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Test: Bad Cat Cub 15R Player Series 112, Gitarrenverstärker

21. Mai 2019

Bad Cat - die gemeine und mächtige Raubkatze!

Bad Cat Cub 15R

Bad Cat Cub 15R

Der amerikanische Hersteller Bad Cat besteht teilweise aus ehemaligen Matchless Mitarbeitern und gilt gleichfalls als Spezialist für edle Röhrenverstärker. So hat auch der heutige Testkandidat, der Bad Cat Cub 15R Player Series 112, einen ausgesprochen „Boutique-Look“ und wurde hervorragend verarbeitet. Der Bad Cat Cub 15R erzeugt seine Ausgangsleistung von 15 Watt traditionell mithilfe zweier EL84 Endstufenröhren. In letzter Zeit zeichnet sich ein Trend bei Röhrenverstärkern mit einer Leistung von 15-20 Watt ab, die Endstufen mit einem Paar EL34 zu bestücken. Beispiele hierfür sind beispielsweise der PRS MT 15 oder auch die aktuellen 20 Watt Marshalls (Plexi, 2525C Mini Jubilee etc.). Auf Webseiten diverser Musikhändler ist zu lesen, dass die Endstufe des Bad Cat Cub 15R mit zwei EL34 bestückt wurde, beim Blick auf die Rückseite des Verstärkers stellt man jedoch fest, dass hier zwei EL84 verbaut wurden.

Bad Cat Cub 15R Bild 1

Der Bad Cat Cub 15R aus der Player Series

Der Verstärker bietet diverse Ausstattungs- bzw. Alleinstellungsmerkmale, wie eine Umschaltung der Vorstufe von zwei 12AX7 (ECC83) auf eine EF86. Die EF86 kommt in vielen VOX AC30 Modellen als erste Röhre im Signalweg (V1) zum Einsatz und hat sicherlich einen wichtigen Anteil am „VOX-igen“ Klang des Bad Cat Cub 15R Combo. Der integrierte Boost (FAT) aktiviert eine weitere Gain-Stufe und sorgt für erhöhte klangliche Vielfalt, wie wir später noch hören werden. Insgesamt sind dann vier Gain-Stufen erreichbar, wenn man die Kombination mit den beiden Vorstufenröhrenkombinationen berücksichtigt.

Die Bezeichnung R lässt ahnen, dass hier auch ein Hall integriert wurde. Da im Gehäuse keine Hallspirale auszumachen ist, kann man davon ausgehen, dass es sich um einen digitalen Hall handelt. Die Qualität eines guten Digitalhalls steht heutzutage einem Federhall in nichts nach, auch wenn der „Vintage Soundpurist“ dies womöglich anders bewertet.

Bad Cat Cub 15R – Facts & Features

Der Bad Cat Cub 15R Combo ist ein einkanaliger Röhrenverstärker und wurde mit einem 12″-Bad Cat UK Celestion Lautsprecher bestückt. Seine, für einen 15-Watt-Verstärker nicht unbedingt kompakten Abmessungen (B x T x H) 610 x 267 x 470 mm sprechen eindeutig dafür, dass wir es hier nicht mit einem „Hasenstall“, sondern mit einem ernstzunehmenden soliden Gehäuse und möglicherweise überdimensionierten Trafos zu tun haben, die einen voluminösen Klang zu erzeugen vermögen. Leider schlägt sich dies auch im doch beträchtlichen Gewicht (gemessen an der Leistung) von 21,8 kg zu Buche. Solide Netztrafos, gut dimensionierte Ausgangsübertrager und ein stabiles Gehäuse lassen sich nun mal leider nicht leichter zu einem hochklassigen Produkt vereinen.

Die Verarbeitung ist vorbildlich, das Tolex perfekt aufgebracht. Das Piping und Keder sitzen genau. Ein schöner Ledergriff trägt zum Tragekomfort bei.

Gibt man dem Boliden Strom (On/Off-Schalter an der Chassisrückseite), wird das gelbe Firmenlogo an der Verstärkerfront zum Erleuchten gebracht und die beiden orangefarbenen Raubkatzenaugen schauen uns beim Spielen zu. Das ist sicherlich ein Spaßfaktor, zumindest für mich, da es im Haushalt zwei Katzen zu versorgen gilt.

