Test: Bergantino Forté HP + NXT210 + ENXT112, Bassverstärker

7. Juni 2020

Mini-Fullstack der Luxusklasse - made in USA

Bergantino – klingt italienisch, kommt aber aus den USA, genauer gesagt aus Whitinsville, Massachusetts. Dem Teil der Leser, der auf exquisites und nicht ganz billiges Equipment steht, muss ich das natürlich nicht erzählen, denn die Marke ist längst zu einer Referenz für modernes Equipment geworden, zumindest unter den Bassisten, die den Klang ihres Instruments klar, deutlich und HiFi-mäßig übertragen haben möchten. Das hat, zusammen mir Fertigung in den USA, natürlich seinen Preis – insgesamt 3653,- Euro werden für das mir heute zum Test bereitstehende Mini-Fullstack fällig. Das besteht aus dem Bergantino Forté HP als Topteil und den beiden Cabinets NXT 210 und ENXT112.

Bergantino Forté HP.

Natürlich geht es hier im Prinzip um drei einzelne Teile und mein eigener Fullstack aus zwei Ampeg Cabs und einem TC Electronic Head war auch nicht gerade billig. Aber der Bergantino Forté HP gehört mit einem Einzelpreis von 1575,- Euro schon zu den nicht ganz billigen Vertretern der Gattung der Class-D-Amps, liefert dafür aber auch die grandiose Leistung von 1200 Watt an 2 oder 4 Ohm und immer noch beachtliche 600 Watt an 8 Ohm. Man kann mit dem Ding also problemlos zwei Fullstacks betreiben – das geht auf jeden Fall über die Zielgruppe der schön spielenden Jazzer hinaus. Wie schreibt Bergantino? „Just like an 8-cylinder vs. a 6-cylinder engine, the new 1200 watts of ultra-reliable, Class D power offers unprecedented “slam” in a lightweight, portable package.“ Okay, weißte Bescheid – meine Erfahrungen sind, was das angeht, allerdings beschränkt, als klassischer Europäer mit dazu noch begrenztem Budget bewege ich fünf Meter und eineinhalb Tonnen 20 Jahre altes Auto immer noch mit vier Töpfen und 120 PS. Geht auch, aber mehr Power ist natürlich immer schön, wenn man mal von gewissen 3600 Watt Exzessen aus dem Hause Bugera absieht, das Ding war dann eher nicht mehr schön. Nur laut.

Bergantino NXT210 + ENXT112

Bergantino NXT210 und ENXT112.

Dazu wurden mir wie gesagt zwei Cabs geliefert. Die Bergantino NXT210 ist, wie der Name erahnen lässt, eine 2x 10 Box, die dazu noch ein Horn hat und 500 Watt abkann. NXT steht übrigens für „NEO X-Treme Technology“ – ganz unabhängig davon, ob mit der Bergantino Stack nachher gefällt, warne ich den Leser schon mal vor, dass ich mit den sehr amerikanischen Verkaufsbezeichnungen heute sehr viel Spaß haben werde. Als zweites Cab steht eine Bergantino ENXT112 zum Test – was genau das E abkürzt, habe ich beim besten Willen nicht herausbekommen, aber auf jeden Fall steht es für die Cabinet-Serie ohne Tweeter. Das Ding verträgt 400 Watt, beide Boxen zusammen also 900. Unterdimensioniert für den 1200 Watt Boliden Bergantino Forté HP? Bedingt, ich hab’s tatsächlich noch nie erlebt, dass bei solchen Verhältnissen ein Amp die Cabs zerschießt (dafür des Öfteren bei älteren Ampeg Transistor-Amps und Boxen, die die Leistung eigentlich hätten aushalten sollen). Meine Hand ins Feuer legen würde ich dafür aber nicht, vor allem nicht, wenn jetzt jemand mit einem Warwick Dark Lord auf die Idee kommt, voll aufgerissen das Sub-Kontra-Fis zu slappen. Vorher dürfte es aber eh so laut werden, dass die Boxen nicht das Einzige sind, was nachher durch ist …

Also insgesamt eine Art Mini-Fullstack, dessen Leistungsdaten vermuten lassen, dass er es in sich hat. Auf in den Kampf.

