Französische Synths und Sampler mit Twists
Die französische Firma BLEASS bietet mit dem Everything Bundle ein starkes Plug-in-Paket an. Man arbeitete eng mit bekannten Künstlern zusammen, die tolle Preset-Packs erstellt haben, und zeigt zudem Affinität zu französischem Sound. Insbesondere nutzt mit Jean-Michel Jarre die vielleicht bekannteste Synthesizer-Ikone überhaupt BLEASS-Technologie für seine neueste generative Komposition EōN – und gibt auch bei der Plug-in-Entwicklung Impulse.
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- Was ist es? BLEASS Everything Bundle ist ein Synthesizer- und Effekt-Plug-in-Paket mit Fokus auf intuitive Bedienung und modernen Sound.
- Direkter Zugang: Alle Synths sind sofort spielbar – keine Einarbeitung oder Handbuch nötig.
- Starpower: Sounds und Features von Jordan Rudess & Jean-Michel Jarre inklusive.
- Kreativtools: Features wie Motion Sequencer oder Resampling eröffnen viele Sounddesign-Möglichkeiten.
- Installationsaufwand: Plug-ins müssen einzeln installiert und autorisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Grund genug, sich die Inhalte des Everything Bundles noch einmal genauer anzusehen, das zurzeit 26 Plug-ins umfasst. Diese lassen sich natürlich auch einzeln und zum Teil günstig kaufen. Im Test ließen sie sich auch als Demoversion laden und ohne Registrierung eine kurze Zeit lang nutzen. Der Sound im Demovideo des neuesten BLEASS-Effekt-Plug-ins „Tides“ klingt irgendwie französisch und erinnert mich an die Band „Air“. Der französische Künstler Canblaster entwickelte das Arpeggiator-Plug-in mit. Der Sounddesignprofi und Keyboarder Jordan Rudess, der einst mit David Bowie arbeitete, ist für die Entwicklung des Sample-Wiz-2-Samplers und einige Soundpacks verantwortlich.
Die BLEASS-Plug-ins zeichnen sich durch ein gut strukturiertes, attraktives und farblich schön gestaltetes Design sowie viele gute Presets aus. Die Benutzer-Interfaces sind selbsterklärend und das Design basiert auf für Touchscreens optimierten iOS-Varianten, die separat erwerbbar sind und dort standalone oder als AUv3 laufen. Der Austausch von Presets zwischen den iOS- und Computer-Varianten ist möglich.
Im Everything Bundle ist alles für den Computer enthalten (VST3-, AU-, AAX-Versionen), zudem alle Preset-Packs. Die iOS-Tools müssen separat erworben werden. Teil 1 unseres Tests behandelt sechs Instrumente/Synthesizer: Alpha, Monolit, Megalit, Omega, Sample Wiz 2 und Arpeggiator. Letzteres nimmt eine Sonderstellung ein, denn es funktioniert auch als MIDI-FX, z. B. in Logic. Teil 2 des Tests wird dann die Effekte des Bundles behandeln. Darunter ist mit „Side Kick“ auch noch ein Plug-in, das über eine interne Kick-Drum-Klangerzeugung verfügt.
Die Autorisation des Bundles im Account erfolgte via Code, anschließend lassen sich alle Plug-ins herunterladen, müssen aber einzeln autorisiert werden, was auf bis zu fünf Maschinen möglich ist. Zusätzlich sind Seriennummern für „Preset Packs“ freizuschalten, wobei im Bundle mehrere Packs zusammengefasst werden, die themenbezogen sind (z. B. „Funk“ für Alpha) oder sich auf Sounddesigner beziehen (z. B. Jordan Rudess).
BLEASS Everything Bundle Synthesizer
Gemeinsamkeiten und Basics
Alle Synths eignen sich mit ihren einfachen und intuitiven Interfaces gut zum Erlernen der Materie. Doch auch für Fortgeschrittene sind sie als leicht bedienbare Tools für den täglichen Einsatz und Performances geeignet. Man sieht den Plug-ins die Herkunft aus dem iOS-Bereich an und sie weisen einige Gemeinsamkeiten auf.

