Klangstarker Allzweck-Kopfhörer zum günstigen Preis
Nachdem im Sommer bekannt geworden war, dass Beyerdynamic an ein chinesisches Unternehmen verkauft wird, kam natürlich die Frage auf, ob der Heilbronner Hersteller seinen hohen Qualitätsanspruch wird halten können oder ob die Chinesen den Namen nutzen werden, um die klassischen Billigprodukte aus Fernost zu verkaufen. Wasser auf die Mühlen bei manchem Skeptiker gießt nun der Beyerdynamic DT 270 Pro, der mit einem Verkaufspreis von 99,- Euro die DT-Produktpalette nach unten abrundet. Aber gemach, der (indirekte) Vorgänger des DT 270 Pro, der DT 240 Pro, kostete zum Start 2017 ebenfalls 99,- Euro, das ist also nicht der Start einer chinesischen Billig-Invasion. Schauen wir also mal, was der DT 270 Pro anders und vielleicht ja auch besser macht als der Vorgänger aus der DT-200-Reihe.
- Klang: Ausgewogenes, klares und detailreiches Klangbild mit kräftigem Bass und präzisen Höhen.
- Komfort: Leichtes Design mit Velours-Ohrpolstern; angenehm zu tragen, aber etwas straffer Sitz bei großen Köpfen.
- Verarbeitung: Hochwertige Materialien in dieser Preisklasse, komplett recyclebare Verpackung, abnehmbares Spiralkabel.
- Fazit: Vielseitiger, preisgünstiger Studiokopfhörer mit überzeugendem Sound und solider Beyerdynamic-Qualität.
Inhaltsverzeichnis
Intermezzo: Der Verkauf von Beyerdynamic
Mitte Juni kam die Meldung, dass die deutsche Audiomarke Beyerdynamic für rund 122 Millionen Euro an das chinesische Unternehmen Cosonic Intelligent verkauft wird. Cosonic wurde 2013 gegründet und ist hauptsächlich in der Unterhaltungselektronik tätig. Zur Produktpalette gehören unter anderem True Wireless- und Knochenschall-Kopfhörer sowie Smartwatches und Smart Glasses.
Das Unternehmen wächst rasant: Bereits zwei Jahre später wurde die fünfte Fabrik gebaut, weitere Industrieparks folgten. Wobei auf der Website des Unternehmens allerdings gerade einmal neun Produkte aufgeführt werden. 2024 beschaffte man sich über die Ausgabe von Wandelanleihen neues Kapital – wobei die dabei generierte eine Milliarde Yuan nach aktuellem Kurs 120,7 Mio Euro sind. Passt also genau.
Als Gründe für den Verkauf gab Beyerdynamic, das 1924 in Berlin gegründet wurde und einen Umsatz von 84 Millionen Euro vorweisen kann, hohe Entwicklungskosten, gestiegene Materialpreise, Konkurrenzdruck und wirtschaftliche Schwierigkeiten nach der Corona-Krise an. Die Marke Beyerdynamic, der Hauptsitz in Heilbronn und die Produktion sollen ebenso erhalten bleiben wie alle 375 Arbeitsplätze.
Technische Daten des Beyerdynamic DT 270 Pro
Der Beyerdynamic DT 270 Pro ist ein geschlossener, dynamischer Studiokopfhörer mit ohrumschließenden Ohrpolstern. Den Übertragungsbereich gibt der Hersteller mit 5 – 24.000 Hz an (zum Vergleich: der DT 240 Pro kam da auf 5 – 35.000 Hz ), den Kennschalldruck mit 96 dB (DT 240: 99 dB) und die Impedanz mit 45 Ohm (DT 240 Pro: 34 Ohm) – und damit sollte er auch Smartphone-tauglich sein.
Mit einem Gewicht von 194 g (das Nachwiegen auf meiner Waage ergaben 196 g – die auch beim DT 240 Pro angegeben waren), eignet er sich auch für längere Sessions. Insgesamt hat der DT 270 Pro bei den technischen Daten gegenüber dem 240er also etwas „abgespeckt“.
Verpackung und Lieferumfang
Der Beyerdynamic DT 270 Pro kommt in der klassischen Beyerdynamic-Verpackung. Viel Schwarz und Grau, etwas Orange, eine kleine Abbildung des Kopfhörers und das kleine Logo auf der Vorderseite, auf der Rückseite ein etwas größeres Produktfoto und einige Informationen dazu – alles sehr dezent.
