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Test: Bastl Instruments Thyme, Digital Tape Machine

Ein Preset-Sequencer, um sie aufzumischen

Damit kommen wir schon zur ersten Eigentümlichkeit des Bastl Instruments Thyme – eine Bank besteht nicht nur aus den 8 Presets, sondern auch aus vier Pattern à 32 Steps. Wie geht sich das aus? Nun, der Thyme ist in der Lage, die Presets einer Bank zu sequenzieren. Die Sequenzen sind aufgeteilt in 8 Haupt- zu je 4 Sub-Steps und werden über das Clock-Signal getriggert – ein Preset-Sequencer sozusagen. Die Clock kann dabei intern mit einem Tap-Button festgelegt werden, von einem analogen Trigger oder von einer MIDI-Clock kommen. Läuft die interne Clock, werden am MIDI-Ausgang auch Clock-Signale ausgegeben.

Die vier Pattern Buttons

Die vier Pattern-Buttons

Beim Erstellen der Pattern kann man die Abfolge entweder per Hand zur Laufzeit „einspielen“ oder aber in einem Step-Modus die Steps nacheinander platzieren. Da es acht Haupt-Steps gibt, die in einem Takt abgespielt werden, hat man es mit einem 8tel-Pattern zu tun. Jeder dieser Haupt-Steps ist dann noch in 4 Sub-Steps unterteilt, so dass man im Endeffekt auf trendige 32tel-Steps kommt. Damit lassen sich eben sehr gut Stottereffekte und schnelle Wechsel realisieren. Beim Eingeben der Pattern ist mir aufgefallen, dass die Steps manchmal nicht beim ersten Drücken übernommen werden, so dass man manchmal ein wenig verunsichert ist.

Ein Pattern besteht aus acht Hauptsteps, die in vier Substeps unterteilt sind

Ein Pattern besteht aus acht Haupt-Steps, die in vier Sub-Steps unterteilt sind

Pro Bank kann man vier solcher Pattern speichern und über die vier weißen Taster auf der linken Seite wechseln. Der Wechsel erfolgt sofort und macht an derselben Zählzeit des nächsten Patterns weiter. Es gibt keine „wait-to-end“-Funktion. Auch werden die neuen Parameter nicht langsam überblendet, sondern ändern sich abrupt. Die Delay-Engine sorgt allerdings dafür, dass es zu keinen harten Brüchen im Klang kommt.

Im Beispiel hört man deutlich, dass der Bastl Thyme sich allein dadurch von anderen Delays abhebt. Man kann ihn tatsächlich „spielen“

Hier sind die Roboter beim Bastl Instruments Thyme

Damit hat man schon ein mächtiges Werkzeug, um den Delay-Sound zu animieren. Allerdings ist das nur die zweite Ebene der Animation. Jedes Preset besitzt nämlich für jeden der neun Parameter einen sogenannten „Robot“, sprich Modulator! Über Robot-Select und Bewegen des Parameter-Potis wird der Robot ausgewählt und kann dann in Frequenz (die natürlich zur Clock synchron sein kann) und Amplitude eingestellt werden. Es stehen mehrere Schwingungsformen zur Verfügung, die alle über den doppelbelegten RATE/SHAPE-Parameter zusätzlich verändert werden können. Eine Abbildung aus dem Handbuch veranschaulicht das.

Die Oszillator-Modi des Bastl Thyme

Die Oszillator-Modi des Bastl Thyme

One-Shot Decay nimmt eine Sonderstellung ein und eignet sich vor allem für Sequenzen. Bei der Aktivierung des Presets wird er einmal durchlaufen und sinkt danach auf null.

Es gibt aber noch zwei andere Robot-Optionen: ENV holt leitet eine Hüllkurve aus dem Audioeingang ab und CV holt sich den Parameterwert vom externen CV-Eingang.

Jeder Robot hat zudem eine Stereo-Funktion, die für jede Art (Schwingungsform oder ENV, z. B.) ein wenig anders ist. Ist diese aktiviert, so wird z. B. die Dreiecksform phaseninvertiert auf den rechten und den linken Kanal angewendet. Wenn also Coarse für links auf dem Maximum ist, ist es für rechts auf Minimum.

