Vier Kanäle „Chicago-Style“ für kleines Geld
Der Black Lion Audio Auteur MKII Quad ist ein vierkanaliger Mikrofonvorverstärker im 19″-Rack-Format, der in Chicago entwickelt und in China gefertigt wird. Er richtet sich an Homerecording-Enthusiasten ebenso wie an Projektstudio-Betreiber, die für überschaubares Geld eine klanglich vielseitige Vorstufe für Drums, Vocals, Gitarren und DI-Signale suchen.
Was ist es? Der Black Lion Audio Auteur MKII Quad ist ein vierkanaliger Mikrofonvorverstärker im 19-Zoll-Rackformat.
- Klangcharakteristik: Bietet eine hybride Bauweise aus IC-basierter Eingangsstufe und Übertrager-Ausgangsstufe, die bei geringem Gain transparent bleibt und mit zunehmendem Gain eine musikalische Sättigung erzeugt.
- Flexibilität: Jeder Kanal verfügt über einen Hi-Z-Eingang und TRS-Ausgang, was den Einsatz als Mikrofonvorverstärker und DI-Box ermöglicht.
- Anwendungsbereich: Eignet sich für eine Vielzahl von Signalquellen wie Drums, Vocals und Gitarren, sowohl für Homerecording als auch für Projektstudios.
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Bietet vier Kanäle zu einem attraktiven Preis pro Kanal, was ihn zu einer kosteneffizienten Lösung für kanalstarke Setups macht.
- Schwächen: Das Gerät ist mit einem externen Netzteil ausgestattet, was die Handhabung im Vergleich zu einem internen Netzteil als weniger komfortabel erscheinen lässt.
Inhaltsverzeichnis
Black Lion Audio Auteur MKII Quad: Vorab-Fazit
Der Auteur MKII Quad ist kein Preamp, der sich durch Extravaganz in den Vordergrund drängt, sondern einer, der im Zweifel einfach funktioniert. Sauber bei niedrigem Gain, mit Biss und Sättigung, sobald man den Pegel entsprechend aufdreht.
Für vier Kanäle in einem Gehäuse verlangt Black Lion Audio einen Preis, der pro Kanal kaum die 300-Euro-Marke überschreitet. Wer eine komplette Drumaufnahme mit vier baugleichen Vorstufen bestücken möchte, ohne dafür einen Kredit aufzunehmen, bekommt hier also ein ernstzunehmendes Angebot.
Wer hingegen ein Faible für dicke Übertrager namhafter Boutique-Hersteller, aufwendige Bedienoberflächen oder ein internes Netzteil hat, wird an anderer Stelle suchen müssen.
Für Einsteiger, die ein kanalstarkes Setup aufbauen, ebenso wie für Profis, die eine kosteneffiziente Ergänzung ihres Kanalzugs benötigen, lohnt sich ein Blick auf den Black Lion Audio Auteur MKII Quad allemal.
Chicago-Style – ein Marketingbegriff mit Substanz
Black Lion Audio nennt den Auteur MKII Quad einen „schnellen“ Preamp. Doch was hat es damit auf sich? Hierbei geht es um eine Beschreibung, inwieweit das Zusammenspiel mit einer entsprechenden Sättigung das Signal „verklebt“ bzw. noch transparent hält.
Die Chicagoer Firma hat sich mit dem Black Lion Audio Auteur MKII Quad eine Aufgabe auferlegt, einen Preamp zu gestalten, der zunächst einmal bei geringer Ansteuerung sauber in der Ansprache bleibt, bei Bedarf aber mit zunehmendem Gain-Pegel mehr „Schmutz“ in das Signal bringen kann, ohne dass es zu sehr in Richtung Overdrive abtaucht.
Was sich hinter dem hauseigenen Label „Chicago-Style“ verbirgt, lässt sich technisch ziemlich präzise fassen. Nämlich als eine IC-basierte Eingangsstufe amerikanischer Prägung, gepaart mit einer Ausgangsstufe, die über Übertrager für Farbe und „Gewicht“ im britischen Sinne sorgt.
Diese hybride Bauweise aus modernem Halbleiterdesign und klassischer Übertragertechnik soll den Auteur Quad zum Alleskönner machen, der sich weder auf klinische Neutralität noch auf totale Vintage-Sättigung festlegen lässt, sondern beides je nach Gain-Stellung anbietet. Auf Trommeln und Gesang, wo Detailzeichnung und eine dezente Sättigung gleichermaßen gefragt sind, soll dieses Konzept seine größte Stärke ausspielen. In der Praxis bestätigt sich dieser Anspruch. Snare-Drums gewinnen an Attack, ohne dass die Übersteuerungsgrenze bedrohlich naherückt und auch robuste Dynamikmikrofone an der Gitarrenbox profitieren von der spürbaren, aber nie aufdringlichen Färbung.
