Direct Recording auf die analoge Art
Mit dem PurePath verfolgt Bad Cat einen bewusst puristischen Ansatz im Bereich moderner Loadboxen und Speaker-Simulationen. Statt auf komplexe DSP-Technik, IR-Loader und unzählige Presets zu setzen, konzentriert sich das Gerät vollständig auf einen analogen Signalweg und ein möglichst direktes Spielgefühl. Entwickelt zusammen mit Bruce Egnater soll der PurePath den Charakter eines Röhrenamps möglichst unverfälscht konservieren – nur eben ohne laute Gitarrenbox im Raum.
Worum geht es?
- Bad Cat PurePath: Analoge Load Box, Cab Sim und DI-Box für Röhrenamps.
- Konzept: Vollständig analog, ohne Menüs, Presets oder externe Stromversorgung.
- Sound: Direkt, roh und dynamisch mit sehr ampnahem Spielgefühl.
- Praxis: Ideal für Studioaufnahmen, Silent Stage und direkte Amp-Abnahme.
- Fazit: Spannende Lösung für Puristen, weniger für Fans umfangreicher DSP- und IR-Systeme.
Inhaltsverzeichnis
Bad Cat PurePath: Was ist das und für wen?
Mit dem Bad Cat PurePath React Load & Cab Sim verfolgt Bad Cat einen bewusst anderen Ansatz als viele moderne Loadbox- und Speaker-Simulationen. Während der Markt inzwischen von komplexen DSP-Systemen, IR-Loadern, Apps und zahllosen virtuellen Lautsprecher-Setups dominiert wird, setzt Bad Cat auf einen vollständig analogen Signalweg ohne Menüs, Presets oder externe Stromversorgung.
Entwickelt wurde das Konzept zusammen mit Amp-Guru Bruce Egnater und richtet sich vor allem an Spieler, die den direkten Charakter ihres Röhrenamps möglichst unverändert erhalten möchten – nur eben ohne laute Gitarrenboxen im Raum.
Der PurePath arbeitet dabei gleichzeitig als Loadbox, Speaker-Simulation und DI-Box. Der Lautsprecherausgang des Verstärkers wird direkt mit dem Gerät verbunden, anschließend gelangt das Signal wahlweise lautlos oder parallel zu einer echten Gitarrenbox über den symmetrischen XLR-Ausgang ins Audiointerface, Mischpult oder In-Ear-System.
Statt hunderter virtueller Cab-Simulationen setzt Bad Cat bewusst auf einige wenige analoge Klangoptionen wie Open/Closed-Back-Boxentypen, Alnico/Ceramic-Speaker und zwei verschiedene Mikrofonpositionen. Also ein Gerät für Puristen, die keine Lust haben, auf der Bühne oder im Studio digitale Technik zu nutzen, sondern auf die rohe Gewalt der analogen Cab-Sim stehen.
Im folgenden Review schauen wir uns die kleine schwarze Box einmal genauer an.
Facts & Features
Der Bad Cat PurePath unterscheidet sich schon optisch deutlich von vielen anderen Loadboxen oder digitalen Speaker-Simulationen. Statt buntem Display, Encodern oder USB-Buchsen dominiert hier eine fast schon altmodisch wirkende Bedienung mit Kippschaltern, simplen Beschriftungen und einer sehr übersichtlichen Oberfläche.
Das komplett aus Metall gefertigte und mit zahlreichen Lüftungsschlitzen versehene Gehäuse hinterlässt einen äußerst robusten Eindruck und bringt mit knapp 2,7 kg überraschend viel Gewicht auf die Waage. Gerade dadurch wirkt das PurePath allerdings eher wie klassisches Studio- oder Amp-Equipment und weniger wie ein leichtes Plastik-Interface für den Schreibtisch.
Die Verarbeitung gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Sämtliche Schalter sitzen stabil im Gehäuse, nichts wackelt oder wirkt billig. Vier große Gummifüße auf der Unterseite sorgen zusätzlich dafür, dass das Gerät sicher auf dem Tisch oder Amp-Top stehen bleibt und sich auch bei störrischen Lautsprecherkabeln nicht gleich verschiebt.