Klang des Bastl Instruments Thyme

Bis hierhin liest sich das alles wie ein Traum von Delay, für den 522,- Euro auch nicht übermäßig viel erscheint. Nach dem Erstellen der Klangbeispiele bleibt bei mir allerdings ein zwiespältiger Eindruck zurück. All die Modulationen und Sequenzen bieten natürlich unglaubliche Möglichkeiten – jedoch ist der gesamte Klangcharakter des Bastl Instruments Thyme für meinen Geschmack viel zu sehr mit digitalen Artefakten behaftet.

Das mag zwar „modern“ klingen, schränkt aber den Einsatzbereich erheblich ein. Denn diese Artefakte treten auf, sobald man anfängt zu modulieren oder Sequenzen zu nutzen. Nur bei einfachen Einstellungen klingt der Thyme wirklich „rund“. Schaut man sich die Historie des Herstellers an, sollte aber auch klar sein, dass das eben kein Designfehler ist, sondern bewusst genauso konzipiert ist. Um den Eigenklang des Thyme besser herauszuarbeiten, habe ich lediglich mit einem Arpeggio und einem Beat gearbeitet.

Fazit

Und das führt mich wiederum erneut zu einem zwiegespaltenem Fazit. Der Bastl Instruments Thyme hat einen hohen Spaßfaktor und ist ein äußerst kreatives Delay-Werkzeug, dem man auch Synthesizer-Töne entlocken kann. Es ist so was wie das Schweizer Taschenmesser der Delays. Von daher sollte es ein sehr gutes Urteil geben.

Aber – und dieser Strich dient nur der Emphase – klanglich muss man wissen, worauf man sich einlässt. Wer sahnig glatte, ohrenschmeichelnde Delays erwartet, wird vom Thyme vielleicht enttäuscht sein. Sobald man die verschiedenen Animationen nutzt, tut sich unweigerlich die (gewollte) digitale Natur des Gerätes auf. Und ab da ist es dann eine Geschmacksfrage.

Entscheidend für meine Beurteilung ist daher, was der Hersteller selber sagt. Und Bastl Instruments hält nicht damit hinter dem Berg, dass es sich eben nicht um eine Emulation eines analogen Tape-Delays handelt, sondern betitelt das Gerät folgerichtig mit Digital Tape Machine. Obwohl ich Aliasing Tape Machine treffender gefunden hätte. Deswegen und nach dem nochmaligen Anhören der Beispiele, dennoch ein gutes Fazit (allerdings mit einer Tendenz nach oben), denn hier wird zumindest kein Etikettenschwindel betrieben. Trotzdem hätte ich mir bei dem Preis beides gewünscht : runden Klang und wahlweise digitale Artefakte.

Plus

  • Preset-Sequencer ermöglicht lebendige Sequenzen
  • jeder der neun Parameter kann moduliert werden
  • Tape-Speed und Fine-Tune sind V/Oct steuerbar

Minus

  • Aliasing steht zu sehr im Vordergrund
  • Stereoeingang benötigt Y-Kabel
  • letzte paar Grad beim Filter ändern nichts mehr am Klang
  • erste paar Grad bei Robot Amount bewirken nichts (erst ab 9 Uhr)
  • groß gedrucktes Logo auf der Oberfläche etwas unübersichtlich

Preis

  • Ladenpreis: 522,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    tomk  

    EiJeiJei … das hört sich ja alles gar grausig an. Hatte das Gerät eigentlich auf dem Schirm, aber wenn man als Hersteller mit solch Bepreisung in die Boutique-FX-Box Ecke will, dann muss der Klang stimmen!!! Und gerade bei Modulation wird ja so ein Kästchen erst interessannt!
    Fazit: Bastelspaß mit Onkel Karl, für ein ProGerät suchen Sie bitte den gut sortierten Fachhandel auf.