BLEASS Everything Bundle Plug-ins haben einen gut strukturierten Aufbau – hier der „General“ Tab von Alpha
Unten ist stets ein großes virtuelles Keyboard mit 128 Tasten sowie Pitch- und Mod-Wheels abgebildet, alles lässt sich auch via Maus oder Touchscreen nutzen. Zudem ist stets eine MPE-Ansteuerung möglich. Auf der BLEASS-Seite werden die Plug-ins gut erklärt, richtige Handbücher fand ich dort zwar nicht, aber das Meiste ist selbsterklärend. Verschiedene Ansichten sind jeweils über „Tabs“ erreichbar, von denen es – je nach Plug-in – unterschiedlich viele gibt. Typischerweise findet man Klangerzeugung, Filter, Motion Sequencer und FX als Tabs. Die Filtersektion bietet oft, aber nicht immer, vier typische Modi (LP, HP, BP und Notch, z. B. in Omega).
Meist gibt es zudem noch einen General-Tab (z. B. für Voice-Einstellungen und überall außer im Arpeggiator), manchmal einen Performance-Tab (für Echtzeitsteuerung von Parametern, in Megalit und Arpeggiator) oder eine Arpeggiator-Sektion. Letztere ist mitunter in den General-Tab integriert (z. B. in Megalit). In einem Performance-Tab weist man Quellen wie das Modwheel oder ein X/Y-Pad verschiedenen Parametern zu, manchmal sind solche Optionen aber auch im General-Bereich zu finden. Insgesamt ist alles gut „spielbar“ gestaltet.
Noch eine Gemeinsamkeit: Alle vorgestellten Instrumente verfügen über einen Motion-Sequencer in etwas variierenden Ausführungen. Dieser ist ein mächtiges Modulationswerkzeug mit 16 Abschnitten bzw. Steps, die jeweils verschiedene Kurvenformen annehmen können. Das erinnert ein wenig an NI Massive. Allerdings lassen sich zudem auch verschiedene Sync-Modi einstellen. So kann der Sequencer meist auch unabhängig von der DAW laufen, von Noten getriggert werden und Steps können sich wiederholen. Eine Step-Length von vier Takten bis zu 1/128 Note ist meist, aber nicht immer einstellbar. Steht sie auf „Off“, kann eine Option dafür sorgen, dass der nächste Step bei der nächsten gespielten Note erreicht wird.
Sounds lassen sich in einem einheitlichen, übersichtlichen Browser mit einer angenehm reduzierten Auswahl an Tags finden und mit Sternchen markieren. Hier sieht man auch schnell, welche Preset-Packs installiert sind, kann aber auch eine Liste aller Presets sichtbar machen. Das klappte im Test alles auf Anhieb und intuitiv.
Außerdem sind stets Undo/Redo und eine Randomize-Funktion zum zufälligen Verändern von Parametern integriert. Die Touchscreen-orientierte Bedienung der Hüllkurven ist grafisch etwas ungewöhnlich, aber dennoch gut verständlich.
BLEASS Arpeggiator
Wie der Name schon sagt, handelt es sich vor allem um einen Arpeggiator, der mit einem Delay ausgestattet ist. Diese Kombination bringt Canblaster im Demovideo mit Tangerine Dream in Verbindung. Ein einfacher FM-Synthesizer ist integriert, um beim Tweaking sofort Sound zu liefern. Das klappte im Test auch dann, wenn das Plug-in in Logic als MIDI-FX geladen wurde. In der Kategorie „Instrument“ tauchte es dort nicht auf. In Live ist Arpeggiator hingegen als VST3 und Instrument zu finden, das auch MIDI ausgibt.
„Arpeggio“ verfügt über einen Pattern-Bereich, der seinerseits eine Step-Länge und aktive Steps festlegt – sowie über einen Sequence-Bereich, der spezielle Play-Modi wie Walk Up, Climb Up, Trance 3, Morricone, Continue (inspiriert vom Sega Mega Drive) oder Debussy beherrscht. Im Sequence-Bereich lassen sich Note Repeats, Gate Length, Step Jump, Repeat, Octave und Note Offset einstellen. Es gibt weitere Sonderfunktionen wie spezielle Trigger-Optionen. In Kombination mit dem Motion-Sequencer ergibt das ein sehr mächtiges Arpeggiator-Tool. Einstellungen lassen sich auch vornehmen, während der Arp spielt.
Im Polyphony-Mode kann der Arp eine einstellbare Zahl von Noten gleichzeitig spielen, eine Bassnote tiefer setzen oder Noten spiegeln. Auf den Rat von Jean-Michel Jarre hin wurden noch Velocity-Parameter für den Arp eingebaut (Fixed, %, Randomness). Der Performance-Bereich bietet zwei integrierte X/Y-Pads und das Modwheel als Modulatoren, außerdem gibt es zwei integrierte LFOs.
