Test: Blackstar Super Fly, Übungsverstärker

7. April 2020

Übungsamp oder doch schon Mikro-PA?

Gut klingende, batteriebetriebene Übungsverstärker zu finden, ist keine einfache Angelegenheit. Leicht sollen sie sein, kompakt sollen sie sein, aber dennoch sollen sie über ein Maximum an klanglichen Qualitäten verfügen. Zudem ist die reine Verstärkung eines Instrumentes längst nicht mehr ausreichend, um von der nachwachsenden Generation als ernstzunehmender Übungsverstärker wahrgenommen zu werden. Wo man sich früher über die Mini-Ausführungen eines Marshall Half- oder Full-Stacks ein Loch in den Bauch gefreut hat, locken diese Art Verstärker heutzutage weder klanglich noch von Bedienungsumfang einen Hund hinter dem Ofen hervor. Mit dem Blackstar Super Fly schickt sich der britische Hersteller nunmehr an, gleich mehrere Instrumente auf einmal klanglich zu verwalten, zuzüglich einiger sehr praxisnaher Erweiterungen.

Blackstar Super Fly Front

Die Konstruktion des Blackstar Super Fly

Bei dem Blackstar Super Fly handelt es sich um einen 12 Watt Übungsverstärker, der mit 8 Batterien, Typ AA, betrieben wird. Die maximale Betriebsdauer wird vom Werk mit 15 Stunden angegeben, was sich sehr wahrscheinlich auf Alkaline-Batterien bezieht. Der Verstärker kann alternativ auch mit Nickel-Metallhydrid-Akkus betrieben werden oder aber mit einem nicht im Lieferumfang enthaltenen Netzteil. Das Netzteil muss allerdings über die ungewöhnlichen Werte von 12 V / 2,5 A verfügen, was sich gerade in stabilisierter Form nicht an jeder Ecke finden lassen wird. Das Augenmerk wird sich also vor allem auf den Batteriebetrieb richten.

Mit den Abmessungen 28 x 15  x 21 cm (B x T x H) und einem Gewicht von ca. 2,4 kg inkl. Batterien kann der Verstärker nicht mehr als Pocketamp gewertet werden, ist aber trotzdem in Sachen Transportabilität in einem sehr nutzerfreundlichen Rahmen gehalten. Der Verstärker ist aus schwarzem Kunststoff gefertigt und macht trotz seiner geringen Größe einen recht robusten Eindruck. In Bezug auf Schläge und Stöße gebärdet sich das Gehäuse trotz der reinen Kunststoffausführung hart im Nehmen und wird die eine oder andere Rempelei gut verkraften. Was das matt schimmernde Gehäuse erwartungsgemäß nicht so gerne mag, sind feuchte Fingerabdrücke, die sich mit einem Lappen allerdings problemlos wieder entfernen lassen.

Der Verstärker steht auf vier kräftigen, vergleichsweise weichen Gummifüßen, die ihm auch auf glatten Oberflächen eine gute Rutschfestigkeit bescheren. Die beiden vorderen Füße übernehmen auch noch die Verankerungsfunktion eines ausklappbaren Bügels, mit dem man den Blackstar Super Fly in seinem Anstellwinkel leicht nach oben richten kann. Zudem befindet sich eine Mikrofonstativhalterung am Boden, um den Verstärker gegebenenfalls mit einem passenden Stativ in die Höhe zu befördern. Für diesen Betrieb muss allerdings ein externer Adapter erworben werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Übungsverstärkern arbeitet der Blackstar Super Fly mit zwei Stück 3 Zoll Lautsprechern und zwei entsprechenden Bassreflexöffnungen, die ebenfalls wie die Lautsprecher nach vorne abstrahlen und die, wie sich später im Test noch herausstellen sollte, einen deutlich höheren Bassanteil ermöglichen, als es die Optik vermuten lässt. Aufgrund dieser Konstruktion kann zu gespielter Musik auch in Stereo wiedergegeben werden.

