Bassdrum-Sound ohne große Eingriffe
Bassdrum-Mikrofone gibt es viele. Ein Großmembran-Kondensatormikrofon, das speziell für diesen Einsatz entwickelt wurde, ist aber eher selten. Mit dem Austrian Audio OC-B6 gibt es jetzt ein Modell, das einen soliden Bass, saubere Transienten und einen Sound verspricht, der bereits ohne große Eingriffe funktioniert. Ob das im Live-Betrieb überzeugt, zeigt dieser Test.
Was ist es? Austrian Audio OC-B6, Großmembran-Kondensatormikrofon speziell für die Abnahme einer Bassdrum im Live-Einsatz.
- Bauweise: Großmembran-Kondensatormikrofon mit CKR6-B-Kapsel und schwenkbarem Gehäuse für flexible Positionierung.
- Klang: Druckvoller Bassbereich und saubere Transienten, bereits ohne umfangreiche Bearbeitung gut im Mix nutzbar.
- Praxis: Platzsparende Aufstellung durch schwenkbare Kapsel, sowohl im Studio als auch auf engen Bühnen sehr gut einsetzbar.
- Fazit: Hochwertiges Bassdrum-Mikrofon mit überzeugendem Klang und vielseitigem Einsatzbereich, allerdings mit entsprechendem Preis.
Inhaltsverzeichnis
Austrian Audio OC-B6: Unboxing, Verarbeitung und Features
Ich selbst nutze im Studio- und Live-Betrieb bereits verschiedene Modelle von Austrian Audio und war mit der „Verpackung“ bisher immer zufrieden. Auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht: Das Mikrofon kommt sicher in einem passenden Softcase verpackt an. Schon vor dem Öffnen des Softcases entsteht der Eindruck, dass das Mikrofon darin sicher verwahrt ist. Beim Öffnen des Softcases bestätigt sich dieser Eindruck weiter: Im Inneren befindet sich das Austrian Audio OC-B6. Es liegt passgenau im Case und ist dadurch beim Transport vor Verrutschen geschützt.
Wer hier nach Zubehör sucht, wird jedoch enttäuscht, denn das Austrian Audio OC-B6 kommt vollständig ohne aus. Lediglich ein bereits verschraubter Gewindeadapter liegt bei, was mich persönlich freut. Eine Mikrofonklemme ist nicht notwendig, da das Austrian Audio OC-B6 darauf vollständig verzichtet. Wenn wir das Mikrofon nun aus seinem Schaumstoffbett heben, fällt sofort etwas auf: Das Mikrofon ist für einen Vertreter seiner Gattung recht kompakt. Das zeigt sich zum Beispiel im Vergleich mit einem Shure Beta52 oder einem Sennheiser E902.
Das Austrian Audio OC-B6 ist außerdem, genau wie schon die Modelle OD5 und OC7, schwenkbar. Der Schwenkbereich beträgt bis zu 220 Grad. Auch optisch folgt es der bisherigen Designsprache von Austrian Audio, denn das Gehäuse wirkt schlicht und elegant. Optisch gefällt es mir bis jetzt auf jeden Fall sehr gut. Neben dem schwenkbaren Aufbau fällt auch das bekannte offen gehaltene Gehäusedesign auf. Austrian Audio bezeichnet dieses Konzept als “Open Acoustic Design” und verspricht damit einen “unverfälschten Klang ohne Pre EQ”.
Technische Daten zum Austrian Audio OC-B6
Bevor wir zur Praxis kommen, werfen wir noch einen Blick auf die inneren Werte: Das Herz des Austrian Audio OC-B6 ist die CKR6-B-Kapsel. Sie macht das Mikrofon zu einem ungewöhnlichen Vertreter seiner Gattung: Ein Großmembran-Kondensatormikrofon speziell für die Bassdrum. Die Kapsel mit Keramikisolator misst einen Zoll im Durchmesser und wird in Wien von Hand gefertigt.
Den maximalen Schalldruck gibt der Hersteller mit 170 dB an. Zum Vergleich: Ein startender Düsenjet liegt bei etwa 140 dB. Damit bleibt in jeder Situation genügend Reserve und es besteht keine Gefahr, dass das Mikrofon an seine Grenzen kommt. Den Frequenzbereich gibt Austrian Audio mit 18 Hz bis 20 kHz an. Zusätzlich gibt es ein “subsonic filter @25”, das unhörbare und damit überflüssige tieffrequente Anteile reduziert.

