Analoger Drum-Synth im Test
Der Behringer BDS-3 ist ein 4-stimmiger, analoger Drum-Synthesizer nach dem Vorbild des Simmons SDS-3 aus dem Jahre 1978. Alle Eigenschaften des Originals wurden übernommen, wobei es auch ein paar moderne Features gibt. Ob der Behringer BDS-3 an den SDS-3 herankommt, wollen wir in unserem Testbeitrag herausfinden.
- Klang: Druckvolle Bass-Drums, harte Kicks und überzeugende Toms, besonders stark im Tieftonbereich.
- Bedienung: Sehr übersichtlich und intuitiv, mit identischen Kanälen und Fokus auf spontanes Arbeiten.
- Ausstattung: Vier Drum-Kanäle, LFO- und Run-Modulatoren sowie MIDI- und CV-Trigger, jedoch ohne Filter oder ADSR.
- Einschränkungen: Begrenzte Klangfarben bei Snare- und HiHat-Sounds sowie wenige CV-Eingänge.
- Fazit: Klangstarker Drum-Synthesizer mit Spaßfaktor, ideal für Fans des Originals und experimentierfreudige Einsteiger.
Inhaltsverzeichnis
Wichtiger Hinweis: Aus (vermutlich) rechtlichen Gründen wurde die Bezeichnung von „SDS-3“ zu „BDS-3“ geändert. Das mir vorliegende Testgerät trägt allerdings noch die Bezeichnung „SDS-3“. Zumindest eine Lieferung mit dem alten Namen scheint es also in den Verkauf geschafft zu haben.
Das Original: Simmons SDS-3
Der Simmons SDS-3 wurde von Dave Simmons entwickelt und war der erste kommerziell erhältliche Drum-Synthesizer auf dem Markt. Die Idee kam vom Schlagzeuger Baz Watts (Paul Young, Q-Tips, Adam Ant, Jon Foxx), der auch mit Dave Simmons in einer früheren Band spielte. Watts wollte etwas Neues und so bediente man sich an den Bauteilen eines ARP Odyssey und fügte diese mit Trigger-Pads zusammen. Doch das war noch nicht ganz die Geburt des Simmons SDS-3.
Erst später, während seiner Tätigkeit bei Musicaid in England, entwickelte Simmons ein ähnliches Gerät. Vier Drum-Stimmen und ein Rauschgenerator bildeten das Fundament der Simmons SDS-3.
Sequencer waren zwar im Jahr 1978 keine Neuheit mehr, jedoch waren sie für Schlagzeuger bis dato noch uninteressant und wurden vermutlich sogar eher als Konkurrenz angesehen. Somit besitzt die Simmons SDS-3 Mikrofoneingänge, um sie per Schlagzeugspiel zu triggern.
Später gab es dann auch nochmal eine Zweikanalversion, die SDS-4 und in den 80er-Jahren folgten weitere Modelle mit dem heutigen Markenzeichen von Simmons, den sechskantigen Drum-Pads.
Bands und Künstler wie The Police, Duran Duran, Rush oder Genesis nutzten eine Simmons SDS-3 in Songs und die Band Landscape arbeitete sogar direkt mit Dave Simmons an der Entwicklung.
Simmons stellte 1999 die Produktion ein, wurde dann aber 2005 von Guitar Center aufgekauft. Heute werden unter dem Namen Simmons moderne, elektronische Drum-Kits für kleine und große Budgets angeboten.
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Kernelemente des Behringer BDS-3
Der Behringer BDS-3 verfügt über vier identische Drum-Kanäle, die wahlweise über einen Mikrofoneingang oder MIDI getriggert werden können. Der Mikrofoneingang kann aber auch CV-Signale verarbeiten, womit sich der BDS-3 auch in jedes Eurorack-System integrieren lässt. Für jeden Kanal stehen sechs Regler zur Klanggestaltung zur Verfügung und jeweils einer, um den Eingang zu pegeln. Darauf werde ich im Verlauf nochmals genauer eingehen.
Das fünfte, wichtige Element ist die Master-Sektion. Hier lässt sich aber nicht nur der Pegel anpassen, es sind auch weitere Modulatoren untergebracht.
Auch wenn der Behringer BDS-3 die Bezeichnung „Drum-Synthesizer“ trägt, klangformende Elemente wie ein Filter oder eine klassische ADSR-Hüllkurve darf man hier nicht erwarten. Das Prinzip folgt dem Original: minimal, praktisch und leicht zu bedienen soll er sein.