Dass dabei komplett auf Plastiktüte, Styropor oder Kunststoffbehältnisse verzichtet wird, ist lobenswert und eine Erwähnung wert. Hier wird komplett auf recyclebare Papier- und Pappmaterialien gesetzt. Was leider immer noch nicht selbstverständlich ist.
Die Verpackung enthält, neben dem Kopfhörer selbst, einen Transportbeutel aus Stoff mit Beyerdynamic-Logo und Schnürverschluss, ein Spiralkabel (vergoldete Miniklinke auf Miniklinke, das wir schon vom DT 240 her kennen, plus verschraubbarem 6,35 mm Adapter,) sowie einen Adapter, um den Beyerdynamic DT 270 Pro an ein Smartphone anschließen zu können (Miniklinkenbuchse auf USB-C). Das ist angesichts des Preises von 99,- Euro ein lobenswert umfangreiches Paket, das Beyerdynamic da geschnürt hat. Insgesamt: Beide Daumen hoch für Verpackung und Lieferumfang.
Verarbeitung und Design des Beyerdynamic DT 270 Pro
Wenig überraschend erkauft sich der Beyerdynamic DT 270 Pro sein geringes Gewicht durch die Verwendung von viel Kunststoff. Dass die Schalen der Ohrmuscheln aus recht dünnem Plastik bestehen und sich daher nicht übermäßig wertig anfühlen (vor allem, wenn man mal dagegen klopft), ist kein Drama: Es sind halt nur Abdeckungen.
Ein klein wenig kritischer sehe ich es da zwar schon, dass auch die Gelenke, mit denen sie am Kopfbügel befestigt sind, ebenfalls komplett auf jedwedes Metall verzichten, auch wenn der hier verwendete Kunststoff deutlich stabiler scheint als der an den Schalen. Aber das ist völlig normal in dieser Preis- und Gewichtsklasse. Der günstige Preis und das geringe Gewicht muss sich ja zwangsläufig auch bei den verwendeten Materialien widerspiegeln, da darf man natürlich keine Holzschalen und Titaniumgelenke erwarten.
Der Kopfbügel besteht aus stabilem Federstahl, der unten mit einer komfortablen Polsterung versehen und mit Kunstleder bezogen ist. Auf der Oberseite wird er mit einer Kunststoffschiene mit dem Beyerdynamic-Schriftzug abgedeckt. Die recht hochwertigen Ohrpolster bestehen aus weich-flauschigem, grauen Velours und fühlen sich beim Tragen sehr angenehm an. Außerdem ist Velours, das in dieser Preisklasse eher ungewöhnlich ist, auch viel haltbarer als die meist dünnen schwarzen Kunstlederbezüge (wie sie der DT 240 Pro hatte), die mit den Jahren oft rissig werden und abblättern. Und sollten die dann doch irgendwann mal hinüber sein, können die auch leicht ausgetauscht werden. Wie das geht, steht in dem kleinen beiliegenden Faltblatt.
Die Gehäuseschalen des Beyerdynamic DT 270 Pro sind beide um je 90 Grad drehbar, was gerade beim Transport und auch beim einseitigen Abhören ein Pluspunkt ist. Genau wie die Tatsache, dass sich das Spiralkabel auf beiden Seiten anschließen lässt. Denn nichts ist nerviger als ein Kabel, das einem dauernd vor dem Hals hängt, weil das Pult auf der anderen Seite steht. Kleinigkeiten, die man mit den Jahren sehr zu schätzen weiß. Und damit man weiß, wo beim DT 270 links und rechts ist, wurde das sehr dezent auf der Innenseite der Gelenkzuführungen vermerkt.
Ein Wort noch zum Kabel. Das hat auf der einen Seite 30, auf der anderen 60 cm „normales“ Kabel, in der Mitte dann 40 cm eng gewickeltes Spiralkabel, das man auch auf das Dreifache dehnen kann. Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass man nicht 2 m Kabel auf dem Pult rumliegen oder irgendwo rumhängen hat. Und dann ständig mit dem Stuhl darüber rollt (wie schon 1000x bei meinem 25 Jahre alten AKG K-501, der das aber bisher locker weggesteckt hat) oder sich der Hund darin verfängt und dann panisch das Audiointerface vom Tisch zerrt (auch schon passiert).