Der Frequenzbereich des Austrian Audio OC-B6. Auffällig ist eine Anhebung im Bereich der tiefen Frequenzen und in den Höhen ab etwa 5.000 Hz.
Hier einmal alle wichtigen Infos im Überblick:
- Richtcharakteristik: Cardioid
- Frequenzbereich: 18 Hz bis 20 kHz
- Sensitivität: 0,8 mV/Pa
- Max. SPL: 170 dB SPL
- Ausgangsimpedanz: 108 Ω
- Mindestlastimpedanz: 1 kΩ
- Gewicht: 280 g
Das Austrian Audio OC-B6 im Praxischeck
Jetzt haben wir genug über Technik gesprochen. Weiter geht es mit dem Praxischeck. Ich konnte das Austrian Audio OC-B6 in zwei Situationen testen: Einmal bei einer Aufnahme in meinem Tonstudio und einmal bei einer Live-Veranstaltung.
Test im Studio
Schauen und hören wir uns das Austrian Audio OC-B6 zunächst im Studio an: Bei uns im Studio steht ein Sonor S-Class Schlagzeug, an dem ich das Mikrofon testen konnte. Beim Aufbau merke ich sofort, dass die schwenkbare Kapsel des Austrian Audio OC-B6 die Aufstellung des Mikrofons deutlich vereinfacht. Selbst bei sehr spitzen Winkeln lässt sich das Mikrofon anschließend problemlos in die gewünschte Richtung ausrichten. Dadurch spart man nicht nur Platz, sondern schont auch die Nerven.
Ich habe das Austrian Audio OC-B6 in drei unterschiedlichen Positionen getestet:
- klassisch, direkt im Schallloch
- weiter im Kessel, gerichtet auf den Beater
- vor dem Resonanzfell der Bassdrum, nicht im oder vor dem Loch
Die Signalkette im Studio war folgende: Mikrofon ➞ Motu Stage-B16 ➞ Fender Studio Pro (ehemals Presonus Studio One). Die Aufnahme erfolgte mit 48.000 Hz und 24 Bit.
Zu jeder der oben genannten drei Positionen gibt es jeweils vier Klangbeispiele:
- Kick Solo, keine Bearbeitung
- Kick Solo, mit Bearbeitung
- Ganzes Kit, keine Bearbeitung
- Ganzes Kit, mit Bearbeitung
Die Bearbeitung der Bassdrum habe ich für alle drei Positionen gleich belassen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen. In den Klangbeispielen „ganzes Kit“ sind außerdem zu hören:
Zwei Austrian Audio OC16 als Overheads und ein Beyerdynamic M201 als Snare-Mikrofon.
Beim ersten Test fällt sofort auf: Das Mikrofon hat ordentlich Wumms. Austrian Audio hat hier nicht zu viel versprochen und liefert einen kräftigen Tiefbassbereich. Auch die wichtigen Transienten werden in jeder Position sauber übertragen.
Zum Klang lässt sich sagen: Bereits ohne Equalizer, Gate und Kompressor bietet das Austrian Audio OC-B6 einen soliden und druckvollen Sound, der zu überzeugen weiß. Gemixt mit den Overheads (Austrian Audio OC16) ergibt sich bereits ein sehr ausgewogenes Klangbild.
Test bei einer Live-Veranstaltung
Aber wie macht sich das Mikrofon außerhalb eines gut kontrollierten Aufnahmeraums? Auch beim Aufbau für die Live-Veranstaltung muss ich das schwenkbare Design des Austrian Audio OC-B6 noch einmal loben. Auf unserer kleinen Live-Bühne haben wir ohnehin nicht viel Platz. Durch die Flexibilität des Austrian Audio OC-B6 lässt sich beim Aufbau der Drum-Mikrofonierung noch etwas Raum sparen.
Der erste Höreindruck aus dem Studio wurde beim Soundcheck bestätigt: Ordentlich Wumms und eine saubere Transientenwiedergabe. Genau das, was ein Bassdrum-Mikrofon braucht. Die Band – vielen Dank an die Jungs von “Von Frank”, dass ich Ausschnitte aus der Aufnahme hier benutzen darf – war mit dem Sound ebenfalls sehr zufrieden.
