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Test: Behringer 73 Preamp API 500 Modul

Neve 1073-Sound zum Taschengeldpreis?

25. August 2025
Behringer 73 Preamp API 500 Rack Aufmacher

Test: Behringer 73 Preamp API 500 Modul

Mit dem Behringer 73 Preamp bringt der deutsche Hersteller eine preisgünstige Alternative zum legendären Neve-1073-Stil-Vorverstärker auf den Markt – und das im beliebten API-500-Series-Format. Ob für Mikrofon- oder Line-Signale: Der einkanalige Preamp verspricht klassischen Vintage-Klang mit moderner Ausstattung. Doch wie viel „Neve-DNA“ steckt wirklich drin – und lohnt sich der Kauf?

Kurz & knapp
  • Was ist es? Behringer 73 Preamp, Mikrofonvorverstärker im API-500-Format, preisgünstige Alternative im Stil des Neve 1073.
  • Verarbeitung: Kompaktes 500er-Modul mit robustem Aufbau und funktionalem Design.
  • Klang: Färbender, mittig-präsenter Sound dank diskreter Class-A-Schaltung und Midas-Übertragern.
  • Schwachstelle: Deutlich hörbares Knacken des gerasterten Gain-Reglers beim Einstellen.
  • Preis-Leistung: Gutes Angebot für Einsteiger in die 500er-Welt mit Vintage-Klangvorliebe, dennoch hat der Behringer 1273 ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bewertung

Behringer 73

Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Bewertung des Autors
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Behringer 73 Preamp

Erster Eindruck: Kompakt, robust, funktional

Behringer 73 Preamp Front

Der Behringer 73 Preamp kommt als solides 500er-Modul daher und passt problemlos in jede API-kompatible Lunchbox. Die Frontplatte ist übersichtlich aufgebaut: gerasterter Gain-Regler, Trim-Regler (-20 bis +5 dB) mit Push-Funktion für +48 V Phantomspeisung, beleuchtete Schalter für Phasenumkehr, Impedanzwahl (Hi/Lo) und die Wahl zwischen Front- und Rear-Eingang.

Eine LED-Kette oder gar ein VU-Meter zum Aussteuern sucht man allerdings vergeblich. Eine schnöde LED leuchtet beim Einsatz des Signals auf. Leuchtet sie rot, ist das Signal übersteuert. Das Gehäuse wirkt stabil und praxisgerecht, die Regler sind trotz der geringen Maße schön griffig und alles lässt sich gut bedienen.

Technik

Der Preamp liefert bis zu 80 dB Gain, was selbst für hochohmige Bändchenmikrofone ausreichen sollte. Dank diskreter Class-A-Schaltung und Midas-Ein- und Ausgangsübertragern verspricht Behringer einen angenehm färbenden, leicht mittig-präsenten Sound – genau das, was viele vom klassischen Neve-Style erwarten.

Besonders bei Vocals, Gitarren und Bass-Instrumenten möchte der Behringer 73 eine hörbare Wärme und Sättigung ins Spiel bringen. Wir vergleichen später den Behringer 73 Preamp mit einem normalen Mikrofonvorverstärker eines digitalen Mischpults, sodass ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen könnt.

Verwandtschaft

neve 1073 spx

AMS Neve 1073 SPX

Behringer hat bereits einen Neve-1073-Nachbau am Markt, nämlich den Behringer 1273 Dual Channel Preamp. Im Vergleich zum Behringer 1273 ist der Behringer 73 Preamp deutlich abgespeckt: Ihm fehlt nicht nur ein kompletter Kanalzug, sondern auch eine Klangregelung. Der Behringer 1273 verfügt über einen 3-Band-EQ im Vintage-Stil. Auch der Tone-Schalter fehlt, ebenso das Hochpassfilter.

Behringer_1273-KT_fr

Der Behringer 1273 ist außerdem ein 19”-Rackgerät und belegt dort zwei Höheneinheiten, während der Behringer 73 auf die kompakte Lunchbox im 500-Format zielt. Hier geht es – wie beim Aufbau eines modularen Synthesizers – darum, sich aus unterschiedlichen Komponenten den idealen Kanalzug selbst zusammenzustellen.

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Also: Ein Neve-Style-Preamp kombiniert mit einem Pultec-Style-EQ und einem SSL-Kompressor? Kein Problem. All das in einem sehr kompakten und äußerst transportablen Format.

Insofern stehen Behringer 1273 und Behringer 73 nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.