Facts & Features

Widmen wir uns zunächst mal dem Verstärker selbst. Bergantino hat das Portfolio ja in den letzten Jahren etwas erweitert. Ursprünglich war die Company auf Boxen spezialisiert, bis man irgendwann den B|Amp vorstellte. Das Ding gibt es, mit Upgrades, auch immer noch, und es hat so ungefähr alles, was Digital-Hasser in den Wahnsinn treibt. LC-Display vorne drauf, programmierbare Effekte, automatische Impedanzanpassung, alles da. Um traditionellere Zielgruppen anzusprechen, hat man davon den Forté abgeleitet, im Prinzip dasselbe, aber mit weniger Reglern und mehr Hardwiring. Der Bergantino Forté HP stellt jetzt so was wie die Mercedes-Version des Forté dar. Weiterhin sieht alles ziemlich aus wie bei einem analogen Verstärker, es gibt aber mehr Regler und Knöpfchen, und natürlich auch mehr Leistung, der Standard-Forté leistet „nur“ 800 Watt. „Make no mistake, the Forté HP will cruise along while other amps are begging for mercy.“ Okay.

Bergantino Forté HP

Bergantino Forté vs Bergantino Forté HP.

Alles klar, was haben wir denn dran an dem Gerät? Erst mal einen riesigen Volume-Regler – bei soviel Power muss natürlich auch der Regler größer. Daneben ein Gain-Regler, Gott sei Dank, ich kann diese „Active/Passive“-Switches nicht mehr sehen. Macht aber auch ohne meine Abneigung Sinn, der Amp hat schließlich eine Zerre verbaut, aber dazu später. Außerdem hat man einen Regler für einen Parallelkompressor, beschriftet mit „VRC“. Außerdem einen Drive-Regler, der logischerweise den Zerrgrad regelt. Das aber nur, wenn das Distortion-Circuit auch eingeschaltet ist, was per Taster funktioniert – oder per Bluetooth-Fußschalter, der aber nicht mitgeliefert wurde und gerade noch mal 199,- Euro kostet. Damit kann man dann aber auch andere Optionen bedienen, wie den Tuning Mute, den Bright-Schalter, der wählbar entweder 2 oder 7 kHz um 8 dB boostet oder den Punch-Schalter, der 4,5 dB bei 100 Hz dazu schiebt.

Dazu kommt die EQ-Section – die hat vier Bänder bei 65 Hz, 250 Hz, 1 kHz und 3,5 kHz. Dazu noch das Variable-High-Pass-Filter (VHPF) und das Variable-Low-Pass-Filter (VLPF). mit denen man noch mal Bässe und/oder Höhen wegdrehen kann, wenn das nötig wird. Achtung, für die Nicht-Techniker, der High-Pass greift nicht aufs Höhenband zu, sondern lässt Höhen passieren, dreht also die Bässe weg und anders rum! EQ-technisch kriegt man hier also, trotz analogen Reglern, die Vollbedienung, da sollte sich doch auf jeden Fall mit jedem Bass und jeder Box irgendwie was Brauchbares zaubern lassen. Und mit gutem Bass, guten Cabs und, Achtung, gutem Bassisten, auch was ganz besonders Feines.

Bergantino Forté HP

Bergantino Forté HP – nur die USB-Buchse verrät den Digital-Amp.

Aber wie hieß es in einem legendären Werbeclip – „but wait, there‘s more!“ Nun gut, auf der Frontplatte jetzt nichts mehr Weltbewegendes, aber der Aux-In und der USB-Anschluss sollten nicht unerwähnt bleiben. Über Letzteren kann man Software-Updates machen (ist halt doch ein Computer) und die Zerrsektion mit anderen Zerrmodellen füttern. Da man das Gerät dafür kaufen und registrieren muss, bleibt das beim Test aber auch außen vor.

