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Test: Baboushka Stardust Barncaster, E-Gitarre

14. September 2021

Deutsche Handwerkskunst vom Feinsten!

Baboushka Stardust PU

Die Baboushka Stardust. Abgefahrener geht es kaum, nachhaltig und „vegan“

Heute haben wir wieder einmal das Vergnügen, ein besonders schönes, individuelles, gar abgefahrenes Instrument zu testen. Die Stardust Barncaster aus der Berliner Gitarrenbauschmiede Baboushka (Baboushka ist das russische Wort für Großmutter) wurde aus hochwertigsten Materialien gebaut und mit unzähligen liebevollen Details ausgestattet. Das reicht von der selbst entworfenen Korpusform, dem wahrhaft abgehangenen Kiefernholzes, der speziellen „Lackierung“, den handgewickelten Tonabnehmern bis zu den alten Kondensatoren aus russischer Produktion. Auf der Website des Berliner Herstellers sind wahrhaft großartige Instrumente zu sehen. Individueller geht es wirklich nicht. Dass die Geräte nicht nur schön aussehen, sondern auch großartig klingen, konnten wir bereits in einem Test aus der Vergangenheit herausfinden. Da es bei diesem Instrument viel zu sehen gibt, haben wir in unserem Test einige Fotos mehr als gewöhnlich eingefügt.

Baboushka Stardust – Facts & Features

Die Form dieser Gitarre wurde vom Hersteller eigenständig entworfen und kann nach meinem Ermessen als etwa eine Mischung aus einer Telecaster und einer Höfner Verythin bezeichnet werden. Das Gewicht des Instruments beläuft sich auf rückenfreundliche 3,2 kg,  Das Material des Korpus wurde aus einem Dachbalken einer alten Kirche gewonnen, dieser Kieferbalken hat bereits über 200 Jahre auf dem Buckel und kann sicherlich als extrem abgehangen bezeichnet werden. Das schlägt sich auch im Ton wider, wie wir später noch hören können.

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Baboushka Stardust, Papiere

Papiere, Zertifikat

Die Gitarre wird in einem hochwertigen Rechteckkoffer (Tolex mit Schlangenlederoptik) ausgeliefert, der sicherlich auch perfekt zum Design des Instruments passt.

Baboushka Stardust, Koffer

Cooler „Schlangenleder“-Koffer

Das Instrument besitzt unzählige Features, die geschmackvoll und stilsicher aufeinander abgestimmt wurden und ein einheitliches Bild ergeben.

Baboushka Stardust, Vogelp

Nachhaltig designt, aus dem Dachbalken einer alten Kirche. „The holy spirit inside?“

Korpus

Für den Korpus der Baboushka Stardust kommt wie bereits erwähnt ein sehr alter Kiefernbalken zur Verwendung. Bei solch einem „alten Brocken“ kann man getrost davon ausgehen, dass „die Arbeit des Holzes“ vollständig abgeschlossen ist, es kann sich hier also nichts mehr verziehen.

In den Korpus wurde eine „Tonkammer gefräst, wie wir das beispielsweise von einer Thinline-Telecaster kennen. Anschließend wurde die Decke aufgeleimt. Diese wird von einem Binding aus Perlmutt umschlossen. Diese Arbeit, wie auch sonst die ganze Verarbeitung der Gitarre, wurde sehr sauber ausgeführt. Das f-Loch besitzt eine klassische Form, wie sie auch bei Instrumenten der „ernsten“ Musik (Violine, Cello etc.) zu finden ist. Eine Gitarre nachhaltig zu bauen, ist gerade in der heutigen Zeit ein sehr guter Ansatz. Die heute verwendeten Tonhölzer kommen normalerweise nicht in den Genuss, derart lange zu ruhen und trocknen zu dürfen, was den Gesamtsound sicherlich in einem gewissen Ausmaß negativ beeinflusst. Wer schon mal wirklich ältere Vintage-Gitarren gespielt hat, wird das nachvollziehen können. Eine ältere (mehrere Dekaden alte) bzw. „abgehangene“ Gitarre schwingt, resoniert meist spürbar intensiver.

Baboushka Stardust Body

Der Korpus der Baboushka Stardust

Die Saiten werden, wie beispielsweise einer Telecaster, von hinten durch den Korpus aufgezogen. Dies sorgt für den nötigen Druck auf die Messingsättel und leistet gleichfalls einen Beitrag zum drahtigen Sound, den meist nur eine Telecaster mit Singlecoil im Vintage-Steg („Aschenbecher“-Form) zu liefern imstande ist.

Das „roughe Finish“ der Instrumente aus dem Hause Baboushka besteht normalerweise aus einer vom Hersteller selbst entwickelten Mischung aus Öl und Nitrolack und verleiht dem Instrument einen einzigartigen Look jenseits von „relic“. Das Finish unserer heutigen Testkandidatin wurde hier (wenn überhaupt) nur ganz dezent aufgebracht. Der Originallack der Dachbalken ist hier noch teilweise erhalten und der Korpus der Gitarre fühlt sich „rough“ und benutzt an.