Wie immer ist es natürlich auch eine Frage des verwendeten Mikrofons, das bekanntermaßen eine Wechselwirkung mit dem Preamp eingeht. Von daher sollte man immer verschiedene Mikrofone am Start haben, um die beste Kombination zu finden.
Interessant ist, dass der Preamp bei einigen Signalen zum Teil sehr stark färbt, während andere Signale wie ein Chor-Arrangement nahezu ohne jede klangliche Auswirkung abgebildet werden.
Optik und Haptik: Reduktion als Statement
Mir persönlich gefällt die extrem spartanische Ausführung des Black Lion Audio Auteur MKII Quad sehr gut. Elegant, effektiv, ausgestattet mit den wichtigsten Schaltern und wunderschön anzusehenden VU-Metern, ist der Preamp optisch ein echtes Schmuckstück. Die Vorstellung, man benutzt vier von den Preamps für eine umfangreiche Schlagzeugaufnahme, lässt das Herz eines Engineers direkt etwas schneller schlagen. Dazu kommen angenehm schwergängige Gain-Regler, die mit bis zu 66 dBu auch schwachbrüstige Bändchenmikrofone zur Mitarbeit animieren können.
Wer nun aber gebürstetes Aluminium und markante Frontplattengestaltung als Selbstzweck erwartet, wird enttäuscht: Hier zählt Funktion vor Optik, und das bei einem Arbeitsgerät, das in der Praxis mehr strapaziert als bewundert werden soll.
Anschlüsse, Flexibilität und ein Wermutstropfen
Sehr schön ist auch die Flexibilität beim Blick auf die Anschlüsse des Black Lion Audio Auteur MKII Quad. Jeder Kanal besitzt seinen eigenen Hi-Z-Eingang und zur großen Freude aller Adapter-Hasser, zu denen auch ich zähle, kommt jeder Ausgang mit einem eigenen TRS-Anschluss daher. Eine echte Wohltat!
Damit lässt sich der Black Lion Audio Auteur MKII Quad ohne Umwege sowohl als klassischer Mikrofonvorverstärker als auch als DI-Box für Bass und Gitarre einsetzen, was ihn für Homerecording-Anwender mit begrenztem Equipment-Fundus zu einem echten Multitalent macht.
Leider ist der Black Lion Audio Auteur MKII Quad mit einem externen Netzteil ausgestattet. Klar, das ist kostengünstiger, aber von der Handhabung her schlechter. Einziger Vorteil: vier Kanäle mit nur einem Netzteil, immerhin.
Wer im heimischen Rack ohnehin schon mit mehreren Steckernetzteilen kämpft, wird diesen Kompromiss achselzuckend hinnehmen. Ein integriertes Netzteil hätte den Gesamteindruck eines durchdachten Arbeitsgeräts aber sicherlich aufgewertet.
Klangcharakter: Unauffällig im positiven Sinne
Klanglich hinterlässt der Black Lion Audio Auteur MKII Quad einen klaren Eindruck: Er fällt nicht weiter auf, es sei denn, man fährt ihn in die Sättigung. Genau darin liegt aus meiner Sicht die eigentliche Qualität dieses Preamps. Er drängt sich niemandem auf, sondern stellt sich in den Dienst der Signalquelle. Je nachdem, welches Signal und welchen Einsatzbereich man abdecken möchte, ist dieser Preamp genau das Richtige, was man benötigt. Vom cleanen Gesangs-Take über die Drum-Overhead-Abnahme bis zur angezerrten Gitarrenbox, bei der man gezielt in die Sättigung fährt.
Man sollte sich von dem vergleichsweise günstigen Anschaffungskurs nicht ablenken lassen. Nur weil ein Preamp nur knapp 225,- Euro pro Kanal aufruft, heißt dies noch lange nicht, dass man ein „Average“-Produkt bekommt. Vielmehr spart man natürlich Bauteile ein, die bei einer Single-Product-Anordnung immer mehrfach ausgeführt werden müssten.
Technische Daten im Detail
Beim Black Lion Audio Auteur MKII Quad handelt es sich um einen reinen Mikrofonvorverstärker mit integrierter DI-Sektion. Die Mikrofonabteilung verkraftet einen maximalen Eingangspegel von +1 dBu bei einer Eingangsimpedanz von 6.000 Ohm, wobei ein Pad von 18 dBu für zusätzlichen Headroom bei sehr lauten Schallquellen sorgt.
Die Verstärkung bewegt sich ohne aktiviertes Pad zwischen +14 dB und +65 dB, was für die allermeisten Anwendungsfälle mehr als ausreichend Reserve bietet. Der Rauschabstand liegt bei -108 dBu, ein Wert, der sich im Vergleich zu anderen Preamps dieser Preisklasse durchaus sehen lassen kann. Der Klirrfaktor bei einem Ausgangspegel von +4 dBu bewegt sich je nach Gain-Einstellung zwischen 0,0033 % bei +10 dBu Gain und 0,21 % bei +62 dBu Gain, steigt also mit zunehmender Verstärkung erwartungsgemäß an, bleibt aber selbst am oberen Ende in einem für die Praxis unkritischen Bereich. Die Bandbreite reicht bei 1 kHz und einer Impedanz von 150 Ohm von 10 Hz bis 30 kHz.