Auf der Rückseite geht‘s aber munter weiter, wenn auch weniger gedrängt. Tuner-Out, Headphone-Out, serieller Effektweg, DI, zwei Speakon-Buchsen. Anders als bei den beiden Cabs sind das keine Kombibuchsen, da passt also kein Klinkenkabel rein. Die DI lässt sich auf der Vorderseite pre/post schalten. Die Bedienung über die drei mehrfach belegten Taster finde ich allerdings etwas umständlich. Bei einfachem Druck schaltet der erste Taster die Punch-Funktion ein oder aus, bei langem Druck (3 Sekunden) schaltet er die DI. Ähnlich beim Bright-Schalter, der die Funktion auf kurzen Druck hin aktiviert, bei längerem Drücken das Frequenzband zwischen 7 und 2 kHz umschaltet, und dem Mute-Button, mit dem man auch die Impedanz umschalten kann.

Bergantino ENXT112

Bergantino ENXT112.

So, das war‘s aber nun endgültig vom Bergantino Forté HP – also mal die beiden Cabs angeschaut. Die simplere von beiden ist die Bergantino ENXT112. Holzkiste, ein Zwölfzöller drin, fertig. Doch nicht so hurtig – der Speaker hat natürlich einen Neodymium-Lautsprecher, wiegt also nichts, womit auch die ganze Box nur 13,2 kg auf die Waage bringt. Das Gehäuse ist natürlich auch nicht aus Baumarktplatten, sondern aus italienischem Pappelsperrholz mit Einsätzen aus baltischer Birke – sagt mir zwar nichts, ich nehme aber mal an, dass die Kombi halt leicht und stabil ist und gut klingen soll. Auch ist das Holz nicht einfach mit Kunststoff bezogen, nein, hier kommt „Black Bronco Tolex“ zum Einsatz. Okay, ich lass es schon wieder sein, aber die Amis kennen sich mit klangvollen Namen anscheinend gut aus. Ansonsten ist die Kiste halt eine klassische Bassreflex-Konstruktion und wird mit zwei parallelen Buchsen auf der Rückseite gespeist, hier jetzt Kombibuchsen. Keine Einstellmöglichkeiten – wie auch.

Bergantino NXT210

Bergantino NXT210.

Die Bergantino NXT210 ist im Prinzip analog aufgebaut, allerdings sitzt hier zusätzlich zu den beiden Zehnzöllern ein Horn mit drin. Das ist übrigens auch für die Zwölfzoll-Box erhältlich, dann heißt das Ding NXT112. Natürlich auch nicht irgendein Horn, sondern ein „High Intelligibility Reference Series Tweeter“ – so, jetzt reicht‘s wirklich. Der Tweeter ist auf der Rückseite regelbar, wie es halt Industriestandard ist, ansonsten gibt es hier nicht viel Zusätzliches zu sagen. Die NXT210 wiegt 15,9 kg und ist damit etwas schwerer als die ENXT112 – logisch, ist ja auch ein Speaker mehr drin. Insgesamt wiegt der gesamte Stack um die 32 kg und ist damit leichter als beim Ampeg SVT nur der Head ist.

Zwischenfazit

Leistungsstarker Verstärker mit vielen sinnvollen Einstellmöglichkeiten, leichte, handliche Boxen die die Leistung übertragen können, alles selbstredend ohne offensichtliche Verarbeitungsfehler. Wenn Bergantino hier einen Referenz-Stack präsentieren wollen, dann stimmt die Aufmachung zumindest schon einmal. Weiteres wird der Praxistest verraten.

Praxis

Und nun schlägt die Coronakrise zu – üblicherweise schleppe ich Test-Equipment erst mal mindestens in eine Bandprobe mit, um ein Gefühl für die Sache zu bekommen. Was daheim total gut klang, kann in einer lauten Rockband schon wieder untergehen und was sich im Bandkontext gut einfügt oder durchsetzt, muss allein nicht unbedingt charmant klingen. Fällt flach, Proberaum ist bis auf Weiteres gesperrt. Daheim Fullstack testen ist auch nicht das Wahre. Also Plan B – immerhin besitzt unser Gitarrist ja ein Studio (also ein richtiges, nicht wie mein kleines „Homestudio“ mit Interface, zwei Mikrofonen, Marshall Combo und einem Haufen Instrumente), also da hin mit dem ganzen Kram. Das hat zwei Vorteile, einmal habe ich gleich noch das Feedback eines professionellen Toningenieurs zu dem Gerät und zweitens muss ich das ganze Zeug ein paar Treppen rauf und runter schleppen. Dabei zeigt sich auch sofort, dass die Bergantino Cabs schön leicht, die Griffe aber nicht ganz optimal geformt sind. Das ist zwar verschmerzbar, tragen lassen sie sich immer noch gut, aber sollte nicht unerwähnt bleiben.