Zum Lieferumfang gehören außerdem zwei Rack-Winkel, die zusammen mit den Schrauben der vier Gummifüße am Gehäuse befestigt werden können. Damit lässt sich das PurePath in einer Rack-Wanne oder auch auf einer Tischplatte montieren.
Lüfter als Teil des Klangkonzepts
Bei genauer Betrachtung des Gerätes fällt auf, dass sich links oben ein Lüfter im Gehäuse befindet. Wie jetzt, ein Lüfter? Wozu – und vor allem: Wie wird der angetrieben, wenn es doch überhaupt keine Stromversorgung gibt?
Eine genauere Recherche liefert die Erklärung: Bad Cat nutzt beim PurePath ein mechanisch arbeitendes Reactive-Load-System, bei dem die Energie des angeschlossenen Verstärkers direkt verwendet wird, um das Verhalten einer echten Lautsprecherlast möglichst realistisch nachzubilden. Der Lüfter dient dabei offenbar nicht nur der Wärmeableitung, sondern ist gleichzeitig Teil dieses Konzepts.
Je stärker die Endstufe des angeschlossenen Amps aufgedreht wird, desto stärker reagiert auch das System im Innern des PurePath. Laut Hersteller soll dadurch die Wechselwirkung zwischen Verstärker, Lautsprecher und Endstufe deutlich natürlicher erhalten bleiben als bei vielen klassischen Dummy-Loads oder digitalen Lösungen.
Gut, dann hätten wir das auch geklärt.
Pure Path – Regler, Schalter und Anschlüsse
Bedienpanel
Auf dem Bedienpanel sitzen fünf kleine Kippschalter, mit denen sich die grundlegende Klangcharakteristik direkt einstellen lässt. Neben dem symmetrischen XLR-Ausgang befinden sich dort auch Ground-Lift- und Phase-Schalter, die vor allem im Studio oder bei problematischen Live-Setups schnell hilfreich werden können. Dazu kommt ein schaltbarer Ausgangspegel mit 0 dB oder -20 dB.
Spannender sind allerdings die eigentlichen Klangoptionen. Mit dem Cab-Schalter lässt sich bestimmen, ob die simulierte Box eher offen oder geschlossen reagieren soll. Außerdem stehen unterschiedliche Speaker-Charakteristiken mit „Alnico“- oder „Ceramic“-Voicing bereit.
Der „Mic“-Schalter verändert die virtuelle Mikrofonposition vor dem Lautsprecher, also eher mittig oder weiter außen vor der Membran. Zusammen mit dem Presence-Schalter ergeben sich dadurch auch ohne IRs oder Editor-Software einige Möglichkeiten zur Anpassung des Sounds.
Rückseite
Auf der Rückseite sitzt rechts ein kleines orange umrandetes Anschlussfeld mit einer Buchse für den Amp und einer weiteren zum Anschluss einer Box. Bei der Impedanz zeigt sich das PurePath erfreulich flexibel: Es können Speaker mit einer Impedanz von 2 bis 16 Ohm betrieben werden. Über einen direkt oberhalb der Buchsen sitzenden Schalter lässt sich die gewünschte Impedanz einstellen.
Über „Load Select“ entscheidet man, ob das PurePath komplett lautlos arbeitet oder zusätzlich noch eine externe Lautsprecherbox mitlaufen soll.
Insgesamt wirkt das Ganze angenehm unkompliziert und erinnert eher an Zubehör für einen Röhrenamp als an modernes Computer-Equipment.
In der Praxis
Für den Praxis-Check habe ich ein Bad Cat Ozelot Röhren-Top beziehungsweise dessen Boxenausgang mit dem PurePath verbunden. Über die XLR-Buchse auf der Vorderseite wurde das symmetrische Signal dann direkt an mein UAD-Interface geleitet.