Blackstar Super Fly Oberseite

Die Rückseite

Neben einem Kensington-Lock und der Anschlussbuchse für ein externes Netzteil macht insbesondere die XLR-Buchse rechts unten zusammen mit einem beigefügten Schieberegler auf der Rückseite des Gehäuses auf sich aufmerksam. Über diese Buchse kann man über ein XLR-Kabel ein zusätzlich, optisch und klanglich passendes Extension-Cabinet anschließen, womit der Blackstar Superfly zu einer mini 24 Watt Stereoanlage wird. Gesteuert wird der Gesamtklang ausschließlich über den Combo. Der Schieberegler sorgt dafür, dass ein Stereosignal entsprechend über die beiden Cabinets verteilt wird und nicht über die beiden intern verbauten Lautsprecher des Combos.

Blackstar Super Fly Anstellbügel

Der Verstärkerteil

Der Verstärkerteil inkl. aller Regler befindet sich auf der Oberseite des Gehäuses und ist zum Schutz der verschiedenen Regler etwas vertieft in das Gehäuse eingelassen. Zwei Kanäle ermöglichen die Verstärkung von vier unterschiedlichen Klangquellen. Über eine XLR/TRS-Kombibuchse können Line-Instrumente oder Mikrofone über Kanal 1 verstärkt werden. Kanal 2 ist mit einer Klinkenbuchse entweder für akustische oder elektrische Gitarren konzipiert. Die entsprechenden Presets werden mit jeweils einem Druckschalter am Kanal umgeschaltet. Zusätzlich kann man am zweiten Kanal per Druckschalter wählen, ob man lieber einen cleanen oder einen verzerrten Gitarrensound erzeugen möchte.

Beide Kanäle verfügen über einen separat zu regelnden Reverb-Regler, einen Volume-Regler und eine 2-Band-Klangregelung, bestehend aus Höhen und Bässen. Kanal 2 hat einen zusätzlichen Gain-Regler, um den Verzerrungsgrad der E-Gitarre entsprechend des persönlichen Geschmacks regeln zu können. Um weitere externe Klangquellen einzuspeisen, verfügt der Verstärker über eine Miniklinkenbuchse für Line- oder MP3-Signale. Ebenso kann der Verstärker per Kopfhörer stumm betrieben werden. Des Weiteren verfügt der Blackstar Super Fly über Bluetooth und erlaubt das Einspeisen von Übungsmusik über verschiedene Geräte.

Der Blackstar Super Fly in der Praxis

Überlegen wir uns doch zunächst einmal, wo man einen Verstärker wie den Blackstar Super Fly einsetzen kann.

1.) Persönlicher Übungsbereich: Es ist offensichtlich, dass Blackstar insbesondere das persönliche Üben im Fokus dieses Produktes hat. Die Bedienung des Amps ist extrem simpel, weder muss man sich durch digitale Menüs scrollen, noch verbringt man Unmengen von Zeit damit, sich durch unzählige Presets zu wühlen, die ohnehin gerade im Bedroom-Amp-Bereich meistens allesamt mäßig bis miserabel klingen. Gitarre einstecken, ein wenig Klangregelung, Verzerrungsgrad, fertig. Zum Songüben MP3 oder Bluetooth dazu, wenn die Freundin sich beschwert, Kopfhörer auf. As simple as that!

2.) Mikro-PA: Natürlich kann man mit 12 Watt keine Kick verstärken, aber um in der Fußgängerzone im Singer-Songwriter-Stil die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, reicht die Leistung allemal aus. Auch für einfache Ansagen reicht der Zwerg allemal aus, selbst ein leises Duo Gesang/Gitarre mit Band vom Smartpone gestreamt, kann man im einfachen Rahmen über den Blackstar Super Fly schicken.