Behringer BDS-3: Der erste Eindruck
Die Verarbeitung des Behringer BDS-3 ist identisch zu den meisten Behringer-Produkten in diesem Format. Für den Preis bekommt man eine durchaus gute Verarbeitung. Das 70 TE breite Modul sitzt lückenlos in einem stabilen Gehäuse und kann auch in größere Systeme eingebaut werden.
Die Bedienelemente bestehen aus 30 Drehreglern, 6 Schiebereglern und 20 Kippschaltern. Die Haptik schwankt erfahrungsgemäß bei Behringer-Produkten, beim BDS-3 empfand ich es als sehr angenehm, da der Widerstand nicht zu gering ist.
Im Lieferumfang befinden sich ein Flachbandkabel, zwei kurze Patch-Kabel, ein USB-A auf USB-B Kabel und das entsprechende 12-Volt-Netzteil.
Anschlüsse des Behringer BDS-3
Die Ein- und Ausgänge sind auf der Bedienoberfläche und auf der Rückseite verteilt. Pro Kanal sitzen auf der Oberfläche 3,5-mm-Klinkenbuchsen für den Mikrofoneingang, den Kanalausgang und den Mikrofonausgang. In der Master-Sektion finden sich der Mix-Ausgang, ein Eingang zum Anschließen eines Expression-Pedals und der MIDI-Eingang.
Rückseitig gibt es dann nochmals einen Summenausgang und einen weiteren Eingang für ein Expression-Pedal, hier allerdings beide mit 6,3 mm Buchse. Eine weitere 6,3-mm-Klinkenbuchse dient der Decay-Kill-Funktion.
Rechts von den Klinkenbuchsen sitzen DIP-Schalter zur Auswahl eines MIDI-Kanals, dazu sind hier ein MIDI-Thru-Ausgang, ein USB-B-Eingang, der An/Aus-Schalter und der Anschluss für das Netzteil untergebracht.
Bedienelemente des Behringer BDS-3
Die Bedienoberfläche des Behringer BDS-3 ist so klar und einfach strukturiert, dass man kaum das Handbuch benötigt. Schauen wir uns zunächst die verschiedenen Kippschalter und deren Funktionen der vier Drum-Kanäle an:
- Mic On/Off: aktiviert/deaktiviert den Mikrofoneingang
- Up/Down: bezieht sich auf den Pitch-Regker
- LFO On/Off: aktiviert/deaktiviert den LFO
- Run On/Off: aktiviert/deaktiviert den Run-Modulator
Bei der Verwendung von Gate- oder Trigger-Signalen kann der Mic-Schalter deaktiviert bleiben. Die Bezeichnung „Run“ beschreibt eine Sample-and-Hold-Funktion, die bei jedem eingehenden Signal am Mic-Eingang neu gestartet wird. Je höher der Regler „Run Time“ eingestellt ist, desto mehr Samples werden genommen.
Die insgesamt sieben Drehregler und der horizontale Schieberegler haben folgende Funktionen:
- Mic Sensitivity: regelt den Eingangspegel
- Impact Click: imitiert den Aufprall eines Drumsticks (Hüllkurve, die das Filter öffnet)
- Decay Time: Abklingzeit (50 Millisekunden bis 7 Sekunden)
- Bend Level: Pitch-Hüllkurve (positiv und negativ)
- Pitch: bestimmt den Grundton (unter 20 Hz bis über 30 kHz) und die Filterfrequenz der Rauschquelle
- Balance: Verhältnis zwischen Oszillator und Rauschgenerator
- Effect Range: Wirkung der Master-Effekte auf jeden Kanal
- Channel Level: regelt den Ausgangspegel
Über die kostenlose Synthtribe-App lassen sich noch ein paar weitere Einstellungen vornehmen. Wem beispielsweise die Kill-Switch-Schalter auf der Rückseite, zur Einstellung des MIDI-Kanals, zu lästig sind, kann dies auch über die Software einstellen und die Switch-Funktion deaktivieren. Außerdem lassen sich die vier Drum-Kanäle auch separat für die Decay-Kill-Funktion deaktivieren, was ich sehr nützlich finde.
Der Master-Kanal ist ebenfalls recht überschaubar. Zunächst sitzen hier der Mix-Ausgang, ein Eingang für ein Expression-Pedal, um die Tonhöhe zu steuern und der MIDI-DIN-Eingang. Für das Expression-Pedal gibt es einen vertikalen Schieberegler namens „Overall Pitch“, wobei das Expression-Pedal die Tonhöhe nur bei Mittelstellung des Reglers steuert. Ansonsten steuert der Regler die Tonhöhe aller Kanäle und kann diese zwischen 25 % und 400 % verschieben.