Mit Hilfe von „Arpeggiator“ lassen sich auch sehr gut MIDI-Noten an ein modulares System senden, was in einem BLEASS-Video mit Hilfe von Ableton Live und Squarp Hermod+ demonstriert wird.
BLEASS Sample Wiz 2
Sample Wiz 2 wurde von Jordan Rudess konzipiert und wird z. B. über einen Sidechain-Eingang mit Audiomaterial versorgt, das sich dann mit einem großen Record-Button aufnehmen lässt. Alternativ kann man im Resampling-Mode den internen Klang (auch mit Effekten) resampeln. Natürlich gibt es auch bereits viele schöne mitgelieferte Presets zum Anspielen. Intern findet man neben Delay und Reverb auch eine Drive-Sektion. Das erinnert mich an die Optionen meiner wertgeschätzten Chompi-Sampler-Hardware, die ich so noch nicht in Software gefunden habe. Dieses einfache Aufnahme- und Sampler-Konzept finde ich besonders attraktiv. Beim Abspeichern von Presets wird das Sample mit in das Preset hineingeschrieben! Leider musste ich das erst selbst herausfinden – eine Dokumentation hierzu fand ich nicht.
Auch Granularsynthese ist integriert, wobei mir oft der pure Sample-Klang besser gefällt. Im Sample-Tab wird die Wellenform groß dargestellt. Es gibt die drei Abspielmodi Normal, Granular und Cloud sowie verschiedene Loop-Modi. Start- und Endpunkt sowie Loop-Klammer sind ebenso gut justierbar wie Gain, Tuning-Settings und andere Optionen (z. B. Reverse). Gut finde ich, dass drei Loop-Optionen (inklusive Forward/Reverse) für alle drei Abspielmodi beibehalten werden können.
Auch destruktives Editing via Crop ist möglich. Die Abspielgeschwindigkeit lässt sich grob und fein justieren oder im Granularmodus auch einfrieren. Insgesamt habe ich selten eine so überzeugende und vielseitig klingende Mischung aus Sampler und Granularsynth gehört, die zudem noch intuitiv bedienbar ist. Ab und zu verhielt sich das Plug-in im Test etwas anders als erwartet, z. B. bezüglich der Undo-Funktion – im Großen und Ganzen klappte aber alles gut.
Sample Wiz 2 ist stets nur auf Einzel- und nicht auf Multisamples ausgelegt. Vom Desktop lassen sich bis zu eine Minute lange Samples in die App hineinziehen. Nur ein Sample-Export als normale Audiodatei fehlt.
Es gibt drei Hüllkurven, zwei LFOs sowie eine Drive-Sektion im Filterbereich. Performance-Optionen sind im General-Tab zu finden. Der Sampler ist ein tolles Kreativtool, um im Handumdrehen aus einem Sample etwas ganz anderes zu machen (siehe auch mein verlinktes Video ganz unten).
BLEASS Alpha
Der Alpha-Synthesizer ist von analogen Vorbildern inspiriert. Er klingt nach klassischem Synth mit Wärme und Effekten. Besonders gut gefallen mir hier Synth-Pads oder Reese-Sounds. Auf der Oscillator-Page lassen sich drei Oszillatoren mischen. Die FX-Page zeigt Drive, Crusher, Tremolo, Delay und Reverb mit jeweils vielen Parametern – hier glänzt Alpha besonders. Die beiden Filter bieten je vier Modi und eine Predrive-Vorverzerrung. Es kann hier also auch ordentlich zerren. Auf einer Modulation-Page können zwei LFOs und eine Hüllkurve Modulationszielen zugewiesen werden. Der Motion-Sequencer hat 16 Steps und Random-Optionen. Er lässt sich – wie üblich – verschiedenen Zielen zuordnen. So beherrscht Alpha auch jede Menge bewegliche und rhythmische Sounds und ist ein klassischer Allrounder.
BLEASS Megalit
Megalit wirkt wie einer der umfangreichsten BLEASS-Synths mit zusätzlichen Optionen, etwa einer Performance-Page. Dort sind die Parameter Modwheel, Key, Note On, Slide, Pressure, Note On und X/Y-Pad nutzbar, um Zielparameter zu modulieren. Die Klangerzeugung basiert auf zwei Wavetable-Oszillatoren (inklusive stattlicher 135 Wavetables) mit Position und Fold, einem dritten Standard-Oszillator plus einer Noise-Sektion. Diese werden nicht via Mixer zusammengemischt, sondern haben eigene Gain-Regler. Man kann durch die Wavetables fahren und sie stauchen.