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    electro3000  

    Wie so viele ’neue‘ Geräte auch hier: völlig nutzlos und unwichtig >. Wie viele komische kleine Kästchen sollen sich die Leute denn noch hinstellen? Punkt.. ;-(

    Nutze Logic 10.14 mit Macbook Pro – mit Logic kann man alles viel verrückter und geiler machen, was hier als ’neu‘ oder anders verkauft wird… lächerlich, das Ding ist reine Zeitverschwendung ! Sorry

    • Profilbild
      tomk  

      Soll sich jeder hinstellen was er will, und was der individuellen Kreativität förderlich ist!
      Denke aber dass solch ein Gerät nur durch Klangqualität und Steuermöglichkeit punkten kann, alles andere baut man sich im Rechner, oder auch in Verbindung mit einem Modular.

      Bastel Keaton trifft es für meinen Geschmack auf den Punkt!!!

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    electro3000  

    Mit ‚komischen‘ Kisten meine ich ausdrücklich NICHT Korg Volcas usw… – Selbst mit einem Roland VR-09 und der völlig abgedrehten „Effektsektion“ links kann man mehr crazy Sachen machen oder Atonales…. Voll daneben!!!

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    dr w  

    schoen dass die geschmaecker so unterschiedlich sind!
    ich find das ding total hammer und es wird einen ehrenplatz in meiner batterie von weirdo effekten bekommen. direkt neben erica synths fusion box, catalin breads csidman, crazy tube circuits stereo splash und den snazzy fx pedalen.
    <3
    ich finds immer schoen wenn sich eine firma traut seltsame effekte auf den markt zu bringen.
    fuer noch nen chorus, noch nen verzerrer und noch ne tape-delay-simulation hab ich einfach keine verwendung...

    guckt euch doch mal das bastl video destructive looping (oder so aehnlich) an! den experimentellen musikern unter euch duerfte da das wasser im munde zusammenlaufen....

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      Numitron  

      Bin ein großer freund von bitcrushern.
      Ist ja gut, wenn es mehr auswahl gibt.
      Aber eine kleine klinke als pedalanschluß?
      Gibt es pedale mit einer kleinen klinke überhaupt?
      Adapter von großer klinke auf kleine sind selten.

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    banalytic

    finde die abwertenden kommentare zum teil sehr befremdlich „völlig nutzlos und unwichtig“, „überflüssig wie ein kropf“ – so what?
    Ich denke BASTL spricht damit v.a. musikerInnen an, die eher auf der experimentellen schiene unterwegs sind bzw. den thyme auch im modularkontext verwenden.
    den text zum test finde ich durchaus ok und ausgewogen, nur mit dem soundbeispielen ist mE nur wenig anzufangen. Abgesehen davon, dass ich die immer selbe sequenc nervend finde, frage ich mich auch, wie sinnvoll es ist, bei so einem gerät jeden effekt mehr oder weniger von dry zu wet runterzuspulen. der thyme ist viel zu komplex als daraus irgendwelche rückschlüsse auf den gesamtsound machen zu können. würde wie dr w empfehlen entsprechende videos und soundbeispiele im netz anzuhören.
    Etwa: https://soundcloud.com/search/sets?q=thyme%20BASTL

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      tomk  

      – Die einzig guten Sound/Videobeispiele die ich finde sind von Bastl himself!
      – Experimentelle Schiene setzte ich jetzt nicht automatisch mit Lo-Fi gleich. Warum auch?
      – UND gerade im Modularkontext sehe ich Thyme nicht, dafür hat es viel zu wenig CV Eingänge. Dann doch bitte einen Hunderter mehr und das Strymon Magneto ins Rack. Da stimmt dann auch der Klang, und das andere patcht man sich so wie man will.
      – Das die Regler keine Midi CC senden finde ich dubios.

      Das Kästchen macht mir so ein bißchen den Eindruck einer „Autechre in one Box“ Hoffnung.

      Mein persönliches Fazit:
      Interessant durchaus, aber mehr wie 200€ würde ich dafür nicht ausgeben.

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      digital-synthologie  AHU

      Warum spricht Bastel damit Musikerinnen an? Was ist denn an dem Gerät speziell auf Frauen ausgerichtet? Und warum muss man überhaupt Geräte für Männer oder Frauen machen?

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        Wellenstrom  AHU

        @ digital-synthologie

        Beziehst du das auf die Aussage von banalytic? Denke, da interpretierst Du etwas falsch. Das zweite I in MusikerInnen schrieb er bewusst groß. Er wollte damit wohl nur „Musiker und Musikerinnen“ abkürzen.