Baboushka Stardust Body + PU

Äußerlich „gealterte“ Hardware

Hals

Beim Hals der Stardust kommt kanadischer Ahorn zur Verwendung, auf das ein Griffbrett aus Rosenholz aufgeleimt wurde. Der Griffbrettradius beträgt „vintagemäßige“ 7,5 Zoll. Das Halsprofil wird vom Hersteller mit Medium C bezeichnet. Auch die Medium-Bünde verleihen dem Instrument ein „Vintage-Feeling“. Ein Knochensattel leistet seinen Beitrag zum guten Ton“ des Instruments.

Eine Veränderung der Halsspannung wäre im Bedarfsfall nur über den korpusseitigen Trussrod-Zugang möglich. Hierfür müsste der Hals dann etwas gelockert werden. Das kennt man von vielen Vintage-Gitarren und dies sieht nach meinem persönlichen Empfinden auch schöner aus. Die Halsspannung unserer Testkandidatin war für die werksseitige Saitenstärke perfekt eingestellt.

Baboushka Stardust Kopf

Telecaster-ähnliche Kopfplatte mit „rougher“ Fräsung und Firmenlogo

Der Kopfplatte in Telecaster-Optik wurde hier noch etwas mit der Fräse auf den Leib gerückt, sodass eine kleine Stufe entstand. Auch ein Stück des alten Dachbalkens kommt hier zur Verwendung und wurde anschließend mit dem Firmenlogo bestückt, was die Gesamtoptik stilgerecht abrundet.

Die 21 Bünde sitzen sauber in ihren Bundschlitzen und weisen keinerlei scharfe Kanten auf. Auch das Abrichten und Polieren erfolgte einwandfrei.

Elektrik & Hardware

Die Hardware (Elektrikfachabdeckung, Halsplatte) wurde teilweise selbst angefertigt. Dies passt designmäßig optimal zum Erscheinungsbild der Gitarre, da auch die weitere Hardware wie die zwei Custom Potiknöpfe, der 4-Wege-Drehschalter, der Vintage-Steg mit Messingsätteln und die Mechaniken „gealtert“ wurden (dies wird u. a. gerne mithilfe von Salzsäure, wie man sie zum Ätzen einer Platine verwendet, gemacht).

Die händisch (bzw. mit einer CNC-Fräse) ausgesägte Elektrikfachabdeckung aus dünnem Stahl passt genau und schließt plan mit der Bodenoberfläche ab. Auch ein Firmenschriftzug wurde liebevoll in die Metallplatte eingefräst.

Baboushka Stardust Elektrikfachabdeckung

Elektrikfachabdeckung aus Stahl mit Firmenschriftzug

Die Tonabnehmer (Humbucker am Hals und Singlecoil am Steg, Q-Pickups) wurden vom hauseigenen Tonabnehmerexperten in Kroatien handgewickelt.

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Der Vintage-33 nF Kondensator aus russischer Produktion, der am Tonpoti installiert wurde, greift recht drastisch ein, sodass der Klang bei zugedrehten Poti sehr dumpf ist. Ein 22 nF Exemplar wäre hier evtl. passender, was letztendlich natürlich Geschmackssache ist. Eine spontane Idee meinerseits wäre es, ein 1 M-Ohm (linear) Tonpoti mit einem 47 nF Kondensator (o. ä.) zu verbauen. Dies ermöglichte auch charmante Tonblendeffekte (Dampfloksounds), die u. a. bereits von dem begnadeten und viel zu früh von uns gegangenen Danny Gatton gerne gezeigt wurden. Auch im Genre Westernswing, welches gerne auf Lapsteel-Gitarren gespielt wird, ist dieser Effekt häufig zu hören.

Handling

Die Baboushka Stardust kommt ausgewogen auf den Knien zum Liegen und weist keine Kopflastigkeit auf. Das Gewicht mit gerade mal 3,2 kg ist erfreulich gering, sodass auch ein langer Gig im Stehen locker zu bewältigen wäre.

Die Bespielbarkeit kann trotz des etwas geringeren Vintage-Griffbrettradius als sehr gut bezeichnet werden. Auch das Finish des Halses fühlt sich gut an. Hier wurde auch nur sehr dezent lackiert. Der Lack der Halsrückseite ist seidenmatt bzw. wurde geschliffen, so sind auch Lagenwechsel ohne Kleben am Griffbrett zu bewerkstelligen.

Die Bundreinheit war ab Werk optimal eingestellt, was mit den drei Messingreitern des Telecaster-Stegs nicht immer zur vollsten Zufriedenheit gelingt. Das Saitenziehen (Bending) ist erstaunlicherweise auch mit dem 7,5″ Griffbrettradius angenehm leicht zu bewerkstelligen, zumal auch die Saitenlage ab Werk optimal eingestellt war.