Bad Cat Cub 15R Player Series 112 – Bedienelemente

Links neben der Eingangsbuchse (6,3 mm Klinke) sitzt der Regler VOLUME, der eigentlich ein Gain-Regler ist, da er die Vorstufe bei Bedarf in die Sättigung treibt. Der kleine Kippschalter rechts davon (Preamp-Selector) gestattet das Anwählen der Vorstufenröhren bzw. korrespondierenden Gain-Stufen. Je nachdem, ob in die EF86 oder die beiden ECC83 Vorstufenröhren aktiv sind, leuchtet die entsprechende Leuchtdiode unterhalb des Kippschalters rot bzw. grün.

Bad Cat Cub 15R Panel

Boutique Verstärker im Vintage-Look

Ein weiterer kleiner Kippschalter mit der Bezeichnung FAT aktiviert den Gain-Boost, der durchaus eine drastische Klangveränderung zur Folge hat. Ist der Boost aktiv, bekommen wir dies durch eine rote LED angezeigt.

Die Klangregelung ist zweibandig (Bass, Treble) wobei auch der typische CUT-Regler, wie er beispielsweise bei einem VOX AC30 zu finden ist, integriert wurde. Dieser beschneidet die Höhen und arbeitet gegenläufig, d. h., je weiter man diesen Regler aufdreht, desto mehr beschneidet er die Höhen. Auch die schwarzen Chickenhead-Knöpfe zeugen von einer Reminiszenz an einen  Verstärker aus dem Hause VOX. Auf eine Beeinflussung der mittleren Frequenzen müssen wir verzichten.

Ganz rechts befindet sich der Mastervolume-Regler, der erwartungsgemäß die Ausgangslautstärke bestimmt. Der Anteil des Halls im Signalweg wird mit dem REVERB-Regler vorgenommen.

Bad Cat Cub 15R Footswitch

Fußschalter zum Aktivieren des Gain-Boosts (FAT) und zur Auswahl der Vorstufenröhren

Rückseite

Die Rückseite des Bad Cat Cub 15R wurde halb offen gehalten, sodass dem Klang einerseits nicht zu viele hohe Frequenzen gestohlen werden, der Amp aber andererseits aber noch genug Bässe transportiert, um für genügend Wirkung im tiefen Frequenzbereich zu sorgen. Beim Blick auf die Rückseite des Amps kann man sehen, dass für das Gehäuse Multiplex verwendet wurde, was sich sicherlich positiv auf den Klang auswirken dürfte.

Der hauseigene interne Lautsprecher hat eine Impedanz von 8 Ohm. Eine weitere Ausgangsbuchse gestattete den Anschluss zusätzlicher Lautsprecherboxen. Dementsprechend muss der für die Impedanz zuständigen Drehknopf in die entsprechende Stellung gebracht werden, um Fehlanpassungen zu vermeiden, die den Ausgangsübertrager ins Jenseits befördern könnten.

Die beiden Klinkenbuchsen für den Effektweg (Send/Return) finden wir rechts außen an der schwarz lackierten Chassisrückseite. Auch der stabile Standby-Kippschalter wurde auf der Rückseite des Chassis angebracht, wie man dies von vielen Fender Röhrenverstärkern (alte Deluxe-Modelle, Twin etc.) kennt.

Bad Cat Cub 15R Back

Solide verarbeitet, ein holziger Geruch strömt in die Nase

Hält man einmal seine Nase in die Nähe der Verstärkerrückseite, so ist ein angenehm holziger Geruch wahrzunehmen und man kann sich sicher sein, es mit keinem Produkt aus Fernost zu tun zu haben. Viele z. B. in China hergestellten Produkte können dieses gelegentlich nicht leisten und strafen den Geruchssinn häufig durch die Verwendung minderwertigen Kunststoffs.  Genau wie eine hochwertige akustische Gitarre oftmals angenehm riecht, so kann man dies auch über den Bad Cat Cub 15R Combo berichten.

Selbstverständlich lässt sich auch die Netzspannung den landestypischen Bedürfnissen anpassen. Unser Testmodell war erwartungsgemäß auf 230 Volt für den Einsatz in Europa voreingestellt. Liefert das Stromnetz 115 Volt (USA), so müsste man zunächst die beiden Feinsicherungen austauschen. Die 500 mA Sicherung sollte dann gegen eine 750 mA Sicherung getauscht werden. Die primäre Sicherung müsste von 2 Ampere auf 3 Ampere erhöht werden, um einen sicheren und komplikationsfreien Betrieb zu gewährleisten.

Der mitgelieferte Fußschalter, der die Funktionen der zwei kleinen Kippschalter übernimmt, wird in der 6,3 mm Klinkenbuchse (Stereo) neben dem Sicherungshalter eingeklinkt.

