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Test: Bad Cat Ocelot Lunchbox Head, Gitarrenverstärker

Flexibler Stubentiger

5. Mai 2026
Bad Cat Ocelot Lunchbox Head Aufmacher

Test: Bad Cat Ocelot Lunchbox Head

Der Bad Cat Ocelot Lunchbox Head ist ein kompakter Röhrenamp, der Boutique-Sound, moderne Recording-Features und hohe Flexibilität in einem transportfreundlichen Format vereint.

Kurz & knapp

Was ist es? Bad Cat Ocelot Lunchbox Head, kompakter 20-Watt-Röhrenverstärker mit zwei Kanälen und integrierter Recording-Lösung.

  • Sound: Breites Spektrum von glockigen Cleans bis zu druckvollen Overdrive-Sounds mit hoher Dynamik und Transparenz.
  • Features: Two Notes Cabinet-Simulation, Power-Soak, Effektweg und umfangreiche Anschlussmöglichkeiten.
  • Flexibilität: Geeignet für Bedroom, Studio und Bühne dank vielseitiger Klangformung und DI-Out.
  • Verarbeitung: Hochwertige Materialien und robuste Bauweise auf Boutique-Niveau.
  • Kritik: Sehr helle LEDs erschweren die Ablesbarkeit der Regler in dunkler Umgebung.
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Bad Cat Ocelot Lunchbox Head

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Bad Cat Ocelot Lunchbox Head

Kompakte „Lunchbox“-Amps gehören seit einigen Jahren zu den spannendsten Entwicklungen im Bereich der Gitarrenverstärker. Was ursprünglich als platzsparende Lösung für das heimische Üben gedacht war, hat sich längst zu einer ernst zu nehmenden Alternative für Studio und Bühne entwickelt. Moderne Vertreter dieser Gattung kombinieren geringe Abmessungen mit erstaunlicher Leistungsfähigkeit, oft ergänzt durch Features wie Power-Soak, Recording-Ausgänge oder integrierte Speaker-Simulationen. Gerade im Spannungsfeld zwischen Bedroom-Amp und vollwertigem Studio-Amp gibt es Konzepte, die klassischen Röhrensound mit hoher Flexibilität verbinden.

In genau diesem Segment bewegt sich auch der amerikanische Hersteller Bad Cat Amplifiers. Die Boutique-Schmiede aus Kalifornien wurde Ende der 1990er-Jahre gegründet und hat sich mit handgefertigten, hochwertig bestückten Röhrenamps einen Namen gemacht. Dabei reicht die Produktpalette von klassischen, britisch geprägten Sounds bis hin zu modernen High-Gain-Konzepten. Stets mit einem besonderen Fokus auf Dynamik, Ansprache und einer hohen Verarbeitungsqualität. Davon konnte ich mich bereits beim Test des Jet Black Head überzeugen, den man HIER finden kann.

Bad Cat Ocelot Lunchbox Head full

Klein, stark, schwarz – der Bad Cat Ocelot Lunchbox Head

Mit dem Bad Cat Ocelot Lunchbox Head schickt der Hersteller einen kompakten 20-Watt-Röhrenverstärker ins Rennen, der genau dieses Prinzip in ein transportfreundliches Format überträgt. Zwei Kanäle, Leistungsreduktion bis in wohnzimmertaugliche Bereiche, Bedienung per Editor und eine integrierte Recording-Lösung lassen bereits aufhorchen. Ob sich hinter dem handlichen Gehäuse tatsächlich ein vollwertiger Boutique-Amp mit ernst zu nehmendem Anspruch verbirgt, klären wir im folgenden Testbericht.

Facts & Features

Schon beim Auspacken vermittelt das Gehäuse aus massivem, schwarz lackiertem Stahlblech ein hohes Maß an Vertrauen. Der Amp dürfte so manches wegstecken, auch wenn sich an den Kanten keine Schützer befinden. Trotz der handlichen Abmessungen von 46 × 25 × 28 cm bringt der Amp ein Gewicht von rund 7,5 kg mit, das man beim Tragen über den stabil ausgeführten, klappbaren Griff deutlich spürt. Vier großzügige Gummifüße sorgen dafür, dass das Topteil sicher auf der Box steht und auch bei höheren Lautstärken nicht anfängt, durch die Gegend zu wandern.

Im Inneren des Bad Cat Ocelot Lunchbox Head werkeln zwei 12AX7-Röhren in der Vorstufe sowie zwei EL84-Röhren in der Endstufe. Eine Kombination, die einen eher britisch klingenden Sound und Charakter erwarten lässt. Die erzeugte Warmluft der Glaskolben wird über Vorder- und Rückseite abgegeben, die dafür beide in das Gehäuse gestanzte Öffnungen besitzen.