Baboushka Stardust – Sound

Das Instrument resoniert bereits trocken außergewöhnlich gut. Das extrem lang abgehangene Kiefernholz hat sicherlich bereits einiges erlebt und zeigte sich von gelegentlich auftretenden Temperaturschwankungen sicherlich gänzlich unbeeindruckt. Nun klinken wir die Gitarre in den Verstärker und testen den elektrischen Sound.

Hören wir zunächst den Humbucker am Hals mit einem klaren Sound und bluesigem Spiel:

Der Sound ist warm, ausgewogen und eignet sich für sämtliche Stilrichtungen u. a. auch sehr gut für Blues oder Jazz. Die Gitarre liefert sicherlich auch aufgrund des alten Tonholzes ein gutes Sustain.

Die Parallelschaltung beider Pickups liefert im cleanen Bereich einen schönen Funky-Sound, wobei auch einer Verwendung im Rock ’n‘ Roll bzw. Rock ‚a‘ Billy-Stil nichts im Wege stünde.

Nun wird der verzerrte Kanal meines Amps bemüht und eine moderate Verzerrung eingestellt. Naturgemäß liefert ein Telecaster-Singlecoil am Steg einen drahtigen, bissigen und durchsetzungsfähigen Ton. So ist es auch hier. Die Freunde des Country werden ihre Freude daran haben.

Der Hals-Pickup liefert mit leichter Verzerrung einen warmen, bluesigen Ton, der sich wunderbar in vielen Stilrichtungen einsetzen ließe.

Auch in der Parallelschaltung beider Pickups lassen sich mit leicht angezerrtem Sound schöne Ergebnisse erreichen.

Diese Stardust bereitet viel Spielfreude und man darf sicher sein, ein extrem individuelles Produkt zu spielen, das mit viel Liebe und Detailreichtum entworfen und gefertigt wurde.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Baboushka Stardust – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

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Fazit

Die Baboushka Stardust Barncaster ist ein hervorragendes Instrument für Individualisten. Absolut einzigartig ist das Design, aber auch klanglich ist diese Gitarre von großer Güte. Der Preis ist zwar recht hoch, aber durch die aufwendige, liebevolle Herstellung und Verarbeitung gerechtfertigt, da man hier viel Zeit und Mühe investiert hat und ein Instrument bekommt, welches seinesgleichen sucht und niemand sonst spielt.

Plus

  • Sound
  • Design
  • Verarbeitung
  • guter Koffer
  • nachhaltig gebaut

Preis

  • 3.190,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    left-to-do

    Krass schön. Also finde ich. Wer auf Hochglanz steht, wird sie nicht mögen. Aber Wurscht, Was ich eigentlich am besten finde: Es gibt so viel Holz, das irgendwo rumliegt, irgendwann weggeworfen oder verbrannt wird. Auf der anderen Seite werden laufend neue (Edel-)Bäume gefällt, um Gizzen zu bauen. Wie man sieht hat auch der alte „Schrott“ durchaus seinen Charme und Wert. Mag wie gesagt nich jeder mögen aber macht Sinn und ich finds geil. Und der Sound is klasse. Hat jez zwar nix groß mit dem Holz zu tun, aber da spielt ja auch der psychologische Moment ne Rolle. ;) Das is allerdings n anderes Thema.

  2. Profilbild
    SkandinAlien  

    What he said ;) Ein wirklich interessantes Instrument und für mich als starker Befürworter von RE- und Upcycling einfach ein tolles Ding. Danke fürs zeigen!! Als gebürtiger Tastenquäler an mich verschwendet und als reine Deko viel zu schade (und zu teuer). Ei like!

  3. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    „Bei solch einem „alten Brocken“ kann man getrost davon ausgehen, dass „die Arbeit des Holzes“ vollständig abgeschlossen ist, es kann sich hier also nichts mehr verziehen.“

    Das ist leider völlig falsch. Holz qillt und schwindet auch noch, wenn es 400 Jahre alt ist – frag mal die Bewohner von Fachwerkäusern im Ahrtal. Es gibt Versprödungs- und Verhornungsprozesse innerhalb der Zellstruktur, die sind aber eher nachteilig, weil bei Aufnahmen von (Luft-) Feuchtigkeit die Elastizität nicht mehr so hoch ist. Das macht dann beim Trocknen Risse wahrscheinlicher.
    Viel wichtiger als das Alter ist die korrekte Auswahl der Jahresringe und ein möglichts schonender Trocknungsprozess vor dem Verbauen.
    Gruß vom Ingenieur für Holztechnik.

  4. Profilbild
    paap narF ZK  

    Das erinnert mich an die Schultertaschen aus LKW-Planen. Das war auch überzeugend. Da ist jemand mal nicht auf halbem Weg stehengebleiben. Hat sich gelohnt. Das Konzept überzeugt auch bei GItarren. Jedenfalls solange der Sound auch stimmt^^.

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