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Test: Beyerdynamic FOX, USB-Mikrofon

20. August 2018

Gut, aber nicht fehlerlos

beyerdynamic fox

Während so manche Hersteller – besonders die, die im unterem Preisbereich unterwegs sind wie Samson oder the t.bone, aber auch einige etwas hochpreisigere Vertreter wie Shure oder Rode – inzwischen schon ein breites Angebot an USB-Mikrofonen vorzuweisen haben, hat sich beyerdynamic da lange bedeckt gehalten. Jetzt aber ist die Katze aus dem Sack – oder besser: der Fuchs. beyerdynamic FOX heißt nämlich das neue USB-Großmembran-Kondensatormikrofon, das auf der diesjährigen NAMM-Show Anfang des Jahres vorgestellt worden war und im Juli nun in den Handel gekommen ist. Geeignet ist es laut Hersteller „für Heimstudio und mobile Aufnahmen, Singer-Songwriter, Sänger, Musiker, Podcaster, Gamer und YouTuber“ – also so ziemlich für jeden. Aber macht es damit am Ende dann zu viele Kompromisse?

Ein Blick auf die Technik des beyerdynamic FOX

Das beyerdynamic FOX ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik, das laut Hersteller für den Betrieb an Windows PC, Mac, iOS- und Android-Geräten geeignet ist. Im Gehäuse integriert sind Vorverstärker, Wandler und Kopfhörerverstärker. Ein paar Zahlen: Der Wandler (verwendet wird die Technik von Cirrus Logic) bieten eine Abtastfrequenz von bis zu 96 kHz bei 24 Bit. Den Übertragungsbereich gibt der Hersteller mit 20 – 20.000 Hz an, die Empfindlichkeit (bei 94 dB SPL/1 kHz) mit -15 dBFS / -33 dBFS, das Eigenrauschen mit -88,5 / – 107 dBFS und den Grenzdruckschallpegel mit 97,5 / 97,5 dB SPL. Zahlenlawine Ende.

beyerdynamic Fox

beyerdynamic FOX – Ausgepackt

Hatte ich beim letzten Test eines USB-Mikrofons (Apogee MiC +) noch gedacht „Das ist ja viel kleiner als ich dachte“, ist beim beyerdynamic FOX genau das Gegenteil der Fall: Das Mikro wirkt erstaunlich groß und mit seinem durchgehenden schwarzen Metallkorpus auch ausgesprochen massiv. Über 500 Gramm bringt das USB-Gerät auf die Waage, in meinem Fitness-Club gibt’s Kandidat(innen), die ein derartiges Gewicht beim Kurzhanteltraining einsetzen. Soll heißen: Auf der einen Seite wirkt das fast unkaputtbar, ist auf der anderen Seite aber auch kein Mikro, das ich bei einem Interview nun stundenlang mit ausgestreckten Arm halten möchte.

Ebenfalls mit im Karton: ein ansehnlicher Metall-Popschutz zum Aufstecken (den ich beim Apogee im letzten Monat noch schmerzlich vermisst hatte – geht also doch), ein 1 Meter langes (bzw. wie immer zu kurzes) orangefarbenes USB-C-Kabel, ein Kunststoff-Tischfuß mit 3/8 Stativ-Adapter  und ein zweisprachiges Heftchen aka Bedienungsanleitung. Fehlt was? Ja: In der Anleitung heißt es im Kapitel „Betrieb am Smartphone“: „Schließen Sie das Mikrofon mit dem entsprechenden Adapter an ihr Smartphone an (nicht enthalten).“ Zumindest ein USB-C auf Lightning-Kabel wäre da eine sinnvolle Beigabe gewesen – so was hat man ja nun nicht unbedingt im Haus. Ich zumindest nicht, weshalb ich mir dann kurzerhand eines gekauft habe; seit es die nicht mehr exklusiv bei Apple gibt, ist man ja schon mit unter zehn Euro dabei – kann man immer mal brauchen.

beyerdynamic FOX – angeschaut

Der massive, mattschwarze, runde Komplettmetall-Korpus des beyerdynamic FOX macht einen hochwertigen Eindruck. Die Mikrofonkapsel wird durch ein stabiles Metallgitter geschützt, das wiederum durch weitere Metallstreben eingefasst wird – da kann nun wirklich nichts passieren. Zwischen dem Gitter und dem Handgriff befindet sich eine Aussparung, auf die der mitgelieferte quadratische Popschutz gesteckt wird, der designtechnisch perfekt zum FOX passt, das sieht deutlich besser und wertiger aus als die üblichen Schaumstoff-Überzieher.