Bad Cat Cub 15R Player Series 112 – Sound

Der gut dimensionierten Trafo bzw. Ausgangsübertrager und ein guter Wirkungsgrad des Lautsprechers entlocken dem Bad Cat Cub 15R erfreulicherweise einen Schallpegel, den man ihm nicht zugetraut hätte. Diese 15 Watt sind laut. Auch das gut dimensionierte und stabile Gehäuse unterstützt sicherlich nochmals den hochklassigen Sound. Spielt man den Bad Cat Cub 15R, hat man sofort das Gefühl, einen wahrhaft ehrlichen und ausgesprochen dynamischen Röhrenverstärker zu hören. Die zwei kleinen Kippschalter an der Front des Chassis (auch mit Fußschalter umschaltbar) bieten Flexibilität, da die beiden Gain-Stufen in Verbindung mit der Vorstufenröhrenumschaltung eine Vielzahl von klanglichen Möglichkeiten bereitstellen. Der integrierte Digitalhall ist bereits auf der 9-Uhr-Stellung des REVERB-Reglers für die meisten Gelegenheiten vollkommen ausreichend, es ließen sich aber durchaus auch sehr „spacige“ Klänge erzeugen, wenn man den Regler weit aufdreht.

Hören wir nun zunächst einen klaren Sound mit etwas integriertem Hall. Die Vorstufe läuft hier mit der EF86, die Parameter Bass und Treble stehen auf 12 Uhr, was dem Verstärker einen runden Klang entlockt. Der Hallregler steht bei allen Hörbeispielen auf 9 Uhr:

Nun schalten wir die Vorstufe um und hören einen klaren Sound mit den beiden ECC83. Bass, Treble und Cut stehen auf 12 Uhr:

Wir hören nun die EF86 mit aktivem Gain-Boost (FAT-Schalter aktiviert). Der Gain-Regler steht auf 14 Uhr, der Sound wird crunchy, bleibt aber stets definiert:

Hier erkennt man eindeutig, dass ein VOX-Verstärker als Vorbild gedient haben muss, da der Bad Cat Cub 15R gerade mit der EF86 einen sehr AC30-artigen Ton produziert.

Nun hören wir die beiden ECC83 mit maximalem Gain (FAT aus).

Bei maximalem Gain und aktivierten FAT-Schalter (ECC83 als Vorstufenröhren) könnte dies etwa so klingen:

Man kann dem Bad Cat Cub 15R nur eine große klangliche Noblesse beurkunden. Er erzeugt bei beiden Vorstufenröhrenkombinationen und Verzerrungsstufen stets einen charaktervollen Ton bei großer Dynamik. Die erzeugte Verzerrung reicht für viele Einsatzgebiete bis hin zu einem klassischen Rock-Ton sicherlich voll aus, aber alleine schon clean gespielt ist er eine Freude.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster SSH – Bad Cat Cub 15R Player Series 112 – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (teilweise etwas Delay hinzugefügt).

Fazit

Der Bad Cat Cub 15R Player Series 112 kann klanglich voll überzeugen, der Klang ist sicherlich eher „britisch“ als „amerikanisch“, wobei man diesen auch nicht als „marshallesque“, sondern eher als eine heißgemachte VOX AC30 Variante einstufen könnte. Er erzeugt einen durchaus eigenen Sound, der viel Charakter und Noblesse besitzt. Die perfekte Verarbeitung, das schöne Design, der integrierte Hall und der Effektweg tragen gleichfalls zu einem exzellenten Werkzeug für den anspruchsvollen Gitarristen bei.

Plus

  • Sound
  • Vorstufenröhren umschaltbar
  • Verarbeitung
  • klanglich flexibel
  • Look
  • Effektweg
  • Hall

Minus

  • Gewicht

Preis

  • Ladenpreis: 1.649,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Super Test – Danke. Ich frage mich nur, ob der Bad Cat wirklich die 1.650 Euro im Vergleich zu einem VOX AC15C1 (X) (600€ bzw. 800€ für den X mit AlNiCo) wert ist. Es ist ja nahezu die identische Technik verbaut und dazu ein im Vergleich günstiger Digitalhall.

  2. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Endlich mal ein Bad Cat Test! Der Hersteller interessiert mich schon lange. Spätestens seit ich die Amps bei Porcupine Tree live gehört habe.
    Toll geschriebener Testbericht mit aussagekräftigen Klangbeispielen. Danke dafür!

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