Kultiges Boutique-Delay mit ungeahnten Möglichkeiten
Was ist es? Beetronics Pollinator, digitales Boutique-Delay-Pedal für modulierte und gefilterte Echo-Sounds mit acht verschiedenen Modi.
- Sounds: Acht Modi mit Filter- und Tremolo-Varianten erzeugen ungewöhnliche, modulierte Delay-Texturen.
- Klangdesign: Kombination aus Filter, Tremolo, Oktaver und Delay sorgt für lebendige, sich ständig verändernde Wiederholungen.
- Bedienung: Klassisches Vintage-Layout mit übersichtlichen Reglern für Time, Feedback, Mix und Modulation.
- Einschränkungen: Keine MIDI-Steuerung, keine Presets und keine Tap-Tempo-Funktion.
- Charakter: Kreatives Boutique-Delay mit großem Soundpotenzial für experimentelle Ambient- und Modulationseffekte.
Inhaltsverzeichnis
Flattern neue Testobjekte des Boutique-Herstellers Beetronics ins Haus, kommt beim Auspacken stets Freude auf. Das Design wirkt absolut liebevoll und gleichzeitig kultig. Der Beetronics Pollinator, ein Delay-Effekt, der modulierte und gefilterte, sich ständig verändernde Delay-Texturen in vielen Varianten liefert, ist designmäßig wieder einmal ganz weit vorn. Schauen wir, was er abseits der äußeren Werte noch alles kann.
Beetronics Pollinator – Facts & Features
Der Beetronics Pollinator ist das erste vollständig digitale Effektpedal der amerikanischen Pedalschmiede. Neulich testeten wir bereits das Bee Bee Dee Delay, nun ist der Pollinator an der Reihe. Wer die Produkte des amerikanischen Boutique-Herstellers bereits kennt, weiß, dass sämtliche Produkte mit Namen versehen wurden, die immer etwas mit Bienen zu tun haben.
Zur Wahl stehen insgesamt acht verschiedene Modi, die ein weit gefasstes Spektrum möglicher Echo-Variationen abrufen. Davon durchlaufen die Modes 1 bis 4 zuerst eine modulierende Filterschaltung, die Modes 5 bis 8 eine zusätzlichen Tremolo-Stage. Anschließend geht es in einen gemeinsamen Delay-Schaltkreis, der wahlweise „normale“ Delays, Octave Up, Forward- oder Reverse-Delay-Sounds erzeugt. Dadurch kann sich jede Wiederholung verändern und somit noch lebendiger werden.
Die Form des Gehäuses (Pultstil) erinnert an frühe Effektpedale aus den 60er-Jahren (Fuzz, Booster etc.). Der „Fußschalter“ ist erfreulicherweise ein Taster und folglich „knackfrei“ beziehungsweise geräuschlos. Beim Betätigen sendet er lediglich einen Impuls an ein winziges Elektronengehirn, das anschließend relaisgesteuert den Effekt in den Signalweg schaltet.
Die Verarbeitung ist im Wesentlichen ausgezeichnet. Die Unterseite der Deckplatte aus Aluminium fühlt sich jedoch etwas scharfkantig an. Beim Preis und Anspruch des Herstellers ist das eigentlich ein No-Go. Die Stromversorgung erfolgt linksseitig über die übliche Schnittstelle (Hohlsteckerbuchse 5,5 × 2,1 mm, Minuspol innen). Das Pedal besitzt erwartungsgemäß True-Bypass.
Signalweg
Das trockene Signal wird zunächst wahlweise von einem Filter oder Tremolo bearbeitet und anschließend in das Delay geschickt. So lassen sich sehr interessante Sounds realisieren, die mit klassischen Delays wenig zu tun haben. Wirklich neu sind sie allerdings auch nicht.