Weiterhin gibt es die beiden Modulatoren LFO und Run mit deren Bedienelementen. Beide besitzen einen Kippschalter zum Aktivieren und Deaktivieren sowie einen Drehregler, um die Geschwindigkeit zu bestimmen. Der LFO besitzt zwei weitere Kippschalter, um zum einen zwischen Rechteck- und Sinusschwingung zu wechseln und zum anderen um den Geschwindigkeitsbereich zu verringern oder zu erhöhen. Die langsamste Einstellung lässt den LFO zwischen 0,1 Hz und 20 Hz schwingen, die schnellste zwischen 20 Hz und 4,3 kHz.
Wie klingt der Behringer BDS-3?
Klanglich hat mich der Behringer BDS-3 sehr positiv überrascht. Wie weit er seinem Vorbild ähnelt, kann ich zwar nicht beurteilen, aber vor allem in den tieferen Frequenzbereichen macht er eine wirklich gute Figur. So sind angenehm weiche Bass-Drums, die ordentlich in die Magengegend drücken, und wirklich harte Kicks, die direkt ins Gesicht klatschen, kein Problem. Toms und Zap-Sounds klingen ebenfalls spitze und lassen sich über den LFO und die Hüllkurve nochmals interessanter gestalten.
HiHats und Snare-artige Sounds sind natürlich auch möglich, jedoch sind die Klangfarben hierfür etwas sehr begrenzt. Nicht nur hier hätten ein paar zusätzliche CV-Eingänge dem BDS-3 wirklich gutgetan.
Beim Überblenden zwischen Oszillator und Rauschen kommt es in einem sehr kleinen Bereich zu einem hörbaren Pegelabfall des Rauschsignals. In der Praxis ist das zwar kein wirkliches Problem, mindert aber natürlich etwas den qualitativen Eindruck.
Die Decay-Zeit nimmt schon bei geringer Bewegung des Reglers stark zu und ab der Mittelstellung gibt es, je nach Tempo, keine hörbare Veränderung mehr. Den Regler hatte ich beinahe immer im unteren Drittel, was Feineinstellungen schwieriger als nötig machte.
Der Behringer BDS-3 lässt sich aber wohlgemerkt auch zweckentfremden und für kleine Melodien oder als Drone-Synthesizer verwenden. Ganz alleine wirkt er oftmals etwas verloren und man sollte immer ein paar Effekte wie Reverbs, Delays oder Verzerrer aller Art einsatzbereit haben. Dann macht die kleine Kiste wirklich Spaß und liefert tolles Grundmaterial.
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Ich bin hin und her gerissen. Vor ein paar Jahren hätte ich wahrscheinlich bedenkenlos zugegriffen. Auch wenn mir die Farbgebung so gar nicht gefällt.
Aber ich hab den Syncussion und bin begeistert, auch wenn der „nur“ 2 Kanäle bietet. Aber die Möglichkeiten sind größer.
Dennoch würde ich ihn gern mal mit meinem Tama Techstar vergleichen. Aber wer weiß, vlt fallen die Preise ja auch so wie beim Kobol, Solina oder Pro1.
@Woody in einem Jahr und mehr wird er sicher billiger.
finde den sehr interessant.
aber doch einiges minusse 😀
für den Preis sicher trotzdem viel Spaß.
kann man eigentlich zb Roland Pads anstecken anstatt des Mikros?
ist ja auch nur ein piezo bei den analogen.
@Woody Also wenn du ein Techstar hast, brauchst du diesen Behringer nicht. Und einen Syncussion hast du auch, damit bist du wirklich gut aufgestellt. Ich bin auch total scharf auf den BDS-3, aber mir geht’s da wie dir: Techstar 500, 2 Syncussion. Auch wenn ich noch ein paar andere Module hab, ist das eine tolle Kombi…
@Woody Ja, geht mir sehr ähnlich – auch ich habe hier ein TAMA ‚Techstar TAM200‘ rumstehen und frage mich, was denn das BDS mehr kann (außer den 2 Kanälen und ihrer Summensektion mehr …!).
Das TAMA hatte früher einen nicht unproblematischen Ruf – ich erinnere mich, dass man den Sound als ‚etwas flach und leblos‘ bezeichnete …
Aber mit einigen Effekten kann man da schon recht gute Sounds produzieren – und das geht ja nun auch mit diesem BEHRINGER BDS-3 !
