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Test: Behringer, Vintage Time Machine VM1, Gitarren-Effektgerät

Den Chorus– bzw. Vibratoeffekt kann man durch einen Schieberegler an der Oberseite rechts auswählen. Ein ebensolcher Regler befindet sich auf der linken Seite, dient aber dem Ein- und Ausschalten des Gerätes. Gleich neben dem Schalter befindet sich eine 9V-Buchse zum Anschluss des – man beachte – mitgelieferten 9V-Netzteils, was ja nicht immer selbstverständlich ist.

Im Gegenzug muss natürlich erwähnt werden, dass dies die einzige Möglichkeit ist, das Gerät mit Strom zu versorgen. Was den „MeineBatterieklingtaberbesser-Soundfetischisten“ natürlich ins Abseits pfeift. Stop – ich korrigiere mich, das gilt ja nur bei Verzerrer– und/oder Overdrive-Pedalen. Also alles gut und die Stromversorgung ist durch den Netzanschluss gesichert.

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Zum Anschluss eines Instruments (was natürlich nicht unbedingt zwingend eine Gitarre sein muss) dient eine übliche unsymmetrische 6,3mm-Klinkenbuchse, markiert mit INPUT. Ausgänge sind ein EFFECT OUT, unsymmetrische Klinke, der das „gefärbte“ Signal an einen Verstärker ausgibt, und ein DIRECT OUT, der das unbearbeitete Signal z.B. an einen zweiten Verstärker leitet.
Schließlich gibt es noch einen Taster, um das Pedal zu schalten (Ein/Aus) und zwei LEDs: die POWER LED leuchtet blau, wenn das Gerät eingeschaltet ist, und eine (wie soll es anders sein) rote OVERLOAD LED leuchtet, wenn das Eingangssignal zu hoch ist. In diesem Fall sollte man das Eingangssignal über den LEVEL-Regler reduzieren. Alle Potis haben eine Skala von 0 bis 10. Die Farbe, die auf dem Bild grau erscheint, ist beim Original eher weiß mit leicht gelbem Einschlag. Was die Abmessungen betrifft, fällt die VM1 mit ca. 61x200x172 mm (HxBxT) doch recht groß aus, wenn man den oft nicht mehr vorhandenen Platz auf vielen Pedalboards bedenkt.

Praxis

Für den Test verwende ich, um den Vintage-Effekt zu wahren, eine ältere Strat über einen Fender Vibrolux Reissue clean und ohne Hall.
Kurz nach dem Anschließen fällt mir auf, dass der Power-Switch augenscheinlich nur verwendet wurde, um die Vintagebauweise und/oder die Anlehnung an das Original zu erhalten. Wenn man den Bodentreter in die Effektkette einbindet, sollte er, aktiv oder nicht, immer eingeschaltet sein, da im ausgeschaltetem Zustand kein Signal durchgeschleift wird. Am besten ist es, das Ein- bzw. Ausschalten bei Gebrauch zu vermeiden, denn es erzeugt ein unangenehmes Knacken über die Verstärkerboxen. Bei „modernen“ Pedalen wird dieses Problem mittlerweile fast immer über einen Kontakt in der Ausgangsbuchse gelöst, somit fällt der Power-Schalter flach.

Potis auf null, LEVEL-Regler auf fünf sollte normalerweise das Originalsignal wiedergeben. True Bypass hin oder her, auch bei anderen funktioniert es nicht immer wie gewünscht, doch wenn man auf der Verpackung liest: „Echter Hard-Wire-Bypass für ultimative Signaltreue“, ist man natürlich gespannt … und leider etwas enttäuscht.
Denn sowohl der EFFECT OUT als auch der DIRECT OUT beeinflussen das Signal leider doch eher negativ. Die Höhen werden etwas gekappt, und dem Gesamtsound wird etwas Leben bzw. Präsenz genommen. Das ist allerdings nur im Detail hörbar und wird den einen oder anderen vielleicht nicht stören.
Weiter im Test besticht die VINTAGE TIME MACHINE auf jeden Fall durch ihre Vielseitigkeit. DELAY-, ECHO-, CHORUS– und VIBRATO-Effekt – und das alles in einem! Doch wer jetzt denkt, vier Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, wird enttäuscht sein. In erster Linie ist es natürlich ein Delay. Versucht man den Chorus alleine zu nutzen, funktioniert es nicht. Beim Vibrato funktioniert das bedingt, das Poti fängt erst bei 5 an zu greifen und das auf dem Weg zur 10 mit nur minimaler Veränderung.
Aber wie schon im Abschnitt „Konstruktion“ erwähnt, wird der Chorus/Vibrato-Effekt eigentlich ja auch nur dem Delay hinzugefügt, somit bleibt das Originalsignal abhängig vom Mix erhalten.
Trotz dieser kleinen Einschränkungen ist die VM1 für allerlei Soundspielereien einsetzbar, und es lassen sich in Verbindung mit dem Delay schöne, warme, analoge Delay/Chorus/Vibrato-Sounds erzeugen. Bis hin zur Selbstoszillation: Wenn man den FEEDBACK-Regler über fünf hinausbewegt, baut sich das Signal von alleine immer wieder neu auf und man kreiert durch Drehen des FEEDBACK– bzw. DELAY-Potis ziemlich abgefahrene „psychedelische“ Soundflächen!