Hier kam ein Mapex Mars Pro Drumkit (20″ Bassdrum) mit einem gemischten Beckensatz zum Einsatz.
Die Signalkette war folgende: Mikrofon ➞ Behringer Wing Rack ➞ Behringer Wing Fullsize ➞ Fender Studio Pro. Aufgenommen habe ich auch hier mit 48000 Hz und 24 Bit.
Live habe ich das Austrian Audio OC-B6 direkt im Schallloch der Bassdrum positioniert. Als Mikrofon für die Snare kam eine Kopie des Shure SM57 zum Einsatz, als Overheads zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofone der Marke Collins und an den Toms dynamische Mikrofone der Marke Collins.
Im gesamten Mix konnte sich die Bassdrum dank des Austrian Audio OC-B6 gut durchsetzen und das Mischen des Signals hat viel Spaß gemacht. Große Eingriffe waren für einen guten Sound nicht notwendig. Das Versprechen des “Open Acoustic Designs” hält Austrian Audio meiner Meinung nach also ein.
Erst beim nachträglichen Anhören der Aufnahme fällt angenehm auf, dass das Austrian Audio OC-B6 nur wenig übersprechendes Signal von den anderen Instrumenten auf der Bühne aufgenommen hat, trotz des offenen Designs der Kapsel. Mit auf der Bühne standen zwei laute Gitarrenverstärker und ein Bassverstärker. Ein Gate ist hier also, abgesehen von klangformenden Eingriffen, nicht zwingend notwendig.




































Klingt sehr gut, gefällt mir. Vielen Dank für die schönen Klangbeispiele.
ist der frequenzgang für ne BD nicht reichlich übertrieben?
über 5000HZ will ich da gar nix mehr hören 🤷🏻♂️
dieses „Open Acoustic Design“ fängt mir zuviel „bleed“ von der snare ein. 🤷🏻♂️
@plumperquatsch Der Frequenzgang einer Bassdrum beschränkt sich ja nicht auf 30-5000Hz, auch wenn da natürlich das meiste passiert. Das kann man über den EQ ja auch immer noch cutten, wenn man die Frequenzen nicht haben will – aber: „besser haben als brauchen“
Zum Thema „bleed“: Ziel des „Open Acoustic Design“ ist es ja garnicht, den bleed der anderen Instrumente zu reduzieren sondern den natürlichen Sound der Bassdrum einzufangen – und genau das tut das Mikrofon meiner Meinung nach auch sehr gut. Ich finde den Bleed jetzt auch nicht übermäßig stark, aber da gibt es natürlich bessere Mikrofone, die das Thema „bleed“ besser im Griff haben, als das Austrian Audio hier.
@Rickmusic96 je mehr ich das signal mit filter und eq bearbeite um so mehr Phasenschweinereien hab ich,
die ich dann mit den anderen mic Signalen mischen möchte …
bleed kommt noch dazu …
lieber nix aufnehmen was ich eh nicht hören will? 🤷🏻♂️
dumpf ist trumpf?
@plumperquatsch Der Beater einer Bass Drum liegt im Bereich zwischen 4 und 5 kHz. Möchte man eine Bass Drum so mischen, dass sie nicht einfach nur dumpf klingt oder sie über den Bass heben oder gar die tiefergestimmten E-Gitarren mit reichlich Schub untenrum, hebt man bei 4.5 kHz an. Hier kann ich aber nur anheben, wenn auch was da ist.
Auch bei schnellem Double-Bass-Drum-Spiel freut man sich über diese Frequenzen, weil es sonst untenrum nur noch mulmt.
Wer bei der Multimikrofonierung noch über Phasenschweinereien nachdenkt, sollte besser zu einem Monomikrofon greifen. Denn trotz Maßband treten diese unweigerlich auf, wenn alle Mikrofone geöffnet sind und der Schlagzeuger jedes Tom einzeln mikrofoniert hat, das nur so am Rande.
@Markus Galla ich mag ne dumpfe BD, die macht mir nicht alle Frequenzen zu. :)
wat anderes
auf sm57 für die snare können sich wohl alle einigen …
ich muss mal IRs von nem sm57 auf synthetischen Drums ausprobieren 😁
danke für die Inspiration