Die zweite Frage ist, wie teste ich das Ganze jetzt eigentlich? Eigentlich haben wir ja hier drei einzelne Geräte, von denen man jedes unabhängig testen müsste. Das hatte ich damals bei diesem Warwick-Fullstack gemacht, jede Box mit dem Amp und mit einem anderen Amp, dann die Boxen zusammen in beiden Konfigurationen und dann noch mal den Amp an meinem eigenen Stack. Fällt zwangsläufig auch flach, was aber nicht so tragisch ist. Bei dem Warwick damals war das halbwegs sinnvoll, klang doch der Amp absolut graulig, die Boxen aber eigentlich ganz gut – Bergantino dürfte man zu dem Preis wohl unterstellen dürfen, dass so was hier nicht passiert.

Tut es auch nicht, denn der Stack aus Bergantino Forté HP, Bergantino NXT210 und Bergantino ENXT112 macht – erst mal gar nichts. Und zwar im positiven Sinne, Amp und Boxen übertragen die Charakteristik von Instrument fast beängstigend direkt, so lange jedenfalls der EQ auf neutral steht und Zerre und Kompressor aus sind. Schweinelaut ist das Ding dafür – wenn man das möchte, denn auch auf Zimmerlautstärke klingt der aufgebaut dann doch recht kleine Stack sehr gut. 1200 Watt brüllen aber auf jeden Fall gut, auch wenn die Kombi aus 1×12 + 2×10 weniger Luft bewegt als ein „klassischer“ Fullstack mit 8×10 oder 4×10 + 1×15. Matschen tut es dabei nie – es sei denn, man übertreibt es mit den EQ-Einstellungen. Der Low-Mid-Regler beispielsweise, über den sich mein Kollege im Studio besonders freute, ist in Kombination mit dem Punch-Schalter eine mächtige Waffe, die man aber auch vorsichtig benutzen muss. 100 und 250 Hz machen Druck, nerven aber auch schnell – gerade wenn man live den Sound an den Raum anpassen muss sind das eben die Frequenzen, auf die man am häufigsten Zugriff benötigt.

Aber auch die anderen Bänder sind super abgestimmt und mit den zusätzlichen Hoch- und Tiefpassfiltern und den verschiedenen Punch- und Bright-Optionen hat man hier quasi die Möglichkeiten eines Graphic-EQs. Irgendwie taugt mir dabei die Bedienung des Bergantino Forté HP besser als ewig an einem 9- oder 12-Band-EQ herumzufummeln, das mag aber auch an der guten Abstimmung des Geräts liegen. Der Kompressor arbeitet hervorragend, die Parallelkompression bügelt selbst heftig eingestellt nicht alle Details weg und bleibt stets musikalisch. Den Zerrsound kriegen wir später.

Klangbeispiele bei Amps und Boxen finde ich in der Regel noch kritischer als bei Bässen und Effekten, kommt doch neben der Charakteristik des Instruments und des Spielers hier auch noch ein Mikrofon dazu. Irgendwie muss man das halbwegs repräsentativ gestalten, trotzdem kann das Ganze immer nur ein kleiner Einblick sein und erspart für den Interessenten kein Anspielen! Am Ende haben wir uns für den folgenden Ansatz entschlossen:

  • Es gibt drei Basslinien, gespielt auf drei verschiedenen Bässen.

  • Für jede davon habe ich einen Sound mit dem gesamten Stack gebastelt, der im Raum so klang, wie ich das wollte.

  • Für eine davon habe ich noch einen zweiten Sound mit der eingebauten Zerrschaltung erstellt.

  • Bei allen vier Varianten gibt es je fünf Klangbeispiele:

    • Den Bass trocken direkt ins Pult, ohne den Amp, damit man hört, was reingeht.

