Test: Behringer Media 40 USB, Multimedia-Nahfeldmonitor

14. September 2020

Günstige Multimedia Winzlinge

behringer media 40 usb test

Behringer Media 40 USB, Multimedia-Nahfeldmonitor

Die aktiven Monitor-Lautsprecher Behringer Media 40 USB kosten 93,- Euro – pro Paar! Was dürfen Sie da erwarten? Diese Frage wollen wir in diesem Test beantworten.

Aber zuerst – und ich da bitte ich jeden Leser vor der Produktauswahl darum: Schauen Sie sich an, wie der Hersteller das Produkt einordnet. Denn oft ist man enttäuscht, wenn man etwas von einem Produkt erwartet, für das es eigentlich gar nicht konzipiert wurde. Und der Fehler kann einem beim Behringer Media 40 USB schon passieren, denn im Gegensatz zum großen Bruder ist dieser Speaker in erster Linie für die Wiedergabe digitaler Medien gemacht. Der große Bruder Behringer Studio 50 USB dagegen in Ihrem kleinen Homestudio heimisch.

Was bedeutet das aber? Darf der 40er deswegen weniger neutral oder gar schlechter klingen? Nun, er ist auf jeden Fall nicht der totalen Neutralität in dem Maße verpflichtet, wie man es von einem Studiomonitor einfach erwarten muss. Aber wenn man Medien wiedergibt, also TV, Musik, Streamingcontent, YouTube Videos etc., dann muss die Sprachverständlichkeit gut sein und er sollte den Content schon mit der geforderten Dynamik wiedergeben können. Wenn er dabei natürlich klingt – umso besser!

behringer media 40 usb test

Behringer selber sagt, der MEDIA 40 USB sollte ein guter PC-Lautsprecher sein, geeignet für Flatscreen TVs, AV-Media-Player und für Studentenwohnheime – „anywhere enjoying music is a must“. Somit positioniert sich Behringer hier im Umfeld von Logitech, Bose & Co.

Behringer Media 40 USB: Die Technik

Nach dem Auspacken aus der schönen Retail-Verpackung, die sich sicher auch gut im Regal eines Media Markt & Co. machen würde, hält man die kleinen Kistchen (25,4 x 20,4 x 17,8 cm, H x B x T) aus einem Kunststoff-Verbundmaterial in der Hand. Die Verarbeitung ist preisbezogen sehr ordentlich, wenn auch ein paar Klebstoffreste am Bassreflexrohr zu sehen sind.

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Die 2-Wege Systeme sind mit je einem 0,75“ Hochtöner und einem 4“ Tief-Mitteltöner ausgestattet. Beide Chassis arbeiten gut geschützt hinter einer Gitterabdeckung. Die optische Einfassung aus glänzendem Kunststoff ist sehr fingerabdruckfreudig.

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Auf der Rückseite wird das grundsätzliche Konzept der Behringer Media 40 USB klar: Die gesamte Technik sitzt im rechten Lautsprecher, inklusive aller Anschlüsse und der Stromversorgung, während der linke Speaker über eine 4-polige Leitung mit den Audiosignalen versorgt wird. Dazu hat Behringer jeder Box eine eigene proprietäre Buchse spendiert und ein 4-poliges, 2 m langes Verbindungskabel. Ein größerer Basisabstand ist nur möglich, wenn man selber zum Lötkolben greift und das vorhandene Kabel verlängert.

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Laut Hersteller ist die Behringer Media 40 USB ein 150 Watt Bi-Amping-System. Somit sind in der rechten Box vier Class-D-Endstufen verbaut, die beide Speaker versorgen. Ein Limiter schützt die kleinen Chassis vor Überlastung. Der abgedeckte Frequenzbereich wird mit 70 Hz bis 20 kHz angegeben.

