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Test: Black Lion Audio B173, Mikrofonvorverstärker

Praxis

Der Mikrofonvorverstärker des Black Lion Audio B173 hat eine große Reserve an Lautstärke und erzeugt eine enorme Sättigung der Eingangsquelle. Je höher man den Wert des Gain-Reglers einstellt, desto hörbarer wird die Kompression und Verzerrung des Klanges. Dank des Volume-Potis vor der Endstufe kann der Pegel je nach Bedarf flexibel angepasst werden:

Wenn das Ergebnis eher klar und sauber sein soll, empfiehlt sich eine geringe Vorverstärkung, die durch ein Anheben des Volume-Reglers ausgleichbar ist. Bei einem hohen Gain-Wert, der stark gesättigte und verzerrte Resultate erzeugt, muss zwangsläufig das Volume reduziert werden, um nicht die Wandler des Audiointerfaces zu übersteuern. Grundsätzlich wäre eine Pegelanzeige für die Ein- und Ausgangsstufe des B173 hilfreich und praktisch, aber angesichts des Preises musste darauf offensichtlich verzichtet werden. Letztendlich sollten eh die eigenen Ohren entscheiden, wieviel Sättigung einer Aufnahme gut tut.

Durch das Zusammenspiel von Gain- und Volume-Regler lässt sich damit wunderbar experimentieren, dennoch ist gerade bei einer hohen Vorverstärkung Vorsicht geboten, da nicht jedes Signal von der Verzerrung profitiert.

Gain-Regler

Zum Beispiel können Stimmen bei mittlerer Gain-Stärke schöne, samtige Obertöne hinzugefügt werden, bei der nächsten Stufe kriegen die Pegelspitzen einen leichten Overdrive. Ein bis zwei Anhebungen später entsteht eine beißende Verzerrung, die klanglich dann schon kritisch ist. Auch die Höhen einer Gesangsaufnahme werden bei einer zu kräftigen Vorverstärkung leicht weggedrückt, die unteren Mitten etwas matschiger und der Bassanteil tendenziell überbetont.

Natürlich ist das alles eine Frage des Geschmacks und der Stilrichtung, denn was bei einem zarten Frauengesang eventuell viel zu viel ist, kann zum Beispiel einer Rock Bassdrum oder Snare genau den richtigen Punch verleihen.

Wesentlich gemäßigter verhält sich der D.I.-Eingang, dessen FET-Schaltung klanglich zwar schon einen ähnlichen Biss hat, aber bei weitem nicht so kräftig zugreifen kann wie der Mikrofonvorverstärker. Dennoch liefert er schöne warme und runde Ergebnisse, egal ob nun eine E-Gitarre oder ein Synthesizer angeschlossen ist. Besonders ein E-Bass erhält ein warmes und vollmundiges Low-End, das einfach schön klingt.

Auch bei der D.I.-Funktion ist der Volume-Regler äußerst nützlich, um den festgelegten Vorverstärkungswert zu kompensieren – in der Regel durch eine leichte Lautstärkeanhebung.

Output Level

Im Vergleich zum Rupert Neve Designs Shelford Channel, dessen Preamp ebenfalls eine Anlehnung an den des 1073 ist und während des Tests gleichzeitig zur Verfügung stand, wirkt die Sättigung und Verzerrung des B173 etwas deftiger und roher. Der Shelford Channel erzeugt wesentlich filigranere Obertöne und auch der berühmte samtige Neve-Sound wirkt feiner und erhabener.

Insbesondere in den oberen und unteren Mitten ertönt der B173 etwas aggressiver, während beide in den Höhen ein luftiges High-End haben, wodurch sie sich wohl auch gleichermaßen vom Vorverstärker des Neve 1073 unterscheiden.

Einer der schwierigsten Punkte beim Nachbau des Originals ist das subharmonische Verhalten im Tiefbassbereich. An dieser Stelle haben die Entwickler von Black Lion Audio gar nicht erst versucht, dem Vorbild nachzueifern, sondern setzen auf einen ähnlich kräftigen Bass, der allerdings ein moderneres und klareres Low-End besitzt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    L. Lammfromm  

    Ein Mikrofon-Vorverstärker, der ziemlich weit weg vom Original liegt und 499 Euro kostet.

    Und das ist dann „Budget“??

    Habe ich etwas verpasst, oder ist es nicht eher so, dass man Färbungen und Verdichtungen des Sounds auch – deutlich preiswerter – mit Software erreichen kann, ohne auch nur ein Milligramm Klangqualität einzubüßen. Das jedenfalls wäre meine erste Einschätzung.

    So einen Kram brauche ich nicht. Und ich gerate auch nicht in Verzückung, wenn irgendetwas ein berühmtes Geräteoriginal irgendwie kopieren möchte. Zumal dann, wenn das offenkundig nicht glückt.

    Ich verstehe das nicht. Interessieren sich so viele Musiker für derartige Produkte?

    • Profilbild
      fkdiy  

      Ich suche noch nach guten Preamps, um meine Synthesizer irgendwann mal reampen zu können (Synth > DI > Preamp), also ist sowas schon interessant für mich.

      Für den aufgerufenen Preis ist mir das aber auch zu teuer, zumal es nur ein Kanal ist.

      Und Klangfärbung machen eh alle Amps mehr oder weniger, also findet man sicher auch was gutes gebrauchtes, was auch schön klingt – nur eben nicht nach Dem Bestimmten Gerät mit Dem Bestimmten Sound (TM).

      Den Neve Channelstrip neulich für 3500+ Euro für im Endeffekt einen Mischpultkanal fand ich heftiger. Aber naja, eher was für Profis sicherlich.

      Edit: Genau um den Verlust an Klangqualität geht’s hierbei ja eigentlich. Mache nennen das „schöne musikalische Verfärbungen“ und freuen sich daran, obwohl es nüchtern betrachtet vielleicht etwas mehr rauscht und zerrt. Klinisch sauber ist doch langweilig. ;)

      • Profilbild
        Armin Bauer  RED

        Für die Anwendung, die du dir vorstellst käme vielleicht der SPL Charisma in Frage. Die 2-Kanal Version kannst du mit etwas Glück so um die 200,- kriegen.

  2. Profilbild
    designlabor

    Der Neve 1073 ist kein Preamp, sondern ein Channelstrip. Der EQ gehört mit zur Schaltung dazu. Das Teil hat 3 Gainstages plus Induktor-EQ. Was dieses BLA-Teil mit dem 1073 zu tun haben soll ist mir unklar. Dann sind da Cinemag- und Edcore-Transformer drin, keine Carnhills wie im Neve. Ausserdem nur 2 Gainstages. Auch der Vergleich mit dem Shelford-Channelstirp hinkt gewaltig, da die neuen Rupert Neve geräte weder nach vintage Neve klingen, noch das sollen. Das sind ganz eigenständige Produkte. Wer einen „günstigen“ Neve 1073 will muss zum AML EZ1073 greifen. Alles andere ist leider reines Marketing-Blabla.

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