        @ banalytic
        Übrigens empfinde ich diese Dünnhäutigkeit anderen Meinungen gegenüber oftmals befremdlich. Hier beleidigt ja niemand die Mütter von denjenigen, die posten. Hier geht es um Geschmacksfragen und darum, wieviel man bereit ist, für die Kiste auszugeben, und um sonst nix. Auch als jemand, der gelegentlich gern mal experimentell unterwegs ist, MUSS ich Bastl Thyme nicht mögen, obwohl mir die Firma und deren Ansätze generell sehr sympathisch sind. Delays, bzw. rhythmische Filtereffekte in Kombi usw. gibbet doch mittlerweile wie Eis in der Tüte.

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      electro3000  

      Stimmt… Wellenstrom! Die viel wenigeren aber längeren Soundsequenzen von „thyme BASTL“ auf SoundCloud snd schon mal wesentlich aussagefähiger ! Trotzdem finde ich die Kiste unwichtig – wieso ist man „dünnhäutig“, wenn man was nicht gut findet???

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        Wellenstrom  AHU

        „Dünnhäutig“ bezog ich dabei auf den Kommentar von banalytic. „Befremdlich“ finde ich es, wenn man Kommentare, die eine eindeutige Meinung zu einem Produkt wiedergeben, die nichts anderes aussagen, als dass das Produkt beim kommentierenden Betrachter keinen großen Anklang findet, als „befremdlich“ bezeichnet, und dann mal gleich den Mitpostern unterstellt, nix mit Experimentalmusik am Kopf zu haben., nur weil man selbst dieses Produkt für den Heiligen Gral seiner eigenen zukünftigen Tracks hält.

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    Tolayon  

    Also für den Preis finde ich die Kiste tatsächlich unterbestückt. Da hätte man zumindest für die Traditionelleren noch eine sahnig-fette Analog-Tape-Echo-Emulation mit einbauen können; die Progressiven könnten sich dann weiterhin an der bereits integrierten „Bitcrusher“-Version erfreuen.

    Zum Vergleich:
    Das RE-20 von Roland gibt es für nicht einmal die Hälfte des Preises vom Thyme, aber dafür ist es auch relativ brav-konventionell – und mehr auf die Fußtreter-Zunft zurechtgeschnitten.

    Allerdings:
    Wenn ich „Bastl“ lese und dazu noch die Hardware-Spezifikationen zum Thyme, kommen mir sofort Rasperry Pi und Co. in den Sinn. Mit einigem Programmier-Geschick und etwas zusätzlicher Hardware kann sich damit im Prinzip jeder sein eigenes „Traum-Echo“ zurechtbasteln, wobei ich allerdings befürchte, dass Anfänger-Emulationen noch grausiger klingen dürften als das, was der Thyme abliefert.

    • Profilbild
      Everpure  

      Naja, also „jeder“ kann sich bestimmt nicht so ein Effektgerät selber bauen und programmieren. Dazu gehört schon einiges an technischem Wissen und Können. Sonst gäbe es ja schon längst haufenweise DIY Equipment…

  7. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Die Überschrift machte mich schon neugierig, aber je weiter ich im Text kam, desto weniger gefiel mir das Teil. Features wie CV-gesteuertes Tape-Speed oder der Sequencer sind zwar theoretisch interessant, verlieren beim Bastl aber viel in der Praxis. Ich stehe da mehr auf mein Strymon El Capistan…

  8. Profilbild
    lightman  AHU

    Geil digital, feiner Noise, so gefällt mir das. Wohl nix für Wohlklangsucher, muß ja auch nicht sein, Samt und Seide war nie mein Ding. Seit Jahren verfolge ich den Werdegang der Bastl-Leute, und obwohl die Sache manchmal schon einen kleinen Hipsterbart hat, kriegen sie mich immer wieder mit ihren lustigen Kistchen, den albernen Videos und ihrem Englisch mit tschechischem Akzent. Irgendwie sympathisch verrückt, oder verrückt sympathisch, aber auf alle Fälle nicht langweilig.

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