Regler
In der Mitte des Bedienpanels finden wir einen Drehschalter mit acht Stellungen (1–4 Filter, 5–8 Tremolo), der den gewünschten Charakter des Delays anwählt. Der Knopf erinnert an die Bedienelemente alter Vintage-19-Zoll-Geräte. Auch das Design des Bedienpanels und die Auswahl der Knöpfe wirken insgesamt klassisch.
TIME
Bestimmt erwartungsgemäß die Verzögerungszeit, die aufgrund digitaler Komponenten durchaus beträchtlich werden kann.
FDBK (Feedback)
Regelt die Anzahl der Wiederholungen. Dreht man den Regler weit auf, kann man das Pedal bis in die Selbstoszillation treiben.
MIX
Bestimmt den Anteil des Effekts im Ausgangssignal. Dreht man den Regler über die 12-Uhr-Marke hinaus, wird der Effektanteil lauter und das Originalsignal (Dry) leiser. Das Poti ist also eigentlich ein Balance-Regler zwischen dem unbearbeiteten (Dry) und dem Effektanteil (Wet). Man kann das nutzen, um das Originalsignal vollständig aus dem Ausgangssignal zu eliminieren. Das erzeugt interessante Klangvariationen.
MOD
Die Funktionen der Regler findet man grundsätzlich auch bei jedem gewöhnlichen Modulation-Delay. Hier bewirkt der MOD-Regler allerdings deutlich mehr als nur eine Pitch-Modulation des Wet-Signals.
Leider wurde dem Pedal keine MIDI-Funktion implementiert. Auch die Möglichkeit, Presets zu speichern, sucht man vergebens. Das bedeutet, dass die sicherlich großartigen Sounds lediglich Momentaufnahmen bleiben und sich nicht exakt reproduzieren lassen.
Mit einer Tap-Funktion ausgestattet, könnte man auf der Bühne wenigstens das Songtempo aufpicken, um die Delays mit dem Beat zu synchronisieren. Auch darauf müssen wir verzichten. Das ist für mich der einzige Minuspunkt des Pedals.
Die Studio-Rats hatten den Pollinator auch schon in den Fingern:
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Sound
Hören wir uns die acht Modi einmal an:
Steht der Drehschalter auf 1, erhalten wir warme, gefilterte Delay-Trails, die entfernt an einen Rotary-Effekt erinnern. Durch Experimentieren mit den Delay-Zeiten und dem MOD-Regler erhält man unzählige weitere Klangvarianten.
Stellung 2 liefert ein gefiltertes und oktaviertes Delay-Signal, das aus nur einer Note eine ganze Klangsphäre macht.
Der folgende Sound besitzt eine gewisse Wah-Wah-Komponente. Das Filter moduliert hier jedoch bestimmte Frequenzen etwas dezenter.
Hier mit Vocoder-ähnlichen Sounds mittels der Filterfunktion.
Kommen wir zur Modulation mithilfe des Tremolos, wobei hier auch Filter und Oktaver im Spiel sind.
Hier sind Filter, Tremolo und Delay im Spiel, allerdings kein Oktaver:
Der folgende Sound ist schön „spacey“. Er bietet recht viele tremolierte Wiederholungen und arbeitet die Akkordbestandteile arpeggioartig mithilfe des Oktavers ab.
Dezentere beziehungsweise klassisch orientierte Delay-Sounds erhält man, wenn man den MOD-Regler nahezu vollständig zurückdreht oder nur sehr leicht aufdreht. Das kann „die Maschine“ also auch. Dann nutzt man ihr Potenzial allerdings sicher nicht vollständig aus.
Signalweg: Suhr Classic Stratocaster (SSH) – Beetronics Pollinator – Peavey Classic 20 Minihead – MESA/Boogie 1×12″ Thiele-Box mit Creamback-Celestion-Lautsprecher – Sennheiser e906 – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic.



































Das gefällt mir wirklich.
Sehr gute Soundbeispiele übrigens. Wieder für jeden was dabei.