Die DI-Sektion verträgt einen maximalen Eingangspegel von +18 dBu und bringt sowohl eine symmetrische Eingangsimpedanz von 2,2 Megaohm als auch eine unsymmetrische von 1,1 Megaohm mit, ergänzt um ein Pad von 13 dBu.
Auch hier reicht die Verstärkung von +14 dB bis +65 dB, während der Rauschabstand mit 82 dB angegeben wird. Der Klirrfaktor liegt bei +4 dBu Ausgangspegel bei 0,007 % bei +12 dBu Gain und steigt auf 0,11 % bei +40 dBu Gain. Die Bandbreite entspricht bei 1 kHz und einer unsymmetrischen Impedanz von 600 Ohm ebenfalls dem Bereich von 10 Hz bis 30 kHz. Die Ausgangssektion schließlich verkraftet einen maximalen Pegel von +26 dBu bei einer Ausgangsimpedanz von 600 Ohm.
Vergleich mit der Konkurrenz
Der Black Lion Audio Auteur MKII Quad lässt sich bzgl. der Konkurrenz u. a. mit dem Warm Audio WA-412 und dem Focusrite ISA 428 MkII vergleichen.
Dabei verfolgen der Auteur MKII Quad, der WA-412 und der ISA 428 MkII unterschiedliche klangliche Philosophien: Der Auteur MKII Quad kombiniert ein amerikanisches IC-Front-End mit einem britischen Cinemag-Output und punktet mit sehr geringem Rauschen (-108 dBu EIN) zum attraktivsten Preis, bietet dafür aber mit 65 dB etwas weniger Gain-Headroom.
Der WA-412 ist ein präziser Klon des klassischen API-312-Preamps mit punchigem US-Charakter, besonders geeignet für Drums und Gitarren und zeigt bei akustischen, transparenzbedürftigen Quellen etwas weniger Feinauflösung.
Der Focusrite ISA 428 MkII repräsentiert das britische Neve/Lundahl-Erbe, bietet mit 80 dB den höchsten Gain, variable Eingangsimpedanz und das beste Rauschverhalten (-126 dB EIN), verlangt dafür mit rund 1.944,- Euro aber deutlich mehr als der Auteur und benötigt ein größeres 2-HE-Rack.
Für ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis mit klanglicher Flexibilität ist der Auteur MKII Quad die wirtschaftlichste Wahl, während der WA-412 sich für alle lohnt, die bewusst den druckvollen API-Sound zum Beispiel für Rock- und Metal-Produktionen suchen.
Der ISA 428 MkII eignet sich dagegen am besten für professionelle Studioumgebungen, in denen maximale technische Präzision, hoher Gain-Headroom für leise Quellen und variable Impedanzanpassung entscheidend sind. Eigenschaften, die den deutlich höheren Preis rechtfertigen können, für gelegentlichen oder vielseitigen Einsatz aber oft überdimensioniert sind.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.







































„Leider ist der Black Lion Audio Auteur MKII Quad mit einem externen Netzteil ausgestattet.“
Und mit einem abstrusen Netzstecker. Sieht aus, als würde eine MIDI Buchse passen.
Aber das Design ist wirklich gut
@Tai Die Netzteilbuchse ist eine 5 polige male XLR Buchse die ggf auch verriegelbar ist, von daher aus meiner Sicher alles OK.
@Spectral Tune Dann ist ok, ich erlebe nur immer wieder, wie gerade bei Netzversorgung die abstrusesten Stecker/Buchsen Lösungen gegangen werden. Ich kann mich an den von Oberheim gebauten Marian Synthesizer erinnern, der hatte tatsächlich neben den MIDI Buchsen einen Stromversorgungseingang, der absolut identisch war. Ich fragte mich immer: was passiert, wenn ich das Netzteil in MIDI stecke?
@Tai Ich möchte ja immer eineLanze für externe Netzteile brechen…das Netzteil ist doch meistens DAS, was am ehesten kaputtgeht…schön, wenn man genau DAS einfach austauschen kann!
Schön ist auch, wenn das Netzteil das Gerät nicht von innen her aufwärmt.
Und der Platzverbrauch eine4s Netzteils ist doch wirklich kein Argument, wenn man die Steckerleiste irgendwo hinlegeb kann, wo sie halt nicht stört…
„Verriegelbare XLR-Buchse“ klingt dann auch noch besser als diese popeligen 9-Volt-Rausrutsch-Dinger…