Neve 1073 – das Original

Rupert Neve, 2021 verstorben, war eine Ikone der Audiotechnik. 1964 entwickelte er mit seiner Firma das erste transistorbasierte Mischpult. Der berühmte 1073-Kanalzug, ursprünglich Teil der A88-Konsole für das Wessex Studio (1970), war nie als eigenständiger Preamp gedacht – wurde aber später zum Klangstandard und Symbol für den „British Sound“.

Zahlreiche Musiklegenden wie Queen, Bowie, Led Zeppelin, Elton John, Nirvana oder die Foo Fighters arbeiteten mit Neve-Konsolen. Auch die Air Studios auf Montserrat, gegründet von George Martin, waren mit Neve-Technik ausgestattet – genutzt von Größen wie Pink Floyd, The Police und den Rolling Stones.

Rupert Neve hat damals das Original mit Marinair-Übertragern ausgestattet. Diese kamen später auch im AMS Neve 1073, einem „offiziellen“ Nachbau des Neve 1073, zum Einsatz. In späteren Versionen wurden Carnhill-Übertrager verbaut. Die Übertrager haben einen großen Anteil am Sound des Neve 1073.

Neve 1073LB Modul Original Front

Das Vorbild des Behringer 73: Neve 1073LB Modul

Dass ein so berühmter Preamp den Weg ins API-500-Rack finden würde, versteht sich von selbst: Von Neve selbst gibt es den Neve 1073LB Preamp, dem der Behringer 73 nachempfunden ist. Das Neve-1073LB-Preamp-Modul ist intern ebenfalls mit Carnhill-Übertragern bestückt. Hier besteht der große Unterschied zum Behringer 73 Preamp, der mit Midas-Übertragern ausgestattet ist.

Praxis

Behringer 73 Preamp eingebaut

Leider kann ich den Behringer 73 nicht mit dem Original vergleichen, aber wer in dieser Preisklasse kauft, erhofft sich in der Regel zumindest eine klangliche Verbesserung zum simplen Mikrofonvorverstärker seines Audiointerfaces. Und genau das habe ich ausprobiert.

Das Eingangssignal wurde gesplittet und zweimal aufgenommen: einmal mit dem Behringer 73 und ein anderes Mal direkt mit dem Preamp eines Flow-8-Digitalmixers desselben Herstellers.

Doch zurück zur Aufnahme: Ich habe mit meiner Fender Telecaster ein kleines Funk-Riff gespielt. Die Telecaster ist extrem perkussiv mit deutlichen Transienten. Hier sollte sich also eine Färbung durch den Übertrager deutlich zeigen. Ich habe zu einem kleinen Track aus Drums und Bass aus der Logic-Bibliothek gespielt, um auch das Signal mal in einen kleinen Mix einzubetten.

Behringer 73 Preamp Praxistest mit Fender Telecaster

Außerdem wurden beide Aufnahmen identisch ausgesteuert und für einen kleinen Differenztest probehalber bei einer Aufnahme in Logic der Phase-Reverse-Schalter betätigt, sodass man die Differenz aus Behringer 73 und Behringer Flow 8 hören kann.

Leider fällt schon beim Einpegeln ein sehr großes Manko des Behringer 73 auf: Der gerasterte Gain-Regler schaltet leider alles andere als geräuschlos und das Knacken wird deutlich vernehmbar auf die Studiomonitore übertragen (oder auf die Kopfhörer des Musikers). Noch schlimmer: Es nimmt mit zunehmendem Gain im Pegel zu. Sehr unangenehm.

Klangbeispiele

Zunächst einmal die beiden Klangbeispiele ohne Kennzeichnung, was ihr da gerade hört. Das macht es doch gleich etwas spannender.

Und nun beide Klangbeispiele in einen Mix eingebettet und ohne Effekte:

In meinen Ohren klingt Demo 01 etwas dichter und dadurch auch trotz gleicher Aussteuerung lauter als Demo 02.

Am Ende noch einmal die beiden Klangbeispiele im Mix mit Effekten und Kompressor auf den Spuren:

Und zuletzt die Auflösung: Demo 01 wurde mit dem Behringer 73 Preamp aufgenommen, Demo 02 mit dem Behringer Flow 8. Hier hört ihr noch einmal die beiden Klangbeispiele sowie die Aufnahme mit Phase-Invert.