Wichtig dabei: Der PurePath reagiert sensibel auf die verwendete Verkabelung. Erst mit einer vollständig symmetrischen XLR-Verbindung arbeitete das Gerät im Test korrekt und die verschiedenen Klangschalter griffen tatsächlich hörbar ins Geschehen ein.
Danach wird allerdings schnell klar, dass Bad Cat hier einen vollkommen anderen Ansatz verfolgt als moderne IR-Loader oder digitale Cabinet-Simulationen mit ihren schier endlosen Bearbeitungsmöglichkeiten.
Der Sound des Bad Cat PurePath wirkt überraschend roh und direkt. Statt eines bereits „fertig produzierten“ Gitarrensounds liefert das Gerät eher das Gefühl einer sehr unmittelbaren Direktabnahme des Verstärkers. Der Charakter des Ocelot-Tops wird dabei nahezu unverändert an die Ohren transportiert. Der Verstärker klingt mit angeschlossener Box kaum anders.
Das dürfte vor allem Puristen gefallen, die den Sound ihres Amps möglichst unverändert erhalten möchten.
Gleichzeitig fehlt dem Sound dadurch aber auch ein Teil der räumlichen Tiefe und „Geschmeidigkeit“, die man von guten Impulsantworten oder einer sauber mikrofonierten Gitarrenbox kennt. Besonders im direkten Vergleich mit echten Lautsprechern wirken viele Sounds etwas kratzig und relativ mittig abgestimmt.
Die verschiedenen Schalter verändern den Klangcharakter zwar hörbar, die ehrliche und direkte Ausrichtung des Bad Cat PurePath bleibt allerdings immer erhalten.
Weiterhin fällt auf, dass die Unterschiede zwischen „Open“ und „Closed Back“, den verschiedenen Speaker-Voicings oder den Mikrofonpositionen deutlich subtiler ausfallen als bei vielen digitalen Lösungen. Das PurePath möchte offensichtlich weniger unzählige Cabinet-Varianten simulieren, sondern vielmehr das grundsätzliche Verhalten des angeschlossenen Verstärkers bewahren.
Witzig ist außerdem das Verhalten des mechanischen Lüftersystems im Innern des Gehäuses. Tatsächlich beginnt der Lüfter bereits bei einzelnen Anschlägen sichtbar zu arbeiten und reagiert unmittelbar auf Dynamik und Lautstärke des Verstärkers. Sobald die Saiten ausklingen, verlangsamt sich auch die Bewegung im Gehäuse wieder, bis der Rotor schließlich stillsteht.
Genau hier wird plötzlich sehr greifbar, was Bad Cat mit dem mechanischen Reactive-Load-Konzept eigentlich erreichen möchte.
Das Bad Cat PurePath verhält sich eben nicht einfach wie eine passive Dummy-Load oder ein klassischer IR-Loader, sondern reagiert physikalisch auf die Arbeit der Endstufe. Allein diese ungewöhnliche Konstruktion macht das Gerät bereits zu einer ziemlich spannenden Alternative im mittlerweile doch recht überfüllten Markt der digitalen Loadboxen und Speaker-Simulationen.
Bad Cat PurePath Klangbeispiele
Das Setup für die Klangbeispiele erwähnte ich bereits weiter oben: Bad Cat Ozelot-Top, PurePath direkt über den symmetrischen Ausgang in das Recording-Interface.
Ich habe ein sehr ähnlich klingendes Riff eingespielt und dieses mit unterschiedlichen Einstellungen des PurePath aufgenommen. So lassen sich die Unterschiede der einzelnen Modi recht gut nachvollziehen.
Zum Einspielen der Tracks wurde eine Fender US-Strat verwendet.
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Liebe Katze, gell?! 😎
‚direkt und roh‘ – es würde mich schon interessieren, was in dem kistchen für eur 500 außer ein bisschen EQ technisch tatsächlich drin ist. vielleicht wurde bei der konzeption ja sogar ein voodoo-berater zugezogen?