What you sea is what you'll bee
Das Beetronics Seabee Lite ist die reduzierte Ausgabe des Seabee Harmochorus, dessen Komplexität dem einen oder anderen möglicherweise etwas zu viel des Guten war. Jetzt haben wir drei Regler, drei Schalter und zwei Fußtaster. Dann kann es ja ganz entspannt losgehen. Uns erwartet hoffentlich ein satter analoger Chorus-Sound.
Worum geht es?
- Beetronics Seabee Lite: Ein kompakter Chorus mit analogem Signalweg und digitaler Preset-Verwaltung.
- Sound: Warmer Chorus, Vibee-Mode und kreative Wobble-Sounds sorgen für viel Charakter.
- Bedienung: Drei Regler, drei Switches und zwei Fußtaster machen das Konzept praxisnah.
- Features: Stereo, MIDI, CV-Steuerung und 16 Presets erweitern den Einsatzbereich deutlich.
- Fazit: Genialer Analog-Chorus für Spieler, die klassische Sounds und kreative Modulation verbinden wollen.
Beetronics Seabee Lite – der erste Eindruck
Von der Größe her hat das Beetronics Seabee Lite auf den ersten Blick nichts eingebüßt. Das ist aber auch gut so, denn einer der Kritikpunkte am Seabee Harmochorus war, dass die Bedienbarkeit unter der kompakten Oberfläche litt. Hier ist jetzt richtig Platz vorhanden.
Leider befinden sich die Anschlüsse aber weiterhin an den Seiten, was die Montage auf einem Pedalboard nicht unbedingt erleichtert.
Das Beetronics Seabee Lite ist äußerst robust, quasi unzerstörbar konstruiert und zeigt die typische Handschrift der abgefahrenen Bienen aus Kalifornien. Das Pedal ist, wie bei Beetronics üblich, in mehreren Designs erhältlich. Mir steht die Variante „Cream“ zur Verfügung, die mit mintgrünen Knöpfen und dezentem Farbdesign überzeugt.
Kurz aus dem Karton direkt in den Loop des Kempers gepackt und in Stereo in die DAW gespielt, kann das so klingen:
Facts & Features
Der Beetronics Seabee Lite Chorus basiert auf einer Bucket-Brigade-Schaltung mit vollständig analogem Signalweg. Digitale Technik kommt nur dort zum Einsatz, wo sie notwendig ist, nämlich beim Speichern von Presets und bei den Controller-Daten. Der Sound lässt sich dadurch schnell und unkompliziert verändern, ohne dass man sich erst durch umfangreiche Bedienungsanleitungen arbeiten müsste.
Mit den drei Modulationsmodi Flangee, Classic und Wobblee ist die Basis gesetzt. Alle drei Modi sind über einen Minischalter erreichbar, der sich mittig zwischen den drei Kippschaltern befindet.
Zwei weitere Schalter mit übrigens sehr satt einrastenden Stellungen entscheiden darüber, ob das Pedal als Chorus oder Vibee arbeitet und ob der komplette Frequenzbereich bearbeitet wird oder alternativ ein Bandpass- beziehungsweise Highpass-Filter eingesetzt wird, das ausschließlich auf das Effektsignal wirkt.
Wichtig zu wissen ist, dass sich der Chorus- und der Vibee-Mode lediglich durch den Anteil des bearbeiteten Signals unterscheiden. Beim Chorus wird das Signal fest im Verhältnis 50/50 bearbeitet, während der Vibee-Mode zu 100 % ins Geschehen eingreift.
Bis zu 16 Presets lassen sich im Gerät speichern und abrufen. Im Live-Mode sind diese allerdings nicht direkt erreichbar. Hierzu muss das Beetronics Seabee Lite zunächst in den Preset-Mode versetzt werden. Dazu drückt man beide Fußtaster gleichzeitig, bis die Kette aus vier LEDs zu blinken beginnt. Anschließend schaltet man mit dem linken Fußtaster durch die vier Modi Rot, Grün, Orange und Gelb, wobei Rot und Gelb bereits über insgesamt acht Werks-Presets verfügen, die selbstverständlich überschrieben werden können.