Die Übergangsfrequenz liegt laut Behringer bei 2,9 kHz. Im Gegensatz zum großen Bruder, der Studio 50 USB, ist die 40er nicht symmetrisch aufgebaut. Das gilt für die Klinkenbuchsen und (natürlich) auch für die Cinch-Buchsen, die optional als Eingang zur Verfügung stehen. So können die Lautsprecher entweder klassisch an ein Audiointerface angeschlossen werden oder auch beispielsweise an einen HiFi-Vorverstärker. Auf der Vorderseite finden sich dazu noch ein Kopfhörerausgang und ein AUX-Input im 3,5 mm Klinkenformat. Dazu ein Volume-Regler mit honiggelber Beleuchtung, die dauerhaft leuchtet.

Eine Auto-Power-on/off-Funktion gibt es nicht – die Monitore müssen klassisch über den Schalter auf der Rückseite der rechten Box angeschaltet werden, was das System für den Betrieb an einem Fernseher eher unkomfortabel macht. Hier empfiehlt sich dann eine fernsteuerbare Steckdosenleiste. Apropos: Ganz sauber scheint die Elektrik nicht zu arbeiten. Wenn die Lautsprecher über beide Klinkenbuchsen mit dem Audiointerface (hier: UAD Apollo TWIN X Quad) verbunden sind, hört man ein leises Netzbrummen über die Chassis – wenn auch sehr verhalten. Ich will aber nicht ausschließen, dass es sich um ein Problem bei meinem Testpärchen handeln könnte.

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Das USB im Namen haben die Behringers natürlich nicht ohne Grund. Sie können auch gerne als USB-Audiosysteme genutzt werden, wobei der Anschluss an einen freien USB 2.0 Port ausreicht. An meinem Mac werden die 40 USB sofort erkannt und können problemlos ausgewählt und betrieben werden.

Behringer_Media 40USB_Detail_Back

So lässt sich zusammenfassend zur Technik sagen: gut verarbeitet, viele Anschlussmöglichkeiten und Ausgänge, wobei es sich aber fürs Jahr 2020 eher um Hausmannskost handelt. Fernbedienung, Eingriff in den Klang oder gar eine Raumanpassung sucht man vergeblich. So scheint das „Digital“ im Namen sich wohl nur auf die Class-D-Endstufen und den USB-Port zu beziehen.

Behringer_Media 40USB_back_studio testAls erstes Zwischenfazit würde ich der Medientauglichkeit der Behringer Media 40 USB die Note 3 geben. Die fehlende Power-on/off-Funktion schränkt die Speaker beim Fernseher oder an der Spielekonsole doch sehr ein.

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Der Klang

Wie bewertet man den Klang eines 93,- Euro Aktivlautsprechers? Reicht es, wenn die Windows Systemtöne wiedergegeben werden und die YouTube Videos einigermaßen verständlich sind?

Nein, in dieser Hinsicht haben mich die Winzlinge wirklich überrascht – naturgemäß mit ein paar Einschränkungen. Und: Man muss sich ein klein wenig um sie kümmern, damit das Ergebnis gefällt.

1. Der Klang über USB

Einmal über USB an meinen iMac angeschlossen, findet man die Behringer Media 40 USB mit dem Namen „USB Sound Device“, aber bevor Sie hier anfangen zu experimentieren: Lassen Sie es lieber. Der Klang ist wirklich nicht sehr gut.

Völlig ohne Dynamik und flach wird das Tonmaterial gelangweilt abgespult – allenfalls Küchenradio-Niveau. Kaum Bässe und die Höhen sehr zurückgenommen. Da halfen weder Dua Lipa noch Peter Gabriel: So kann man die Speaker wirklich nicht empfehlen.

2. Klang über Line

Ganz anders, wenn sie an einer klassischen Soundkarte betrieben werden. Ich würde nicht behaupten, dass sie damit zu einem Ausbund sprühender Spielfreude werden, aber das Ergebnis ist mehr als achtbar: Tatsächlich werden die zugespielten Songs beachtlich neutral und mit einer ordentlichen Tiefenstaffelung reproduziert. Natürlich: 70 Hz als unterste wiederzugebende Frequenz – das ist schon wenig und ich würde hier eher von 100 Hz sprechen. Ein populäres Beispiel: In Robbie Williams „Feel“ kommt beim ersten Refrain der Bass dazu, der einem bei ausgewachsenen Lautsprechern die Hosenbeine flattern lassen. Bei der Behringer Media 40USB sind diese Töne kaum wahrnehmbar.