Auf der anderen Seite steht das Kabel, wenn man die Spirale dehnt, schon nach wenigen Zentimetern unter Spannung, die dazu führt, dass sich ein leichtes Audiointerface Richtung Tischkante in Bewegung setzt. Da nutzen die zusätzlichen Spiral-Zentimeter nur bei bombenfest verankerten Geräten. Weshalb ich im Studio kein großer Freund davon bin, unterwegs die verkürzten Kabel aber zu schätzen weiß. Das Kabel kann man übrigens für 25,- Euro nachkaufen.
Insgesamt wirkt der Beyerdynamic DT 270 Pro schlanker und aufgeräumter als der DT 240 Pro, bei dem besonders die Gelenke und der Kopfbügel etwas wuchtiger aussehen. Auch wertet das graue Velours das Design deutlich auf.
Tragekomfort des Beyerdynamic DT 240 Pro
Ein Kopfhörer kann ja noch so toll klingen, wenn er aber nach einer halben Stunde drückt und Kopfschmerzen verursacht oder das Wasser in den Ohren steht, so nutzt das nicht viel. Nun ist der Tragekomfort auch immer ganz wesentlich von der Kopfform und Größe des Trägers abhängig. Bei Menschen mit großen Köpfen (so wie ich – wir Westfalen haben nun mal große Schädel) wird es viel schneller unbequem als bei denen, die ihre Mützen in der Kinderabteilung kaufen. Insofern ist das stets eine recht subjektive Sache.
Im Vergleich zu meinen anderen Kopfhörern (AKG K-501 (offen), Beyerdynamic MMX-100 (Headset, geschlossen), Rode NTH-100 (geschlossen)) sitzt der Beyerdynamic DT 270 Pro schon recht straff. Für meinen Schädel schon fast ein wenig zu straff. Aber vielleicht bin ich ja da auch gerade durch den AKG, den ich meistens nutze, etwas verwöhnt, der sich als offener Kopfhörer den Luxus erlauben darf, etwas mehr Lockerheit an den Tag zu legen.
Wie schon beim DT 240 fallen auch beim Beyerdynamic DT 270 Pro die Ohrmuscheln mit einem Innendurchmesser von etwa 5 cm relativ klein aus. Da wird aus dem „ohrumschließend“ bei großen Ohren unter Umständen schon ein „ohreinschließend“. Dafür dichten die Velourspolster dann aber auch gut ab.
Die Gefahr des Übersprechens des Kopfhörersignals auf das Mikrofon ist also sehr gering, die Abschirmung vor Umgebungsgeräuschen ist gut. Auch sitzen sie sehr bequem. Allerdings wird es darunter auch recht schnell warm, dafür sorgt der Mix aus „geschlossen“ und „Velours“. Bei einer Raumtemperatur von knapp 20 Grad hier während des Tests waren meine Ohren nach wenigen Minuten schon gut durchblutet. Das könnte bei höheren Temperaturen im Sommer ein Problem werden.
Der Kopfbügel schließlich lässt sich recht weit ausziehen, so dass das Kopfband auch bei größeren Köpfen nicht stramm aufliegen muss.
Wie klingt der Beyerdynamic DT 270 Pro?
Wie immer an dieser Stelle der Hinweis, dass der Klang eines Kopfhörers von einer Menge subjektiver Faktoren wie Alter, Hörvermögen, Kopfform, Hörgewohnheiten, Sitz des Kopfhörers, Hörsituation und noch so einiges mehr abhängig. In meinem „fast-Renten-Alter“ höre ich Höhen zum Beispiel ganz anders (oder gar nicht mehr) als jemand, der 40 Jahre jünger ist. Deshalb sind das Nachfolgende meine Eindrücke, die aber keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben. Vorrede Ende.
Beyerdynamic bezeichnet den DT 270 Pro, genau wie den DT 240 Pro, als „kompakten Studiokopfhörer für Recording und Monitoring“ und lobt die „kraftvollen Treiber für verzerrungsfreien Klang im Studio und an portablen Endgeräten“ (vulgo: Handy) und die „professionelle Klangabstimmung für eine unverfälschte und präzise Wiedergabe“. Der Beyerdynamic DT 270 Pro ist laut Hersteller für mobile oder flexible Anwendungen ausgelegt und wird „für Musikproduktion im Heimstudio, Podcast-Recordings unterwegs, den Einsatz in Bildungseinrichtungen wie Musikschulen und zum Üben für Instrumentalist:innen“ empfohlen. Ich höre mal rein.
