TR-Klassiker - neu aufgelegt
Baby Audio Tekno ist ein Drum-Synthesizer mit Sequenzer für iOS (iPhone und iPad) und Desktop-Computer, die sich ausschließlich auf die Roland-Klassiker konzentriert und bei der keine zwei Schläge identisch klingen sollen.
Was ist es? Baby Audio, Tekno, Groovebox für iOS und Desktop, TR-orientierte Drum-Synthese mit Human-Parameter für lebendige Grooves.
- TR-Fokus: Konsequent auf klassische Roland-TR-Drums ausgerichtet, mit sehr authentischem und druckvollem Klang.
- Human-Parameter: Sorgt für variierende Schläge und vermeidet den Repetitionseffekt von subtil bis experimentell.
- Tiefe Eingriffe: Umfangreiche Synthese- und Kalibrierungsparameter, teils mit technischen Bezeichnungen wie Ohm und Farad.
- Sequencer mit Einschränkung: 16-Step-Sequencer mit Wahrscheinlichkeiten und Ratcheting, speichert Sequenzen jedoch nicht.
- Preis & Zielgruppe: Klanglich stark und stabil, preislich eher für eingefleischte Roland-Fans attraktiv.
Inhaltsverzeichnis
Baby Audio Tekno: Übersicht und Installation
Für iOS ist die Baby Audio Tekno-App wie üblich über den Apple-App-Store zu beziehen und kostet bei Testlegung 22,99 Euro Das ist aber laut Produktseite nur ein Einführungspreis mit 40 % Preisreduktion.
Die App arbeitet als Standalone-Version und als AUv3-Plug-in. Ein Universalkauf (iOS plus macOS) wird nicht unterstützt. Getestet wurde die iOS-Version.
Das macOS- und Windows-Plug-in gibt es in den Formaten VST, VST3, AU und AAX. Tekno kann u.a. von der Baby Audio Website für derzeit 69,- Euro (119,- Normalpreis) gekauft werden. Baby Audio bieten aber auch einen Mietkauf für 13,99 pro Monat an. Ein Konto bei Baby Audio wird benötigt und freigeschaltet wird die Desktop-Version über eine Seriennummer.
Tekno, Baby! – Die Instrumente
In der Baby Audio Tekno werden insgesamt 18 individuelle Instrumente geboten: zwei Kick-Drums, zwei Snare-Drums, zwei Closed High-Hats, eine offene High-Hat, Low-Tom, High-Tom, Clap, Rimshot, Low-Conga, High-Conga, Ride-Cymbal, „Tonal“, Cowbell, Block (Holz) und Crash-Cymbal.
Alle Instrumenten verfügen über die gleiche Anzahl von Hauptparametern, nämlich 11. Diese teilen sich auf in Synthese, Effekte und die Instrumenten-Bibliothek. Jedoch bieten alle 18 Instrumente noch weitere individuelle Parameter für Klangsynthese und Effekte. Diese werden „Kalibrierungen“ genannt und können über ein Zahnradsymbol aufgerufen und in einem eigenen Fenster angezeigt werden. Das erspart einem mühseliges Umschalten zwischen verschiedenen Ansichten. Es sei noch hervorgehoben, dass die Haupt- und Kalibrierungsparameter jeweils ihren eigenen Zufallsgenerator besitzen.
Die Parametervarianz geht sogar so weit, das selbst die A- und B-Varianten der Instrumente unterschiedliche Kalibrierungsparameter haben. Ich erspare uns hier, die kompletten Parameter zu zitieren. Dafür ist das englischsprachige, informativ dicht geschriebene 43-seitige PDF-Handbuch von der Baby Audio-Website da, in das man einen Blick werfen sollte.
Denn wer gerade mit Klangsynthese anfängt, dürfte von der Tiefe der Eingriffsmöglichkeiten vielleicht überfordert sein. Aber auch mit Vorwissen dürfte die Tatsache, dass die Emulation der elektrischen Bauteile und Schaltkreise hier direkt mit Parameterwerten in „Ohm“ und „Farad“ arbeiten für Verwirrung sorgen. Wenn dann einige Parameter auch nur noch mit „cap 58“ und „cap 59“ bezeichnet werden, wird das regelrecht kontraproduktiv. Sachverständige aus der Circuit-Bender-Szene werden hier vermutlich ihre Freude haben.
Baby Audio Tekno: Effekte
Die Effekte bieten fünf Hauptparameter und über das Zahnradsymbol geht es zu den Nebenparametern, alles mit Zufallsgenerator.