Alternativen

Golden Age Audio Premier PRE-73 DLX

Ebenfalls ein Neve-1073-Klon, allerdings im 9,5”-1HE-Rack-Format. Zusätzlich ist der Golden Age Audio Premier PRE-73 DLX mit einem Air-EQ und einem schaltbaren Hochpassfilter ausgestattet. Die Eingangs- und Ausgangsübertrager stammen von Carnhill.

Golden Age Audio Premier PRE-73

Wer etwas Geld sparen möchte, greift zum Golden Age Audio Premier PRE-73. Erneut kommen Carnhill-Übertrager zum Einsatz. Die Ausstattung ist leicht abgespeckt, der Air-EQ und das schaltbare Hochpassfilter sind dennoch vorhanden, allerdings besitzt das Hochpassfilter nur noch zwei mögliche Eckfrequenzen statt vier wie beim PRE-73 DLX.

Golden Age Audio Premier Pre-573

Und natürlich hat Golden Age auch eine Version für das API-500-Rack im Angebot.

Neve 1073LB Preamp

Wer Neve möchte, muss auch Neve kaufen. Das geht mit dem Neve 1073LB Preamp für das API-500-Rack. Der Preis für einen einzelnen Mikrofonvorverstärker ist aber nicht ganz ohne.

Behringer 1273 Preamp

Wer nicht auf das 500er Rackformat festgelegt ist, findet im Behringer 1273 Preamp die wohl beste Alternative für Einsteiger. Dieser verfügt nicht nur über zwei Kanäle und ermöglicht damit auch Stereoaufnahmen oder Multimikrofonie, sondern eben auch über einen 3-Band-EQ. Da der Behringer 1273 Preamp genauso viel kostet wie zwei Behringer 73, besitzt er eindeutig das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Klangbeispiele
Fazit

Für 229,- Euro bekommt man mit dem Behringer 73 einen soliden Preamp im API-500-Format. Der Behringer 73 Preamp kommt ohne Schnickschnack: kein EQ, kein Tone-Regler, kein Low Cut. Wer das möchte, muss zu anderen Kandidaten greifen.

Alternativen gibt es einige, unter anderem natürlich das Vorbild Neve 1073LB, das allerdings viermal mehr kostet als der Behringer 73 Preamp. Preislich interessanter ist hingegen für Lunchbox-Besitzer der Golden Age Audio Premier Pre-573. Hier muss jeder für sich entscheiden, wie viel ein Mikrofonvorverstärker kosten darf oder soll. Ob die klanglichen Resultate den Preisunterschied wert sind, ist natürlich eine weitere Frage, die sich jeder vor dem Kauf stellen sollte. Es lohnt sich in jedem Fall, einfach verschiedene Kandidaten zu bestellen und selbst Vergleichsaufnahmen anzufertigen. Allerdings benötigt man dafür viel Geduld, denn der Behringer 73 ist schon wieder nicht lieferbar und es kommt zu langen Wartezeiten.

Abschließend sei der Behringer 73 als gutes erstes Element der Signalkette vor allem Einsteigern in die Welt der API 500 Racks empfohlen. Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass der Behringer 1273 durch seinen integrierten EQ ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis besitzt. Studio-Cracks werden sich am laut hörbaren Knacken beim Schalten des Gain-Reglers stören und doch eher zum Original greifen als zum Behringer 73.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Midas-Übertrager

Minus

  • Knacken des Gain-Reglers im Signalpfad deutlich zu hören
  • Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum Behringer 1273

Preis

  • 229,- Euro
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Über den Autor
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Markus Galla RED

Studium Musik (Klavier/E-Gitarre) und Germanistik, Audio Engineer Diplom (SAE), seit 2009 freiberuflich selbstständig als Fachredakteur, Tontechniker, Musiker (Keyboarder und Gitarrist), Musiklehrer. Autor von "Tontechnik in der Schule" (Lugert Verlag), "Heavy Metal" (Lugert Verlag), Herausgeber und Co-Autor von "Amadeus 1" (Lehrbuch Musik für Gymnasien), Autor hunderter Fachartikel in Print- und Online-Medien

www.markusgalla.com

Referent/Workshop-Leiter für

- Beschallungstechnik ...

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    kinsast

    Und dann gibt’s dann noch ‚Alctron MP73A‘ – mit ziemlicher Sicherheit das selbe wie ‚Golden Age‘ und ähnliche Produkte – nur wesentlich günstiger – auch günstiger als das Behringer Produkt – und kein Knacken zu hören ….empfehlenswert!

  2. Mehr anzeigen
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