Ocelot Bedienpanel

Bad Cat Ocelot Lunchbox Head Panel

Das Bedienpanel zeigt sich trotz der vielen Regler und Schalter recht aufgeräumt und übersichtlich. Ganz links startet die Signalkette mit dem DI-Level-Regler, der gleichzeitig den Kopfhörerausgang mitversorgt. Hier wird also die Lautstärke des DI-/Recording-Signals angepasst. Praktisch für direktes Spielen ohne zusätzliche Peripherie. Direkt daneben sitzt eine Clip-LED, die anzeigt, wenn das Signal am DI-Ausgang „zu heiß“ wird.

Es folgt der Cab-Select-Drehschalter mit mehreren Positionen, über den sich sechs unterschiedliche Speaker-Simulationen anwählen lassen. Die „Save“-Funktion deutet darauf hin, dass sich bevorzugte Einstellungen abspeichern lassen. Ein Hinweis auf die integrierte Two Notes Torpedo IR-Unterstützung. Doch dazu später mehr.

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Weiter geht es mit der Master-Sektion. Der Volume-Regler bestimmt die Gesamtlautstärke, während der danebenliegende Presence-Regler in den oberen Frequenzbereich der Endstufe eingreift und dem Signal damit mehr Luft oder Biss verleihen soll. Ergänzt wird dieser Bereich durch ein Power-Soak, mit dem sich die Endstufenleistung auf eine wohnzimmertaugliche Lautstärke von 1 Watt drosseln lässt.

In der Mitte des Panels sitzt ein klassischer 3-Band-EQ mit Bässen, Mitten und Höhen, gefolgt von der Kanal-2-Sektion mit Volume- und Gain-Regler sowie einem LO/HI-Schalter zur Anpassung der Gain-Struktur. In der LO-Position bleibt der Kanal offener, mit weniger Kompression und moderatem Crunch. Schaltet man auf HI, wird die Vorstufe stärker angefahren. Das sorgt für mehr Gain, eine frühere Sättigung und insgesamt mehr Kompression.

Direkt daneben ermöglicht der Select-Schalter die Umschaltung zwischen den beiden Kanälen, während für Kanal 1 (Clean-Channel) ein eigener Volume-Regler zur Verfügung steht. Den Abschluss bildet ganz rechts die Input-Buchse für die Gitarre. So weit, so gut. Drehen wir das Teil nun um und betrachten die Rückseite des kleinen Boliden, denn dort gibt es ebenfalls einiges zu entdecken.

Ocelot Rückseite

Bad Cat Ocelot Lunchbox Head Rückseite

Auf der Rückseite: Alles, was das Herz begehrt

An der Rückseite hat Bad Cat eine Ausstattung untergebracht, die bewusst in Richtung Recording- und Live-Setup zielt. Im Zentrum stehen die zwei Lautsprecheranschlüsse, über die sich passende Boxen anbinden lassen. Angeschlossen werden können Boxen mit einer Impedanz von 8 oder 16 Ohm. Ein kleiner Kippschalter ermöglicht die entsprechende Anpassung. Durch die integrierte Reactive Load kann der Amp auch ohne angeschlossene Box(en) betrieben werden, was ihn für lautloses Recording oder Arbeiten mit dem DI-Ausgang (inklusive Ground-Lift-Schalter) ideal macht.

Two Notes Speaker-Sim

Und genau hier kommt die Zusammenarbeit mit Two Notes ins Spiel. Der Bad Cat Ocelot Lunchbox Head verfügt über eine Cabinet-Simulation, sodass das Signal direkt und ohne aufwendige Mikrofonierung an der DI-Out-Buchse abgegriffen werden kann. Das funktionierte im Test erstaunlich unkompliziert und dürfte vor allem im Studio ein echter Vorteil sein. Ein Editor ist sowohl für Mac als auch für den PC erhältlich. Die Kommunikation erfolgt über den USB-C-Anschluss, der ebenfalls an der Rückseite sitzt.

Mit dem Two Notes Editor kann man tief in die Speaker-Simulation eingreifen und den DI-Sound gezielt formen. So stehen insgesamt bis zu 512 Speicherplätze für Impulsantworten zur Verfügung, die sich frei verwalten und auch mit eigenen IRs bestücken lassen. Innerhalb des Editors lassen sich verschiedene virtuelle Endstufenparameter, Mikrofontypen und -positionen sowie der Raumanteil anpassen. Presets können gespeichert und sechs davon direkt auf den Amp übertragen werden.

Auch ein Effektweg ist beim Bad Cat Ocelot integriert. Damit lassen sich Mod-, Delay- und Reverb-Effekte an der richtigen Stelle in den Signalweg platzieren. Netz- und Standby-Schalter sind ebenfalls auf der Rückseite untergebracht, was das Frontpanel aufgeräumt hält. Es gibt einen Anschluss für den Fußschalter, mit dem sich die Kanäle umschalten sowie die HI/LO-Gain-Struktur des zweiten Kanals anwählen lassen. Der passende Footswitch inklusive Kabel ist im Lieferumfang enthalten.