Was an „Effekten“ pro Instrument geboten wird, ist fast ebenso individuell wie die Klangsynthese und geht weit über die üblichen Kandidaten Delay, Chorus etc. hinaus. Tatsächlich finden sich diese „Standardeffekte“ fast gar nicht in der Groovebox-App Baby Audio Tekno, stattdessen gibt es Dispersion, Transienten-Shaper und resonanzbasierte Parameter. Die Effekte sind damit eher Teil der Klangsynthese als nachträgliche Aufpolierer.
Instrumentenbibliothek
Wie es sich für eine gute Groovebox gehört, verfügen alle Instrumente über ihre eigene Preset-Verwaltung. Außerdem können hier individuell Panorama, Lautstärke und Ducking-Anteil und -Quellen ausgewählt werden.
Alle im Ducking-Menü ausgewählten Instrumente reduzieren die Lautstärke des aktuell gewählten Instruments, wenn sie gleichzeitig gespielt werden.
Das unterschiedet sich nochmals von den vier Choke-Gruppen, denen die Instrumente zugeordnet werden können. Sind mindestens zwei Instrumente einer Choke-Gruppe zugeteilt, kann jeweils nur eines davon erklingen. Es lässt sich natürlich auch der gesamte Patch, also alle Instrumente, auswürfeln und abspeichern.
Master-Sektion der Groovebox-App
Zuletzt in der Signalkette gibt es die Master-Effekte mit einer eigenen Kalibrierungsseite für Anschlagsstärke sowie das Verhalten von Ducking-Kompressor, Clipping und Limiter.
Der Human-Parameter bietet ebenso eine Kalibrierung für dynamische Veränderung der Syntheseparameter, Notenlänge und Akzentuierung. Dies ist der Hauptparameter, der dafür sorgt, dass die Klangsynthese mit jedem Schlag etwas anders ausfällt, den Repetitionseffekt vermeidet und damit auf Dauer interessanter und lebendiger klingt, genau wie die originalen TR X0X und ihrem wankelmütigen, aber sehr musikalischen Klangverhalten. Von subtil bis zum Glitchen der Klänge ist hier die ganze Bandbreite einstellbar. Als „echten“ Effekt gibt es lediglich einen Reverb, der aber sehr feinteilig eingestellt werden.
Der Mixer von Baby Audio Tekno bietet noch ein schönes Design-Feature, denn er verdeckt nämlich nicht die Instrumenten-Parameter und lässt sie zugänglich. Wenn man also per MIDI spielt, kann man diese Ansicht offen lassen und von hier aus die Instrumente editieren.
Arrangieren mit Tekno
Die 18 Instrumente können zwar live über die Hex-Pads auf dem Touchscreen gespielt werden, aber die meisten werden wohl einen MIDI-Controller bzw. -Sequencer bevorzugen. Dazu lassen sich alle Instrumente auf einem MIDI-Kanal mit den Noten C1 bis F2 bzw. gedoppelt von C3 bis F4 spielen.
Die MIDI-Belegung lässt sich App-Intern anzeigen und per MIDI-Learn verändern. Eine manuelle Eingabe der Noten in der App gibt es zumindest für iOS jedoch nicht.
Mit Version 1.1 haben Baby Audio auf vielfache Anfrage nun einen Sequencer integriert. Dieser ist mit 16 Steps einfach gehalten, bietet aber dennoch eine Reihe netter Eigenschaften, um den Beat interessanter zu gestalten.
So gibt es für jede Spur eine Trigger-Wahrscheinlichkeit für die Schritte, doppelte oder halbe Abspielgeschwindigkeit, Ratcheting, also das Setzen des Spur-Endes sowie 32tel Noten. Die Lautstärke kann einfach per vertikalem Ziehen pro Schritt eingestellt werden.
Allerdings wird in der derzeitigen Version 1.1 die Sequenz nicht abgespeichert. Weder mit dem Instrumenten-Patch, noch getrennt. Laut Baby Audio wird aber an einem Update gearbeitet, das diesen Umstand behebt und zahlreiche Verbesserungen bringen soll. Einen Zeitrahmen wurde jedoch nicht genannt.
Immerhin wird die Sequenz nicht gelöscht, wenn man den Instrumenten-Patch wechselt, das ist zumindest schon mal ein Fortschritt gegenüber den meisten Grooveboxen.