Der mitgelieferte Popschutz wird einfach angeklemmt

Das FOX kann entweder auf einem herkömmlichen Stativ oder auf dem mitgelieferten Tischstativ befestigt werden. Letzteres steht – dank großer Fußfläche – sehr stabil, über ein Scharnier im Stativ-Adapter kann das Mikro auch nach hinten gekippt werden. Bei der Erstinstallation zeigte sich die Befestigungsschraube extrem widerspenstig, da war einiges an Kraftaufwand nötig, um sie zu lösen. Besser schon mal einen größeren Schraubendreher bereit legen, denn mit der vorgeschlagenen Münze hat man da keine Chance.

Auf der Vorderseite finden sich die beiden Drehregler für den Monitor-Mix und die Kopfhörerlautstärke. Letzterer ist – wohl aus designtechnischen Gründen – etwas kürzer und – aus unerfindlichen Gründen – in der ersten Hälfte etwas schwergängiger als der Mixregler. Da beide Regler nicht gummiert sind, ist das Handling ein wenig umständlich – FOX 2 dann bitte mit Gummierung. Ebenfalls auf der Vorderseite: der Kopfhörerausgang (3,5 mm Buchse) und ein Mute-Button. Ein kleines Schmankerl dazu: Auf der Produkt-Website heißt es „Halte störende Geräusche während der Aufnahme fern, indem du über den Mute-Button das Mikrofon stumm schaltest“. Nun ja, lieber Manual-Autor: Dann halte ich aber nicht nur „störende Geräusche“, sondern „alle Geräusche“ von der Aufnahme fern. Der Mute-Button jedenfalls blinkt orange, wenn er aktiviert ist und leuchtet ansonsten durchgehend – ebenfalls orange. Und ist dazu da, während des Abhörens des Signals vom PC (oder Mac) das Mikro stumm zu schalten.

Auf der Rückseite schließlich ein Gain-Schalter (high/low) und der USB-C-Anschluss. Heißt: kein GainRegler am Mikrofon (wie etwa beim Apogee MiC+) und auch keine Pegelanzeige jedweder Art. Das muss man dann beides softwareseitig lösen. Was ich persönlich nicht so prickelnd finde: Die meisten Programme – wie das von mir häufig eingesetzt Soundforge zum Beispiel – bieten gar keine Möglichkeit, den Pegel via Software zu steuern, sondern erwarten einen vorgeschalteten Mixer. Den es bei USB-Mikros aber nun mal nicht gibt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    L. Lammfromm  

    Da wurde der Test seitens der Herstellers in Hinblick auf die iPad-Kompatibilität wohl mit äußerster Gründlichkeit vorgenommen…
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    Kleine Anregung (ggf. aber keine Top-Idee): Man könnte den Stromverbrauch im laufenden Betrieb mit Hilfe billiger USB-Digitalmesser (ich habe für meinen 2,24 Euro gezahlt) mit etwa 10 Prozent Genauigkeit messen und den Testbericht damit noch ein kleines Stück weit aussagekräftiger machen. Ich jedenfalls finde, gerade bei USB-Equipment für mobile Musikanwendungen, dass der Stromverbrauch ein bedeutender Faktor ist.
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    Gerade dann, wenn das iPad eventuell schon ein klein wenig gealtert ist (und dessen Batterie evtl. nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität hat), kann sich ein „großer Stromhunger“ des angeschlossenen Equipments ziemlich unangenehm bemerkbar machen.
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    Danke jedenfalls für den Testbericht! :D

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Danke für den Hinweis auf den USB-Digitalmesser – hab ich mir gleich mal bei Amazon bestellt. Sollte der noch rechtzeitig kommen, werde ich die Daten an dieser Stelle nachreichen.

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