Behringer_Media 40USB_EQ

Mein Tipp: Platzieren Sie die Speaker auf einer stabilen Unterlage mit sauberer Entkopplung. Dann greifen Sie ganz dreist zum Equalizer Ihrer Wahl und geben sowohl unter 100 Hz als auch oberhalb von 10 kHz etwas Gas – in meinem Fall +2 oder +3 dB. Und schon ist das Ergebnis wirklich überzeugend. Interessanterweise wächst der kleine Behringer Winzling mit seinen Aufgaben. Klingen Webradio oder Spotify noch ziemlich gebremst, so lebt das Klangerlebnis mit guten FLAC-Files richtig auf.

Behringer_Media 40USB_back test

Gerade bei Singer/Songwriter-Stücken überzeugt die vergleichsweise plastische Darstellung und die niemals nervende Abstimmung. Das gefällt mir richtig gut und so habe ich die kleinen 40er während des Testzeitraums gerne für die Hintergrundberieselung, Songauswahl oder zum Ansehen von Filmen genutzt – nur bei krachenden Blockbustern fehlt es halt am Gesamterlebnis.

Als Speaker für Musiker kann ich die kleinen Behringer Media 40 USB nicht wirklich empfehlen. Hier fehlt es einfach an Volumen und Dynamik – aber was soll man von einem 4“ Chassis schon erwarten können? Und nicht vergessen: 93,- Euro – pro Paar!

An dieser Stelle kurz etwas zur insgesamt gedämpften Dynamik der Behringer: Selbst bei bassstarker Musik steuert der Tieftöner kaum aus. Ich habe den Verdacht, dass das Chassis zu stark gedämpft ist und/oder die Endstufen nicht genug Saft haben, um hier mehr Bewegung reinzubekommen. Allerdings wäre ein weicher aufgehängtes Chassis auch nicht ideal: Diese würden ein größeres Gehäusevolumen benötigen und sind generell bei hohen Pegeln in der Gefahr, kaputt zu gehen.

Fazit

Ein Paar Aktivlautsprecher für 93,- Euro – da dürfte man sowieso nicht maulen und man muss auch hier mal wieder vor Behringer den Hut ziehen, wie die dieses Paket so hinbekommen haben. Klanglich sind die Behringer Media 40 USB – mit ein wenig Unterstützung an den Frequenz-Enden – wirklich von guter Qualität und die Verarbeitung geht auch in Ordnung. Ein winziges bisschen mehr an Bass und Dynamik wären schön, aber dann reicht der Blick aufs Preisschild, um zu verstummen.

Zum Filmschauen am PC, zum Musik- oder Podcast-Hören und auch für entspannte Singer/Songwriter Sachen sind die 40er eine echte Empfehlung für den schmalen Geldbeutel. Als Ersatz für eine Soundbar sehe ich sie allerdings nicht: Hierzu würde mehr Komfort, wie eine Fernbedienung oder Remote On/Off-Funktion fehlen.

Aber auch mit diesen Fehlern sind die 93,- Euro für die Behringer Media 40 USB sicherlich kein rausgeschmissenes Geld und bekommen gerne von mir ein „gut“.

Plus

  • sehr preiswert
  • preisbezogen guter Klang
  • anschlussfreudig
  • gute Verarbeitung

Minus

  • sehr wenig Bass und Höhen
  • wenig dynamisch
  • keine Auto-on/off-Funktion

Preis

  • 93,-Euro
Forum
  1. Profilbild
    JohnDrum  

    Ich finde die Boxen gut! Habe die jedem meiner Kinder gekauft. Vorteil: Speaker sind durch ein Gitter abgedeckt – wichtig bei Kindern (Sonst hätte ich mir die Behringer 50USB gekauft)! USB- Anschluss: Einfach mit dem Mac Mini der Kinder verbinden. Anschluss für Kopfhörer und Eingang für das iPhone! Was will man mehr?
    Klingt besser als manche Stereoanlage!

    Einziger Nachteil: Dieses blöde Spezial- Verbindungskabel! Meistens zu kurz!

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