eine Klangquelle anzusprechen oder den mini-midi zum Schweigen zu bringen – es gibt nämlich weder einen Start-/Stop oder „Not-Aus“-Knopf noch die Möglichkeit, den Sequencer via Programm Change oder MIDI Machine Control-Kommandos anzuhalten, stummzuschalten und anschließend wiederzubeleben.

Weitere Parameter sind „first step“, „last step“ zur Verkürzung eines Patterns, „gate length“ (bis zu einer Überlappung, die bei monophonen Synthesizern einen Legatoeffekt auslösen kann) und „velocity“ (global in 7 Stufen, die 8. Stufe generiert Zufallswerte). Über „chord1“ und „chord2“ wird dem über die Bedienpotentiometer eingestellten Grundton eine Note On-Message auf einem weiteren – ebenfalls nur global einstellbaren – Tonintervall hinzugefügt, ähnlich der Funktion „Chord Memory“ bei vielen Polysynthesizern. Auch der Clock Divider aus der Einleitung wurde implementiert, ungeradzahlige Teilungsverhältnisse wurden jedoch vorsichtshalber weggelassen, weil sie zumindest im Clubkontext keine Rolle spielen. Ausgesprochen „clubdienlich“ ist dagegen die Möglichkeit, die laufende Sequenz um einen oder mehrere Steps nach vorne und hinten zu verschieben. Mit einem Male groovt und rollt es ganz anders – aus meiner Sicht ein Highlight des midi-mini.

Wie alle Produkte der Audiowerkstatt ist der midi-mini ausschließlich in Wellpappe verpackt.

Wie alle Produkte der Audiowerkstatt ist der midi-mini ausschließlich in Wellpappe verpackt

Bei der Eingabe der Setup-Parameter über die Lauflichttasten hilft eine etwas fitzelige Wertetabelle an der Oberseite des Gerätes. Man braucht sie zum Glück nur ganz am Anfang, denn die Wertebelegung der Tasten ist praxisnah gelöst und geht nach wenigen Minuten gut von der Hand. Sehr positiv ist, dass die Taster bündig mit der Oberfläche abschließen und kein seitliches Spiel haben: So kann man elegant mit der Hand über die Tastenreihe gleiten. Auch das Schrauben an den hochwertigen Potentiometern ist eine Freude: Sie bleiben immer allein für die Tonhöhe zuständig, die daher auch im Setup-Modus veränderbar ist. An dieser Stelle merkt man, dass das Gerät aus der Praxiserfahrung des rauen Cluballtags geboren wurde. So ist es auch fast unmöglich, einen Knopf zu drücken, der durch katastrophale Änderungen am Pattern plötzlich alles zum Erliegen bringt. Was ich dennoch vermisst habe, ist irgendeinen „Affengriff“ zum Löschen der Patterns – derzeit nur möglich durch Ziehen des Steckers. Olaf denkt bereits über eine Umsetzung nach.

Ein nicht ganz unwichtiges Detail: Beim Abschalten der Spannungsversorgung bleiben allein die Setup-Einstellungen erhalten, die beiden Patterns A und B sind dagegen flüchtig.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit bedient man den midi-mini besser von oben.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit bedient man den midi-mini besser von oben

Auf Grund seiner Bauhöhe von 45 mm (ohne Bedienknöpfe) ist der audiowerkstatt-Sequencer kein klassisches „Desktop“-Gerät am PC-Arbeitsplatz, sondern muss der Übersicht wegen von „oben herab“ bedient werden.

In einem Bootloader-Modus kann die Software des midi-mini durch den Empfang einer SysEx-Datei aktualisiert werden. Mein Testgerät aus der Erstserie hatte keine feststellbaren Bugs.

Klangbeispiele
Forum
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    falconi  RED

    Spät am gestrigen Abend schrieb mir die Audiowerkstatt:

    Hallo Falk,
    ich habe heute tatsächlich ein kleines Update vorgenommen; es gibt nunmehr das gewünschte „Start/Stop-Feature“ nach Deinen Vorschlägen!

    Wenn man jetzt in das Setup-Menü geht, aber noch keinen Unterpunkt ausgewählt hat (alle Step-LEDs blinken), ist „A“ die Stop-Taste und „B“ die Start-Taste für einen sofortigen, also un-synchronisierten, Neustart. Einen Synchronstart bekommt man – wie gehabt – mit der Restartfunktion. Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren!

    Beste Grüße,
    Olaf.

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    Markus Schroeder  RED

    „Nach einer Flucht aus seinem Heimat- und Studienort Heidelberg“
    Das kann ich nur allzugut nachvollziehen!

    Denke ich muss meine Meinung über das Teil doch etwas revidieren.
    Nicht deswegen sondern wegen der interessanten Live-Performance-Möglichkeiten.

    Grüße,
    M.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich muss sagen, Qualität kostet durchaus seinen Preis, und oft werden Kisten hergestellt die doch sehr wackelig sind. Die Art und Weise wie das Gerät mit Liebe und Hingabe hergestellt wird gefällt mir. Und ich bin doch jetzt begeistert.