Spannend ist auch eine Unison-Option pro Oszillator (!), die im Tab General zu finden ist – ebenso wie der Arp. Wavetables lassen sich auch importieren. Die Drive/Filt-Sektion verfügt über Waveshaper, Crusher, High Pass und Low Pass sowie Filter-Routing-Optionen. Ein Multiband-Kompressor mit Upward- und Downward-Compression ist ebenfalls integriert, der den Klang extrem verdichten und modern klingen lassen kann.
BLEASS Monolit
Monolit kommt im Vergleich zu den beiden vorherigen Synths reduzierter daher. Wir finden nur drei Tabs und den typischen Aufbau eines Mono-Synthesizers. Wie der Name schon verrät, ist der Sound auf einstimmige Wiedergabe ausgelegt. Monolit überrascht und überzeugt mich bereits beim Anspielen des ersten Tons ganz besonders – es klingt hier erstaunlich dreckig, trocken und analog. Das hat sicher auch mit dem Drive-Parameter im Filter zu tun; sonstige Effekte gibt es hier nicht.
Im ersten Oszillator lassen sich vier Schwingungsformen mischen, im zweiten wird zwischen Schwingungsformen überblendet und das Ergebnis wird gut sichtbar angezeigt. Eine FM-Komponente ist ebenfalls in die Klangerzeugung integriert. So sind schnell auch etwas schrägere, unharmonischere Klänge möglich. Es gibt ein Filter, einen etwas komplexeren LFO und eine Hüllkurve, jeweils mit den bekannten Zuweisungsoptionen für Modulationsziele.
Besonders Bass-Sounds und/oder das Rusty-Machines-Soundpack der Synth-Entwickler überzeugen mich – etwa der „Screaming Sub“, der nach einem typischen, leicht disharmonischen D&B-Bass der jüngeren Generation klingt. Aber es gibt auch Reminiszenzen an klassische analoge Klänge. Ein MPE-Soundpack ist ebenfalls dabei.
BLEASS Omega
Omega präsentiert sich als ausgewachsener FM-Synth mit vier Operatoren, elf Algorithmen (die links gewählt werden können), zwei LFOs und über 160 Presets. Jeder Operator hat seine eigene Hüllkurve, wie auf dem Bild zu sehen ist. Chorus, Tremolo, Delay und Reverb sind als FX enthalten.
Eine Besonderheit für einen FM-Synth ist der Waveshaper mit neun Alternativmodi und Drive in der Filtersektion, mit dem sich die Sounds sehr speziell verzerren lassen. Das steht den FM-Sounds hier besonders gut zu Gesicht. Modulationsoptionen und der Arp sind hier auf der General-Page „versteckt“.
Mir gefallen bei Omega besonders die FX-Sounds – es lohnt sich, hier auch mal den Randomize-Button zu drücken. Omega ist ein besonders gutes Tool, wenn man ungewöhnliche Sounds generieren möchte, kann aber freilich auch mehr und macht FM-Synthese übersichtlich und gut bedienbar.
Begleitendes Video
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Monolit habe ich sofort auf das iPad geladen, als ich ihn sah. Endlich maximalen Raum für Bedienungselemente, kein Schnickschnack wie glänzende Potiknöpfe, selbstverständlich keine Holzseitenteile (sorry, musste sein). Er hat gute Klänge und beim Lesen dieses Artikels fiel mir auf, ich sollte ihn öfter einsetzen.
Dass jetzt einige Hersteller Bundles anbieten, ist nachvollziehbar. Nur für mich uninteressant.
@Tai Dass es solange dauert bis die Programmierer sich von den Fotorealistischen Darstellungen mal verabschieden und zu einem angenehmen und intuitiven Userinterface übergehen (wie etwa auch Valhalla)… viel zu selten.
@Llisa stimmt. bei Betriebssystem schon seit mehr als 10 Jahren 😎
Ja, da sollte man auch Ableton Lob aussprechen. Nach Pro 53 (gefühlt einer der ersten, hiess zuerst auch anders 52?) ging das ewig so weiter, Ableton hat schon 2001 dagegen gehalten. Das rechne ich denen hoch an, auch wenn ich die DAW selten verwende