Baby Audio Tekno bietet dazu eine AUv3-Unterstützung mit 16 Ausgangsbussen (2 bis 17) und eine komplette MIDI- Automation.
Das Handbuch spricht bei der Desktop-Version noch von diversen Export-Optionen, inklusive Drag & Drop in die DAW, die über die Settings zu erreichen sind. Die iOS-Version bietet nichts davon.
Baby Audio Tekno Klang und Konkurrenz
Nun, der Name hält, was er verspricht und wer nach dem klassischen Roland TR-Sound sucht, sollte sich Baby Audio Tekno einmal näher anschauen und anhören. Diese Drums kicken und dürften insgesamt ganz vorne bei den Emulationen mitspielen.
Allerdings ist der TR-Sound auch das einzige, was Baby Audio Tekno bietet. Wer mehr Abwechslung, oder auch einen besseren internen Sequencer sucht, dem bietet Unfiltered Audio Battalion oder Sugar Bytes Drum Computer deutlich mehr Möglichkeiten. Auch Dimitrij Pavlov Grooverboxen Groove Rider GR-16 und GR-2 sollte man nicht übersehen.
Allerdings dürfte Baby Audio Tekno mit einem der zahlreichen MIDI-Drum-Sequencer wie z. B Markus Teufel Octachron oder 4Pockets MIDIStep auf dem iPad auch gut harmonieren.
Im Desktop-Bereich ist die Konkurrenz deutlich größer und schließt nicht zuletzt auch Rob Papen RAW mit ein, das aber keinen Sequencer beinhaltet. Natürlich sind in diesem Bereich auch noch die D-16 Group Softwares Nepheton und Drumazon zu nennen.
Audiodemos sind 48 kHz, -3 dBFS Peak. Keine Effekte. Melodischer Zusatz von NI Tim Exile Flesh.






































„Allerdings ist der TR-Sound auch das einzige, was Baby Audio Tekno bietet“
Das würde ich so aber überhaupt nicht stehenlassen wollen. Das Teil ist doch super vielseitig, grade mit den Zufallsfunktionen kann man sich klasse Percussions zusammenwürfeln lassen.
Die Bassdrums die das Teil ausspuckt sind richtig klasse. Man kann richtig gute Drums erstellen, die für Techno nicht zu trocken sind aber auch nicht zu „verrumblet“ und so schon für sich alleine funktionieren.
Für super authentischen TR-X0X Sound würde ich eher zu den entsprechenden D16 Plugins greifen oder passende Samples nutzen.
Da ich den Ansatz und auch die Aufmachung sehr ansprechend finde, habe ich mir mal die Demo gezogen. Da ich den Sequencer nicht brauche, war der Punkt schonmal nicht relevant. Ich finde auch, dass da sehr interessante Sounds machbar sind. Insgesamt ist mir der Sound aber ein bisschen zu „scharf“. Die Transienten fühlen sich alle etwas überbetont an. Das ist aber natürlich Geschmacksache und andere finden das sicher gerade gut.
sehr einseitig
noch nicht mal die HH läßt sich durch samples ersetzen um aus diesem klanguniversum raus zu kommen …
@plumperquatsch Einseitig? Es gibt HiHat A, HiHat B und HiHat Open die alle erdenklichen Geschmacksrichtungen abdecken, außerdem kann man auch mit dem Ride und dem Crash HiHats erzeugen. Damit sollte nun wirklich jeder passende HiHats bauen können. Und es ist ein Drum-Synthesizer, Samples kann man sich doch mit zich anderen Plugins oder direkt in der DAW dazu holen.
@ollo „zich anderen Plugins oder direkt in der DAW dazu holen.“
genau. wozu brauch ich dann das ding noch? ;)
@plumperquatsch Um Drum-Sounds zu generieren!? Denn genau dafür ist ein Drum Synthesizer da.
Hi. Erst einmal Danke für den tollen Bericht!
Was mich letzten Endes zum Kauf bewogen hat, ist die Multi-Out Funktion. Laut Handbuch sind es 18 Outs inkl. Kanal für den Reverb. Das muss ich aber selbst noch testen. Es ist nicht mein erstes Groovebox Plugin (wahrscheinlich habe ich bereits jetzt zu viele, wenn das überhauptmöglichist), aber gerade im X0X Bereich hatte ich noch Lücken. Die dürften jetzt zumindest abgedeckt sein.
Ich freue mich schon aufs tweaken!