Test: Avantone Pro MixPhone MP-1, Studiokopfhörer

17. August 2020

Retro-Chic mit hörbaren Extras

avantone pro mix phone mp-1 test

Den Hersteller Avantone Pro kennt man in Musikerkreisen vor allem aufgrund der MixCubes-Lautsprecher und der seit einiger Zeit erhältlichen NS10-Nachbauten. Doch auch Mikrofone und ein Kopfhörer gehören zum Portfolio des im Bundesstaat New York ansässigen Unternehmens. Bald soll es dazu auch einen magnetostatischen Kopfhörer mit Planar-Treibern von den US-Amerikanern geben. Den bereits länger erhältlichen MixPhone MP-1 Kopfhörer haben wir uns kürzlich etwas näher angeschaut.

Aufbau und Optik

Im schlichten Schwarz gehaltenen Karton mit Schaumstoffeinlage liefert Avantone den MP-1 aus. Öffnet man den Karton, werden die meisten wohl mit erstaunten Augen auf den Kopfhörer blicken, denn zur kleinen, kompakten Fraktion gehört er definitiv nicht. Von links nach rechts und von oben nach unten gemessen bringt es der MP-1 auf die Maße von ca. 23 x 23 cm. Auffällig ist die große Tiefe der Ohrmuscheln, diese beträgt knapp 7 cm. Entsprechend hoch fällt auch das Gewicht mit 550 g aus. Der geneigte Leser wird so gleich vermuten, dass es sich hierbei vermutlich um einen magnetostatischen Kopfhörer handeln muss, denn diese sind bauartbedingt in der Regel ähnlich groß und schwer – doch falsch gedacht, beim MP-1 handelt es sich um einen dynamischen Kopfhörer. Dafür bietet er ein paar Extras, dazu später mehr.

avantone pro mix phone mp-1 test

Avantone bietet beim MP-1 zwei optisch unterschiedliche, aber technisch identische, Versionen an. Version 1 ist in der Farbe Creme gehalten und bietet pinkfarbene Elemente, Version 2 kommt im etwas klassischeren Schwarz, ebenfalls mit Elementen rund um die Ohrmuschel in der Farbe Pink. Optisch auf alle Fälle echte Hingucker mit Retro-Charme, wenn auch das Modell in Schwarz etwas dezenter rüberkommt.

Der Kopfhörer ist solide aufgebaut und bietet eine Grundkonstruktion aus Metall. Der Kopfbügel ist mit weichem Kunstleder ummantelt und sitzt angenehm auf dem Kopf auf. Aus dem gleichen Material sind die Ohrmuscheln gefertigt, auch hier bietet der MP-1 einem angenehmen Tragekomfort. Wie bereits erwähnt, hat Avantone die Ohrmuscheln sehr tief konzipiert, wobei der äußere Teil aus Metall besteht, gefolgt vom schwarzen Kunststoffteil, woran die eigentlichen Ohrmuscheln befestigt sind.

avantone pro mix phone mp-1 test

Der Tragekomfort des Kopfhörers ist trotz des hohen Gewichts sehr gut, deutlich spürbar ist er natürlich trotzdem. Bei längeren Sessions könnte dies unter Umständen zum Problem werden. Die Größe des Kopfhörers lässt sich einstellen, beide Seiten des Kopfhörers können um einige Zentimeter heraus gezogen werden. Die auf zwei Metallstäben gleitenden Halterungen kommen ohne Rasterung aus, was faktisch dazu führt, dass man bei meinem Testmodell nur zwei Stellungen wählen kann: ganz oben oder ganz unten. Sämtliche Mittenstellungen auf halbem Weg der Metallstäbe hielten nach mehrmaligem Auf- und Absetzen leider nicht.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Abstand zu den Treibern im Inneren der Ohrmuscheln. Es mag an meinen Ohren liegen, aber den Abstand empfinde ich als zu klein, so dass meine Ohren direkt am pinkfarbenen Stoff anliegen. Etwas mehr Raum (auch wenn die Ohrmuscheln schon sehr tief sind) wäre schön gewesen.

AMAZONA Avantone MixPhone MP-1

Design des MP-1

Lieferumfang

Neben dem Pappkarton, in dem man den MP-1 sicher aufbewahren und transportieren kann, liefert Avantone seinen Kopfhörer mit zwei Kabeln aus: ein ca. 1,4 m langes Spiralkabel sowie eine gerade Ausführung mit 3 m Länge. Beide Kabel verfügen über 2,5 bzw. 3,5 mm Stecker (schraubbarer 2,5 mm Stecker in Silber für die Kopfhörerseite, vergoldeter 3,5 mm Stecker für die Kopfhörerseite) und die Kabel werden auf der linken Seite des Kopfhörers angeschlossen.