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Fazit

Die VINTAGE TIME MACHINE VM1 ist definitiv etwas für Analogfans mit kleinem Geldbeutel. Wobei der „Vintagefreak“ allein schon um Gesicht zu wahren, meistens zum EHX DELUXE MEMORY MAN greifen wird. Da stellt sich wiederum die Frage, ob der mehr als dreimal so teure Preis des EHX-Delays gerechtfertigt ist.
Unterm Strich ist die VM1 ein sehr gelungener „klassischer“ Effekt. Die Sounds reichen nicht ganz an das „Original“ ran, kommen dem Ganzen aber sehr nahe. Der Preis ist wie so oft bei Behringer einmal wieder das schlagkräftigste Argument. Wenn man also auf Vintage-Equipment steht und/oder ein einem analogen Tape-Delay ähnlichen Effekt benötigt, liegt hier ein sehr attraktives Angebot vor. Wobei man sich bewusst darüber sein sollte, dass man auf gewisse Bedienungselemente, die bei moderneren digitalen Delays üblich sind, wie zum Beispiel das „Eintappen“ der Delayzeit, verzichten muss.

Plus
++ Preis/Leistung
++ Verarbeitung
+   Sound

Minus
– „Hard-Wire“ Bypass

Preis
UVP 94 Euro
Straße ca. 69 Euro

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Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Mal davon abgesehen, dass es ja nett ist, dass Behringer Gerätschaften erschwinglich macht, ist es auf der anderen Seite aber umso erschreckender, wie sehr Uli Behringer immer noch etablierte Projekte (ergo Geräte) kopieren lässt.

    Klar, erspart man sich damit eine kostenintensive R&D (Research & Development) Abteilung, bescheisst aber den „Erfinder“ im gleichen Atemzug um diese Kosten.

    Dass er mittlerweile in China wohnt, wo das Kopieren als eine Art Anerkennung gilt, scheint da nur konsequent…

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Naja, diese Kopierei finde ich auch nicht besonders ehrenhaft, aber von „bescheissen“ kann da wohl keine Rede sein. Wer etwas Neues erfindet/entwickelt, bemüht sich um einen Patentschutz und legt gleichzeitig das Geheimnis seines Produkts offen. Und wenn dann nach 20 Jahren der Schutz ausläuft, darf jeder Hinz & Kunz eben nachbauen, so auch der Uli. Die R&D-Kosten sollten dann eigentlich schon lange wieder drin sein, so auch beim Memory-Man.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Was solls…
    Wer den legendären „echten“ EHX Sound will, der holt sich sowieso das Original.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Naja, Kenny: Uli hat schon beim Eurodesk sich nicht an eine Schutzfrist des damals von Mackie geschützten Designs nicht eingehalten. Es heisst sogar, dass die ersten Prototypen auch noch den Aufdruck des Mackie Logos auf dem Platinen gehabt hätte. Jedenfalls hat Mackie Behringer damals sehr wohl verklagt. Allerdings in den USA. Genauso Aphex, als sie ihren Exciter kopiert sahen. Selbst der Kabeltester ist ein Design einer kleinen Firma, die – nach eigener Aussage – einfach nicht die finanziellen Mittel für einen langedauernden Rechtstreit haben…

  4. Profilbild
    masterdiverssi

    Ich habe mir das VM1 gegönnt, für 39 ,.Euro kann man nichts verkehrt machen.
    Zunächst, ich spiele alte Instrumental-Tracks a la Shadows, Spotniks usw. und einem Fender Champion 100.
    Zuzüglich noch eingeschleift 2 Behringer FX 600.
    Ich komme dem alten Sound der Shadows sehr nahe ohne die alten Meazzi-Tape Echomaschinen
    die selbst gebraucht heute noch sauteuer sind und wenn einmal kaputt kaum reparabel sind.
    Ich bin also mit dem VM1 bestens zufrieden und v#bin sogar davon überzeugt daß das
    Original von Memory Man für meine Bedürfnisse auch nicht besser wäre, dafür aber fast 9 x so teuer ist.
    Nicht alles was teuer ist muss auch besser sein, diese Erfahrung habe ich in meinem 70 jährigen Leben gemacht.

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      Und so vergeht die Zeit: Das VM-1 ist mittlerweile aus dem Sortiment der einschlägigen Musikaliengroßhändler in Franken und am Rhein verschwunden und auf dem Gebrauchtmarkt ziehen die Preise an.
      Eigentlich klingt das VM-1 nicht schlecht, auch wenn die Echoresonanz sehr brutal daherkommt (gezähmt erinnert sie an das alte Echocord Mini von Dynacord) und im hochfrequenten Bereich einiges an Gebritzel anfällt, was so manchem Klang eine ungewollt „knusprige, 8-bittige“ Qualität verleiht.

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