Das TAMA ist übrigens ein Gerät in einem 19“-Gehäuse … heutzutage wird diese 19“-Racktechnik (… zugunsten von Desktop-Geräten in vielen unterschiedlichen Formen und Größen …) sträflich vernachlässigt – leider!!
Vielleicht schafft Behringer es ja, das Teil auch als Eurorack-Modul mit nur einer Stimme aber ein paar mehr Möglichkeiten und CV Eingängen zweitzuverwerten.
Bei 249€ darf man ja eigentlich nicht meckern aber als kleines Modul könnte ich mir das Teil noch besser vorstellen.
Ich finde das Teil hätte soviel mehr sein können als ein kleines live modelierbares Percussion/Tom Gerät. Ich habe auch schon öfter unter den Videos zu Behringer geschrieben, dass Sie doch endlich anfangen sollen, das Potential auszunutzen und sich endlich von dem alten Original Design lösen sollen. Wie oben schon erwähnt, dieses Teil mit CV Eingängen hätte das Potential in die Höhe geschraubt. Programmierbare Änderungen per CV das hätte mir echt gefallen.
Leider so sehr viel Potential vertan.
Das Teil mag zwar bestimmt cool sein.
Hier live drehe ich am Regler und wow mega gut die Sounds moduliert bzw verändert…
Mega nimm ich mal auf und mach das erneut… hä? Klingt doch nicht so smooth wie vorher, also nochmal und nochmal und nochmal… etc…
Also eher nix für mich.
@luap Gerade bei der Architektur wäre es ein leichtes gewesen da noch was zu implementieren. CV ist da eigentlich das mindeste ^^…
@Atarikid Das denke ich mir die ganze Zeit. Behringer ist im Bereich Modular auch gut vertreten. Kommt da keiner auf Sie zu und sagt, hey Leute live regeln schön und gut, aber hier verpassen wir denen noch CV Eingänge und können somit verrückte Pitchverläufe, Hühlkurve ändern realisieren oder auch wieder eine Art Sound Recall haben.
Leider nein…
Somit für mich ein Spielzeug, welches anfangs paar coole Sounds liefert, aber auf Dauer verstaubt. Oder nur abgesampelt wird und fertig.
Aber jeder wie er will…
für mich sind die behringer synthies seit dem model d alle nur halb fertig. kopieren schön und gut wenn es denn klanglich hinkommen würde – in meinen ohren klingen die meistens nach einer plastiktrötenkopie des originalsounds. Wenn sie endlich die copycat abteilung mit den wenigen eigenentwicklungen zusammenbringen würden bekämen sie auch nicht so viele Vorwürfe, dass die nichts eigenes entwickeln können. was haben die sich in den letzten jahren alles einverleibt ohne wirklich was draus zu machen. selbst bei Midas ist in meinen augen (ohren) die Qualität erstmal deutlich abgesackt.
die synthies sind vielleicht super für junge leute um mal ein gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen aber gut klingen sie nicht und wie von anderen schon sehr oft erwähnt – ein paar cv buchsen in die signalwege würden weder viel entwicklungsaufwand noch viel höhere produktionskosten verursachen und die instrumente weit aufwerten zumal sie ja eh um die original-rechte drumrum schippern müssen – das problem wäre damit aus der welt.
Ach, bin ich froh bei Drums fast alles verkauft zuhaben und mich nur noch auf ein Gerät zu konzertieren. ROLAND TR 1000 ! Da hab ich (fast) alle Drum Maschinen in einem und kann Samplen und Loopen und Effekt inklusive…. p.s.+ CV ins and Outs
Adieu GAS 👍
@Rhein Ruhr Electric gibt’s da noch die sync Probleme mit externem Equipment? komischerweise gibt’s seit dem Release kaum noch neue Videos damit. die Influencer mussten die wohl wieder zurückgeben. egyptian Lover hat gemeint er hat 2 gekauft. ist aber live weiterhin mit der 808 unterwegs.
aber zu dem Preis, werden sicher wenige eine kaufen.
Echt gewagter Name, wenn man dabei an Roger Waters und „Boycott, Divestment and Sanctions“ denkt…
@mort76 Man muss die 3 am Ende nur um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn drehen, dann ergibt sich vielleicht gar eine neue Perspektive darauf… 😎
@gs06 hahaha, made my day!! :D
@mort76 dachte ich mir schon vor Monaten…
Mir als altem B-Skeptiker gefällt die differenziertere Diskussion. Am Anfang war nur- du Basher oder du Fanboy! Jetzt wird gottseidank über die Geräte geredet, nicht über die Kommentatoren. Fein.