Ein MIDI-In sorgt für weitere Möglichkeiten, den Amp in eine professionelle Umgebung einzubinden. Den Abschluss bildet die Kopfhörerbuchse, die ein mit der Speaker-Emulation versehenes Signal liefert. Ganz schön viel graue Theorie. Deshalb nun schnell rüber zum Praxis-Check.

Der Ocelot in der Praxis

Das Bad Cat Ocelot Lunchbox Head klingt warm, rund und mit genau der Portion Obertöne, die einen Röhrenamp lebendig wirken lässt. Kanal 1 zeigt sich dabei von seiner offenen Seite. Cleans kommen luftig und detailreich, fast schon perlig, und reagieren sehr direkt auf die rechte Hand. Dreht man das Volume etwas weiter auf – idealerweise mit einem Humbucker –, schiebt sich der Sound in einen angenehm rauen Crunch, ohne an Transparenz einzubüßen.

Kanal 2 legt dann eine Schippe drauf. Von kernig-dynamischem Crunch bis hin zu kraftvoll singenden Lead-Sounds ist alles drin, wobei sich die Verzerrung sauber dosieren lässt. Der LO/HI-Schalter wirkt dabei eher wie ein Feintuning der Struktur als ein plumper Boost. LO bleibt offener und etwas drahtiger, HI komprimiert dagegen deutlich stärker und liefert massig Sustain. Was auffällt: Selbst bei höheren Gain-Einstellungen behält der Ton Kontur. Akkorde und Riffs zerfallen nicht und Single-Notes stehen voll im Futter.

Die Klangregelung arbeitet dabei erfreulich effektiv. Statt extremer Eingriffe bekommt man hier ein Werkzeug, mit dem sich der Grundsound des Ocelot gezielt formen lässt. Vor allem das breite Spektrum des Mittenfrequenzreglers hilft dabei, sich im Bandgefüge gut durchzusetzen. Dazu kommt eine sehr direkte Ansprache. Der Amp reagiert quicklebendig auf jede Nuance im Anschlag. Auch das Grundrauschen bleibt erfreulich niedrig, selbst wenn man den Gain-Regler weiter nach rechts bewegt.

In der Praxis fällt allerdings ein Detail negativ auf: Die LEDs hinter dem Frontgitter sind unglaublich hell und blenden. In dunkleren Umgebungen kann das dazu führen, dass man Regler und Schalter aus dem Blick verliert. Kein Drama, aber etwas, das durchaus nerven kann.

Bad Cat Ocelot Lunchbox Head @night

Bad Cat @ night – Wie Sie sehen, sehen Sie nichts …

Bad Cat Ocelot Klangbeispiele

Vier der folgenden Klangbeispiele wurden über den DI-Out des Bad Cat Ocelot Lunchbox Head aufgenommen, das fünfte mit einer angeschlossenen 1×12″-Vintage-30-Box. Eingespielt wurden die Tracks mit einer Harley Benton Power-Strat.

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Klangbeispiele
Fazit

Mit dem Bad Cat Ocelot Lunchbox Head liefert der Hersteller einen kompakten Röhrenamp ab, der zweifellos in der Boutique-Liga spielt. Die beiden Kanäle decken ein breites Spektrum von glockigen Clean- bis hin zu druckvollen Overdrive-Sounds ab und überzeugen durch Dynamik sowie eine hohe, luftige Transparenz. Die integrierte Two Notes Cabinet-Simulation erweitert den Amp sinnvoll in Richtung Recording und macht ihn damit noch flexibler. Auch Verarbeitung und Ausstattung bewegen sich auf einem hohen Niveau.

Kleine Abzüge gibt es für die recht hellen LEDs hinter dem Frontgitter, die in dunkler Umgebung die Ablesbarkeit erschweren. Unterm Strich ist der Ocelot ein vielseitiger, musikalischer Amp für viele Stilrichtungen. Er hat seine besonderen Stärken in den klassischen Disziplinen von Blues bis Rock.

Plus

  • Sound
  • Dynamikverhalten
  • Flexibilität
  • Rauschwerte
  • hochwertige Verarbeitung
  • umfangreiche Anschlüsse
  • IRs steuerbar über Editor

Minus

  • Ablesbarkeit der Regler im Dunkeln

Preis

  • 1.399,- Euro
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Über den Autor
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Stephan Güte RED

Seit den frühen 80ern an den Drähten, die die Welt bedeuten. Musikalisches Mädchen für alles, sei es nun das Produzieren im Studio oder für Engagements als Bühnenmusiker. Seit 2004 im Team von Amazona.

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