Ein Adapter auf 6,3 mm (ebenfalls vergoldet) liegt bei, ebenso eine Soft-Tasche sowie ein englischsprachiger Quick-Start-Guide samt Vorstellung des Kopfhörers, technischen Daten und den Bedingungen für die fünfjährige Garantie.

avantone pro mix phone mp-1 test

Technisches

Beim MixPhone MP-1 handelt es sich wie gesagt um einen dynamischen Kopfhörer der Over-Ear-Bauweise. Zum Einsatz kommen großformatige 50 mm Treiber. Den Frequenzgang gibt Avantone mit 18 Hz bis 25 kHz an, den maximalen Schalldruckpegel mit 113 dB und die Impedanz liegt bei 16 Ohm.

Eine technische Besonderheit des MP-1 ist die Möglichkeit, das Signal mit normalem Stereofeld, mono oder einem speziellen Mix-Modus abzuhören. Letzterer betont die mittleren Frequenzen und soll sich am Klang der Mixcubes orientieren. Diese Studio-Speaker bieten dahingehend einen besonderen Klang, dass sie kaum tiefe und hohe Frequenzen wiedergeben, sondern sich – passend für den Broadcast-Bereich – auf die mittleren Frequenzen konzentrieren. Die drei Modi lassen sich mit einem kleinen Schalter, der sich auf der Unterseite der rechten Ohrmuschel befindet, umschalten.

avantone pro mix phone mp-1 test

Klang

Bei der Beurteilung des Klangs beginne ich mit dem normalen Stereo-Modus des MP-1. Das Klangbild ist sehr differenziert und auch kleine Details vermag der MP-1 ans Gehör zu bringen. Im Stereofeld lassen sich unterschiedlich positionierte Instrumente schön auseinander sortieren, da gibt es nichts zu kritisieren. Insgesamt hebt der Kopfhörer den Bassbereich etwas an, dafür fallen die oberen Mitten etwas zurück. Schön brillant geht es dagegen in den Höhen zu, diese gefallen mir beim Avantone sehr gut. Für einen Kopfhörer im Preisbereich bis 200,- Euro eine gute Leistung.

Die Umschaltung auf den Mono-Modus ergibt das gewünschte Resultat und lässt dabei keine Wünsche offen. Da die meisten Monitorcontroller heutzutage über einen entsprechenden Mono-Schalter verfügen, wage ich zu bezweifeln dass man diesen oft einsetzt. Beim Vergleich zwischen Mono-Schalter am Kopfhörer und dem Mono-Schalter an meinem Monitorcontroller Drawmer CMC2 konnte ich keine Unterschiede feststellen.

AMAZONA Avantone MixPhone MP-1

Kleiner Schalter, große Wirkung

Interessanter wird es beim speziellen Mix-Modus des MP-1. Aktiviert man diesen, ergibt sich tatsächlich ein gänzlich anderes Klangbild, in dem die tiefen und hohen Frequenzen heruntergefahren sind. Der Beurteilung von mittenlastigen Signalen, beispielsweise Vocals, Keyboards, Gitarren oder Snare, kommt dieser Modus sehr entgegen. Auch beim generellen Mixen fürs Radio oder das Fernsehen kann dieser Modus dienlich sein. Allerdings geht das Umschalten mit einem deutlichen Pegelunterschied einher, d. h. man wird immer nachregeln müssen, um die Signale nach dem Umschalten noch richtig hören zu können. Und beim Zurückschalten auf den normalen Stereo-Modus ist dann Vorsicht geboten – da dreht der MP-1 lautstärketechnisch natürlich wieder etwas auf.

Fazit

Mit dem MP-1 hat Avantone Pro einen guten Studiokopfhörer im Programm, der für unter 200,- Euro einen guten Klang bietet. Das Design ist retromäßig angehaucht und der Kopfhörer ist in den zwei Farbkombinationen Creme/Pink und Schwarz/Pink erhältlich. Die Verarbeitung ist tadellos.

Als zusätzliche Extras bietet der MP-1 die Möglichkeit, auf einen Mono-Betrieb sowie einen speziellen Mix-Modus umzuschalten. Während der Mono-Betrieb bei Einsatz eines Monitorcontrollers vermutlich selten zum Einsatz kommen wird, bietet der Mix-Modus eine gute Möglichkeit, das mittlere Frequenzspektrum besser zu beurteilen. Je nach Einsatzgebiet eine sinnvolle und gute Aufwertung des Kopfhörers.

Plus

  • schickes Design
  • drei Abhörmodi
  • Stereo-, Mono-, Mix-Modus

Minus

  • keine Rasterungen zur Größenanpassung
  • hohes Gewicht

Preis

  • 194,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    customstudio  

    Ich arbeite schon fast 2 Jahre mit dem Avantone MP1 und kann beim umschalten keinen gravierenden Unterschied in der Lautstärke feststellen.

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Hallo customstudio, „gravierend“ ist der Unterschied sicherlich nicht, aber deutlich wahrnehmbar war der Lautstärkeunterschied während meines Tests schon, so dass ich immer etwas nachregeln musste.

      • Profilbild
        wolftarkin  AHU

        Der Kopfhörer ist doch passiv? Da wäre es auch sehr verwunderlich, wenn die Lautstärke nach dem filtern des halben Frequenzspekrums gleich bliebe.

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