    • Ein Signal aus der DI des Bergantino Forté HP, post EQ.

    • Die Bergantino NXT210 mit einem Beyerdynamic M88 aufgenommen, so positioniert, dass es zumindest noch etwas vom Tweeter mit einfängt (das geht mit der Einbauposition und dem Mikrofon ganz gut).

    • Die Bergantino ENXT112 mit einem Beyerdynamic M88 aufgenommen.

    • Die beiden Mikrofonsignale im Verhältnis 50:50 gemischt.

Damit sollte man halbwegs einen Eindruck bekommen, wie die Geschichte klingt.

Zunächst mein klassischer Precision Bass, Erlekorpus, Ahornhals, Kompressor und Zerre aus, alles neutral. Es zeigt sich, dass die Bergantino-Anlage wirklich sehr sauber überträgt. Der Amp färbt quasi überhaupt nicht, die Boxen etwas. Es ist generell problematisch, die Charakteristik eines Cab mit Tweeter einzufangen – benutzt man ein Mikro close, hat man wenig Tweeter drauf, stellt man es weiter weg hat man eher Raum mit drin und wenn man zwei Mikrofone benutzt, hat man zwar alles da, aber es klingt eben auch gemischt nie wieder wie im Raum. Der Leser/Hörer muss sich also auf mein Wort verlassen, dass die Bergantino NXT210 im Raum noch eine Spur mehr Brillanz liefert als im Klangbeispiel. Ansonsten fällt auf, dass die NXT210 tatsächlich etwas bassiger daher kommt, während die ENXT112 etwas mittiger ist, was sicher auch an der unterschiedlichen Baugröße der Gehäuse liegt. Beide Cabs sind aber auch standalone zu gebrauchen – je nachdem, welchen Sound man halt mag und ob man das Horn braucht oder nicht.

Kann der schon eher HiFi-mäßig ausgelegte Stack auch rotzig? Klar kann er, Jazzbass mit Flatwounds auf dem Halstonabnehmer, Plektrum, Tiefpass zu, Bässe und Tiefmitten etwas auf und dazu die Zerre an aber mit nur ganz wenig Gain – ja, kann man machen. Man braucht keinen 4000 Euro Stack für diesen Sound, aber Profi-Equipment soll definitiv allroundtauglich sein, was der Bergantino-Stack auch ist.

Eine ganz andere Baustelle ist da ein „aktivierter“ Jazzbass-Sound, geslappt – der Bass ist ein Marcus Miller V3, beide Tonabnehmer, Bässe leicht geboostet. Holla, jetzt muss man doch tatsächlich mit dem EQ am Amp etwas die Höhen einfangen, denn die überträgt der Stack verlustfreier als man denken mag. Das geht aber mit den vorhandenen Optionen einfach und sehr zielgenau. Dass Slap- und Fusionsounds die Stärke eines teuren Class-D-Stacks sind, überrascht einerseits nicht, ist andererseits aber auch nicht selbstverständlich. Jeder Digitalamp hat eine gewisse Latenz, die so klein sein sollte, dass man nichts davon merkt. Bei knackigen Slaps fühlt sich aber der eine oder andere Verstärker dann doch etwas „schwammig“ an – nicht so der Bergantino Forté HP. Dafür zeigt sich, dass die Cabs zwar nicht übertrieben färben, aber doch eigenen Charakter haben. Die komplett lineare Bassbox ist noch nicht erfunden, und das ist glaube ich auch gut so.

Kommen wir zum letzten Streich, der Preci vom Anfang und ein Zerrsound. Die Zerrschaltung. Beziehungsweise die digitale Zerrensimulation, eignet sich vorzüglich, um etwas Dreck dazuzuregeln. Reißt man allerdings den Gain weit auf, stößt zumindest das ab Werk aufgespielte Modell etwas an seine Grenzen. Das klingt dann doch etwas arg digital und fast schon Chorus-ähnlich. Hat auch was, ist aber nicht das, was ich von einer Basszerre normalerweise erwarte. Nun kann man da mit dem Rechner verschiedene Zerrmodelle aufspielen, was mir aber beim Testmodell verwehrt blieb. Ich kann damit schlicht und einfach nicht sagen, was da möglich ist. Auf der Bergantino Produktseite gibt es ein Video, in dem Patrick Hunter da deutlich schönere Zerrsounds rausbekommt. Software ist tatsächlich flexibel, entsprechend möchte ich das nicht als größeres Minus werten.