Und starte mit Rob Zombie’s „Living Dead Girl“. Die Bässe sind schön druckvoll und schieben den Song an, die E-Gitarren in der recht neutralen Mitte schimmern gut durch, die Höhen sind knackig, was in diesem Fall aber auch am Song liegt. Was mir besonders gut gefällt, ist zum einen das großflächige Stereobild (Living Dead Girl nutzt da in bester Beatles-Stereo-Manier die gesamte Breite des Platzes), aber vor allem auch die sehr klare Auflösung, die – wie damals Ariel im Hauptwaschgang – Matsch und Schmutz keine Chance lässt, auch in den Bässen nicht. Und auch den Main-Titles aus dem Blade Runner (der mit der Explosion am Anfang) meistert der DT 270 Pro gut. Nächste Nummer: Avril Lavigne und ihr „Sk8er Boi“. Auch hier: Klar aufgelöst, große Projektion, in der sich die einzelnen Frequenzbereiche nicht auf den Füßen stehen. Die Höhen sind dieses Mal etwas weniger aufgeregt, weicher, mit feinen Details, der Subbass zu Beginn des Songs grummelt wie er soll, während der anschließende E-Bass sich dann schön, aber schon gut vernehmlich einreiht ins Geschehen. Was aber nicht immer ganz gelingt. In einer Eigenkomposition, die ich kürzlich begonnen hatte, wummert die Bassdrum – die mit dem AKG und dem Rode recht unscheinbar klingt – plötzlich extrem dumpf und laut. Zeigt, dass der DT 270 Pro in Extremsituationen doch schon mal zur Übertreibung im Keller neigt, wo andere Kopfhörer „alles klar“ vermelden. Das sollte man beim Abhören eines Mixes berücksichtigen.
Am Smartphone liefert der Beyerdynamic DT 270 Pro mit seinen 45 Ohm ordentlich „Wumms“. Da muss ich den Volume-Regler am Samsung gar nicht überstrapazieren, es reicht die Mittelstellung. Und auch qualitativ ist der Sound da absolut überzeugend. Deutlich besser als mit meinen üblichen Bluetooth-Kopfhörern.
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ohne Stahlschienen würde ich keine Kopfhörer mehr kaufen. der bricht sicher, bevor die Pölster ruiniert sind
@Numitron Absolut!
@Numitron Die hat er ja.
Als ich deine Nachricht gelesen habe interpretierte ich es andersrum hinein.
@webmob sorry.
OK, die Gelenke aus plastik aber stahlschienen.
immerhin.
@Numitron mit Stahlschienen wird zu ein Kopfhörer aber ganz schön schwer.😂
@DJ Ronny also meine haben das alle
aber ja, keine Eisenbahnschienen.😜
Danke für den schönen Test, interessante Kopfhörer. Was mich begeistert ist, dass die Polster aus Velour sind. Diese neuen wie sich auch immer nennen Lederimitate halten ja nicht mehr lange.
Ich habe ja schon so viele Kopfhörer. Mein innerer Finanzminister sagt ja Nein aber vielleicht lasse ich mir welche zum Weihnachten schenken.
@DJ Ronny ja, das velour ist fein.
hab ich jetzt auch für den 20 Jahre alten AKG k240 und den audio technica m50x. beim AKG hab ich die Originalenpads 20 Jahre verwendet! das war eine gute Qualität. beim Audio schon nach 3 Jahren die ultradünne Polyurethanschicht zerbröselt.
@Numitron Ich möchte auch nichts anderes mehr als Velourpolster. Kein schwitzen und angenehm auf den Lauschern.
@Filterpad ausgezeichnet smithers 😜
@Numitron Der von den Gelblingen?
@Filterpad ja 😊
@Filterpad Das derzeitige Kunstleder muss wirklich nicht sein, obwohl die aktuellen Materialien schon sehr haltbar sind und sich wie echtes Leder anfühlen. Sie sind aber leider nicht atmungsaktiv, was aber auch nur eine Frage der Zeit ist.
Ich bevorzuge Leder gegenüber Velour bei meinen Kopfhörern, gibt es aber immer seltener.