Regelbar sind die Parameter Feedback, Rate und Depth, deren Einstellungen mittels zweier LEDs visualisiert werden. Der linke Fußtaster dient als Tap-Tempo-Basis, während der rechte den Effekt ein- und ausschaltet.
Beide Fußtaster besitzen zusätzlich eine zweite Funktion. Der linke steigert bei gedrücktem Taster die Geschwindigkeit des Effekts, der rechte nutzt die Hold-Funktion, um den Effekt kurzfristig zu intensivieren.
Etwas verwirrend wirkt zunächst die Beschriftung der Fußtaster. Deren Bezeichnung befindet sich nämlich nicht direkt am jeweiligen Taster, sondern am unteren Ende der Designplatte – genau dort, wo sich auch die Pfeile für In- und Output befinden. Um die Verwirrung komplett zu machen, ist die zweite Ausgangsbuchse schlicht mit „Stereo“ bezeichnet. Hat man sich hier einmal orientiert, ist jedoch alles in bester Ordnung und es kann losgehen.
Das Beetronics Seabee Lite ist MIDI-fähig und kann externe CV-Steuerdaten verarbeiten. Dazu befindet sich an der rechten Gehäuseseite ein „Multi Jack“, also eine TRS-Buchse, die zusätzlich ein Expression-Pedal und einen externen Tap-Tempo-Schalter akzeptiert.
Netzseitig wird ein 9 V/250 mA Netzteil mit negativem Center benötigt.
Bedienung
Dem Gerät liegt eine Bedienungsanleitung bei, was im Live-Mode eigentlich unnötig ist. Möchte man allerdings die bis zu 16 Presets nutzen, ist ein Blick ins Handbuch notwendig, das auch online verfügbar sein sollte. Ist es aber nicht.
So sehr man auf der Homepage auch sucht, man findet nichts. Es bleibt also nur, auf die Anleitung des großen Bruders, des Harmochorus, zurückzugreifen. Dieser bietet natürlich deutlich mehr Funktionen, die grundlegende Bedienung ist jedoch identisch.
Um ein Preset aufzurufen, müssen beide Fußtaster, die übrigens sehr leichtgängig sind und über keinen spürbaren Schaltwiderstand verfügen, gleichzeitig gedrückt werden. Die LED-Kette in der Mitte des Pedals beginnt zu blinken und man kann durch die vier Bänke mit jeweils vier Presets schrittweise schalten, indem man den linken oder rechten Taster betätigt.
Hat man das gewünschte Preset gefunden, beispielsweise grüne Bank, Preset 3, werden die Taster erneut gleichzeitig gedrückt und das Preset ist geladen.
Das Speichern eigener Presets funktioniert ähnlich einfach. Beide Taster drücken, diesmal jedoch gedrückt halten, bis die grüne Status-LED hektisch blinkt. Nun das zu überschreibende Preset per Taster auswählen und beide Taster erneut gleichzeitig gedrückt halten – fertig.
Die pulsierenden LEDs geben optisch zuverlässig Auskunft über die eingestellten Parameter. Das ist insofern wichtig, als die drei Drehknöpfe im Preset-Mode keine Aussagekraft besitzen, da die gespeicherten Werte vom aktuellen Reglerstand abweichen können.
Sound
Wer bis hierhin durchgehalten und brav alles gelesen hat, wird jetzt mit einigen der Werks-Presets belohnt, die in den Bänken Rot und Gelb versteckt sind. Wer den Artikel nicht aufmerksam gelesen hat, bekommt die folgenden Klangbeispiele gar nicht erst angezeigt. Also: Alles richtig gemacht.
Die Signalkette ist denkbar einfach:
Ich → Charvel Marco Sfogli Signature Guitar → Kemper Profiler mit Beetronics Seabee Lite im Stereo-Loop hinter der Amp-Sektion → iMac Pro mit Logic Pro 12