Fazit

Die ganze Kombi aus Bergantino Forté HP, Bergantino NXT210 und Bergantino ENXT112 macht mir die Bewertung gar nicht mal so einfach. Sowohl Amp als auch Cabs spielen klar erste Liga, was bei dem Preis aber auch zu erwarten ist. Frei nach einer alten Whiskey Werbung – „klingt teuer, ist es auch.“ Gerade die NXT210 gehört deutlich zu den teureren 2×10 Boxen, die man sich gönnen kann und auch der Forté HP und die ENXT112 reihen sich irgendwo zwischen den Glockenklangs, EBS und Mesas dieser Welt ein. Klanglich allererste Sahne, Referenzklasse, gibt es ein paar kleinere Schwächen, wie die nicht ganz komfortablen Griffe und das zumindest in der Werkseinstellung bei höheren Zerrgraden nicht zu 100 % überzeugende Zerraggregat. Letzteres dürfte aufgrund der austauschbaren Software kein größeres Problem sein – entsprechend gibt es dann doch verdient drei Sterne, für die Best-Buy-Wertung reicht es nicht. Best Buy wäre bei 3653,- Ladenpreis aber auch vermessen. Wer einen leichten, sehr flexiblen und überaus leistungsstarken Mini-Fullstack sucht, sollte die Kombination hier antesten und am besten auch noch andere, denn die Bergantino Produktpalette beinhaltet noch diverse andere Cabs zum ähnlichen Preis und hoffentlich auch ähnlicher Qualität.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Gewicht
  • Leistung
  • Ausstattung

Minus

  • leicht unkomfortable Griffe an den Cabs
  • Zerrsounds am Forté HP in Werkseinstellung nicht ganz zufriedenstellend, allerdings softwarebasiert und austauschbar

Preis

  • Bergantino Forté HP (Verstärker): 1575,- Euro
  • Bergantino NXT210 (2x10-Cab mit Horn): 1199,- Euro
  • Bergantino ENXT112 (1x12-Cab): 879,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Green Dino  AHU

    Im Artikel steht, dass der Forte HP einen 4 Band EQ und Low Pass, sowie High Pass Filter hat:
    „Dazu kommt die EQ-Section – die hat vier Bänder bei 65 Hz, 250 Hz, 1 kHz und 3,5 kHz. Dazu noch das Variable-High-Pass-Filter (VHPF) und das Variable-Low-Pass-Filter (VLPF). mit denen man noch mal Bässe und/oder Höhen wegdrehen kann, wenn das nötig wird.“

    Also das Poti für das High Pass Filter sehe ich, das Low Pass Filter jedoch nicht?!?

    • Profilbild
      Peter-Philipp Schierhorn  RED

      Du hast völlig Recht – wer genau hinsieht ist im Vorteil. Anscheinend hat mir Bergantino Promofotos einer Preproduction Version oder sowas geschickt, denn da steht „Blend“, sowas hatte das Testmodell nicht.Mea culpa, da hätte ich drauf hinweisen oder neue Fotos anfragen können, ist mir aber auch erst jetzt aufgefallen.

      Wenn du mal hier schaust, da ist es richtig:

      https://bergantino.com/fortehp/

      • Profilbild
        wolftarkin  

        Deshalb sind die Links zum großen T sehr praktisch. Nicht nur auf diesen Fall bezogen.
        Die haben da immer absolut geile Produktfotos, von allen Seiten und zoombar.
        Dagegen stinken meistens die Herstellerfotos ab.
        Wollte ich mal so anmerken. :-)

  2. Profilbild
    Peter-Philipp Schierhorn  RED

    Welcher Leser hat denn das Ding mit „Finger weg!“ bewertet und warum das? Das ist ja doch schon etwas starker Tobak der vielleicht einer Erklärung bedürfte…

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