3.) Warm-up Amp: Ein Einsatzbereich, der mich persönlich sehr interessiert. Meine Hauptcombo GRAVE DIGGER hat die Angewohnheit, jede Show mit dem Opener des aktuellen Albums anzufangen, wobei es sich meistens um eine Kloppernummer mit Angebersolo handelt. Warmspielen während der ersten beiden Nummern ist daher nicht möglich, somit muss dieser Bereich in die Garderobe verlegt werden. Reine Kopfhörerverstärker verfügen meistens nicht über Bluetooth und mir reicht schon die Kabelage des Inear-Systems. Hier noch zwischen 2 Ohrhörern 5 Minuten vor der Show zu wechseln, würde mich extrem nerven, von daher bedarf es eines möglichst kleinen, transportablen, gut klingenden und unabhängigen Amps, der mich unmittelbar vor der Show auf Betriebstemperatur bringt.

Besonderheiten

Kommen wir zunächst zu ein paar Besonderheiten des Amps. Der Blackstar Super Fly verfügt über ein internes Noisegate, das nicht kalibrierbar und vor allem auf dem Mikrofonkanal zu hören ist. Dieses schließt relativ hart bei sehr leisen Passagen, was nicht weiter wild ist, allerdings hört man das Schließen des Gates mit einem leichten Klickgeräusch. Im Eifer des Gefechtes ist dies auch nicht weiter störend, allerdings ist dies das erste Mal in meiner Laufbahn, dass ich das Schließen eines Gates höre.

Eine weitere Besonderheit ist die Auslegung der Lautstärke bzgl. der eingespeisten Instrumente. Man spürt deutlich, dass der Amp gemäß seines Herstellers primär für die Verstärkung von Gitarren gebaut wurde. Während man eine akustische Gitarre und insbesondere eine E-Gitarre vergleichsweise laut wiedergeben kann, ist die Leistung bei einem dynamischen Mikrofon deutlich geringer. Hier macht sich auch das Fehlen eines separaten Gain-Reglers bemerkbar, so dass ein Mikrofon immer mit einer latenten Fehlanpassung arbeiten muss.

Der Sound des Blackstar Super Fly

Jetzt aber zum Aushängeschild des Blackstar Super Fly. Schon öfters hat Blackstar mit kleinen Übungsverstärkern wie dem Fly 3 bzgl. des Klangs für erstaunte Gesichter gesorgt. Diese Eigenart lässt sich mit dem Blackstar Super Fly nahtlos fortführen. Es ist sehr beeindruckend, welche Lautstärke der Zwerg produziert und welche Klangqualität er aus den beiden nur 3 Zoll großen Lautsprechern holt. Die Höhenabsenkung für verzerrte Sounds wurde wirklich sehr geschmackvoll gewählt, wenngleich dies ein wenig zu Lasten der Spritzigkeit bei einer Akustikgitarre geht. Auch das Zuspielen von externer Musik klingt etwas belegt, aber wie gesagt, man muss Prioritäten setzen, die eindeutig (erwartungsgemäß) bei der E-Gitarre zu suchen sind.

Auch der Digitalhall wurde geschmackvoll gestaltet und fügt sich angenehm dezent in den Gesamtklang ein. In Sachen Verzerrungsgrad hält sich Blackstar einmal mehr dezent zurück, will heißen, man erreicht bei voll aufgedrehtem Gain einen ordentlich Leadsound, für extra High-Gain reichen die Reserven je nach Pickup allerdings nicht ganz aus, hier muss ggf. ein vorgeschaltetes Pedal Abhilfe schaffen.

Blackstar Super Fly im Einsatz

Fazit

Mit dem Blackstar Super Fly befindet sich ein sehr flexibler und für diese Größe herausragend klingender Übungsverstärker auf dem Markt. Aufgrund der 4 verschiedenen Eingangskanäle (2 parallel nutzbar) und das Zumischen externer Klangquellen über Miniklinke und Bluetooth hat man im Handumdrehen ein vollwertiges Übungs-Setup, mit dem man, insbesondere bei der Nutzung des zusätzlich erhältlichen Extension-Cabinets, auch kleinere Menschenansammlungen unterhalten kann. Unbedingt einmal antesten!

Plus

  • Klang
  • Flexibilität
  • Verarbeitung

Preis

  • 199,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    moinho

    Klasse find ich den Bezug zum Kuenstleralltag – „Kloppernummer mit Angebersolo“. Fein!

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