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    daniel müller  

    Ein netter Mensch dieser Olaf, hatte mich mit ihm auf der Superbooth unterhalten, unter anderem in Bezug auf ein Gehäuse für diese und finde diese Mini-MIDI-Boxen sehr interessant. Sehr gut verarbeitet und eben mit Liebe gemacht…was auch den Preis in meinen Augen rechtfertigt. Sicherlich ein Nischenprodukt, aber ein sehr praktisches und schönes…
    Alles Gute damit!

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    Joghurt  AHU

    Ich konnte einfach nicht anders und habe mir so ein Teil bestellt. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es wirklich das ist was ich suche, aber das gesamte Konzept spricht mich einfach zu sehr an. Die absoult reduzierte Konzeptionierung liegt momentan ganz auf meiner Linie. So bezahle ich sehr gerne etwas mehr, um genau das entscheidende etwas weniger zu bekommen.

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    lightman  AHU

    Das auf Wertigkeit und Haltbarkeit ausgelegte Konzept spricht mich auch an, das Design ist gewöhnungsbedürftig, der Preis liegt recht hoch, ist aber wohl gerechtfertigt. Mir scheint der (günstigere) SQ-1 etwas flexibler zu sein, oder liege ich da falsch?
    Würde den Sequenzer gerne mal live testen.

    • Profilbild
      falconi  RED

      Hallo,
      die Geräte sind schon recht unterschiedlich:

      Der Fokus des SQ-1 liegt auf der Steuerung von analogen Synthesizern via Gate/CV, insbes. der neuen MS-Serie. Er ist vielseitiger, aber auch fummeliger und weniger für den rauhen Einsatz als Live-Werkzeug – insbes. im Clubkontext – zugeschnitten.
      Hier liegt eindeutig die Stärke des mini-midi, auch wegen der viel besseren Haptik. Beachte aber: Der mini-midi-step-seq kann auf direktem Wege nur MIDI-Klangerzeuger steuern.

      Du hast beim Kauf 2 Wochen Widerrufsrecht und kannst den mini-midi in aller Ruhe ausprobieren.

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        lightman  AHU

        Heutzutage bin ich kaum mehr live unterwegs, meine Arbeitsweise ist aber stark „Echtzeit“-geprägt, daher finde ich Hardwaresequenzer generell interessant. Der Funktionsumfang des mini-midi hört sich nach nochmaligem Lesen deines Artikels durchdacht und praxisbezogen an, aber irgendwie kriege ich die Preis/Leistungs-Balance gedanklich noch nicht hin und komme immer wieder auf die Tatsache zurück, daß ich für den Preis des Geräts fast drei SQ-1s kriegen würde. Klar, der mini-midi geht konzeptionell in eine andere Richtung und Audiowerkstatt sind nicht Korg, mein schmales Budget erlaubt teure Experimente halt nur bedingt… :)

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    Ashatur  AHU

    Hmmm was soll ich da sagen? Ich verstehe das gewisse Qualität kostet und Kleinproduktionen teurer sind als ein Massenauswurf vom Fließband und Design und Optik auch nicht immer billig ist.. Aber in Zeiten wo ich einen Hardwaresequencer ala Pyramid bekomme der Midi und Cv ausspuckt frage ich mich warum ich 300 euro für einen 2 mal 8 Stepklopfer ausgeben soll der nicht mal ein Gehäuse hat und nur Midi ausgibt?

    • Profilbild
      falconi  RED

      Z.B. wegen der flüssigen Bedienung, der Performance-Features (Patternwechsel in Echtzeit, Verschieben um einen Step, Restart, …), Verarbeitungsqualität, Haptik, Optik, weil Du kein Gate/CV brauchst, wegen des günstigeren Preises oder schlicht wegen der sofortigen Verfügbarkeit.

      Der Squarp Pyramid wird vielleicht auch toll, aber so genau wissen wir das ja noch nicht…die derzeit ausgerufenen 700 Euro (Preorder!?) halte ich für recht gewagt.

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    Joghurt  AHU

    Vor einigen Tagen ist nun mein midi-mini-step-seq bei mir angekommen und ich konnte schon einige Stunden damit experimentieren.

    Mein erstes Fazit: der Kauf hat sich absolut gelohnt und war jeden Euro wert. Nach kurzer Zeit konnte ich loslegen und hatte Spass ohne Ende. Dass man nichts speichern kann fand ich äusserst spannend; ich hatte ein ähnliches Gefühl wie beim Improvisieren am Klavier. Ich kam immer mehr in einen Fluss und vergass die Zeit.

    Das restliche Setup war auch ganz einfach konzipiert: Die Clock kam vom RH301 von Koma, der Synth war ein Dark Energy. Dabei kam sicher kein neuer Hit heraus, aber wann tut es dass schon…

    Dank noch an Amazona, dass ihr auch solche Nischenprodukte vorstellt – von mir aus gerne mehr.

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